[Rezension] „Lebensgeister“ von Banana Yoshimoto

Ich habe bisher schon viel über Banana Yoshimoto gehört und gelesen, doch tatsächlich war „Lebensgeister“ mein erstes Werk von ihr und es konnte mich gleich überzeugen. (Dank Vorablesen durfte ich es schon vor dem eigentlich geplanten Veröffentlichungstermin lesen und rezensieren, falls ihr euch wundert!)

Das Cover des Buches ist im für den Diogenes Verlag typischen Stil gehalten, neutral-weiß mit quadratischem Bild, passend zum jeweiligen Inhalt. Mir persönlich gefällt das minimalistische Design der Bücher sehr und hier finde ich es besonders gelungen.

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„Lebensgeister“ beginnt mit einem Zitat des Liedes „Lover Lover Lover“ von Leonard Cohen, sowas kann mich immer begeistern. Da hat man sogleich einen roten Faden und steckt von Anfang an in der Geschichte drin. Gerade, weil Yoshimoto dieses Lied im Buch wirklich immer mal wieder aufgreift. In „Lebensgeister“ geht es um die junge Sayo, die mit ihrem Freund Yoichi einen schweren Autounfall hat, welcher dabei ums Leben kommt. Während sie sich noch im Auto befindet hat Sayo eine Nahtod-Erfahrung, in der sie mit ihrem Großvater spricht und welcher sie zurück ins Leben schickt. Allerdings ist das Leben jetzt alles andere als einfach. Ihr Freund ist tot, sie selbst schwer verletzt, ihr Gesicht nicht mehr dasselbe. Sayo zieht zurück zu ihren Eltern und findet sich allabendlich in einer Kneipe wieder. Es ist nicht so, wie man jetzt vermuten könnte, nein, Sayo betrinkt sich nicht besinnungslos, aber die Bar wird eine Art Zuflucht für sie. Sie gibt sich nicht auf, aber trotzdem hängt sie zwischen Leben und Tod fest. Denn Sayo hat zwar den Unfall überlebt, aber Yoichi und damit ihre Zukunft nicht. Nun tauchen immer mal wieder Gestalten auf, die Lebensgeister, die sie auf recht unterschiedliche Art und Weise zurück ins Leben führen.

Yoshimotos Schreibstil ist klug, emotional und doch soweit distanziert, dass es nicht zu gefühlslastig wird. Sie berichtet mit einer poetischen Kraft, die ich wunderschön finde, davon, wie es ist, sich ein Leben neu aufbauen zu müssen. Die „Lebensgeister“ helfen Sayo dabei, doch können sie bei jedem anders sein. Manchmal ist es die Familie, manchmal sind es Freunde, manchmal auch völlig Fremde oder alle zusammen, die einem dabei helfen, zurück ins Leben zu finden. „Lebensgeister“ lässt sich daher lesen wie ein wunderschöner Traum, aus dem man nicht aufwachen möchte.

Diogenes Verlag ab dem 28.09.2016 / 160 Seiten / weitere Informationen hier

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