[Rezension] ‚Hag-Seed‘ von Margaret Atwood

‚Where there are boos, there’s life!‘

Margaret Atwood, die Queen der Moderne, und Shakespeare, der King der Klassiker, vereint in einem gemeinsamen Werk. Kann das gut gehen? Anlässlich Shakespeares 400. Todestag und im Rahmen der Hogarth Shakespeare – Reihe entstand Atwoods neuestes Werk ‚Hag-Seed‘ als Neuinterpretation Shakespeares ‚The Tempest‘ (Der Sturm) und reiht sich damit nach Jeanette Winterson, Howard Jacobson und Anne Tyler in die Riege der modernen Shakespeare-Adaptionen ein.

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Felix hat beruflich alles, was er sich erträumen kann. Er ist künstlerischer Leiter des ‚Makeshiweg Theatre Festival‘ und dort sehr erfolgreich. Sein nächstes und wichtigstes Ziel ist es ‚The Tempest‘ aufzuführen, da er hofft, damit seine persönlichen, emotionalen Wunden heilen zu können. Doch er wird betrogen und verliert alles, was ihm etwas bedeutet hat. Allem voran: ‚The Tempest‘. Nach einer langen Zeit im selbstgewählten Exil, beginnt er Rachepläne zu schmieden und diese nehmen immer mehr Gestalt an, als er eine neue Arbeit als Literatur- und Theaterlehrer in einem Gefängnis annimmt. Dort bietet sich ihm durch einen unverhofften Zufall die Möglichkeit, seine Rachepläne in die Tat umsetzen zu können, doch werden dadurch seine emotionalen Wunden geheilt werden können?

Spannend und bemerkenswert ist, neben Atwoods großartiger Sprache, ich kann es nur betonen, die Verknüpfungen zum ursprünglichen Theaterstück, welche die Autorin immer wieder deutlich erkennen lässt. Sie lässt Figuren aus ‚The Tempest‘ durch andere Personen in ‚Hag-Seed‘ wieder aufleben und gibt ihnen dort einen modernen Anstrich inklusive Klang und Aussehen.

Das Theater- im-Theater-Motiv ist sicherlich nicht neu, aber dafür arbeitet Atwood es sehr gut aus. Sie bleibt nicht stur bei alten Theorien, sondern bindet munter Musik, Film, Tanz und soziale Netzwerke mit ein. Selbstverständlich darf auch nicht das verstörende, etwas mystisch oder leicht verrückt anhauchende Moment fehlen.

‚Hag-Seed‘ ist mit Sicherheit gut zu verstehen, wenn man ‚The Tempest‘ nicht kennt, allerdings werden dann einige Passagen etwas schwieriger nachvollziehbar und mitunter macht es vielleicht auch nicht so viel Spaß, wenn man die Doppeldeutigkeiten nicht gleich oder gar nicht erkennt. So ging es mir jedenfalls. Durch die sehr stark gewollte Verbindung zu ‚The Tempest‘ leiden die Figuren aus ‚Hag-Seed‘ leider etwas in ihrer Darstellung. Sie werden zwar vorgestellt, aber doch zum Teil nicht richtig ausgearbeitet. Man würde gerne mehr über sie erfahren, aber das liegt wohl nicht im Interesse des Buches. Auch das Ende kommt mehr so lapidar daher. Dennoch hatte ich viel Spaß beim Lesen und bin immer noch begeistert von Atwoods Einfallsreichtum und ihrer schriftstellerischen Genialität! Für Atwood sowohl Shakespeare Fans eine absolute Empfehlung.

Weitere Eckdaten: Hogarth Shakespeare (Penguin Random House UK) – 320 pages

3 Kommentare zu „[Rezension] ‚Hag-Seed‘ von Margaret Atwood“

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