[Rezension] „Gestorben wird immer“ von Alexandra Fröhlich

„Gestorben wird immer“ von Alexandra Fröhlich ist ein kluger, unterhaltsamer, aber auch mit tragischen Momenten verknüpfter (Familien-)Roman, der sowohl Zeitgeschichte als auch persönliche Einzelschicksale einfängt.

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In drei verschiedenen Zeitsträngen und über drei Generationen hinweg wird die Geschichte der Familie Weisgut erzählt. Allen voran das „Familienoberhaupt“ Agnes Weisgut, die lange den familieneigenen Steinmetzbetrieb Weisgut & Söhne betrieben und im Hinblick auf ihre mittlerweile 91 Jahre so einiges erlebt hat. Darunter auch Familiengeheimnisse, die sie jetzt nicht mehr für sich behalten kann und mag. Darum trommelt sie mit Hilfe von Birte, eines ihrer Enkelkinder, alle Familienmitglieder, egal ob zerstritten oder nicht, zusammen, um reinen Tisch zu machen.

In dem zeitlich frühesten Erzählstrang blickt Agnes zurück auf den Anfang ihrer eigenen Geschichte. Sie wächst zur Zeit des zweiten Weltkrieges auf, wird früh verheiratet und hat nicht nur mit ihrem Ehemann zu kämpfen, sondern auch mit ihrer tyrannischen Schwiegermutter. Schon früh erkennt sie, dass sie für ihre Lieben (vor allem ihre Kinder) stark sein und kämpfen muss, egal mit welchen Mitteln. Das führt dazu, dass sie Schuld auf sich lädt – mehr als nur ein Mal. Immer wieder sieht sie sich neuen Herausforderungen (nicht nur dem Krieg, auch allem Fürchterlichen, was dieser mit sich bringt) gegenüber, welche sie bewältigen muss.

Der zweite Erzählstrang befasst sich mit den nachfolgenden Generationen, Agnes Kindern und Enkelkindern. Auch hier ist viel passiert. Agnes Tochter Martha, die aus Gründen, die wir noch erfahren werden, etwas „wunderlich“ ist, verlässt ihren Mann und ihre Kinder Birte und Peter. Ein Schock, der sich tief in die Seelen aller drei frisst und ihr Verhalten wesentlich beeinflusst. Und dann gibt es da noch „Die Sache mit Astrid“..

Im dritten Erzählstrang befinden wir uns im hier und jetzt (also laut Buch in 2008), in dem die große Zusammenführung stattfinden soll. Birte, die mittlerweile eine erfolgreiche, aber auch seelisch angeschlagene Frau geworden ist, soll Agnes bei der Familienvereinigung helfen. Sie soll ihren Vater und ihre Onkel,die zum Teil zerstritten sind und auch ihre eigene Mutter Martha, die sie schon über Jahre hinweg nicht mehr gesehen hat, dazu bringen, sich für das Wiedersehen zu vereinen. Keine leichte Aufgabe.

Alexandra Fröhlich erzählt gut nachvollziehbar eine Geschichte, die so auch wirklich hätte passiert sein können. Sie verknüpft gekonnt die einzelnen Erlebnisse der Familienmitglieder mit dem zeitgeschichtlichen Hintergrund und schafft es den Leser trotz der verschiedenen Erzählsträngen nicht zu verwirren, sondern, im Gegenteil, dadurch erst die Geschichte zu entwirren. Der Sprachstil ist den jeweiligen Erzählsträngen angepasst und leicht verständlich, an manchen Stellen missfällt mir allerdings die Wortwahl. Auch fehlt es mir an ein paar Stellen der Geschichte an Tiefe. Dafür sind die Personen sehr sympathisch gezeichnet. Ganz besonders Agnes als stures, eigenwilliges Familienoberhaupt, die trotz harter Schale ein ziemlich großes Herz hat und Birte, Agnes nicht unähnlich, die so früh ohne Mutter zurückblieb und daher lernen musste, auf sich selbst aufzupassen und dadurch einen enormen Willen und Ehrgeiz entwickelt hat.

Alles in allem ist Alexandra Fröhlich ein sehr schöner Familienroman gelungen, der mich aufgrund seiner Geschichte und der sympathischen Personen überraschen und überzeugen konnte.

Penguin Verlag – ca. 336 Seiten – ISBN: 978-3-328-10001-0

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