[Rezension] „Die Geschichte eines neuen Namens“ von Elena Ferrante – Teil 2 der Neapolitanischen Saga

Das #FerranteFever ist wieder da und breitet sich stärker aus als zuvor! In Band zwei der Neapolitanischen Saga, „Die Geschichte eines neuen Namens“, wird endlich die Geschichte von Lina und Elena aus „Meine geniale Freundin“ fortgesetzt (vielen herzlichen Dank an den Suhrkamp Verlag für die freundliche Zusendung eines Vorab-Exemplares) und gleich vorweg: Es handelt sich um eine relativ allgemein gehaltene, „spoilerfreie“ Rezension, damit ihr sowohl Teil eins als auch Teil zwei (wer es noch nicht getan hat) völlig unverfänglich lesen könnt! Auch in Band zwei geht es wieder um Freundschaft, Liebe, Familie, Verrat, Rivalität, Bösartigkeit, Glück und Pech. Allerdings befinden wir uns nicht mehr im Neapel der fünfziger, sondern ein Jahrzehnt weiter, der sechziger Jahre. Lina und Elena sind dabei, ihrer Kindheit und Jugend zu entwachsen und zu eigenwilligen Frauen, die dem Elend ihres Viertels entfliehen wollen, zu werden. Jede der beiden versucht ihren eigenen Weg zu gehen, sowohl beruflich als auch familiär, was nicht immer einfach ist. Lina als „Senora Carracci“ und Elena als fleißige Schülerin/Studentin. Sowohl Lina als auch Elena kommen immer wieder vom Weg ab, müssen sich neuen Widerständen in Form von Männern, Kindern, Familien und Gerede gegenüberstellen und dabei lernen, sich selbst zu behaupten und ihre eigenen Ziele, egal, was andere denken und sagen, zu verwirklichen. Das ist in der heutigen Zeit schon nicht einfach, aber im Neapel der sechziger Jahre, in der Frauen recht wenig (wenn auch schon mehr als vorher) zu bestimmen hatten, schwierig bis unmöglich. Linas und Elenas Freundschaft wird immer wieder auf die Probe gestellt und schwankt, wie auch schon in Band eins, permanent zwischen inniger Liebe und tiefstem Groll hin und her. Wird ihre Freundschaft den bitteren Kampf um die eigene Identität standhalten können?

img_6267

„Die Geschichte eines neuen Namens“ von Elena Ferrante beginnt zunächst mit einer siebenseitigen Einleitung der Personen und einer Zusammenfassung der bisherigen Handlung, welche sprachlich einfach, aber dafür sehr verständlich gehalten ist. Um sich wirklich in Geschichte und Personen einfühlen zu können, reichen diese Seiten nicht aus, dennoch sind sie sehr hilfreich, um dem Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen (sollte es mit dem Lesen von Band eins schon etwas länger her sein) oder auch mal zwischendurch (sollten einen die vielen ähnlich klingenden Namen und Spitznamen doch mal verwirren).

Auch in Band zwei ist Elena die Erzählerin, die aus ihrer Perspektive die Geschehnisse schildert und die wir durch alle Höhen und Tiefen begleiten dürfen. Zu Beginn des Buches erhält Elena acht Schreibhefte von Lina, in welcher diese ihre Gedanken zum Rione, zu den darin lebenden Menschen und ihrem eigenen Leben festhält. Dies ermöglicht es Elena dem Leser auch an Linas Gedanken- und Erlebniswelt teilnehmen zu lassen (ein raffinierter Schachzug der Autorin). Auch im späteren Verlauf tauchen diese Hefte immer mal wieder auf und der Leser erfährt weitere Details zum Entstehen der Hefte und zu dessen Inhalt. Diese Hefte und auch die sich darin befindende Erzählung „Die blaue Fee“, welche bereits in Band eins eine wichtige Rolle spielte, sind sozusagen der Leitfaden der Geschichte.

Sprachlich ist das Buch gut, jedoch nicht herausragend, dafür aber dessen Inhalt und darin enthaltene zwischenmenschliche Aspekte. Ich habe selten ein Buch so intensiv gelesen, sodass ich wirklich praktisch zwischen den Buchseiten gefangen mitfiebere (da ist es wieder, das Ferrante-Fieber!), mit den Figuren mitleide, sie anfeuere, beglückwünschen oder auch schimpfen möchte. Das ist es auch, was das Buch oder besser gesagt die ganze Neapolitanische Saga zu etwas Besonderem macht. Auch wenn ich nicht behaupten kann, noch nie ein so literarisch hochwertiges Buch gelesen zu haben (denn das habe ich), kann ich doch guten Gewissens sagen, dass ich selten so mitgefiebert habe und selten so unbedingt weiterlesen wollte, wie es hier der Fall ist. Die Geschichte von Lina und Elena besticht vor allem durch ihre Dynamik, den Leser erschütternd zurücklassende Ereignisse und – ich wiederhole mich – das Mitfiebern. Lina und Elena, das ist eine Freundschaft, die wir so schnell nicht vergessen werden können (und dank zwei weiterer Folgebände zum Glück auch noch nicht müssen)!

hier durch das Ferrante-Fever klicken

Aus dem Italienischen von Karin Krieger – Suhrkamp Verlag – 624 S. – ISBN: 978-3-518-42574-9

 

1 Kommentar zu „[Rezension] „Die Geschichte eines neuen Namens“ von Elena Ferrante – Teil 2 der Neapolitanischen Saga“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s