[Rezension] „Die Liebe unter Aliens“ von Terézia Mora

Manchmal liegt ein Buch aus unbestimmten Gründen länger als beabsichtigt auf dem „Noch-zu-lesen-Stapel“, dann schlägt man die erste Seite auf, liest ein paar Zeilen und fragt sich: „Verdammt, wieso habe ich so lange gewartet?“ – So geschehen mit „Die Liebe unter Aliens“ von Terézia Mora.

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„Die Liebe unter Aliens“, das ist ein Buchtitel, der mich sofort anspricht. Ein wenig schräg, eher unkonventionell und irgendwie magisch anziehend. Doch nicht nur das, Terézia Mora ist eine Autorin, die mich mit so ziemlich allem begeistern kann, was sie veröffentlicht – und für „Das Ungeheuer“ erhielt sie 2013 sogar den Deutschen Buchpreis. Nicht immer ein Gütesiegel, aber in diesem Fall schon. Auch für ihren Erzählband „Seltsame Materie“ ist Mora bekannt und mit „Die Liebe unter Aliens“ legt sie einen weiteren, soghaft wirkenden Band voller Erzählungen über Einsamkeit und Hoffnung vor.

Insgesamt enthält das Buch zehn Erzählungen mit eindrucksvollen Titeln wie „Fisch schwimmt, Vogel fliegt“, „Perpetuum mobile“, „Ella Lamb in Mulligar“ oder „Selbstbildnis mit Geschirrtuch“. Alle Figuren in Moras Erzählungen sind irgendwie, irgendwo durch irgendwas auf der Suche. Sie sind noch längst nicht angekommen in ihrem Leben, in dem, was sie erreichen wollen oder bei der Person, die sie lieben und wirken zum Teil verloren, aber doch voll Hoffnung. Das ist das schöne an diesen Erzählungen, so traurig und einsam die Personen auch wirken, am Ende winkt doch allen ein Hoffnungsschimmer, mag er auch noch so klein sein.

Da gibt es zum Beispiel die junge Mutter Ella, die nach etlichen beruflichen Fehltritten als Fotografin in Berlin lebt und sich dort gerade so durchkämpft. Sie hat Stress mit ihrem Chef, weil sie oft völlig übermüdet und verkatert am Arbeitsplatz auftaucht, Stress mit sich selbst, weil sie ihren eigenen und den von außen an sie herangetragenen Ansprüchen nicht genügt und Stress mit ihrer Mutter, die zu Hause, ein paar Stunden Zugfahrt entfernt, auf ihren kleinen Sohn aufpasst – und eigentlich möchte Ella doch nur alles richtig machen. Nicht nur für sich, sondern vor allem für ihr Kind. – In einer anderen Erzählung kämpft ein Nachtportier mit sich und seinen Gefühlen seiner Halbschwester gegenüber, die diesen Kampf nicht einmal ahnt. – Und dann gibt es da noch den Vater, der einzig für seinen Sohn lebt, welcher er nur an Besuchswochenenden sehen darf. – Oder das Künstlerpaar, das am Abgrund, am Rande der Gesellschaft lebt und letztlich durch ihre Liebe an Zuversicht gewinnt.

All diese Figuren scheinen verloren zu sein, aber doch geben sie ihre Suche nach Freundschaft, Liebe und Glück nicht auf – und das sollten wir alle nicht tun.

Es ist wunderbar, wie Mora ihre Figuren zugleich hart und weich zu zeichnen vermag und erstaunlich, wie viel Ausdruckskraft in ihren Worten liegt, selbst wenn diese noch so leise zu sein scheinen. Auch wenn mich nicht alle Erzählungen restlos begeistern konnten, so haben es dafür andere doppelt getan. Ich bin mir sicher, dass „Die Liebe unter Aliens“ zu so einem Buch wird, welches ich immer mal wieder aus dem Regal nehmen werde, um mir die ein oder andere Geschichte durchzulesen. Einfach so. Für mich. Zum Durchatmen. Um Hoffnung zu schöpfen und den Figuren erneut ganz nah zu sein.

Luchterhand Literaturverlag – 272 Seiten – ISBN: 978-3-630-87319-0

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