[Rezension] Neuerscheinung im Januar – „Elefant“ von Martin Suter

Der neue Roman „Elefant“ von Martin Suter ist endlich im Diogenes Verlag erschienen (an dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an diesen tollen Verlag für die Zusendung eines Vorab-Leseexemplars!) und bezaubert mit einem kleinen, rosafarbenen Elefantenwunder der Gentechnik. Ein modernes Märchen über das, was wirklich zählt.

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Die Hauptrolle in der „Elefant“ kommt sicherlich, logisch, dem titelgebenden rosaroten Elefanten zu, der sogar im Dunkeln leuchten kann. Wie aus dem Nichts taucht dieses kleine, scheinende Geschöpf vor Schoch, einem Obdachlosen, in dessen verlassener Höhle auf und bezaubert ihn auf Anhieb. Doch woher kommt diese Miniaturausgabe eines grauen Riesen in zartrosa Marzipanhautoptik und welchem Zweck dient es?

Der „Elefant“ besteht aus drei Abschnitten, wobei der Leser im ersten Teil in die Geschichte um den Elefanten eintaucht und selbst nicht weiß, was genau überhaupt passiert ist. Langsam lernt er alle beteiligten Personen kennen. Schoch und die Tierärztin Valerie als Elefantenretter, den Genforscher Roux als maßgeblich beteiligten an dessen Existenz und den burmesischen Elefantenflüsterer Kaung, der sein Herz am rechten Fleck hat und ebenfalls als kleiner rosa Elefantenretter zu gelten hat. Im zweiten Teil erfährt der Leser rückblickend, wie es zur Erschaffung des Elefanten kommen konnte und wieso dieser letzten Endes in Schochs Höhle steht und eine Butterblume futtert. Der dritte Teil setzt wieder am 12. Juni 2016, dem Tag X der Schoch-Elefanten-Zusammenführung, ein und führt die Geschichte fort, die zwischen Teil eins und zwei unterbrochen wurde.

„Elefant“ ist ein zauberhafter Roman, nicht alleine, aber vor allem, des rosa Elefanten wegen. Ich persönlich habe ihn, ebenso wie Schoch, Valerie, Kaung und zahlreiche andere, sofort in mein Herz geschlossen. Noch dazu schafft es Suter den Kleinen so fantastisch zu beschreiben, dass man dieses Geschöpf praktisch vor sich leuchten sieht. Gleichzeitig kritisiert der Autor, versteckt, aber vorhanden den kommerziellen Wert von Wissenschaft und Gentechnik, der heute zum Teil über dem individuellen Wert eines Einzelnen (ob Mensch oder Tier) steht. Im Roman repräsentieren der Genforscher und sein Gefolge den die-Gesetze-der-Natur-missachtenden-Part, also die „Unmenschlichkeit“, wohingegen Schoch, Valerie und Kaung für „Menschlichkeit“ (oder auch „Tierlichkeit“) einstehen – ein schöner und wichtiger Punkt.

Suter schafft es immer wieder mich zu überraschen. Er greift aktuelle Themen auf und verwandelt sie in magische, wunderbar zu lesende, aber auch nachdenklich machende Geschichten. In manchen seiner Romane steht mir jedoch „die Frau“ als Motiv, als Grund für den männlichen Protagonisten zu handeln zu sehr im Vordergrund. Das ist hier nicht so. Ok, man könnte sagen, dass der Elefant in diesem Roman die Rolle der Frau einnimmt, aber dennoch entspannt sich auch eine zarte Liebesgeschichte zwischen Schoch und Valerie, die nicht im Vordergrund steht.. Die ganze Zeit über bleibt der Elefant das Leitmotiv und alle Gedanken, alle Geschehnisse entwickeln sich um ihn herum. Ich kann „Elefant“ nur jedem ans Herz legen, der gerne mal aus dem Alltag abtauchen möchte, an kleine Wunder glaubt und das Leben als solches erkennt, was es ist: Nämlich wunderbar, erstaunlich und voll schöner Begebenheiten – mit und ohne rosa, im dunkeln leuchtende Miniaturelefanten (der steht nämlich getrost für jedes erdenkliche Wunder, egal welches man gerade so in seinem eigenen Leben braucht!)

Diogenes Verlag – 352 Seiten – ISBN: 978-3-257-06970-9

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