[Lesemonat] Januar und Februar 2017

Da ich es leider im Januar nicht geschafft habe, hier meinen Lesemonat online zu stellen, hole ich das gleich mal mit dem Februar zusammen nach.

Lesemonat Februar 2017
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Im Februar habe ich – entgegen meiner Erwartungen – doch recht viele gute Bücher
gelesen. Mein persönliches Highlight? ‚Ellbogen‘ von Fatma Aydemir. Kann ich wirklich jedem empfehlen, der gerne mal wieder etwas Feuer beim Lesen spüren möchte. Ich habe das Buch fast in einem Rutsch durchgelesen, da ich einfach nicht mehr aufhören konnte. Die Geschichte um Hazal hat mich so dermaßen gefesselt, solch ein Lesegefühl hatte ich wirklich schon lange nicht mehr. Ein weiteres Lesehighlight des Februars ist ‚Das geträumte Land‘, eine wirklich tolle, authentische und mit wunderbarer Erzählkraft geschriebene Geschichte um einen afrikanischen Immigranten in Amerika (mehr gibts hier). Etwas enttäuscht war ich von Margaret Atwoods ‚Die steinerne Matratze‘. Es ist zwar einfallsreich und grandios geschrieben wie immer, aber nicht alle Erzählungen konnten mich überzeugen und irgendwas fehlte mir darin. Auch ‚180 Grad Meer‘ von Sarah Kuttner fand ich eher fad, obwohl ich mir so viel von der Geschichte erhofft hatte.

T.C. Boyle – Hart auf hart

Monsters – Emerald Fennell

Ellbogen – Fatma Aydemir

Die steinerne Matratze – Margaret Atwood

Geister – Nathan Hill

Das geträumte Land – Imbolo Mbue

180 Grad Meer – Sarah Kuttner

Realitätsgewitter – Julia Zange

Lettipark – Judith Hermann (Hörbuch)

Im Schatten unserer Wünsche – Jeffrey Archer

Lesemonat Januar 2017

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Persönliche Lesehighlights im Januar 2017 waren die beiden Hischmanns, der ‚Elefant‘
und ‚Die Terranauten‘. Alle vier Bücher konnten mich überraschen und durch ihren innovativen Ideenreichtum überzeugen. Ein wenig enttäuschend hingegen empfand ich ‚Das Haus in der Nebelgasse‘, was ich mir wirklich anders und weitaus spannender vorgestellt hatte sowie ‚3000 Euro‘, welches ich zwar als sehr gut, aber nicht herausragend bezeichnen würde (zu hohe Erwartungen?).

 

Honig – Ian McEwan

Elefant – Martin Suter

Die Blumen von gestern – Chris Kraus

Der begrabene Riese – Kazuo Ishiguro

Das Umgehen der Orte – Fabian Hischmann

Am Ende schmeißen wir mit Gold – Fabian Hischmann

Die Geschichte eines neuen Namens – Elena Ferrante

Die Terranauten – T.C. Boyle

3000 Euro – Thomas Melle

Das dunkle Herz des Waldes – Naomi Novik 

Das Haus in der Nebelgasse – Susanne Goga

Meine geniale Freundin – Elena Ferrante (Hörbuch)

Sofern ich es geschafft habe, eine Rezension auf den Blog hochzuladen, gelangt ihr zu dieser mit einem Klick auf den jeweiligen Buchtitel und zugehörigen Autor. Anderenfalls dürft ihr gerne auf Goodreads oder Instagram vorbeischauen (paper.and.poetry), da gibt es häufig viele kurze Zusammenfassungen, Meinungen und Updates zu meinem ‚Lesestatus‘. Ich freue mich!

[Versatile Blogger Award]

Ich wurde von der lieben pialalama für den ‚Versatile Blogger Award‘ nominiert, worüber ich mich natürlich sehr freue! Bisher wurde ich noch nie nominiert und – ganz ehrlich- habe auch gar keine Ahnung, wie sowas abläuft. Es scheint aber eine wunderbare Möglichkeit neue Blogger kennenzulernen und noch dazu ganz einfach zu sein:

  1. Danke dem Blogger, der/die dich nominiert hat.
  2. Verrate sieben Fakten über dich.
  3. Nominiere andere Blogger.

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Sieben – mehr oder weniger interessante – Fakten über mich:

  1. Ich habe ein Kartoffelherz. Pommes gehen also immer und zählen für mich zum Soulfood. Genauso aber auch Ofenkartoffeln, Pellkartoffeln, Bratkartoffeln, Chips… Eh. Ja. Ladet mich auf eine Portion Fritten mit Erdnusssauce ein und euch gehört mein Kartoffelherz!
  2. Humor in sämtlichen Formen ist für mich eine der wichtigsten Eigenschaften überhaupt. Man darf das Leben nicht immer gar so ernst nehmen.
  3. E-Mails, SMS, Whatsapp etc. ersetzen mir nicht die guten alten Briefe und Postkarten. Ist doch viel schöner und persönlicher, so ein hangeschriebener Gruß!
  4. Ende der 80er geboren bin ich ein original 80s/90s Kid mit allem, was dazugehört. Backstreet Boys, Clarissa, Plastikketten, Plastikschnuller, Bravo Hits, Tamagotchi, Furby, Walkman/Discman und und und.
  5. ‚Harry Potter‘ kann ich immer lesen. Vor allem dann, wenn sonst nichts geht.
  6. Meine liebsten Bücher-Reihen als Kind waren die ‚Geheimnis um …‘-Bände, die ‚Abenteuer‘-Bände und generell alles andere von Enid Blyton (v.a. ‚Tina und Tini‘ <3)
  7. Heute lese ich relativ vielseitig alles, worauf ich gerade Lust habe, aber sicher habe ich Lieblingsautoren, die ich gar nicht alle auf einmal nennen kann. Z.B. Margaret Atwood, Donna Tartt, F. Scott Fitzgerald, J.K. Rowling (nicht nur die Harry Potter Bücher), Clemens Meyer …

Meine Nominierungen gehen an:

fruehlingsmaerchen

livricieux

buchlingreport

charlisabethsnivispluma

 

[Rezension] „Die steinerne Matratze“ von Margaret Atwood

Margaret Atwood ist (nicht nur für mich) die Queen der modernen Literatur. Sie hat ein unfassbar feines Gespür für das aktuelle politische und gesellschaftliche Geschehen und verpackt diese Themen in bissige, teils zynische (beides hier positiv zu sehen!) und unglaublich interessante Erzählungen. Letztens las ich ‚Hag-Seed‘ von ihr, einen Roman, der im Zuge der Knaus/Hogarth-Shakespeare-Neuinterpretations-Reihe entstanden ist und der mich sehr begeistert hat. Nun erschien ihr neuestes Buch auf Deutsch – ‚Die steinerne Matratze‘ – im Berlin Verlag,  auf das ich unfassbar gespannt war.

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‚Die steinerne Matratze‘ ist ein Atwoodscher Erzählband mit neun Erzählungen der Autorin, wovon drei bereits im Vorfeld anderweitig erschienen sind. So auch die titelgebende Erzählung ‚Die steinerne Matratze‘, welche mit folgendem ausdrucksstarkem Satz beginnt: „Verna hatte anfänglich nicht vorgehabt, jemanden zu töten.“ – das ist typisch Atwood. Scheinbar beiläufig wirft sie mit Worten und Sätzen um sich, die doch so viel beinhalten und noch dazu neugierig auf mehr, viel mehr, machen. In dieser Erzählung geht es um eine Frau, die sich auf eine Arktisreise begibt, um dort Ruhe zu finden und abzuschalten. Weg von allem, was sie belastet. Doch unglücklicherweise trifft sie dort auf ebenjenen Mann, der ihr das Leben schwergemacht hat und den sie eigentlich tunlichst zu vergessen versucht. Wer Atwood kennt, weiß, dass jetzt keine „Null-acht-fünfzehn“ Erzählung auf ihn/sie wartet, sondern eine humorvolle, teils abstruse und durch und durch sarkastische Geschichte, die auf wenigen Seiten einen ganzen Roman darstellen könnte. Dieses Prinzip lässt sich auch auf alle anderen acht Erzählungen des Bandes übertragen: Margaret Atwood schreibt von gefriergetrockneten Ehemännern, von Internet-Trollen und Cyberspace-Welten, von Erzählungen und Geschichten in Erzählungen, von Lyrikern und verrückten Professoren und vielem weiteren mehr. Ich denke, es ist dem Leser selbst überlassen, diese Welten zu entdecken, denn vieles in Atwoods Erzählungen lassen sich nicht verallgemeinern. Sie haben keine universalgültige Aussage, sondern finden ihre volle Entfaltungskraft erst im Leser, der sie auf die eine oder andere Weise interpretieren kann.

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Margaret Atwoods Prosa und ihre höchst eigene Art Dinge zu formulieren ist beneidenswert. Doch nicht nur das – auch ihre äußerst moderne Einstellung und Weltansicht sowie ihren wachen Geist kann man nur bewundern. Was ich an dieser Stelle allerdings hinzufügen muss, ist die Tatsache, dass mir in dem Erzählband nicht alle Erzählungen zugesagt haben und ich öfter mal Schwierigkeiten hatte, dem Inhalt zu folgen. Atwood ist und bleibt großartig und mit eine meiner liebsten Autorinnen. Sie ist eine begnadete Erzählerin mit brillanten Einfällen zu den unterschiedlichsten Themen, aber vielleicht – gerade in diesem Band – nicht für jeden geeignet. ‚Die steinerne Matratze‘ sollten sich jedoch all jene ins Regal stellen (vorher natürlich lesen), die Atwood, Sarkasmus und um-die-Ecke-denken mögen.

Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Aus dem Englischen von Monika Baark – Berlin Verlag in der Piper Verlag GmbH – 304 S. – ISBN: 978-3-8270-1318-7

 

[Diskussion] Buch vs. E-Book – yay or nay?

Zeit für eine neue Runde „yay or nay“ bei paperandpoetry – jetzt bereits zum dritten Mal! Heute soll es um das Thema Buch vs. E-Book gehen. Ein Thema, welches mich nicht erst seit heute beschäftigt.

Die ersten E-Book-Reader gab es schon in den 1990ern in Japan und Amerika, welche sich bei weitem noch nicht mit den heutigen Readern vergleichen lassen. Musste man bei diesen sogenannten ‚Data Discmans‘ noch eine Disk einlegen (vergleichbar mit dem Discman für CDs), um die Daten lesen zu können, funktioniert das heute gänzlich unkomplizierter und deutlich praktischer. Auf einem aktuellen E-Reader ist für bis zu 6.000 E-Books Platz (das muss man sich mal überlegen!), welche mittels USB-Kabel oder direkt per WLAN auf den Reader überspielt werden können und teilweise ist es sogar möglich diese Geräte dank ‚Water Protection‘ mit in die Badewanne zu nehmen. Zusätzlich ahmen die neuesten E-Reader echtes Papier nach – soweit der Plan.

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Als ich nun meinen ersten E-Reader erhielt war ich schlichtweg begeistert von der Menge an Büchern, die ich auf so einem kleinen und kompakten Gerät mit mir tragen konnte und auch das nachts lesen war plötzlich so viel einfacher geworden! Aber – und jetzt kommt das notwendige aber, so schnell wie die Begeisterung kam, verflog sie auch wieder. Denn, E-Reader ersetzen (mir) nicht die echten Bücher. Nach einer Zeit des elektronischen Lesens habe ich gemerkt, dass mir was fehlte. So richtig. Von ganzem Herzen. Lesen machte weitaus weniger Freude und oft brach ich ein Buch ab. Nicht, weil es mir inhaltlich nicht gefiel, sondern weil ich einfach nicht das Lesegefühl entdeckte, was doch eigentlich das Schöne daran ist. Mir fehlten also die Haptik des „echten“ Buches, das Gefühl echten Papiers zwischen den Fingern, das Beobachten des Fortschritts beim Lesen, die Auswahl der Lesezeichen zum Buch, das Markieren (was zwar mittlerweile auch bei E-Readern machbar ist, aber dennoch umständlich und komisch wirkt) und der Buchgeruch (klingt verrückt, aber alle Lesebegeisterten wissen sicher, was ich meine).

Das heißt nicht, dass ich grundsätzlich gegen E-Reader bin, aber ich sehe sie eher als eine praktische Ergänzung für unterwegs, im Urlaub oder im Krankenhaus (da sind sie für mich in der Tat unersetzlich). Ich habe Tausende E-Books als Leseexemplare auf dem Reader (kaufen würde ich mir wahrscheinlich keines), aber nur selten lese ich tatsächlich ein solches, weil es mir unheimlich schwerfällt, dort ein Buch zu Ende zu lesen. Für mich kann kein E-Reader der Welt, sei er noch so hoch technisch und praktisch in der Handhabung sein, ein echtes Buch, den Gang in die Buchhandlung oder das Stöbern im Buchregal ersetzen.

Wie seht ihr das? Ich freue mich auf eure Antworten und Meinungen zu diesem Thema, gerne in einem eigenen Post oder in den Kommentaren (:

[Rezension] „Lettipark“ von Judith Hermann

Judith Hermann ist mir seit ihrem Erzählband „Sommerhaus, später“ bekannt, aber vor allem durch „Alice“ im Gedächtnis geblieben. Sie schafft es mit schnörkelloser Sprache tiefe Emotionen zu wecken. Auch „Lettipark“ ist wieder kein Roman, sondern ein Buch (in diesem Falle Hörbuch) voller mitreißender Erzählungen, die unter die Haut gehen.

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An dieser Stelle baue ich den Klappentext des Buches ein, was ich bisher noch nie gemacht habe (das soll auch nicht unbedingt zur Regel werden), aber es erscheint mir hier sehr passend, da ich den Erzählband nicht treffender hätte zusammenfassen können:

„In einem einzigen Moment ändert sich ein ganzes Leben. Ein Fotograf betrachtet seinen Adoptivsohn, interessiert und distanziert, und vielleicht wird über diesem Blick alles zerbrechen. Ein alter Mann glaubt sich an eine Umarmung zu erinnern, die viele Jahre zurückliegt. Wie nah können wir den Menschen sein, die wir lieben? Kinder, Exzentriker, ein Vater, der aus der Psychiatrie verschwindet – Menschen kreuzen unseren Lebensweg, begleiten uns, machen uns glücklich und bleiben unfassbar. In kurzen Erzählungen spürt Judith Hermann diesen alles entscheidenden Momenten nach, die man so leicht übersieht. So konzentriert wie leicht setzt sie die Worte, zwischen denen sich das unbeschreibliche Drama der Existenz zeigt.“

Die Hörbuchfassung von „Lettipark“ wird von der Autorin selbst gelesen und hat daher, so wie ihre Erzählungen, einen ganz eigenen Ton. Diesem zu folgen ist mir aber leider zunächst etwas arg schwergefallen. Judith Hermann hat einen mir fremden Leserhythmus, sie pausiert und betont dabei Wörter an Stellen, an denen ich es beim Lesen vielleicht nicht getan hätte. Das ist auch vollkommen in Ordnung, aber dadurch fiel es mir wirklich schwer zuzuhören und ich habe das ein oder andere Mal viel von der eigentlichen Erzählung verpasst, was ich persönlich sehr schade finde. Denn die Erzählungen an sich – und das ist es ja, worum es eigentlich geht – sind wunderbar wie immer. Aus diesem Grund habe ich „Lettipark“ zweimal gehört und beim zweiten Zuhören gelang es mir viel besser, mich mit Judith Hermanns Ton anzufreunden und ich konnte endlich wirklich Zugang zu den Figuren, Orten und Geschehnissen finden.

Judith Hermann vermag es den Leser*innen ihre Figuren in „Lettipark“ nahe zu bringen, ohne dabei viele Worte zu verlieren. Sie macht aus dem Alltäglichen etwas Besonderes und ihre Erzählungen gewinnen dadurch an Stärke, dass sie scheinbar mitten im Geschehen aufhören. Was sie tatsächlich gar nicht tun, denn es bleibt ein Nachhall, etwas, das in der Geschichte mitschwingt, um dann in unseren Gedächtnissen nachzuklingen. So führt jeder Leser die Erzählung in seinem Kopf – oder vielleicht im Gespräch mit anderen – fort. Wir nehmen die Figuren mit, schicken sie auf eine neue Reise, vergleichen sie mit uns und mit anderen. Die Autorin gibt uns Denkanstöße, Momentaufnahmen und Persönlichkeiten, die wir wie kleine oder große Geheimnisse behandeln sollten.

Für mich ist und bleibt Judith Hermann eine der besten deutschsprachigen Erzählerinnen, auch wenn ich das nächste Mal lieber wieder auf das gedruckte Buch umsteigen werde, da ich mich mit ihrer Art zu lesen vielleicht doch nicht komplett anfreunden kann.

Der Hörverlag  – ca. 210 Min Laufzeit – 978-3-8445-2135-1

[Rezension] „Das geträumte Land“ von Imbolo Mbue

Heute erscheint „Das geträumte Land“ von Imbolo Mbue bei einem meiner persönlichen Herzverlage, dem KiWi Verlag, welches ich dank vorablesen.de im Vorfeld besprechen durfte. Ein Buch, das mich in jeglicher Hinsicht überrascht hat.

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Jende Jonga hat es geschafft. Endlich hat er seiner Heimat in Limbe, Afrika, entfliehen können, um in Amerika, besser noch, in New York City Fuß zu fassen, Geld zu verdienen und endlich, endlich ‚jemand‘ zu werden. Das ist nämlich Jende‘s eigentlicher Auswanderungsgrund, nicht die Angst vor Verfolgung, Folter und Strafe, sondern vor Perspektivlosigkeit und der Angst davor, den eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden zu können. Alles scheint Jende nun möglich, in diesem Land der Träume, das ihm so magisch, fast schon zauberhaft vorkommt. Doch wie schwer es wirklich für ihn, seine Frau Neni und seinen Sohn Liomi werden wird, kann Jende zu Beginn nicht einmal annähernd erahnen. Sehr schnell müssen Jendes Träume einer harten Realität weichen. Sein Asylantrag steht auf der Kippe, das Geld ist knapp und irgendwie, so richtig wohl und ‚angekommen‘ fühlt er sich auch nicht, in dieser riesigen, anonymen Stadt. Neni hat dahingehend zwar weniger Probleme und verfügt sogar über ein Studentenvisum, aber auch ihr werden alles andere als kleine Steine in den Weg gelegt. Nicht zuletzt von Jende selbst. Zum Glück findet dieser nach langer Suche wenigstens eine Anstellung als Chauffeur bei dem Banker Clark Edwards, der wiederum für Lehman Brother’s arbeitet und Neni daraufhin – neben ihrem anderen Job als Pflegerin – als Hausmädchen für die Edwards einstellt. So lernen sich beide Familien, die Jongas und die Edwards, kennen. Ihre Leben beginnen sich miteinander zu verknüpfen, aber auch ihre – sehr unterschiedlichen und doch wiederum ähnlichen – Probleme um Geld, Arbeit und Familie verweben sich. Geheimnisse kommen ans Tageslicht, von denen Jende und Neni lieber nichts gewusst hätten. Beide werden von den Edwards, Jende vor allem von Mr. Edwards und Neni von Mrs. Edwards, immer mehr und immer tiefer in deren private Angelegenheiten hineingezogen – dass das nicht gut gehen kann, ist abzusehen.  Als es dann noch zur großen Finanzkrise unter dem Zusammenbruch der Lehman Brother’s kommt, scheinen alle und alles zu kapitulieren. Nicht nur der Finanzmarkt, sondern auch die Ehe der Jongas und die der Edwards.

Imbolo Mbues Roman „Das geträumte Land“ ist ein kraftvolles Debüt. Kraftvoll nicht nur vor Sprache und Ausdruck, sondern auch des Inhalts wegen. Man mag denken, Jendes Geschichte sei eine „typische“ Einwanderergeschichte, vom Tellerwäscher zum Millionär, Amerika macht‘s möglich. Oder auch: Vom Immigrant zum perspektivlosen Arbeits- und Obdachlosen, ohne Ziel, ohne Plan, ohne Zukunft. Beides hat man schon oft gelesen oder in Filmen gesehen, beide Möglichkeiten wirken dadurch irgendwie schon bekannt, vielleicht sogar uninteressant. Doch man merkt schnell, dass es sich bei „Das geträumte Land“ um mehr als nur das handelt. Die Geschichte um Jende wird mit der seines Arbeitgebers verknüpft. Beide Familien, seien sie auch noch so unterschiedlich, haben Träume, Ziele und müssen lernen, mit dem Schicksal umzugehen, was da auch kommen mag. Jende und Mr. Clark wollen beide als Männer „wer“ sein, sie wollen ihren Familien, ihren Frauen ein sorgenfreies Leben bieten. – Neni und Mrs. Edwards leben beide im Schatten ihrer Männer, die eine, weil sie es in ihrer Kultur so gelernt hat und es ihr schwerfällt, gegen die Entscheidungen ihres Mannes aufzubegehren, die andere, weil sie persönlich so getroffen ist, dass sie es nicht schafft, sich von ihrem Mann zu befreien. Hinzu kommen die Angst vor der Ausweisung bei den Jongas und der psychische Druck sowie die Angst vor dem Versagen in beiden Familien.

Das Buch lebt von Mbues Erzählkunst, welche dem Leser beide Familien sowie deren Sorgen und Nöte auf unglaublich authentische Art und Weise nahebringt und noch dazu von den gängigen Klischees und der ‚Alles-wird-gut-Happiness‘ abweicht. Mbue beschönigt nichts. Sie bleibt realistisch und das tut dem Roman richtig gut. Dadurch fühlt sich der Leser nicht an längst gekannte, zigmal gelesene, ähnliche Geschichten erinnert, die irgendwie nach Traumtänzerei klingen, sondern er bekommt tatsächlich ein Gefühl dafür, wie es sein muss, als Auswanderer vor einer schier endlosen Mauer an Unüberwindlichkeiten zu stehen und gleichzeitig wie verrückt Heimweh zu haben. Zusätzlich zeigt sie, welche Abgründe hinter einer scheinbar heilen Fassade in der Welt der ‚Schönen und Reichen‘ stecken kann, von denen niemand wissen soll bzw. will. Die Autorin schafft es, nicht nur zwei gänzlich unterschiedliche Familien miteinander zu verknüpfen, sondern auch zwei divergente Kulturen und bringt diese dem Leser sogar noch nahe. Der Zusammenbruch der Lehman Brother’s und die Finanzkrise spielen hierbei tatsächlich nur eine Nebenrolle, das sollte vielleicht erwähnt werden, denn auf dieses Detail geht Mbue nur am Rande ein. Das ist aber total in Ordnung. „Das geträumte Land“ handelt nicht grundsätzlich von ‚Reich vs. Arm‘, sondern vielmehr von Träumen, Hoffnungen und Wünschen, die ein jeder von uns hat. Egal ob reich oder arm, egal ob aus Amerika oder Afrika. Nicht immer werden sie wahr und nicht immer lohnt sich der Kampf, aber der Versuch allemal. Mbue’s Debüt überzeugt auf ganzer Linie, vor allem aufgrund ihrer sehr realistischen und nachvollziehbaren Erzählweise, die sowohl sprachlich als auch inhaltlich sofort eine Art Sogwirkung beim Lesen entfaltet und wegen ihrer durchgängig sympathischen Figuren, die alles andere als unfehlbar sind und der Geschichte dadurch nur noch mehr Authentizität verleihen.

Eine klare Leseempfehlung für alle Fans von Gesellschaftsromanen und Themen, wie sie aktueller nicht sein könnten.

Aus dem amerikanischen Englisch von Maria Hummitzsch – KiWi Verlag – 432 S. – ISBN: 978-3-462-04796-7

[Diskussion] ‚A little life‘ | „Ein wenig Leben“ – Wie viel darf ein Roman?

Zeit für eine neue Diskussionsrunde ‚yay or nay‘: ‚A little life‘  | „Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara – darf ein Roman so viel Schmerz, so viel Leid, so viel „unangenehme“ Gefühle beim Leser erzeugen?

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Zum Inhalt brauche ich wahrscheinlich nichts mehr zu schreiben, denn bereits vor der deutschen Erstveröffentlichung des Buches war der Roman „berühmt-berichtigt“. Überall las (und liest) man von begeisterten Stimmen, die trotz oder gerade wegen des Gefühlssturms, das das Buch auslöst, ‚Ein wenig Leben‘ lieben. Dabei hat der Roman prinzipiell von allem „zu viel“ – nicht nur, was die Seitenzahl betrifft. Anfangs plätschert es noch so dahin, aber trotzdem ist man irgendwie von der Erzählweise Yanagiharas eingenommen und dann – boom – trifft einen die Erzählung mitten ins Herz und man kann nicht mehr aufhören zu lesen.

Ich persönlich empfinde es als ein großartiges Werk, vor allem wegen Will, dem ich gerne gesagt hätte: „Du kannst doch nichts dafür!“, aber ich habe auch schon bei einigen mitbekommen, dass ihnen der „voyeuristische Schauder“, wie es in einem Artikel heißt, missfallen hat und sie das Buch nicht gelesen hätten, wenn sie gewusst hätten, wie viel Schmerz auf sie zukommt. Letztendlich ist es jedem selbst überlassen zu entscheiden, ob und was er aushalten kann, aber ich denke, dass ‚Ein wenig Leben‘ sich genau dessen bedient, was „große“ Geschichten ausmacht. Er lässt Gefühle in uns aufsteigen, die wir nie für möglich erachtet hätten und zeigt, wie viel ein wenig Leben wert sein kann.

Nun seid ihr gefragt, wer mag, gerne mit einem eigenen Post und Link zu meinem Blog, auf Instagram (wo das Ganze schon ein bisschen länger am Laufen ist – sorry!) #alittlelifeyayornay oder einfach in den Kommentaren auslassen! Ich freue mich über eure Meinungen und bin gespannt 🙂

[Rezension] „Realitätsgewitter“ von Julia Zange

Real, blitzend und donnernd schreibt Julia Zange in „Realitätsgewitter“ von einer Welt, die dominiert wird von iPhones, Instagram, Facebook und Twitter und in der sich jeder ganz schnell verlieren kann.img_7096

Marla, die Protagonistin in Zanges „Realitätsgewitter“, lebt in einer Welt, an einem Ort (hier: Berlin), in der sich jeder selbst definieren kann, soll und muss. Alle sind irgendwie „Künstler“, machen irgendwas freiberuflich und versuchen dabei so individuell und hip wie möglich zu sein, um sich aus der Masse an individuellen und hippen Menschen hervortun zu können – und tun es dadurch eben nicht. Da kann man Marla zunächst auch nicht von ausschließen. Sie ist überheblich, immer leicht neben der Spur, permanent auf der Suche nach sich selbst oder dem nächsten Kick, hat tausende Facebook-Freunde, aber keine echten – und dabei ist sie irgendwie doch voller Gefühle, die zuzulassen ihr schwerfallen und die zu kompensieren sie nicht in der Lage ist. Marla kennt nämlich nur zwei. Gefühl eins, das Versprechen, eine „naive Hoffnung“ auf irgendwas, das irgendwie gut wird. Und Gefühl zwei, welches Gefühl eins zu Fall gebracht hat. Eine Art geradlinige, alles betäubende Traurigkeit, die nicht zuletzt dann auftritt, nachdem Marlas Eltern ihr den Geldhahn zugedreht haben. In diesem ‚Gefühl-zwei-Zustand‘ rauschen wir als Leser gemeinsam mit ihr durch einsame Nächte, vollgestopfte, aber doch leere Partys, führen viele Handygespräche und lernen unterschiedliche Typen von Männern kennen, die doch alle gleich sind. Wir reisen mit ihr nach Hause, machen einen Abstecher nach Sylt und landen dann schlussendlich wieder in Berlin. Hat Marla währenddessen Gefühl drei – ‚Alles wird gut‘ oder auch ‚Sowas-wie-Liebe‘ kennengelernt?

„ >>Du bist echt so ein sozialer Schmetterling, Marla …<<“

Ich lächle gequält.

Ich kann auf- und zuklappen wie ein Butterfly-Messer.“

Julia Zange fängt mit „Realitätsgewitter“ wunderbar authentisch das moderne Lebensgefühl der urbanen ‚Jugend‘ (was heute auch gut und gerne noch 30-Jährige + beinhaltet) inklusive ‚kenn-ich-von-Instagram‘ – ‚ich-mach-mal-eben-ein-Selfie‘ sowie dem Gefühl der Leere, was einen angesichts gehäufter banaler Oberflächlichkeit überfällt, ein. Dabei sitzt jeder Satz, jede Anspielung, jeder mehr oder weniger leicht zynisch-ironische Kommentar und Marla, ja, die muss man nicht unbedingt gut leiden können. Zwar lässt Julia Zange mit Marla auch kein Stereotyp aus, aber als Leser kann man sich trotzdem oder gerade deswegen wunderbar in sie hineinversetzen, vieles kennt man vielleicht sogar von sich selbst. Auch alle anderen Figuren in „Realitätsgewitter“ sind (leicht) übertrieben dargestellt – beispielsweise Marlas Eltern. Marlas Mutter ist eine hysterische Frau, ihres Zeichens selbsternanntes Medium und ‚Helferin der Armen und Hilfsbedürftigen‘. Sie gibt sich nach außen hin als hilfsbereit, bedarf dabei aber selbst einiger Hilfe. Zwischen Marla und ihr herrscht ein – gelinde gesagt – merkwürdiges Verhältnis. Marlas Vater, Mediziner und Forscher, versucht sich aus allem herauszuhalten und denkt, für jedes Problem, gibt es eine Lösung in Pillenform. Ständig unzufrieden mit allem, sogar mit – im Vergleich zu – Marlas erfolgreichem Bruder (denn nie kann einer irgendwas richtigmachen), herrscht nicht gerade Harmonie in der Familie. Die Darstellungsweise ist dabei stark überzeichnet, aber in „Realitätsgewitter“ passt es einfach. So wundert man sich auch nicht, dass Marla am Ende eigentlich nichts gelernt hat, aber trotzdem klüger geworden ist.

Ich habe während des Lesens oft gelacht, zig Stellen markiert und die Treffsicherheit der Autorin bewundert (das tue ich auch jetzt noch). Vor allem Julia Zanges Beobachtungsgabe, ihr Sinn für hoch aktuelle Themen einer uns alle überfordernden Gesellschaft und der scharfsinnige, trockene Humor sind es, die für mich das Buch lesens- und absolut empfehlenswert machen.

„>>Siri, ich habe Liebeskummer.<<

Dagegen hilft nur Schokolade.<<“

Einen herzlichen Dank an den Aufbau Verlag für das digitale Rezensionsexemplar!

Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag – Aufbau Verlag –  157 S. – 978-3-351-03658-4

 

[Kurzmemo] Film- und Filmbuchempfehlung

| [Kurzmemo] Film- und Filmbuchempfehlung |

Alle reden über ‚LaLaLand‘ und keiner über Chris Kraus‘ – ‚Die Blumen von gestern‘? Das muss geändert werden.


‚Die Blumen von gestern‘ steckt voller Wortwitz und viel tragisch-komischen Elementen. Ein Film(Buch) über die tiefschwarze Seite unserer deutschen Geschichte, mit bunter Farbe auf Kinoleinwand und zu Papier gebracht, damit die schlimmen Ereignisse nicht in Vergessenheit geraten, denn gerade jetzt, gerade heute darf das nicht passieren.

 

Toto, Holocaustforscher (gespielt von Lars Eidinger) steckt in einer Lebenskrise, dann wird ihm die hübsche französische Praktikantin Zazie (Adèle Haenel) zugeteilt, die sein Buch „Die deutsche Ordnungspolizei und der Holocaust im Baltikum 1941“ einfach „süper“ findet und sein Leben gehörig auf den Kopf stellt -z.B., indem sie den Mops Gandhi mal eben aus dem fahrenden Auto wirft. Beide verbindet eine gemeinsame Vergangenheit, eine zarte, aber fast schon unmögliche Romanze beginnt, bis die Wahrheit über Toto ans Licht kommt.

Ich kann sowohl den Film unter Regie von Chris Kraus als auch das dazugehörige Filmbuch (Drehbuch) inkl. Nachwort des Regisseurs und Filmbildern aus dem Diogenes Verlag sehr empfehlen! Im Allgemeinen bin ich eher kein Fan von Drehbüchern, doch dieses hier ist so gut, dass man sich den Film fast schon sparen kann – aber nur fast! Sicher darf man nicht alles allzu ernst nehmen und das soll man auch nicht. Ironie und Sarkasmus werden hier groß geschrieben und das ist super! Also, wer lachen, aber auch etwas zum Nachdenken haben möchte, der greife zu diesem Buch und reserviere sich gleich noch ein Kinoticket dazu.

Mit farbigem Bildteil und einem Nachwort des Regisseurs – Diogenes Verlag – 192 S. – ISBN: 978-3-257-30049-9

[Rezension] „Im Schatten unserer Wünsche von Jeffrey Archer

„Im Schatten unserer Wünsche“ ist bereits Teil vier der Clifton-Saga von Jeffrey Archer. Auch hier geht es, wie bei den drei Vorgängern, vor allem um Macht, Liebe und Intrigen im England der – jetzt – 50er Jahre. Also wieder ein historischer Schmöker – so langsam dürfte klar sein, dass das mein „heimliches Laster“ ist 😉

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Wie schon in den vorangegangenen Bänden „Spiel der Zeit“ (Band eins), „Das Vermächtnis des Vaters“ (Band zwei) und „Erbe und Schicksal“ (Band drei), geht es vordergründig um die Familie Clifton und die Familie Barrington (wer sich nicht mehr ganz sicher ist, wer hier wer ist, dem bietet sich im Umschlag je vorne und hinten des Buches eine detaillierte Übersicht bzw. ein Stammbaum der Cliftons und Barringtons), die immer wieder neue Bewährungsproben zu meistern haben und sich teils schlimmen Schicksalsschlägen stellen müssen. Dabei möchte ich gar nicht zu viel verraten, für diejenigen, die die Clifton-Saga noch nicht kennen und bleibe daher weiter allgemein und etwas vage in Details. Ich kann jedoch so viel berichten: Teil eins habe ich innerhalb kürzester Zeit gelesen, weil es so unglaublich spannend ist und ich unbedingt wissen wollte, was passiert – und das ist auch das Grundprinzip aller Bände der Clifton-Saga, Spannung aufbauen, Familiendramen und Intrigen spinnen und immer, wenn gerade scheinbar alles gut zu werden scheint, doch wieder etwas (vermeintlich) Schlimmes geschehen lassen. Auch wenn man als Leser weiß, dass bestimmt bald wieder irgendeine Überraschung kommt, mindert das das Lesevergnügen nicht, im Gegenteil. Bei den Cliftons und Barringtons wird es einfach nie langweilig und Archer ist ein begnadeter Erzähler, der aufgrund seiner politischen Vergangenheit viel, z.T. fiktives, politisches und wirtschaftliches Zeitgeschehen mit einfließen lässt, dies aber gut und verständlich beschreibt. Sicher kommt auch die ein oder andere Liebesbeziehung in den Büchern vor, aber sie wird nicht ausgeschmückt erzählt – und das kann ich immer nur befürworten.

Teil vier, „Im Schatten unserer Wünsche“, knüpft nun direkt an den Cliffhanger, bei welchem Teil drei, „Erbe und Schicksal“, aufgehört hat, an. Wir erfahren, was mit Sebastian geschehen ist und wie es mit der Familie Clifton weitergeht. Im Grunde dreht sich Band vier hauptsächlich um ‚Barrington Shipping‘ und Emma Barringtons Rolle in dessen Vorstand. Schafft Emma es, ‚Barrington Shipping‘ vor dem Ruin zu bewahren? Wie sollen sie gegen den Kriminellen Pedro Martinez (bekannt aus Band drei) vorgehen, der aufgrund persönlicher Interessen versucht, das Unternehmen zu sabotieren? Und mitten im Existenzkampf um ‚Barrington Shipping‘ erfährt Jessica, die Adoptivtochter Emmas und Harrys, auch noch von einem Geheimnis, welches sie tief trifft und die ganze Familie auf ewig zeichnen wird…

Immer wieder tauchen Figuren auf, die den Cliftons schaden wollen (die Saga wird in Jahre eingeteilt aus verschiedenen Perspektiven erzählt) – es tauchen aber ebenso viele Personen auf, die das Gegenteil im Sinn haben. So herrscht prinzipiell permanent ein Kampf zwischen „Gut und Böse“, was nicht negativ gemeint ist, dadurch wird das Lesen zum Vergnügen und das Mitfiebern umso mehr, denn man kennt als Leser beide Seiten, weiß also, dass etwas passieren wird, nur nicht genau was. Da ich persönlich Band zwei, „Das Vermächtnis des Vaters“ , und Band drei, „Erbe und Schicksal“, nicht mehr ganz so spannend gefunden habe, wie den ersten Band, „Spiel der Zeit“, habe ich zunächst mit dem Lesen des vierten Bandes, „Im Schatten unserer Wünsche“, gezögert (welch ein Satz!), was ich nun beinahe schon bereue. Band vier ist wieder fast so spannend und fulminant wie Band eins und das Ende selbstverständlich mit einem Cliffhanger versehen, sodass ich den fünften Band, „Wege der Macht“, kaum noch erwarten kann. Einziges Manko: Die Figuren, die einem ans Herz gewachsen sind (vor allem Harry und Sebastian), spielen fast nur noch eine Nebenrolle. Ihre Geschichte wird zwar fortwährend weiter-, aber oft aus der Perspektive einer anderen Person erzählt – so erfährt man natürlich weniger und das ist ein wenig schade.

Nichtsdestotrotz ist die Clifton-Saga demnach für all jene Leser*Innen empfehlenswert, die gerne tief in eine Geschichte eintauchen, sprich schmökern, mit Figuren einer Geschichte mitfiebern können und wollen und gerne Reihen lesen, denn man muss einen Cliffhanger am Ende schon verschmerzen können (im April geht es hier endlich weiter!)

Aus dem Englischen von Martin Ruf – Heyne Verlag – 544 S. – ISBN: 978-3-453-41991-9