[Rezension] „Licht“ von Anthony McCarten

Anthony McCarten ist ein mittlerweile recht bekannter Autor aus Neuseeland. Weiterhin schreibt er fürs Theater und ist auch in dem Metier des Films kein unbeschriebenes Blatt (‚The Theory of Everything‘ wurde für zwei Oscars nominiert). Dadurch war er mir zwar vom Namen her ein Begriff, einen Roman von McCarten hatte ich bisher allerdings noch nicht gelesen. Mit „Licht“ spricht Anthony McCarten nun aber ein Thema an, welches mich sofort das Datum der deutschen Erstveröffentlichung im Kalender hat markieren lassen. Dank des wunderbaren Diogenes Verlags konnte ich es auch gleich in der ersten Woche lesen – vielen Dank dafür!

img_8790

In „Licht“ kämpfen zwei vordergründig vollkommen unterschiedliche Charaktere um Ansehen und Fortschritt. Einerseits der „verrückte“ Erfinder Thomas Alva Edison und andererseits der geld- und machtgierige Bankier J.P. Morgan. Der eine mit zerzausten Haaren und lumpiger Kleidung, den Kopf voller Ideen. Der andere mit einer knollenartigen Nase, die ihm als eine Art Lügendetektor dient, gepflegt und hinterlistig einen Plan verfolgend. Nämlich, zu Geld und Ruhm mittels Edisons Erfindung(en) kommen. Das gelingt ihm auch ganz gut. Edison lässt sich auf diesen teuflischen Pakt ein, tauscht Geld gegen Erfindergeist, doch er muss recht bald merken, dass er nicht gemacht ist, für diese schillernde, nur nach außen hin schön wirkende Welt der Reichen und Mächtigen. Beinahe gehen Edison und sein Ideenreichtum daran zu Grunde.

Anthony McCarten schafft es mit viel Witz, trockenem Humor, aber auch sehr vielen ehrlichen Worten einen spannenden Roman über etwas, das uns heute so selbstverständlich erscheint, zu schreiben: elektrisches Licht. Es geht hier um die Anfänge der Moderne, um die Schwierigkeiten, mit denen Erfinder und kluge Geister zu kämpfen haben, deren Ideen für den „normalen“ Bürger meist zu abstrakt, zu wahnwitzig, zu verrückt erscheinen. Wissenschaftler, die auf ihr Umfeld befremdlich wirken, die für viele unergründlich bleiben. Edison ist ein solcher. Er lebt mit seiner Frau und seinen Kindern zusammen, aber seine Arbeit bedeutet ihm alles. Daran – aber nicht nur – verzweifelt seine erste Ehefrau und die zweite beinahe auch. Er ist kein leichter Mensch, aber doch ein liebenswürdiger, wenn er auch manchmal die falschen Entscheidungen trifft. Als ihn eines Tages J.P. Morgan aufsucht und ihm ein Angebot macht, das er aufgrund seiner finanziellen Schulden nicht ausschlagen kann, treffen zwei recht unterschiedliche Personen aufeinander. Dass es da krachen wird, ist vorprogrammiert, denn J.P. Morgan ist fixiert auf Geld und mehr Geld. Dazu noch etwas Macht und Einfluss. Mehr braucht er nicht im Leben, obwohl er davon eigentlich schon genug hat. Doch auch er hat eine weiche Seite, die allerdings nur äußerst selten zu Tage

img_8916

tritt, weil er versucht, diese so gut es geht zu verstecken. Beide – Edison und Morgan – sind also keine durch und durch guten oder schlechten Menschen. McCarten gelingt es in diesem Roman sämtliche Charaktere so täuschend echt zu beschreiben, dass man meinen könnte, man hätte soeben mit Edison, J.P. Morgan oder Nikola Tesla gefrühstückt. Sie werden von einem unantastbaren Mythos zu greifbaren Figuren mit nachvollziehbaren Wünschen und Ambitionen. Diese Art zu beschreiben hat mir persönlich am besten gefallen und das kann auch die kleinen Längen in dem Buch gut wettmachen.

„Licht“ ist ein wunderbar amüsanter, lehrreicher Roman, der auf realen Fakten basiert, aber keine langatmige Biographie darstellt. Mit Sicherheit ist vieles in dem Buch Fiktion oder besser, ausgeschmückte Realität, aber das ist McCarten richtig gut gelungen. Ein Pageturner, den ich guten Gewissens gerne weiterempfehlen kann und der mit Sicherheit bald als Filmvorlage dienen wird!

Aus dem Englischen von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié – Diogenes Verlag – 368 S. – ISBN: 978-3-257-06994-5

3 Kommentare zu „[Rezension] „Licht“ von Anthony McCarten“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s