[Nachgedacht] über Frauen in der Geschichte am International Women’s Day

Was wäre unsere Welt ohne Frauen? Ohne diese unfassbar starken, inspirierenden Wesen, die sich und ihren Intellekt früher (manchmal noch heute) oft hinter Männern verstecken mussten. Ich bin sehr froh, dass sich in unserer heutigen Zeit sehr vieles geändert hat, was die Geschlechterrolle betrifft, aber doch liegt noch einiges im Argen. Denn auch wenn wir in einem modernen Zeitalter und in einem Land leben, in dem Frauen wählen dürfen, die Möglichkeit haben zu studieren, sich zu bilden, sich gegenseitig zu fördern, hohe Positionen im Beruf auszuüben und ihre Meinung frei äußern zu dürfen, gilt dies immer noch nicht weltweit und selbst in fortschrittlichen Ländern ist Gleichberechtigung nicht automatisch selbstverständlich. Ich persönliche empfinde z.B. Genderdebatten und ‚Feminismus‘ als äußerst wichtig. Es ist vonnöten, eine Balance herzustellen und zu verstehen, dass Frauen und Männer zählen. Dass es egal ist, welchem Geschlecht man sich zugeordnet fühlt, wo man herkommt, welche Hautfarbe man hat, wen man liebt etc. Es muss ein faires Miteinander geben, in dem die enorme Wichtigkeit beider Geschlechter und aller Menschen betont wird.

Die Persönlichkeit zählt, nicht das Geschlecht!

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Die Kartelinks stammt übrigens von der talentierten @slingaillustration, zu finden bei etsy unter ’slingaundzeder‘.
Man wird sich nie vollends einigen können, egal welches Thema betreffend, und das ist auch ok. Damit wäre der Austausch untereinander beendet und gerade der ist doch so wichtig für ein Miteinander. Es wird so lange unterschiedliche Meinungen geben wie es unterschiedliche Menschen gibt und das ist sehr, sehr gut so. Dennoch gehört die Rolle der Frau mehr betont und daher möchte ich am heutigen ‚International Women’s Day‘ denjenigen Frauen meinen Respekt erweisen, die sich schon zu Zeiten, in denen es weitaus weniger „leicht“ war, eine Frau zu sein, durchgesetzt, oder es zumindest versucht, haben. Frauen, die stark, klug und wunderschön zugleich, vieles erreicht haben.

Zwei sehr beeindruckende Frauen der Geschichte sind meiner Meinung nach Frida Kahlo und Zelda Fitzgerald. Das sind vielleicht nicht gerade die zwei geläufigsten Namen, die man beim Thema Frauenbewegung hört, aber beide faszinieren mich aufgrund ihrer Persönlichkeiten und ihrer Art das Leben gelebt zu haben sehr – dabei sind sie durchaus sehr unterschiedlich gewesen.

Frida Kahlo hat, obwohl durch einen schweren Unfall geprägt, nie aufgegeben. Ihre beeindruckenden Kunstwerke sind Ausdruck ihrer selbst, ihrer Liebe zu Diego Rivera und ihrer politischen Interessen. Ihre Selbstständigkeit und ihr Mut dominieren nicht nur ihre Werke, sondern vor allem auch ihre „on|off“-Beziehung zu Diego und ihre Affäre(n) – und das um 1930 herum! Sie gilt heute als Vorbild für die Frauenbewegung, weil sie sich selbst als Anti-weibliche-Künstlerin inszeniert hat. Ihre Werke sind größtenteils Selbstporträts Fridas, in welchen sie ihre Augenbrauen, ihren Damenbart und sämtliche andere Merkmale ihrer selbst, ihrer Persönlichkeit (!) betont. Sie hat noch dazu meist „Männerkleidung“ (heute normal, damals eine kleine Revolution) getragen und sich ganz allgemein eher „männlich“ (sie hat getrunken und geraucht und gerne mal derbe Witze gerissen) verhalten. Alles zum Ausdruck ihrer Persönlichkeit. Sie hat sich nicht von den damals noch gängigen weiblichen Standards und der Etikette beeindrucken lassen – Frida Kahlo ist also eine ziemlich lässige, beeindruckende Frau gewesen und wird es auch auf ewig bleiben, aber man darf nie vergessen, dass sie es sicher nie leicht gehabt hat.

Zelda Fitzgerald kennt man wohl am ehesten als Frau des berühmt-berüchtigten F. Scott Fitzgerald. Als ein Teil des „Glamourpärchens“ der wilden Zwanziger. Er, der quasi über Nacht berühmt geworden ist. Sie, als inspirierende Kraft im Hintergrund. Denn, auch wenn Zelda weiß, sich selbst zu inszenieren, steht sie doch im Schatten ihres berühmten Mannes. Nach außen hin wirken beide zu Beginn wie ein vor Glück (und Alkohol) berauschtes Paar, sind auf den wichtigsten Partys einflussreicher Gäste zugegen und immer für einen Skandal gut. Innerlich ist Zelda durch die zahlreichen Affären und Eskapaden ihres Mannes und ihrer beruflichen Unterdrückung stark angeschlagen. Zelda hat immer versucht aus dem Schatten ihres Mannes hervorzutreten. Sie hat sich als Schauspielerin, als Tänzerin, als Malerin, als Schriftstellerin versucht und ist doch immer wieder gescheitert. Ob nun aus mangelndem Talent oder zu großem Einfluss Scott Fitzgeralds heraus, mag dahingestellt sein. Ihre Erzählungen, zum größten Teil Kurzgeschichten, sind entweder ganz unter dem Namen ihres Mannes veröffentlich worden oder Zelda wird lediglich als Co-Autorin genannt. Das mag finanzielle Gründe gehabt haben, aber viel näher liegt doch der Verdacht, dass es das männliche Ego Scott Fitzgeralds nicht zugelassen hat. Zumal er Ausschnitte aus Zeldas Tage- und Notizbüchern für seine Romane verwendet hat, ohne seine Frau namentlich zu erwähnen. Erst Anfang der Dreißigerjahre wird eine Erzählung (nur) unter Zeldas Namen veröffentlicht. Ihr einziger Roman ‚Save me the waltz‘ erscheint 1932, nachdem er von Scott zensiert worden ist. Der Erfolg bleibt aus. Heute weiß man um Zelda Fitzgeralds (literarischen) Einfluss auf ihren Ehemann, erst kürzlich ist sogar ein Kurzgeschichtenband Zeldas auf Deutsch erschienen (‚Himbeeren mit Sahne im Ritz‘| Manesse Verlag). Ihre damalige Erfolglosigkeit ist jedoch sicher einer der Gründe, warum Zelda immer und immer wieder eine „Nervenheilanstalt“ aufsuchen muss, bis sie dort unter tragischen Umständen ums Leben kommt.

Die Geschichte von Zelda Fitzgerald klingt so gar nicht nach Frauenbewegung und Emanzipation – das soll sie auch nicht. Viel wichtiger und beeindruckender ist auch hier ihre ausdrucksstarke Persönlichkeit, die in den meisten ihrer Kurzgeschichten mitschwingt. Zelda hat viel über die Rolle der Frau in den Zwanzigern geschrieben, den ‚flapper girls‘, den Schauspielerinnen, den Frauen, die gerade erst dabei sind, sich als eigenständige, vom Mann losgelöste Persönlichkeiten zu begreifen. Sie selbst hat etliche Male versucht sich von Scott scheiden zu lassen, ein selbstständiges, finanziell unabhängiges Leben zum Ziel gehabt. Aus den unterschiedlichsten Gründen ist ihr dies nie wirklich gelungen, aber dennoch ist Zelda in meinen Augen eine starke Frau gewesen, die immer versucht hat, sich zu emanzipieren und die man nicht in den Schatten ihres Mannes, sondern mindestens auf eine Stufe mit ihm stellen sollte.

Es gibt zahlreiche weitere wunderbar-faszinierende weibliche Persönlichkeiten, die ich gar nicht alle nennen kann. Damals z.B.: Mary Kingsley, Agatha Christie, Leni Riefenstahl, Emmeline Pankhurst, Marie Curie (…) Heute: Chimamanda Ngozi Adichie, Toni Morrison, Malala Yousafzai, Patti Smith, Lena Dunham, Margarete Stokowksi (…) oder schaut euch doch bloß um: Mamas, Omas, Freundinnen, du selbst!

IMG_9150Wer sich gerne näher mit dem Thema Frauen in der Geschichte auseinandersetzen mag, dem empfehle ich u.a. „Streitbare Frauen. Porträts aus drei Jahrhunderten“ von Michaela Karl (ISBN: 978-3-492-264686), „Abenteuer reisender Frauen. 15 Porträts.“ von Armin Strohmeyr (ISBN: 978-3-492-274319), „Verführerische Frauen. Elf Porträts.“ (ISBN: 978-3-492-27274-2) von Dieter Wunderlich – alle drei aus dem Piper Verlag, „Frauen, die lesen, sind gefährlich“ von Stefan Bollmann aus dem Insel Verlag (ISBN: 978-3-458-35958-6) sowie „Kahlo“ von Andrea Kettenmann aus dem TASCHEN Verlag (ISBN: 978-3-8365-0076-0) und „Zelda Fitzgerald. „So leben, dass ich frei atmen kann.“ von Katrin Boese aus dem Aviva Verlag (ISBN: 978-3-932338-43-4).

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