[Rezension] „Das Buch der Spiegel“ | E.O. Chirovici

„Das Buch der Spiegel“ ist wohl momentan in aller Munde. Die Pressestimmen sind begeistert, Denis Scheck beurteilt den Roman wie folgt: „Das ist Unterhaltungsliteratur auf hohem Niveau, im Thriller-Genre ein herausragendes Buch.“ Dabei ist der ukrainische Autor E.O. Chirovici hierzulande noch gänzlich unbekannt. Chirovici stammt aus einer rumänisch-ungarisch-deutschen Familie aus Transsilvanien (klingt schon mal spannend) und hat in seinem Heimatland nicht nur etliche Romane veröffentlicht, sondern auch eine namhafte Zeitung sowie einen Fernsehsender geleitet. Nun ist sein erstes englischsprachiges Buch gleich in 38 Länder verkauft worden, was seinen Bekanntheitsgrad vermutlich deutlich ändern wird.

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Worum geht es nun, in diesem hochgelobten Roman? Zum einen um ein Buch im Buch. Um einen Mord, der nie aufgeklärt worden ist und Figuren, die alle irgendwie ein Geheimnis haben, welches sie um alles in der Welt verbergen möchten. „Das Buch der Spiegel“ beginnt damit, dass Peter Katz, Literaturagent, ein Manuskript von Richard Flynn zugeschickt bekommt, der in diesem von einer Geschichte, von einem Mord erzählt, der uns in „Das Buch der Spiegel“ beschäftigen soll. Er berichtet von einem Mord an dem etwas fragwürdigen Psychologieprofessor Joseph Wieder, der sich 1987 zugetragen hat und für den Flynn selbst als Verdächtiger gegolten hat. Richard Flynn schreibt in dem Manuskript weiterhin von Personen, unter anderem seiner ehemaligen Mitbewohnerin Laura Baines, die uns im weiteren Verlauf des Buches noch häufiger begegnen werden und auf gewisse Weise alle verdächtig wirken. Das Manuskript endet leider abrupt und Richard Flynn ist mittlerweile verstorben, sodass Peter Katz einen Detektiv beauftragt, der ihm bei der Suche nach dem Manuskript helfen soll. Immer wieder tauchen Charaktere auf, die rätselhaft sind, die ein Motiv gehabt haben könnten, aber wird sich das Geheimnis wirklich lüften lassen?

„Das Buch der Spiegel“ wird aus drei Perspektiven (= in drei Abschnitten) fortlaufend erzählt. Zum einen von Peter Katz, der das Manuskript von Richard Flynn erhält und so die Geschichte ins Rollen bringt. Der zweite Erzähler ist der Detektiv Joseph Keller, der weitere Nachforschungen zum Verbleib des Manuskripts anstellt und so tiefer in die Geschichte eintaucht. Der dritte und letzte Erzähler ist der pensionierte Polizist Roy Freeman, der versucht, die Stränge zu entwirren und der eine wichtige Spur verfolgt.

Was wie ein spannender Campusroman voller Intrigen und dubioser Machenschaften beginnt, endet leider in einer etwas langatmigen, wenig nervenaufreibenden Story. Der erste Teil hat mir noch sehr gut gefallen, aber danach ist es mir schwergefallen, am Ball zu bleiben. Immer öfter habe ich das Buch zur Seite gelegt, habe mich ablenken lassen und irgendwie hat es mich gar nicht mehr so wirklich interessiert, was noch passieren würde. Denn was mir hier eindeutig gefehlt hat: das Herzrasen, das Mitfiebern, das Miträtseln. Die Grundidee, die äußerst gelungen ist, hätte man in dieser Richtung besser bzw. weiter ausbauen können, auch wenn der Schluss mit dem „Oh!“-Effekt versucht, den flacheren (im Sinne von weniger spannenden) Mittelteil auszugleichen. Eigentlich schade, denn die Geschichte hat auf alle Fälle Potential.

Meiner Meinung nach ist „Das Buch der Spiegel“ ein kluges Buch, in feinem Schreibstil verfasst, das sich gut nebenbei lesen lässt, aber der Thriller-Faktor, das bis-zur-letzten-Seite-in-atemloser-Spannung-weiterlesen hat mir hier leider sehr gefehlt.

Aus dem Englischen von Werner Schmitz und Silvia Morawetz, Goldmann Verlag, 384 S., ISBN: 978-3-442-31449-2

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