[Rezension] „Maria Sibylla Merians Reise zu den Schmetterlingen“ | Boris Friedewald

Ein Vorhaben für 2017, von dem ich – soweit ich mich erinnern kann – noch nicht auf dem Blog berichtet habe, lautet: Mehr Biographien, Sachbücher und Kunstbände zu lesen bzw. zu studieren.  Bisher klappt das so mittelmäßig bis gut. Immer mal wieder ist eines dabei, ungefähr so einmal im Monat, aber das ist ok. Zwischendurch blättere ich gerne in meiner bescheidenen Kunstbuchsammlung und vor allem in Büchern von und über Frida Kahlo (die mich schon seit etlichen Jahren fasziniert und begeistert). Es soll aber heute nicht um Frida, sondern um Maria Sibylla Merian gehen, einer mutigen, eigensinnigen und erstaunlichen Frau aus dem 17. Jahrhundert.

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In „Maria Sibylla Merians Reise zu den Schmetterlingen“ von Boris Friedewald (mit Begeisterung habe ich bisher „Dalís Bärte“ und „Die Tiere von Picasso“ gelesen) erzählt der Autor die fesselnde Geschichte von Sibylla Merians Leben anhand ihrer größten Leidenschaft: Schmetterlinge.

Sibylla Merian wächst zu einer Zeit auf, in der der Natur, dem Getier, den Insekten, wenig Beachtung geschenkt wird, aber umso mehr Gott, als dem Schöpfer der Natur. Diese Insekten, vor allem Raupen, sind aber das größte Hobby der 1647, im Dreißigjährigen Krieg, geborenen Sibylla. Ihr Vater, der Verleger und Kupferstecher Matthäus Merian, stirbt, als sie gerade drei Jahre alt ist. Ihre Mutter, Johanna Katharina Sibylla Heim, heiratet daraufhin den Blumenmaler Jacob Marrel, der nach einigem hin und her, vor allem seitens Sibyllas Mutter (man bedenke die Stellung der Frau zu dieser Zeit!) die Ausbildung seiner Stieftochter zur Malerin und Kupferstecherin befürwortet. Diese ist unfassbar begabt und übertrifft sogar ihren Lehrer. Doch nicht nur das. Sibylla ist fasziniert von diesen geheimnisvollen Wesen, den unterschiedlichen Tieren und Insekten, allen voran den Seidenraupen und deren Metamorphose. Sie fängt bereits im Kindesalter an, die Entwicklung der Insekten zu erforschen, indem sie sie beobachtet und jedes einzelne Stadium naturgetreu zeichnet und beschreibt. Es entstehen zahlreiche Skizzen und Zeichnungen, die Sibylla unter anderem 1679 in dem ersten Teil ihres Raupenbuchs mit dem Titel „Der Raupen wunderbare Verwandelung und sonderbare Blumennahrung“ festhält und publiziert. Ein waghalsiges Unterfangen, da Wissenschaft und Forschung diesbezüglich gerade erst im Wandel sind und Sibylla als weibliche Forscherin viel Größe und Mut beweisen muss.

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Wir erfahren in „Maria Sibylla Merians Reise zu den Schmetterlingen“ nicht nur viel historisch interessante und wissenschaftliche Fakten zu der Zeit, in der Sibylla Merian aufwächst und lebt, sondern auch über ihr Privatleben. Vieles lässt sich heute nicht mehr eindeutig rekonstruieren, aber eines ist sicher: sie muss eine unglaubliche Frau gewesen sein. Das macht der Autor Boris Friedewald wortgewandt und mit den passenden Abbildungen mehr als deutlich. Es macht sehr viel Spaß, sich durch die einzelnen Stationen Sibyllas zu blättern, zu lesen und zu schauen, denn ihre Skizzen und Malereien sind nicht nur wissenschaftlich relevant, sondern auch noch wunderbar anzusehen. Gelungen finde ich auch die kurze Zusammenfassung zu Sibylla Merians Lebensstationen und ihrer wichtigsten Werke, die man am Ende des Buches findet.

Ich finde dieses kleine und wunderschöne Buch rundum gelungen und empfehlenswert und werde mit Sicherheit noch das ein oder andere Mal hineinschauen, um mich in die Zeit der Sibylla Merian, der Schmetterlingsfrau, zu verlieren.

Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Prestel Verlag – 166 S. – 70 farbige Abbildungen – ISBN: 978-3-7913-8148-0

 

[paperandpoetryleseclub] Kurzmitteilung

Heute gibt es nur eine ganz kleine Info: Am Montag hat der #paperandpoetryleseclub mit John Irvings „Das Hotel New Hampshire“ begonnen. Zu diesem Zweck habe ich oben im Menü eine neue Seite erstellt, wo ihr alle nötigen Informationen finden solltet. Vor allem auch die einzelnen, möglichen Fragen und Anregungen zum gemeinsamen Lesen. Wer noch nicht angefangen hat oder wer vielleicht noch mitmachen möchte, kann das jederzeit sehr gerne machen! Ich freue mich über jede|n Teilnehmer|in – und bis dahin, fröhliches lesen!

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[Rezension] „Altes Land“ | Dörte Hansen

„Altes Land“ von Dörte Hansen war der Überraschungserfolg in 2015 und ist nun kürzlich bei Penguin im Taschenbuch erschienen. Bereits im Ersterscheinungsjahr (als Hardcover im Knaus Verlag) fiel es mir immer wieder durch sein ansprechendes Cover auf, vor allem aber wohl auch, weil es so unfassbar viele gelesen haben und diese Leser|innen durchweg begeistert waren/sind. Klar, dass da auch ich neugierig geworden bin. Ich nehme die Pointe aber schon mal vorweg: Ich bin nicht ganz so angetan von dem Buch. Warum, wieso, weshalb, das erkläre ich weiter unten in der Besprechung.

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Vera lebt seit 1945 auf einem Bauernhof im Alten Land, wo sie sich weder richtig wohl, noch unwohl fühlt. Sie ist als Flüchtling, als „Polackenkind“, mit ihrer Mutter auf den Hof gekommen und noch heute kann und will sie diesen nicht verlassen. Dinge, Erinnerungen, Menschen aus der Vergangenheit halten sie und ihr Herz dort fest. Circa sechzig Jahre später klopft es an der Tür und ihre Nichte Anne aus dem schicken Hamburger Stadtteil Ottensen steht samt Sohn und Gepäck davor. Zwei Flüchtlinge, wie einst sie selbst einer gewesen ist (wenn auch aus anderen Gründen), um Hilfe suchend und um einen Neuanfang bemüht. Können aus Vera, der einsamen, aber resoluten älteren Dame und Anne, der gedemütigten, aber um Stolz ringenden jungen Mutter sowas wie eine Familie werden?

Dörte Hansens Debütroman besticht durch seinen bissigen, fast schon zynischen Blick auf die Figuren, deren Leben und prinzipiell die ganze Gesellschaft. In „Altes Land“ begleitet der|die Leser|in hauptsächlich die beiden Protagonistinnen Vera und Anne, doch immer wieder finden sich neue Figuren im Erzählstrang ein, was vor allem dazu dient, einerseits das Alte Land und andererseits die „modernere“, „feinere“ Hamburger Gesellschaft zu charakterisieren und ein Kontrastbild zu erschaffen zwischen Jung und Alt, Modern und Traditionell, Schnelllebig und Stabil. Das gelingt Hansen sehr gut, doch an manchen Stellen habe ich da etwas den Faden verloren, wusste nicht mehr ganz, wo ich jetzt bin, von wem genau die Rede ist etc. Das hat sich aber meistens relativ schnell aufgelöst und kann daher also nicht wirklich als großer Kritikpunkt gezählt werden, wobei ich mich doch fragen muss, wo manche Figuren hin sind und was mit ihnen geschehen ist. Vielmehr hatte ich jedoch Schwierigkeiten mit Hansens Schreibstil, der sicher sehr gut und wohl gewählt (vor allem dem Text angepasst) ist, mich aber nicht mitreißen konnte. Hansen schafft es authentisch die Starrköpfigkeit der Bewohner des Alten Landes rüberzubringen, dazu bedient sie sich immer mal wieder des Plattdeutschen, welches ich sonst nur von meinen Großeltern her kenne. Um die „schicke“ Hamburger Szene zu beschreiben, nutzt Hansen oft stereotype Beschreibungen (nicht negativ gemeint!) von z.B. „Helikopter-Müttern“ oder „Ökos“ etc. Obwohl beide Welten absolut authentisch wiedergegeben werden, konnte mich Hansen auch inhaltlich nicht überzeugen, ich bin mit der Geschichte nicht richtig warm geworden. Lange habe ich überlegt, woran das wohl gelegen haben könnte und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich nicht zur Zielgruppe des Buches gehöre. Ich habe mich schlichtweg „zu jung“ gefühlt, auch auf die Gefahr hin, dass sich das vielleicht schräg anhört. Einige Stellen im Buch haben mir sehr gut gefallen, andere haben mich furchtbar genervt (hauptsächlich die Hamburger Szenen). Vielleicht, weil das mittlerweile schon so oft thematisiert worden ist.

„Altes Land“ ist keineswegs ein schlechtes Buch, aber es war nicht mein Fall. Das kommt vor. Deswegen rate ich keinesfalls davon ab, ich kann es jedoch Leser|innen meines Alters (Mitte|Ende 20) leider nur begrenzt weiterempfehlen. Diese Bewertung ist natürlich rein subjektiv, wer also Lust hat, das Buch zu lesen, der|die sollte dies auch tun!

Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Erstmalig als Taschenbuch im Penguin Verlag – 304 S. – ISBN: 978-3-328-10012-6

[Rezension] „Die Erfindung der Flügel“ | Sue Monk Kidd

Sue Monk Kidd ist eine US-amerikanische Schriftstellerin, die mit „Die Bienenhüterin“ ihren internationalen Durchbruch feierte. „Die Erfindung der Flügel“ ist ihr neuester (kürzlich im Taschenbuch erschienener) Roman. Die Autorin ist vor allem durch das Verfassen von Biografien bekannt geworden, was sich auch in diesem Buch bemerkbar macht.

In „Die Erfindung der Flügel“ finden wir uns Anfang des 19. Jahrhunderts in Charleston, einer Hafenstadt im US-Bundesstaat South Carolina, vor. Charleston ist zu dieser Zeit eine der reichsten Städte des Landes, wohl vor allem aufgrund ihres Rufs als Hafenstadt. Insbesondere Baumwolle wird hierüber um 1800 herum zum „boomenden“ Faktor der Stadt. (Quelle: hier )  Es ist vor allem die farbige Bevölkerung, die in Form von Sklavenarbeit darunter leiden muss. Denn obwohl ‚Schwarze‘ den größten Teil der Bevölkerung Charlestons ausmachen, haben doch ‚Weiße“ die Macht an sich gerissen, wie es wohl zu dieser Zeit überall der Fall ist.

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Viele Farbige träumen davon frei und unabhängig leben zu können, so auch Hetty Handful Grimké, die als Sklavenmädchen, Dienerin und Kammerzofe das Geschenk zu Sarah Grimkés elften Geburtstag darstellt. Diese ist davon so gar nicht angetan, ist sie doch als eine der wenigen nicht einverstanden mit der Sklavenhaltung. Als Tochter eines angesehenen Plantagenbesitzers und einer Mutter mit strengen Richtlinien, hat sie es da jedoch schwer. Noch dazu als Mädchen. Sarah und Handful trennen – nicht nur äußerlich und familiär – Welten, doch sie nähern sich an, lernen sich kennen und fassen Vertrauen zueinander. Vor allem in ihren Träumen finden sie Gemeinsamkeiten: beide wünschen sich ein freies und selbstbestimmtes Leben ohne Sklaverei und mit mehr Rechten für einerseits ‚Schwarze‘ und andererseits ‚Frauen‘. Sie träumen sozusagen davon, sich ihre eigenen Flügel neu (oder überhaupt) zu erfinden.

Die Geschichte beider Hauptfiguren wird abwechselnd aus der Perspektive Handfuls und Sarahs geschildert, wodurch wir als Leser einen sehr guten Einblick in beiderlei Sichtweisen bekommen, die teils tief berühren. Ich habe vor allem die Perspektive Handfuls besonders gerne gelesen, weil sie uns in „ihre Welt“ entführt und mir – auch wenn Sarah keine unsympathische Figur ist – einfach menschlicher und näher vorgekommen ist. Doch auch Sarah begehrt auf und hat ein hartes Los, als sie beginnt für ihre Überzeugung zu kämpfen. Beide Sichtweisen sind unfassbar interessant (und sprachlich gut!) zu lesen, was zusätzlich dadurch verstärkt wird, dass das Buch in fünf Zeitabschnitte gegliedert ist. Dies ermöglicht dem Leser die Entwicklung beider Mädchen/Frauen zu verfolgen sowie gleichzeitig einen Blick auf die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen des Landes zu werfen. Ein paar Stellen des Buches hätten meiner Meinung nach weniger ausschweifend erzählt werden können, vor allem was Sarahs Reisen und ihren Glauben angeht. Ihr Kampf für die Rechte von Sklaven und Frauen finde ich bewundernswert und mutig, keine Frage, dass die Autorin dies so stark betont, aber doch schweift sie da mancherorts etwas ab, wohingegen die Kapitel aus Handfuls Sichtweise ein wenig zu kurz kommen. Das ist jedoch mein einziger kleiner Kritikpunkt an diesem Buch, welches ich wirklich sehr gerne gelesen habe. Nicht übersehen sollte man vor allem die Anmerkungen der Autorin im Nachwort, denn dort schildert sie die Gründe und ihre persönliche Motivation für das Buch, was mir „Die Erfindung der Flügel“ noch ein Stück nähergebracht hat.

Eine klare Empfehlung für all jene, die gerne historisch interessantes Wissen in Verbindung mit wunderbarer Erzählweise lesen. Und Sue Monk Kidd, die kann wahrlich gut erzählen!

Aus dem Amerikanischen von Astrid Mania – btb Verlag – 496 S. – ISBN: 978-3-442-71467-4

[Weil ich ein Leben habe] #2

hier geht es zu #1

Krankheit ist ein Thema, über das öffentlich ungerne gesprochen wird (jedenfalls, wenn man noch jung ist) – und ich meine jetzt nicht den allgemeinen Schnupfen und die jährliche Grippewelle, darüber wird ausführlich und gerne eine gesellschaftliche Debatte geführt. Nein, ich spreche von chronischen Erkrankungen, psychischen Erkrankungen und den anderen fiesen Sachen, die häufig mit einem weiteren unaussprechlichen Thema verbunden sind: dem gesellschaftlichen Tod.

Dabei ist nicht darüber reden genauso uncool wie zu viel. Eine Krankheit will Aufmerksamkeit – und die holt sie sich, egal wie. Sie komplett zu ignorieren (zumindest im „Außenleben“) ist also keine Lösung. Viele scheuen sich – und ich kann das total gut nachvollziehen – denn man möchte ja unbedingt,  unbedingt ein „normales“ Leben leben, weiß aber ganz genau, dass das eben nicht so ganz möglich ist. Dieser Spagat zwischen kranksein und dennoch nicht auffallen ist für viele Betroffene unglaublich wichtig. Für mich auch. Ich wollte das immer können, aber irgendwann ist mir klargeworden: das geht nicht. Jedenfalls nicht im Ganzen. (Eine Ballerina wird leider auch nie aus mir, auch wenn die Werbung suggeriert: Mit den richtigen Medikamenten kannst auch du Tänzerin werden.) Und seitdem fühle ich mich sehr viel wohler. Ich bin ok so wie ich bin, auch wenn ich viele, viele Dinge eben nicht mitmachen kann und manchmal fluchend zu Hause sitze, weil ich das natürlich nicht will, dieses nein sagen. Wer will das schon? Dennoch, an diesen Punkt zu kommen, an dem ich wirklich von ganzem Herzen sagen kann: Ich bin ok, auch wenn ich nicht mit meinen Freunden am Wochenende ausgehen kann. | Ich bin ok, auch wenn ich keine Karriere machen kann. | Ich bin ok, auch wenn ich vielleicht keine Familie gründen kann. | Ich bin ok, auch wenn ich nicht ok bin., das hat eine kleine Ewigkeit gedauert.

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Ich habe sehr früh die Erfahrung gemacht, dass einen nicht nur die Krankheit an sich zu einem kleinen Alien macht, sondern alles, was damit verbunden ist. Das Leben läuft in der Regel mit ein, zwei und mehr chronischen Erkrankungen (ich spreche weiterhin „nur“ davon, da es mich betrifft, ich meine aber generell alle vorhin genannten Erkrankungen und mehr) nicht nach einem genormten Muster ab. Klar geht man in den Kindergarten, zur Schule, macht eine Ausbildung oder ein Studium, trifft Freunde, unternimmt Sachen, kurz: nimmt am öffentlichen Leben teil. Aber mit Abstrichen und unter teils vollkommen anderen Bedingungen. Was vielen nicht bewusst ist: es kann verdammt hart sein – in den kleinsten Dingen. Niemand sieht, dass man Schmerzen hat und man sagt natürlich auch nichts. Wäre ja blöd, soll man da jede Sekunde „Aua“ rufen?! Also, bitte… Niemand weiß, dass man morgens erstmal ne Portion Tabletten benötigt, um die Morgensteifigkeit aus den Gliedern zu verbannen. Und wenn, dann kann man sich das nicht vorstellen. Erst, wenn man selbst krank ist, kann man sowas wirklich nachvollziehen (und das meine ich gar nicht böse, es ist einfach so!). Noch so eine Sache: Medikamente nehmen heißt nicht, dass man plötzlich alles kann. Sie erleichtern manches, hemmen Entzündungen, schwächen Schmerzen etc., aber sie können nicht zaubern. Und: Medikamente haben Nebenwirkungen. Viele. So wird dann schwupps aus einer chronischen Erkrankung noch eine… und noch eine. Oder ganz einfach ausgedrückt: aus den Fußschmerzen werden etwas leichtere Fußschmerzen mit Bauchschmerzen. Ich könnte da jetzt ganz viele Beispiele nennen, so aus dem täglichen Leben, aber ich möchte niemanden langweilen. Stellt euch einfach vor, ihr hättet furchtbar schwer Grippe. So mit Gliederschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Bauchweh, sich fühlen wie einmal durchgekaut und wieder ausgespuckt, wie vom Laster überfahren und so gelenkig wie eine Eisenbahnschiene. Ja, so ungefähr fühlt man sich z.B. mit einer Polyarthritis & Co. Und trotzdem steht man auf und macht und tut, nicht nur, weil man muss, sondern vielmehr, weil man will. Denn, was oft gedacht wird, aber gar nicht der Wahrheit entspricht: immer krank zu sein bedeutet nicht, auch immer unglücklich zu sein. Klar ist vieles echt… eh… scheiße, aber: es gibt vieles, was einen trotzdem glücklich macht. Bei mir ist das so: Nicht die Karriere steht im Vordergrund, sondern alles, was ich mir im Kleinen erarbeite. Nicht der nächste Urlaub im Großen, aber der kleine Tagesausflug. Die Sonne nach einer Woche „wenn-nichts-mehr-geht“ genießen, auch wenn ich im Schatten (nicht nur metaphorisch) laufen muss. Gerüche und Geräusche, die Erinnerungen wachrufen, die ich längst für vergessen hielt. Ja, und wenn ich anderen mit meinen Gedanken und Gefühlen irgendwie ein wenig helfen kann, dann macht mich das auch glücklich. Darum schreibe ich. Und, ich betone es noch einmal: Über Krankheit zu reden heißt nicht, darin aufzugehen oder gar ihr „Raum zur freien Entfaltung zu geben“, sondern sich einen Weg zu erarbeiten, damit umzugehen. (Dazu muss man ja nicht 24/7 in die Welt herausschreien: Hallo! Ich bin krank! Die Welt ist so ungerecht! Alles ist scheiße! – Das darf man auch mal denken, ja, aber dann ist es auch wieder ok. Das bringt nämlich mal so gar nichts, außer Verbitterung und Weltschmerz – und die beiden braucht keiner.) Denn den Raum nimmt sich eine Erkrankung so oder so. Man kann dann entweder verbittert oder verbiestert sein oder einen Weg finden, wie man trotzdem glücklich sein kann. Und den habe ich gefunden. Nicht zuletzt durch Bücher natürlich!

(…)

[paperandpoetryleseclub] John Irving | Das Hotel New Hampshire

Erst einmal vielen lieben Dank für euer zahlreiches Interesse, die vielen Nachrichten, Umfrageteilnahmen etc. bezüglich des „John Irving Leseclubs“. Ich bin begeistert, mit so vielen habe ich gar nicht gerechnet! Nach Auswertung der Umfrageergebnisse darf ich euch nun mit Freude unseren ersten gemeinsamen Irving verkünden: ‚Das Hotel New Hampshire‘! Weiterhin werden wir, bei anhaltendem Interesse und|oder Gefallen, alle drei Monate einen weiteren Irving gemeinsam lesen.

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Damit nun alle genügend Zeit haben, sich das Buch noch zu besorgen, falls es nicht im heimischen Bücherregal einen Platz hat, schlage ich den 24. April als Starttermin vor. Gerne auch später oder früher, wenn ihr mögt, denn – und das ist mir sehr wichtig – es soll absolut locker und ohne Druck gelesen werden. Es geht mir vielmehr um das „Gemeinschaftserlebnis“ Irving als darum, das Buch anhand der einzelnen Kapitel komplett zu analysieren. Sicher dürft ihr das gerne machen, wenn ihr mögt, aber ich bevorzuge einen anderen Blickwinkel, andere Fragen|Aufgaben an euch, die ich euch unten kurz erläutere, die aber ebenfalls nicht zwingend beantwortet bzw. erfüllt werden müssen. Ich kenne das aus eigener Erfahrung, dass solch ein „gemeinsamer Zwang“ oft das Lesevergnügen trübt und unnötig Druck bzw. Stress aufbaut, was genau das Gegenteil von dem bewirkt, was lesen eigentlich tun soll: uns Spaß, Freude, Entspannung, das Entdecken neuer Welten etc. schenken. Sicher möchte ich mit euch über das Buch reden, sonst hätte ich diese Aktion nicht ins Leben gerufen, aber doch soll es euch freistehen, wann ihr lest und was ihr mit uns teilen möchtet. Nur eine Sache ist mir daher wichtig, das miteinander Kommunizieren. Um unsere Beiträge zu finden, zu kommentieren, uns miteinander zu verbinden etc. nutzt ihr bitte #paperandpoetryleseclub – ihr dürft, könnt, sollt überall darüberschreiben, wo ihr möchtet. Auf eurem Blog, Instagram, Twitter (…), das ist ganz euch überlassen! (Auf Facebook wird es von mir vorerst keine Gruppe geben, da ich diese Plattform privat schon äußerst selten nutze und mit meinem Schriftblog sowie Instagram relativ gut beschäftigt bin. Sollte die Nachfrage danach größer werden, erstelle ich zum nächsten Mal eine FB-Gruppe.) Ihr solltet lediglich kennzeichnen, worum es geht, damit wir uns finden. Selbstverständlich erstelle ich auch eigene Posts, unter denen wir fleißig diskutieren können.

Mögliche Aufgaben|Fragen|Weiteres

  • Setzt das Buch in Szene und stellt euch ein wenig vor. Habt ihr schon viele Irvings gelesen oder ist dies euer erster? Was erwartet ihr von dem Buch oder von dem Leseclub? Worauf freut ihr euch besonders?
  • Gebt ein, zwei oder mehr (so viel ihr mögt) Leseupdates. Entspricht das Buch euren Erwartungen? Gefällt es euch bisher oder eher weniger? Wenn ja/nein, warum?
  • Welche Figur habt ihr ins Herz geschlossen? Wen könnt ihr vielleicht so gar nicht ab?
  • Sammelt Zitate! Markiert euch eure Lieblingspassagen, schreibt sie heraus und teilt sie mit uns! Hat euch etwas so beeindruckt oder zum Nachdenken angeregt, dass ihr es gerne mit uns besprechen möchtet? Nur zu!
  • Zieht ein Fazit! Was hat euch gefallen, was vielleicht nicht? Würdet ihr, falls es euer erster Irving war, gerne einen weiteren lesen?
  • Alles kann, nichts muss. Lest in eurem eigenen Tempo, fühlt euch zu nichts verpflichtet! Das alles sind lediglich Anregungen. Wenn ihr gerade doch keine Zeit habt, die Lesemotivation ins Bodenlose fällt, oder euch das Leben sonst wie dazwischenfunkt, ist das voll ok! Genauso umgekehrt. Ihr dürft/könnt jederzeit gerne mitmachen, auch mit euren eigenen Ideen! Vergesst nur bitte nicht #paperandpoetryleseclub – denn sonst wird es schwierig bis unmöglich, uns zu finden.
  • Sehr wichtig: Habt ganz viel Lesefreude!!! Und wenn ihr mögt, dann teilt diese mit uns!
  • Speziellere Fragen werden sich im Laufe des Lesens und im Miteinander entwickeln – ich werde aber bestimmt mal die ein oder andere Frage zusätzlich in die Runde werfen!

Sollte es noch Rückfragen geben, so stellt sie mir sehr gerne und bis dahin, viel Spaß!

[Rezension] ‚Alles, was ich nicht erinnere‘ | Jonas Hassen Khemiri

Jonas Hassen Khemiri ist ein schwedischer Schriftsteller und gilt in der dortigen Literaturszene als „Star“. Bereits mit seinem Debütroman ‚Das Kamel ohne Höcker‘ erlangte er internationalen Erfolg. ‚Alles, was ich nicht erinnere‘ ist sein vierter Roman und in 25 Ländern erschienen.

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In ‚Alles, was ich nicht erinnere‘ geht es um Samuel. Samuel ist tot, aber nicht vergessen, denn er lebt in den Erinnerungen seiner Freunde und Familie weiter. Diese wissen aber alle nicht so recht, was nun eigentlich passiert ist. War es ein Unfall? War es Selbstmord? Wenn ja, wer oder was hat ihn so weit gebracht? Und, wer war Samuel eigentlich wirklich? Denn Samuel hat viele Gesichter und für jeden ein anderes. Das Herauszufinden versucht ein namenloser Journalist, zeitweise gleichzeitig der Erzähler, der dazu mit den Personen spricht, die mit Samuel in Kontakt gestanden haben. Er interviewt Nachbarn, Krankenschwestern und -pfleger und versucht, auch zu Samuels Familie und näheren Freunden Kontakt aufzunehmen. Nach und nach setzt sich so aus einzelnen Fragmenten und Puzzleteilen der wahre Samuel – oder zumindest ein Teil dessen – zusammen.

Es gibt drei Personen, denen Samuel besonders nahegestanden hat. Da ist zunächst Vandad, Samuels bester Freund, nach außen knallhart, Typ Möchtegern-Gangster mit ewig anhaltenden Geldsorgen. Laide, Samuels große Liebe, zum Teil schwer durchschaubar und so für Samuel kaum greifbar und für Vandad ein Dorn im Auge sowie „die Pantherin“, eine gemeinsame Freundin Samuels und Vandads, in die Samuel früher vielleicht sogar verliebt gewesen ist und die mittlerweile in Berlin lebt. Alle haben, wenn auch in Schweden geboren bzw. aufgewachsen, arabische Wurzeln und das ist es, was sie, neben Samuel als Knotenpunkt, am Stärksten miteinander verbindet.

Zunächst mag ‚Alles, was ich nicht erinnere‘ den|die Leser|in verwirren, denn es ist schon etwas schwierig auszumachen, wer nun erzählt. Ist es Vandad, Laide, der namenlose Interviewer oder jemand ganz anderes? Anhand der drei Teile ‚AM‘, ‚Laide‘ und ‚PM‘ kann man sich etwas orientieren und generell gilt: ein Abschnitt Interviewer (Gegenwart), einer Vandad (Vergangenheit), einer Laide (Vergangenheit) – das stimmt nicht immer, aber so grob. ‚AM‘ beschreibt den Zustand, bevor der Leser Samuel näher kennt. Er|Sie lernt diesen in dem Abschnitt etwas, aber noch nicht richtig, kennen. Im zweiten Teil, ‚Laide‘, kommt Samuels Freundin Laide hinzu. Hier lernen wir Samuel besser kennen, nämlich unter dem Einfluss Laides. ‚PM‘ beschreibt mögliche Auslöser, die zu Samuels Tod geführt haben können und ist der rasanteste Abschnitt, den man vorzugsweise am Stück lesen sollte. Khemiris Schreibstil baut, aufgrund fehlender Anführungszeichen, moderner Sprache, eigensinniger Grammatik und der eben erwähnten häufigen Perspektivwechsel sowie Zeitsprünge eine unglaublich fesselnde und intensive Dynamik auf. Man spürt förmlich den eigenen Herzschlag während des Lesens von ‚Alles, was ich nicht erinnere‘, ganz so, als würde man mit den Figuren einen wilden Roadtrip durchleben. Rasant, energiegeladen und voll Spannung, aber auch Trauer und Schmerz schildert der Autor eine faszinierende Geschichte, die sich so schnell nicht vergessen lässt und die uns letztlich fragen lässt, kann man eine einzelne Person tatsächlich kennen oder bleibt immer etwas im Verborgenen? Lernt man einen Menschen nicht immer nur aus der eigenen Perspektive kennen? So, wie man diesen sehen und haben will? Nebenbei beleuchtet Khemiri in Ansätzen die Schwierigkeiten und Problematiken von Migranten in Schweden, die wohl als Parallele zum Leben des Autors gesehen werden können.

Es fiel mir tatsächlich etwas schwer, das Buch in Worte zu fassen, gerade weil es (und das fällt mir wiederum leicht) mir außerordentlich gut gefallen hat. Sobald ich verstanden hatte, wer nun wann berichtet (und das ist zunächst wirklich etwas schwierig), war ich im Sog des Buches gefangen. Ich kann es daher nur empfehlen, allerdings muss man zu Beginn etwas durchhalten, um das Erzählergewirr zu entknoten. Danach ist es ein unglaublich faszinierender Roman mit Suchtgefahr, für den jedes weitere Wort eines zu viel wäre.

Ganz herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Aus dem Schwedischen von Susanne Dahmann – DVA Belletristik – 336 S. – ISBN: 978-3-421-04724-3

[Büchertalk] Die LovelyBox von LovelyBooks

Ich möchte euch heute gerne die #LovelyBox von LovelyBooks zeigen, die ich diesen Monat gewonnen habe und die ihr sicher schon anderswo erspäht habt, ich bin ein bisschen spät dran – entschuldigt. Im Allgemeinen stelle ich hier auch eher nicht vor, welche Bücher ich neu erstanden oder zugeschickt bekommen habe, weil sich das dann sehr mit meinen Besprechungen überschneiden oder gar wiederholen würde und, weil ich dafür einfach etwas zu … faul … bin. Zugegeben. Ich stecke meine Energie und Zeit vorzugsweise in Rezensionen oder andere Texte rund ums Buch und mehr, als Bücher vorzustellen, die ich noch nicht gelesen habe und zu denen ich nicht ganz so viel sagen bzw. schreiben kann. Aber: Ich schaue mir das bei anderen dennoch ganz gerne an, um mich inspirieren zu lassen und neue Bücher zu entdecken, die ich bisher vielleicht so gar nicht auf dem Schirm hatte. (Das ist also keine Kritik an anderen Blogs, im Gegenteil!) Oder wünscht ihr euch hier mehr in diese Richtung? – Eh, zurück zum Thema.

Die aktuelle LovelyBox, die man nur auf www.lovelybooks.de, nach Anmeldung gewinnen kann, steht dieses Mal unter dem Motto „Literarischer Frühling“ und daher freue ich mich umso mehr, dass ich sie gewonnen habe. Die LovelyBox ist wunderbar liebevoll verpackt und zusammengestellt und der Inhalt kann sich wirklich sehen lassen:

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Zwei der Titel habe ich bereits schon gelesen, aber das macht so gar nichts. Denn für ‚Bis an die Grenze‘ von Dave Eggers aus dem KiWi Verlag habe ich eine glückliche neue Besitzerin gefunden (geschenkt natürlich!) und ‚Ellbogen‘ von Fatma Aydemir aus dem Hanser Literaturverlag hatte ich selbst „nur“ ausgeliehen, wollte ich mir aber für mein Bücherregal gerne noch zulegen. Es gehört für mich einfach zur Kategorie ‚Bücher, die man im Regal stehen haben muss‘, zum nochmal drin blättern, Zeilen und Abschnitte nachschlagen oder einfach zum erneuten Lesen, klar! Besonders freue ich mich aber über ‚So, und jetzt kommst du‘ von Arno Frank aus dem Tropen Verlag bei Klett-Cotta. Bereits auf der Leipziger Buchmesse stand ich davor, habe überlegt, dann aber noch nicht zugeschlagen, weil irgendwann ist auch mal Sense (sagt das Portmonee, nicht das Bücherherz). Die Glücksfee war mir hold und hat es mir letztlich doch beschert – ihr könnt euch also vorstellen, wie sehr ich mich darüber freue!

Für diejenigen unter euch, die die Bücher noch nicht kennen, empfehlen kann ich bisher ganz besonders ‚Ellbogen‘, was für mich schon jetzt zu meinen Frühjahrshighlights zählt, aber auch ‚Bis an die Grenze‘ fand ich gut, jedoch nicht herausragend. Über ‚So, und jetzt kommst du‘ werde ich bestimmt berichten! Ich kann euch weiterhin empfehlen, euch für den LovelyBooks LovelyBox-Newsletter anzumelden. Da bekommt ihr rechtzeitig Bescheid, wenn die nächste Verlosung stattfindet – und vielleicht habt ihr ja Glück?! (Ich drücke die Daumen!) 😊

[Rezension] „Lanz“ | Flurin Jecker

„Lanz“ ist der Debütroman eines jungen Schweizer Autors mit dem wunderbar lautmalerischen Namen: Flurin Jecker. Dieses Buch ist nach eigenen Worten des Autors „mehr oder weniger zufällig“ (Quelle: hier) gleichzeitig seine Abschlussarbeit am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel geworden und nun bei Nagel & Kimche im Hanser Literaturverlag erschienen.

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Lanz, der titelgebende Vierzehnjährige Protagonist, nimmt in der Schule an einem Kurs teil, der da heißt: ‚Ich schreibe einen Blog.‘ Klingt genauso langweilig, wie Lanz es findet – und trotzdem sitzt er jetzt in diesem Kurs. Wegen Lynn. Doch die erscheint am ersten Kurstag gar nicht, dafür aber sein ungeliebter Lehrer Herr Gilgen, der Gilgonator. Lanz sieht sich von nun an gezwungen, einen Blog zu schreiben, in dem er von seinem Leben erzählt, seinen geschiedenen Eltern, wie es sich für ihn anfühlt, mal bei seiner Mutter, mal bei seinem Vater zu leben und auf welche Art sie jeweils mit ihm umgehen, ihn erziehen oder auch nicht erziehen. Weiterhin schreibt er von Lynn, auf welche Weise er versucht ihr näher zu kommen (und das scheinbar nicht so richtig funktionieren will) seinen Freunden und (Nicht-) Freunden, ja, einfach von seinem kompletten alltäglichen Leben bis hin zu den tiefsten geheimen Empfindungen, die in jedem stecken. Als Lanz alles zu viel zu werden scheint, vor allem, als Gilgen von seinen Kursteilnehmern verlangt, ihre jeweiligen Blogs l-a-u-t vorzulesen, muss Lanz ganz dringend weg. Denn, was da in seinem Blog steht, das soll bitte möglichst keiner lesen. Bloß nicht.

Auf ganz frische und moderne Art, weil einzigartig und sich selbst treu (so meine außenstehende Beobachtung), schildert Flurin Jecker eine Kindheit im Übergang zum Erwachsenwerden. Seine Sprache besticht nicht nur durch seine Eigenwilligkeit, sondern vor allem durch eine nötige Wärme, die dem Geschehen an Authentizität verleiht – viel mehr als es jeder noch so hippe Jugendjargon könnte. Jedes Kapitel entspricht einem Blogeintrag Lanz‘ und liest sich – nicht allein deswegen, aber auch – sogartig weg. Besonders gelungen finde ich die Überschriften, die man sich am besten ganz langsam mit Zeit zum darüber Nachdenken oder auch mal Grinsen durchliest.

Jecker schreibt von einer Kindheit, wie sie sicher viele erleben oder erlebt haben: elterliche Scheidung, eigenes Seelenchaos, wohin mit mir?, etc. . Auch wenn Jeckers Protagonist Lanz einen Blog – also etwas ziemlich Modernes (oder ist das schon wieder out?) – schreibt, erreicht er damit nicht nur die tatsächlich Jüngeren, sondern vor allem auch die im Herzen jung Gebliebenen oder die, die sich zumindest noch an das Gefühl ihrer Kindheit erinnern können. Denn letztlich ist ein Blog in vielen Fällen nichts anderes als ein Tagebuch und wird von Lanz auch als solches genutzt: ein Ventil für seine Gedanken- und Gefühlswelt.

Auch wenn ich zu Beginn einige Zeit gebraucht habe, um mich in das Buch einzufühlen, so gefällt es mir im Nachhinein immer besser. Während des ersten Lesens hatte ich noch meine Bedenken, wo das hinführen sollte, was mir der Roman sagen möchte –  und war teils etwas verwirrt aufgrund der Namen, der vielleicht ‚schwyzerdütschen‘ sprachlichen Eigenarten. Nach dem zweiten Anlesen und Durchblättern (in dem mir oft kleine Details erst richtig bewusstwerden, die das nötige, vielleicht noch fehlende Puzzleteil zum großen Ganzen sind) kann ich sagen: Ich mag es sehr gerne! Es ist aber sicher ein Buch, das aufgrund seiner sprachlichen Eigenheit nicht jedermanns Geschmack trifft. Wer sich für Adoleszenzromane, ‚Coming-of-Age‘-Geschichten und frischem sprachlichen Wind begeistern kann, dem wird der Roman sicher gefallen.

Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Nagel & Kimche im Hanser Literaturverlag – 128 S. – ISBN: 978-3-312-01022-6

[Büchertalk] John Irving Leseclub

Pünktlich zum Frühjahr bekomme ich irgendwie Lust auf John Irving Bücher. Ich weiß nicht genau, warum. Vielleicht, weil sie so herrlich phantastisch anmuten und einem das Gefühl von frischem Wind in den Haaren vermitteln. Vielleicht auch einfach so, denn eigentlich kann man einen Irving ja immer lesen. Ein satirisch überzeichneter Blick auf die Gesellschaft, immer das Zwischenmenschliche vor Augen – auf Irvingsche Art – why not?

In meinem Besitz befinden sich aktuell alle unten genannten und oben gezeigten vierzehn Irving Bücher (also meines Wissens alle „größeren“ Werke), die ich sehr gerne nach und nach erneut, das ein oder andere auch zum ersten Mal, lesen möchte. Stück für Stück. Buch für Buch. Monat für Monat. Hätte da jemand von euch ebenfalls Lust drauf? Das wäre dann quasi eine Art „Online-Irving-Leseclub“. Ich würde vorschlagen, jeden Monat einen Irving zu lesen – vielleicht sogar sortiert nach dem Jahr des Erscheinens? – und auf dem Blog und Instagram darf zu dem jeweiligen Beitrag (natürlich auch untereinander) fleißig diskutiert werden. Am Ende ziehen wir ein Fazit. Wäre das was? Um unsere Beiträge zu finden, können wir uns zusätzlich mit dem Hashtag #paperandpoetryleseclub verbinden, austauschen und eine hoffentlich tolle Leseerfahrung mehr auf unser Erlebniskonto buchen. Auf weitere Ideen eurerseits freue ich mich und bis dahin liste ich alle Irving Bücher auf, die wir lesen könnten:

1968 ‚Setting Free the Bears‘ | Dt. von Michael Walter 1985: „Laßt die Bären los!“ | ISBN 3-257-21323-9

1972 ‚The Water-Method Man‘ | Dt. von Edith Nerke und Jürgen Bauer 1989: „Die wilde Geschichte vom Wassertrinker“ | ISBN 3-257-22445-1

1974 ‚The 158-Pound Marriage‘ | Dt. von Nikolaus Stingl 1986: „Eine Mittelgewichts-Ehe“ | ISBN 3-257-21605-X

1978 ‚The World According to Garp‘ | Dt. von Jürgen Abel 1979: „Garp und wie er die Welt sah“ | ISBN 3-499-15042-5

1981 ‚The Hotel New Hampshire‘ | Dt. von Hans Hermann 1982: „Das Hotel New Hampshire“ | ISBN 3-257-21194-5

1985 ‚The Cider House Rules‘ | Dt. von Thomas Lindquist 1988: „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ | ISBN 3-257-21837-0.

1989 ‚A Prayer for Owen Meany‘ | Dt. von Jürgen Bauer 1990: „Owen Meany“ | ISBN 3-257-22491-5

1994 ‚A Son of the Circus‘ | Dt. von Irene Rumler 1995: „Zirkuskind“ | ISBN 3-257-22966-6

1998 ‚Widow for One Year‘ | Dt. von Irene Rumler 1999: „Witwe für ein Jahr“ | ISBN 3-257-23300-0

2001 ‚The Fourth Hand‘ | Dt. von Nikolaus Stingl 2002: „Die vierte Hand“ | ISBN 3-257-23370-1

2005 ‚Until I Find You‘ | Dt. von Dirk van Gunsteren und Nikolaus Stingl 2006: „Bis ich dich finde“ | ISBN 3-257-06522-1

2009 ‚Last Night in Twisted River‘ | Dt. von Hans M. Herzog 2010: „Letzte Nacht in Twisted River“ | ISBN 3-257-06747-X

2012 ‚In One Person‘ | Dt. von Hans M. Herzog und Astrid Arz 2012: „In einer Person“ | ISBN 3-257-06838-7

2015 ‚Avenue of Mysteries‘ | Dt. von Hans M. Herzog 2016: „Straße der Wunder“ | ISBN 3-257-06966-9

(Quellen: hier und hier)

Meine Fragen an euch:

Wer hat Interesse?

Mit welchem Buch fangen wir an?

Ein Buch pro Monat oder eines alle zwei, drei Monate?

Habt ihr noch Rückfragen, Ideen, Vorschläge?

PS: Teilt diesen Beitrag sehr gerne, nur wenn ihr mögt natürlich, ich freue mich über möglichst zahlreiche Teilnehmer|Innen!

PPS: Ich habe einen semiprofessionellen Umfragebogen erstellt. Einfach hier „Ja“ oder „Nein“ beim jeweiligen Titel anklicken und das Buch mit den meisten Stimmen wird unser erster gemeinsamer Irving!
Die Umfrage ist beendet, hier erfahrt ihr, welches unser erster gemeinsamer Irving wird!