[Rezension] „Die Erfindung der Flügel“ | Sue Monk Kidd

Sue Monk Kidd ist eine US-amerikanische Schriftstellerin, die mit „Die Bienenhüterin“ ihren internationalen Durchbruch feierte. „Die Erfindung der Flügel“ ist ihr neuester (kürzlich im Taschenbuch erschienener) Roman. Die Autorin ist vor allem durch das Verfassen von Biografien bekannt geworden, was sich auch in diesem Buch bemerkbar macht.

In „Die Erfindung der Flügel“ finden wir uns Anfang des 19. Jahrhunderts in Charleston, einer Hafenstadt im US-Bundesstaat South Carolina, vor. Charleston ist zu dieser Zeit eine der reichsten Städte des Landes, wohl vor allem aufgrund ihres Rufs als Hafenstadt. Insbesondere Baumwolle wird hierüber um 1800 herum zum „boomenden“ Faktor der Stadt. (Quelle: hier )  Es ist vor allem die farbige Bevölkerung, die in Form von Sklavenarbeit darunter leiden muss. Denn obwohl ‚Schwarze‘ den größten Teil der Bevölkerung Charlestons ausmachen, haben doch ‚Weiße“ die Macht an sich gerissen, wie es wohl zu dieser Zeit überall der Fall ist.

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Viele Farbige träumen davon frei und unabhängig leben zu können, so auch Hetty Handful Grimké, die als Sklavenmädchen, Dienerin und Kammerzofe das Geschenk zu Sarah Grimkés elften Geburtstag darstellt. Diese ist davon so gar nicht angetan, ist sie doch als eine der wenigen nicht einverstanden mit der Sklavenhaltung. Als Tochter eines angesehenen Plantagenbesitzers und einer Mutter mit strengen Richtlinien, hat sie es da jedoch schwer. Noch dazu als Mädchen. Sarah und Handful trennen – nicht nur äußerlich und familiär – Welten, doch sie nähern sich an, lernen sich kennen und fassen Vertrauen zueinander. Vor allem in ihren Träumen finden sie Gemeinsamkeiten: beide wünschen sich ein freies und selbstbestimmtes Leben ohne Sklaverei und mit mehr Rechten für einerseits ‚Schwarze‘ und andererseits ‚Frauen‘. Sie träumen sozusagen davon, sich ihre eigenen Flügel neu (oder überhaupt) zu erfinden.

Die Geschichte beider Hauptfiguren wird abwechselnd aus der Perspektive Handfuls und Sarahs geschildert, wodurch wir als Leser einen sehr guten Einblick in beiderlei Sichtweisen bekommen, die teils tief berühren. Ich habe vor allem die Perspektive Handfuls besonders gerne gelesen, weil sie uns in „ihre Welt“ entführt und mir – auch wenn Sarah keine unsympathische Figur ist – einfach menschlicher und näher vorgekommen ist. Doch auch Sarah begehrt auf und hat ein hartes Los, als sie beginnt für ihre Überzeugung zu kämpfen. Beide Sichtweisen sind unfassbar interessant (und sprachlich gut!) zu lesen, was zusätzlich dadurch verstärkt wird, dass das Buch in fünf Zeitabschnitte gegliedert ist. Dies ermöglicht dem Leser die Entwicklung beider Mädchen/Frauen zu verfolgen sowie gleichzeitig einen Blick auf die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen des Landes zu werfen. Ein paar Stellen des Buches hätten meiner Meinung nach weniger ausschweifend erzählt werden können, vor allem was Sarahs Reisen und ihren Glauben angeht. Ihr Kampf für die Rechte von Sklaven und Frauen finde ich bewundernswert und mutig, keine Frage, dass die Autorin dies so stark betont, aber doch schweift sie da mancherorts etwas ab, wohingegen die Kapitel aus Handfuls Sichtweise ein wenig zu kurz kommen. Das ist jedoch mein einziger kleiner Kritikpunkt an diesem Buch, welches ich wirklich sehr gerne gelesen habe. Nicht übersehen sollte man vor allem die Anmerkungen der Autorin im Nachwort, denn dort schildert sie die Gründe und ihre persönliche Motivation für das Buch, was mir „Die Erfindung der Flügel“ noch ein Stück nähergebracht hat.

Eine klare Empfehlung für all jene, die gerne historisch interessantes Wissen in Verbindung mit wunderbarer Erzählweise lesen. Und Sue Monk Kidd, die kann wahrlich gut erzählen!

Aus dem Amerikanischen von Astrid Mania – btb Verlag – 496 S. – ISBN: 978-3-442-71467-4

2 Kommentare zu „[Rezension] „Die Erfindung der Flügel“ | Sue Monk Kidd“

  1. Die Taschenbuchausgabe sieht so schön aus! Ich hab das Buch vor zwei Jahren im Sommer gelesen, als die Gebundene Ausgabe frisch auf dem Markt kam und war auch sehr angetan von der Geschichte! Schön, dass es dir ebenfalls gut gefallen hat. 🙂

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