[Rezension] „Maria Sibylla Merians Reise zu den Schmetterlingen“ | Boris Friedewald

Ein Vorhaben für 2017, von dem ich – soweit ich mich erinnern kann – noch nicht auf dem Blog berichtet habe, lautet: Mehr Biographien, Sachbücher und Kunstbände zu lesen bzw. zu studieren.  Bisher klappt das so mittelmäßig bis gut. Immer mal wieder ist eines dabei, ungefähr so einmal im Monat, aber das ist ok. Zwischendurch blättere ich gerne in meiner bescheidenen Kunstbuchsammlung und vor allem in Büchern von und über Frida Kahlo (die mich schon seit etlichen Jahren fasziniert und begeistert). Es soll aber heute nicht um Frida, sondern um Maria Sibylla Merian gehen, einer mutigen, eigensinnigen und erstaunlichen Frau aus dem 17. Jahrhundert.

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In „Maria Sibylla Merians Reise zu den Schmetterlingen“ von Boris Friedewald (mit Begeisterung habe ich bisher „Dalís Bärte“ und „Die Tiere von Picasso“ gelesen) erzählt der Autor die fesselnde Geschichte von Sibylla Merians Leben anhand ihrer größten Leidenschaft: Schmetterlinge.

Sibylla Merian wächst zu einer Zeit auf, in der der Natur, dem Getier, den Insekten, wenig Beachtung geschenkt wird, aber umso mehr Gott, als dem Schöpfer der Natur. Diese Insekten, vor allem Raupen, sind aber das größte Hobby der 1647, im Dreißigjährigen Krieg, geborenen Sibylla. Ihr Vater, der Verleger und Kupferstecher Matthäus Merian, stirbt, als sie gerade drei Jahre alt ist. Ihre Mutter, Johanna Katharina Sibylla Heim, heiratet daraufhin den Blumenmaler Jacob Marrel, der nach einigem hin und her, vor allem seitens Sibyllas Mutter (man bedenke die Stellung der Frau zu dieser Zeit!) die Ausbildung seiner Stieftochter zur Malerin und Kupferstecherin befürwortet. Diese ist unfassbar begabt und übertrifft sogar ihren Lehrer. Doch nicht nur das. Sibylla ist fasziniert von diesen geheimnisvollen Wesen, den unterschiedlichen Tieren und Insekten, allen voran den Seidenraupen und deren Metamorphose. Sie fängt bereits im Kindesalter an, die Entwicklung der Insekten zu erforschen, indem sie sie beobachtet und jedes einzelne Stadium naturgetreu zeichnet und beschreibt. Es entstehen zahlreiche Skizzen und Zeichnungen, die Sibylla unter anderem 1679 in dem ersten Teil ihres Raupenbuchs mit dem Titel „Der Raupen wunderbare Verwandelung und sonderbare Blumennahrung“ festhält und publiziert. Ein waghalsiges Unterfangen, da Wissenschaft und Forschung diesbezüglich gerade erst im Wandel sind und Sibylla als weibliche Forscherin viel Größe und Mut beweisen muss.

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Wir erfahren in „Maria Sibylla Merians Reise zu den Schmetterlingen“ nicht nur viel historisch interessante und wissenschaftliche Fakten zu der Zeit, in der Sibylla Merian aufwächst und lebt, sondern auch über ihr Privatleben. Vieles lässt sich heute nicht mehr eindeutig rekonstruieren, aber eines ist sicher: sie muss eine unglaubliche Frau gewesen sein. Das macht der Autor Boris Friedewald wortgewandt und mit den passenden Abbildungen mehr als deutlich. Es macht sehr viel Spaß, sich durch die einzelnen Stationen Sibyllas zu blättern, zu lesen und zu schauen, denn ihre Skizzen und Malereien sind nicht nur wissenschaftlich relevant, sondern auch noch wunderbar anzusehen. Gelungen finde ich auch die kurze Zusammenfassung zu Sibylla Merians Lebensstationen und ihrer wichtigsten Werke, die man am Ende des Buches findet.

Ich finde dieses kleine und wunderschöne Buch rundum gelungen und empfehlenswert und werde mit Sicherheit noch das ein oder andere Mal hineinschauen, um mich in die Zeit der Sibylla Merian, der Schmetterlingsfrau, zu verlieren.

Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Prestel Verlag – 166 S. – 70 farbige Abbildungen – ISBN: 978-3-7913-8148-0

 

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