[Rezension] „Ebbe & Blut. Alles über die Gezeiten des weiblichen Zyklus.“ | Luisa Stömer & Eva Wünsch

„Frau sein ist viel mehr als nur nicht Mann sein.“

Denn, auch wenn die Frau von heute gerne mal so tut, als sei sie grenzenlos aufgeklärt und ihr Wissen über ihren eigenen Körper unendlich, so ist das doch – seien wir mal ehrlich – häufig nicht der Fall. Mich eingeschlossen. Nehmen wir nur das Beispiel der Pille, die von vielen (vor allem jungen Mädchen) als eine Art „Wundermittel“ angesehen wird (ohne dabei wertend zu sein, also bitte nicht falsch verstehen!). Die Pickel verschwinden, der Busen wächst, der Zyklus ist regelmäßig und schwanger werden kann man auch nicht. Wie schön! Aber, was passiert mit dem weiblichen Körper nun wirklich unter der Einnahme künstlicher Hormone? Und generell, wie läuft denn so ein Zyklus überhaupt ab und was passiert währenddessen mit und in der Frau? Diesen und anderen – spannenden sowie wichtigen – Fragen gehen die beiden jungen Autorinnen und Illustratorinnen Luisa Stömer und Eva Wünsch in „Ebbe & Blut. Alles über die Gezeiten des weiblichen Zyklus.“ nach. Liebevoll und wunderschön beschreiben und zeigen die beiden Freundinnen den weiblichen Körper mit all seinen Wundern und Macken.

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Auf 240 Seiten führen uns Luisa Stömer und Eva Wünsch durch das Mysterium des weiblichen Körpers. Es zeigt sich (auch wenn wir das sicher schon gewusst haben), dass dieser eine wahre Wunderwelt beherbergt. Mit viel Charme, Witz, Humor und – ganz wichtig – Ästhetik werden in „Ebbe & Blut“ mit Hilfe unterschiedlicher Kapitel die wichtigsten Themen behandelt. Vom eigenen Körperverständnis, über den Zyklus und seine Eigenarten, Schwangerschaft(swunsch), bis hin zu Verhütungsmethoden aller Art und vielen Tipps & Tricks zur richtigen Ernährung und Hilfestellung bei starker Beschwerden (z.B. unter PMS) ist alles dabei – und noch mehr. Dabei wird der weibliche Körper sowohl in Text- als auch in Bildform immer als das absolut Wunderbarste auf der Welt gezeigt (was er ja auch ist!). Keine Frau sollte sich dafür schämen müssen, was mit ihrem Körper passiert, wenn die Menstruation naht oder gerade stattfindet u.ä. Und keine Frau sollte sich dafür schämen müssen, mal nicht „funktionieren zu können“, weder der weibliche noch der männliche Körper sind Maschinen, aber der weibliche hat eben noch ein paar Aufgaben mehr zu bewältigen. Er trägt schließlich die Wiege des Lebens (wie es die beiden Autorinnen sehr schön in der Einleitung betonen).

Dieses Buch ist ein Fest für jede Frau, die ihren Körper besser verstehen möchte, um ihn noch ein wenig mehr zu mögen als bereits zuvor. Denn das eigene Körperbewusstsein und auch ein bisschen Liebe für diesen jenen ist so, so wichtig! Nur wer auf seinen Körper achtgibt, wird die kleinen und manchmal auch großen Signale richtig deuten und sich selbst sehr viel besser verstehen können. Das wirkt sich auch auf das ganze Leben aus. Klingt etwas überzogen? Nö. Find ich nicht. „Ebbe & Blut“ ist kein staubtrockenes Aufklärungsbuch, wie man sich das jetzt vielleicht so vorstellen würde. Es ist wunderschön mittels ästhetisch ansehnlicher und thematisch durchdachter Collagen illustriert und die Texte dazu sind zwar oft recht kurzgehalten, enthalten aber dennoch die wichtigsten Fakten.

„Ebbe & Blut“ befasst sich mit wichtigen weiblichen Themen, die allgemein (immer noch) häufig verschwiegen werden, weil sie als „unfein“ deklariert werden, da sie eben nicht zum alltäglichen Smalltalk gehören. Warum eigentlich? Der weibliche Körper ist so etwas Tolles – und das beweisen Luisa Stömer und Eva Wünsch hier absolut.

Summa summarum, holt euch dieses Buch und schämt euch nicht dafür. Weder dafür, ein Buch über den weiblichen Zyklus zu besitzen (und es toll zu finden), noch für euren wunderbaren Körper. Er will nur verstanden und wohl behandelt werden!

Gräfe und Unzer | 240 S.

[Rezension] documenta 14: Daybook

When in Kassel… Alle fünf Jahre ist es soweit und Kassel wird dank der documenta zum Dreh- und Angelpunkt von Künstler|innen und Kunstbegeisterten weltweit. Wenn man dann schon in Kassel wohnt und (wenn auch auf Laienniveau) kunstbegeistert ist, sollte man sich doch etwas näher mit der documenta beschäftigen. So der Plan. Mir hilft es im Allgemeinen sehr – egal bei welcher Art Kunstbetrachtung – ein Buch zur Hand zu haben, das mir die Künstler|innen und deren Ideen näherbringt, weil ich doch an mehr als der bloßen Betrachtung der Kunstwerke/Performances/Installationen etc. interessiert bin. Ein wenig Hintergrundwissen schadet nie.

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Auf gut 163 Einträgen gibt es nun also im „documenta 14: Daybook“ einiges über die jeweiligen Künstler|innen zu lesen. Wissenswertes über ihr Wirken, ihr Ansinnen und zu ihrer Person, wobei hier jedem|jeder Künstler|in eine Doppelseite gewidmet ist. Diese Doppelseite beschäftigt sich nicht bloß mit dem|der Künstler|in und dem jeweiligen documenta 14 Projekt, sondern geht darüber hinaus. Oben rechts befindet sich je eine Art Kalendereintrag, womit alle Tage von Beginn der documenta 14 am 08. April 2017 in Athen bis hin zum Ende am 17. September 2017 in Kassel abgedeckt sind. Raum und Zeit bilden insofern eine universalgültige Einheit, weil Zeit für jeden immer und überall gleich ist, wenn auch nicht auf der Uhr, so doch vom Gefühl her. Dadurch wird auch der räumliche Unterschied von Athen zu Kassel nichtig – in der Kunst verschwimmen Zeit und Raum. Es ist eine Art Spiel mit der Wahrnehmung, die auf politische und persönliche Ereignisse abzielt, die in der Vergangenheit, aber auch genauso gut noch in der Zukunft liegen können – oder eben im hier und jetzt. In einer weiteren dunkel hinterlegten Box (links unten) auf jeder Kalenderdoppelseite befindet sich ein zweites Datum – und zwar eines, das dem|der Künstler|in besonders am Herzen liegt, was ihm|ihr in persönlicher Erinnerung geblieben ist – und dieses Datum ist (optional) mit einem Foto aus dem eigenen Fundus hinterlegt. Aus allen Zeitebenen zusammen ergibt sich ein historischer, chronologischer und persönlicher Diskurs, der äußerst interessant und vielfältig ist.

Jede Künsterdoppelseite ist mit Fotos, Einträgen und Kurzbiografien von unterschiedlichen Autoren|Autorinnen hinterlegt und somit weitaus mehr als bloß ein documenta 14 Begleitbuch, Ausstellungsführer oder gar reine Informationsquelle (daher auch sehr empfehlenswert für alle, die nicht auf der documenta 14 zugegen sein werden). Auf den Umschlagtaschen des im A4 Format gehaltenen Daybooks befinden sich sowohl vorne als auch hinten ein Index aller Künstler|innen, was das Nachschlagen deutlich vereinfacht. Wissenswertes zur documenta 14 finden sich im Vor- und Nachwort, in dem unter anderem auch die einzelnen Autoren des Buches genannt werden. Ergänzend finden sich zwei Map Booklets – je eines für Athen und eines für Kassel -, die als Karte und Orientierungshilfe in den jeweiligen Orten dienen.

Ich kann das „documenta 14: Daybook“ guten Gewissens jedem weiterempfehlen, der sich für die documenta 14 und deren Künstler|innen im Speziellen sowie für Kunst in allen Facetten im Allgemeinen interessiert. Es gibt einen guten Überblick über die einzelnen Künstler|innen hinaus, ohne dabei zu viel vorweg zu nehmen und so der eigenen Gedanken noch Spielraum zu lassen. Mit dem großen Format ist es vielleicht etwas unhandlich, aber dafür gut durchdacht und praktisch einsetzbar.

Quinn Latimer (Hrsg.) | Adam Szymcyk (Hrsg.) | Prestel Verlag

[Rezension] „Beklage deine Sünden“ | Deborah Crombie

Ich lese nicht mehr allzu häufig Krimis und|oder Thriller. Warum? Sie wiederholen sich oft, haben einen ähnlichen Plot, sind voraussehbar und wenig überraschend. Bei Deborah Crombie mache ich aber immer wieder gerne eine Ausnahme. Crombie war – neben ‚Sherlock Holmes‘, ‚Miss Marple‘ und ‚Tina und Tini‘ als Kind – meine erste „richtige“ Krimi-Leseerfahrung, geprägt durch meine Mutter, der ich die Bücher mit vierzehn (oder so) heimlich aus dem Regal gemopst habe.

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Deborah Crombies Romane spielen allesamt in Großbritannien/Schottland, was wohl der Grund ist, warum ich sie so mag, und handeln von dem Ermittlerduo Duncan Kincaid und Gemma James, die mittlerweile nicht nur im Beruf eine Einheit bilden. Obwohl Crombie in den USA lebt ist alles irgendwie ziemlich typisch britisch. Vom Schreibstil über den Handlungsort bis hin zu den Figuren. Es bleibt elegant und unaufgeregt, aber dennoch spannend.

„Beklage deine Sünden“ ist der nun mittlerweile 17. Fall des Ermittlerteams Kincaid & James und führt den|die Leser|in in ein nobles Wohngebiet in Notting Hill, wo die Leiche einer 24-jährigen Frau entdeckt wird, einem Kindermädchen aus Gemma James näherem Bekanntenkreis. Während Gemma hartnäckig an diesem Fall arbeitet, der immer mysteriöser zu werden scheint, muss Kincaid sich mit einem längst abgeschlossen geglaubten Fall erneut beschäftigen. Sein ehemaliger Vorgesetzter Denis Childs ist zurück und wird nach einem gemeinsamen Treffen zusammengeschlagen im Park gefunden. Sind die Gründe dafür in den polizeiinternen Reihen zu suchen? Duncan befürchtet, nicht nur sich selbst, sondern auch Gemma und den Rest seiner Familie in Gefahr zu bringen, aber doch muss er die Wahrheit herausfinden…

Band 17 der Kincaid & James Reihe setzt einiges an Wissen der vorangegangenen Bände voraus. Das heißt nicht, dass man nicht auch so in die Thematik einsteigen könnte, aber doch ist es von Vorteil und erleichtert den Lesefluss, was gleichzeitig den Lesespaß erhöht. (Logisch.) Ich persönlich habe es gerne, wenn viele Personen auftreten, es unterschiedliche Handlungsstränge gibt und doch irgendwie alles zusammengehört. Das mag aber nicht jedem so gehen und denjenigen sei gesagt: dann könnte es hier leserlich etwas anstrengend werden. Denn Crombie verbindet in ihren Büchern immer sehr schön die jeweiligen Kriminalfälle mit dem Privatleben der Ermittler und so auch oft der Nebenfiguren und in diesem Band treten neben Kincaid und James auch zahlreiche andere Figuren in Aktion, die in irgendeiner Form beleuchtet werden. Da kann man schon mal durcheinanderkommen. In „Beklage deine Sünden“ bleiben deshalb manche Details etwas auf der Strecke – das ist jetzt allerdings jammern auf hohem Niveau. Wer Lust auf einen Krimi mit britischem Flair ohne Blut und sonstigem Horror, dafür aber mit einer gut erzählten Story hat, der liegt hier goldrichtig!

Aus dem Amerikanischen von Urban Hofstetter | Goldmann Verlag | 512 S.

[Vorschau] Büchervorfreude Sommer|Herbst 2017

Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude. So sind unter Buchliebhabern die Vorschauen der Verlage immer ein kleines Highlight. Da dieses Jahr – meiner Meinung nach – unglaublich viele tolle Titel dabei sind, mag ich euch heute ein paar der Bücher vorstellen, die sehr wahrscheinlich ihren Weg zu mir finden werden (wenn sie nicht schon da sind). Denn, geteilte Vorfreude ist doch gleich noch mal schöner!

„Exit West“ | Mohsin Hamid

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Dieser Roman erscheint am 22.08.2017 auf Deutsch im Dumont Verlag (Originaltitel ebenfalls ‚Exit West‘) und gehört bereits jetzt zu den vielbesprochenen Büchern der letzten Monate. Warum? Ich denke, der Verlagstext wird euch einen Einblick geben können:

„In einer Welt, die aus den Fugen geraten ist, in einem muslimisch geprägten Land, das am Rande eines Bürgerkriegs steht, in einer Stadt, die namenlos bleibt, lernen sie sich kennen: Nadia und Saeed. Sie hat mit ihrer Familie gebrochen, fährt Motorrad, lebt säkular und trägt ihr dunkles Gewand nur als Schutz vor den Zudringlichkeiten fremder Männer. Er wohnt noch bei seinen Eltern, ist eher schüchtern und nimmt die Ausübung seiner Religion sehr ernst. Doch während die Stadt um sie herum in Flammen aufgeht, sich Anschläge häufen und die Sicherheitslage immer prekärer wird, finden die beiden zusammen. Sie wollen eine gemeinsame Zukunft, in Freiheit. Und da sind diese Gerüchte über Türen, die diejenigen, die sie passieren, an ferne Orte bringen können. Doch den Weg durch diese Türen muss man sich mit viel Geld erkaufen. Als die Gewalt weiter eskaliert, entscheiden sich Nadia und Saeed, diesen Schritt zu gehen. Sie lassen ihr Land und ihr altes Leben zurück …
›Exit West‹ ist ein überaus berührender Roman, der sich mit den zentralen Themen unserer Zeit beschäftigt: Flucht und Migration. Mohsin Hamid beweist, dass Literatur poetisch und zugleich politisch sein kann.“ (Quelle des Verlagstextes und der Coverabbildung: http://www.dumont-buchverlag.de/buch/hamid-exit-west-9783832198688/)

Politische Thematik poetisch verpackt gehört momentan zu meinen Lesevorlieben. Daher freue ich mich ungemein auf diesen Titel.

„Heimkehren“ | Yaa Gyasi

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Dieser Roman erscheint ebenfalls am 22.08.2017 auf Deutsch im Dumont Verlag (Originaltitel: ‚Homegoing‘) und gehört auch zu den vielbesprochenen Büchern der letzten Monate. Es ist Yaa Gyasis Debütroman, mit dem sie in den USA wochenlang auf den Bestsellerlisten stand und u.a. mit dem PEN/Hemingway Award ausgezeichnet wurde.

„Obwohl Effia und Esi Schwestern sind, lernen sie sich nie kennen, denn ihre Lebenswege verlaufen von Anfang an getrennt. Im Ghana des 18. Jahrhunderts heiratet Effia einen Engländer, der im Sklavenhandel zu Reichtum und Macht gelangt. Esi dagegen wird als Sklavin nach Amerika verkauft. Während Effias Nachkommen über Jahrhunderte Opfer oder Profiteure des Sklavenhandels werden, kämpfen Esis Kinder und Kindeskinder ums Überleben: auf den Plantagen der Südstaaten, während des Amerikanischen Bürgerkrieges, der Großen Migration, in den Kohleminen Alabamas und dann, im 20. Jahrhundert, in den Jazzclubs und Drogenhäusern Harlems. Hat die vorerst letzte Generation schließlich die Chance, einen Platz in der Gesellschaft zu finden, den sie Heimat nennen kann und wo man nicht als Menschen zweiter Klasse angesehen wird?
Mit einer enormen erzählerischen Kraft zeichnet Yaa Gyasi die Wege der Frauen und ihrer Nachkommen über Generationen bis in die Gegenwart hinein. ›Heimkehren‹ ist ein bewegendes Stück Literatur von beeindruckender politischer Aktualität.“ (Quelle des Verlagstextes und der Coverabbildung: http://www.dumont-buchverlag.de/buch/gyasi-heimkehren-9783832198381/)

Zadie Smiths Worte über „Heimkehren“: „Ein kluges Buch voller Schönheit, das Wunden heilt – dazu bestimmt, ein Klassiker zu werden.“

Na, wenn das nicht vielversprechend klingt? Aufgrund der Thematik ein Titel, auf den ich mich – selbstverständlich – besonders freue!

„Underground Railroad“ | Colson Whitehead

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Dieser Roman erscheint am 21.08.2017 auf Deutsch im Hanser Literaturverlag (Originaltitel: ‚The Underground Railroad‘) und ist der diesjährige Pulitzer Preisträger. Das alleine ist schon Grund genug, „Underground Railroad“ lesen zu wollen. Außerdem wurde der Titel mit dem National Book Award ausgezeichnet – noch ein Grund mehr. Dazu soll der Roman die Geschichte der Sklaverei in Verbindung mit phantastischen Elementen behandeln. Ich finde, das klingt nach einer wunderbar aufregenden Mischung zu einem wichtigen Thema.

Der Verlag schreibt über das Buch: „Colson Whiteheads Bestseller über eines der dunkelsten Kapitel der Geschichte Amerikas – ausgezeichnet mit dem Pulitzer Preis 2017

Cora ist nur eine von unzähligen Schwarzen, die auf den Baumwollplantagen Georgias schlimmer als Tiere behandelt werden. Alle träumen von der Flucht – doch wie und wohin? Da hört Cora von der Underground Railroad, einem geheimen Fluchtnetzwerk für Sklaven. Über eine Falltür gelangt sie in den Untergrund und es beginnt eine atemberaubende Reise, auf der sie Leichendieben, Kopfgeldjägern, obskuren Ärzten, aber auch heldenhaften Bahnhofswärtern begegnet. Jeder Staat, den sie durchquert, hat andere Gesetze, andere Gefahren. Wartet am Ende wirklich die Freiheit? Colson Whiteheads Roman ist eine virtuose Abrechnung damit, was es bedeutete und immer noch bedeutet, schwarz zu sein in Amerika.“ (Quelle des Verlagstextes und der Coverabbildung: https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/underground-railroad/978-3-446-25655-2/)

Hier spricht mich einfach alles an, ich freue mich sehr auf diesen Titel, wobei ich „Underground Railroad“ sehr wahrscheinlich im Original noch vor dem deutschen Erscheinungstermin lesen werde.

„Und es schmilzt“ | Lize Spit

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Dieses Buch erscheint am 24.08.2017 auf Deutsch im S. Fischer Verlag (Originaltitel: ‚Het Smelt‘) und stand ein Jahr lang nach dem Erscheinen auf der Bestsellerliste in Belgien. Lize Spit, die u.a. Drehbücher schreibt, gewann für „Und es schmilzt“ zahlreiche Preise, wie z.B. den Bronzen Uil Preis für den besten Debütroman. Es ist ein Spannungsroman, der verspricht, von der gängigen Norm abzuweichen.

„Ein Eisblock, eine totgeschwiegene Geschichte, eine Schlinge im Schuppen. Mit großer Zärtlichkeit und erzählerischer Brillanz nimmt Lize Spit den Leser in ihrem Roman »Und es schmilzt« mit auf eine verstörende Reise durch die grausame Unschuld der Jugend. Eine erschütternde Geschichte über Freundschaft, Familie und Verrat.

Mit einem Eisblock im Kofferraum fährt Eva in ihr Heimatdorf, das belgische Bovenmeer. Jahrelang ist sie nicht dort gewesen. Und sie hat nie zurückgeblickt – bis eine Einladung ihrer beiden ältesten Freunde Pim und Laurens alles zurückholt:
Die Schlinge, die der Vater ihr im Schuppen zeigt, die betrunkene Mutter, die Eva vor aller Augen mit der Schubkarre vom Gemeindefest abholen muss. Und den Sommer, in dem Pim und Laurens den bittersten Verrat an Eva begehen; den Sommer, den Eva seit dreizehn Jahren zu vergessen versucht.

Die junge Bestsellerautorin Lize Spit wagt sich mit ihrem ersten Roman »Und es schmilzt« an die Grenzen des Sagbaren.

Ein Buch, das alles gibt und alles verlangt.

Das radikalste Update zu »Der Fänger im Roggen«!“ (Quelle des Verlagstextes und der Coverabbildung: http://www.fischerverlage.de/buch/und_es_schmilzt/9783103972825)

Ich bin unglaublich gespannt auf dieses Buch, das mich auch ohne Beschreibung alleine vom Cover und Titel her überzeugt hat, es lesen zu wollen.

„Swing Time“ | Zadie Smith

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Dieser Roman erscheint am 17.08.2017 auf Deutsch im KiWi Verlag (Originaltitel ebenfalls ‚Swing Time‘). Zadie Smith hat sich bereits mit einigen anderen Titel, u.a. „Von der Schönheit“, in mein Herz geschrieben, weshalb die Vorfreude auch hier enorm ist. In ihrem neuen Buch geht es um Freundschaft, um die Leidenschaft fürs Tanzen und ums Scheitern und wieder aufstehen. Ach, da freue ich mich wirklich sehr drauf!

„Zwei Mädchen lernen sich beim Tanzen kennen, fortan sind sie unzertrennlich. Die eine hat Talent und die andere hat Ideen: über Rhythmus und Zeit, über schwarze Haut und schwarze Musik, über Stammeszugehörigkeit, Milieu, Bildung und Chancenungleichheit.
Als sich die beiden Mädchen zum ersten Mal begegnen, fühlen sie sich sofort zueinander hingezogen. Die gleiche Leidenschaft fürs Tanzen und für Musicals verbindet sie, doch auch derselbe Londoner Vorort und die Hautfarbe. Ihre Wege trennen sich, als Tracey tatsächlich Tänzerin wird und erste Rollen in Musicals bekommt. Ihre Freundin wiederum jettet als Assistentin der berühmten Sängerin Aimee um die Welt. Als Aimee in Afrika eine Schule gründen will, reist sie ihr voraus und lässt sich durch das Land, in dem ihre Wurzeln liegen, verzaubern und aus dem Rhythmus bringen.
Dieser grandiose Roman von Zadie Smith, der in den USA und in Großbritannien von Presse und Publikum gefeiert wird, erzählt am Beispiel zweier Freundinnen vom Siegen und Scheitern, vom Beginnen und Enden.“ (Quelle des Verlagstextes und der Coverabbildung: http://www.kiwi-verlag.de/buch/swing-time/978-3-462-04947-3/)

„Die Zweisamkeit der Einzelgänger“ | Joachim Meyerhoff

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Dieser Roman wird am 09.11.2017 im Kiwi Verlag erscheinen und ist der vierte Teil der „Alle Toten fliegen hoch“-Reihe. Ich habe alle vorigen Bände geliebt, ich habe geweint, ich habe gelacht. Ganz klar, dass ich Band vier sehnsüchtig erwarte!

Endlich verliebt! In Hanna, Franka und Ilse.

Eine blitzgescheite Studentin, eine zu Exzessen neigende Tänzerin und eine füllige Bäckersfrau stürzen den Erzähler in schwere Turbulenzen. Die Gleichzeitigkeit der Ereignisse ist physisch und logistisch kaum zu meistern, doch trotz aller moralischer Skrupel geht es ihm so gut wie lange nicht.
Am Anfang stand eine Kindheit auf dem Anstaltsgelände einer riesigen Psychiatrie mit speziellen Freundschaften zu einigen Insassen und der großen Frage, wer eigentlich die Normalen sind. Danach verschlug es den Helden für ein Austauschjahr nach Laramie in Wyoming. Fremd und bizarr brach die Welt in den Rocky Mountains über ihn herein. Kaum zurück bekam er einen Platz auf der hochangesehenen, aber völlig verstörenden Otto-Falckenberg-Schule, und nur die Großeltern, bei denen er Unterschlupf gefunden hatte, konnten ihn durch allerlei Getränke und ihren großbürgerlichen Lebensstil vor größerem Unglück bewahren.
Nun ist der fragile und stabil erfolglose Jungschauspieler in der Provinz gelandet und begegnet dort Hanna, einer ehrgeizigen und überintelligenten Studentin. Es ist die erste große Liebe seines Lebens. Wenige Wochen später tritt Franka in Erscheinung, eine Tänzerin mit unwiderstehlichem Hang, die Nächte durchzufeiern und sich massieren zu lassen. Das kann er wie kein Zweiter, da es der eigentliche Schwerpunkt der Schauspielschule war. Und dann ist da auch noch Ilse, eine Bäckersfrau, in deren Backstube er sich so glücklich fühlt wie sonst nirgends. Die Frage ist: Kann das gut gehen? Die Antwort ist: nein.“ (Quelle des Verlagstextes und der Coverabbildung: http://www.kiwi-verlag.de/buch/die-zweisamkeit-der-einzelgaenger/978-3-462-04944-2/)

Wer die Meyerhoff Bücher noch nicht kennt oder noch nicht gelesen hat, ich lege sie euch wirklich sehr ans Herz! Manchen mag es etwas schwerfallen in die Thematik und Schreibweise einzusteigen (so habe ich mir sagen lassen – mir ging es nicht so!), aber es lohnt sich! Sehr!

„Wie man es vermasselt“ | George Watsky

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Dieser Titel erscheint am 23.08.2017 auf Deutsch im Diogenes Verlag (Originaltitel: ‚How to Ruin Everything‘) und hat in den USA bereits einen „Kickstart“ vorgelegt. George Watsky ist Rapper, Poetry-Slammer und generell irgendwie ein cooler Typ. Das alles vereint sich nun in seinem Buch „Wie man es vermasselt“ (Originaltitel: ‚How to ruin everything‘). Theoretisch möchte ich es schon lange im Original gelesen haben, aber bisher kam ich noch nicht dazu. Warum eigentlich? Es klingt so vielversprechend!

„Aus dem Leben eines umtriebigen Taugenichts: George Watsky ist Rapper, Poetry Slammer und Schriftsteller. Die Bandbreite seiner autobiographischen Stories reicht von absurd (wie er zum internationalen Elfenbeinschmuggler wurde) über komisch (wie er erfolglos ältere Frauen zu verführen versuchte) bis zu berührend (wie seine Epilepsie sein junges Leben prägte).

Ob er von Backpacker-Reisen durch Europa oder Indien erzählt, von seiner ersten WG in Boston, von der Nordamerika-Tour mit seiner Band in einem schrottreifen Tourbus, oder vom Zusammenhang zwischen Baseball und Tränen – was George Watsky als Autor auszeichnet, ist seine präzise Beobachtungsgabe, der treffsichere Blick für das sprechende Detail, sein Humor und sein Optimismus.

Das Debüt eines vielversprechenden literarischen Talents. Cool, selbstironisch, rotzig, sensibel und sprachlich brillant.“ (Quelle des Verlagstextes und der Coverabbildung: http://www.diogenes.ch/leser/titel/george-watsky/wie-man-es-vermasselt-9783257070071.html)

„Beren und Lúthien“ | J.R.R. Tolkien

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Dieser Roman ist bereits vorgestern auf Deutsch im Klett-Cotta Verlag erschienen (Originaltitel: ‚Beren and Lúthien) – genauer am 10.06.2017. Fantasy darf hier nämlich auch nicht gänzlich fehlen und außerdem: endlich wieder ein Tolkien!

„Ein dramatisches Schicksal überschattet die Liebe von Beren und Lúthien. Sie gehört den unsterblichen Elben an, während er ein Sterblicher ist. In seiner tiefen Abneigung gegen alle Menschen zwingt ihr Vater, ein großer Elbenfürst, Beren eine unlösbare Aufgabe auf: Bevor dieser Lúthien heiraten darf, muss er von Melkors Krone einen Silmaril rauben. Den Leser erwartet die schönste Geschichte Tolkiens.
Speziell für diese Ausgabe hat der bekannte Tolkien-Künstler Alan Lee zahlreiche Farbgemälde und Zeichnungen geschaffen.

Unerschrocken macht sich Beren auf den Weg, den Silmaril für seine Liebe zu gewinnen. Da setzt Melkor, auch Morgoth der Schwarze Feind genannt, die fürchterlichsten Kreaturen – skrupellose Orks und schlaue Wölfe – gegen Beren ein. Aber die Liebe zwischen Lúthien und Beren reicht buchstäblich über den Tod hinaus.

Diese ohne Übertreibung schönste Geschichte Tolkiens ist in nicht endgültiger Form Bestandteil des »Silmarillion«, des »Buchs der Verschollenen Geschichten« und des »Leithian Liedes«. Christopher Tolkien hat versucht, die Erzählung von Beren und Lúthien aus dem umfangreichen Werk, in das sie eingebettet ist, herauszulösen. Er erzählt sie mit den Worten seines Vaters: zunächst in ihrer ursprünglichen Form, dann gemäß späteren Texten.
So wird sie in ihrem Wandel dargestellt. Die hier erstmals zusammen präsentierten Texte enthüllen Aspekte, die sowohl was die Handlung, als auch was die erzählerische Unmittelbarkeit anbelangt, später verlorengegangen sind.“ (Quelle des Verlagstextes und der Coverabbildung: https://www.klett-cotta.de/buch/Weitere_Geschichten/Beren_und_L%C3%BAthien/79954)

Und, hätte ich jetzt genügend Geld übrig, ich würde sofort in den Buchladen stürmen. (Hätte, hätte, Fahrradkette.) So muss ich mich halt noch ein wenig gedulden und stöbere weiter in den Vorschauen, die Wunschliste kann nie lang genug sein!

 

 

[Rezension] „Die Taufe“ | Ann Patchett

Ann Patchett ist Autorin von bereits sieben Romanen und drei Sachbüchern sowie Preisträgerin u.a. des PEN/Faulkner Awards und des britischen Orange Prizes. Das Time Magazine zeichnete sie 2012 als eine der 100 einflussreichsten Personen auf der ganzen Welt aus. Was mir Ann Patchett allerdings so sympathisch macht und wohl im Gedächtnis verbleiben lässt, ist der Name ihres Hundes: Sparky. (Vielleicht hat sie sich gar auch von Tim Burtons ‚Frankenweenie‘ inspirieren lassen?) Ihr neuester Roman „Die Taufe“ (im Englischen ‚Commonwealth‘) ist erst kürzlich auf Deutsch erschienen und konnte bereits den englischsprachigen Raum begeistern.

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Den Inhalt dieses Romans ohne Spoiler wiederzugeben ist mir leider nicht ganz möglich. Ich versuche jedoch, so wenig wie möglich vom eigentlichen Geschehen zu beschreiben, nur gerade so viel, dass man versteht, worum es geht. Wer lieber nur die Kurzfassung lesen mag, für den|die gilt: Zwei Familien, die Keatings und die Cousins, verbunden durch ein Ereignis, die Taufe Franny Keatings.

In den frühen 1960ern lädt die Familie Keating zur Tauffeier ihrer Tochter Franny ein. Dort taucht – uneingeladen – Albert Cousins (kurz: Bert) auf. In der Hand eine Flasche Gin. Mit dieser Flasche und der Taufe beginnt eine neue Zeit der Erinnerung für die Keatings und die Cousins. Durch einen bestimmten Moment auf der Feier werden beide Familien unwiederbringlich miteinander verbunden. Ein kurzer Augenblick, der alles verändert und die Zukunft beider Familien eine neue Richtung zuweist.
Circa zwanzig Jahre später verliebt sich Franny in einen älteren Mann, Leon Posen, einen Schriftsteller mit fehlender Inspiration. Franny berichtet ihm die Geschichte ihrer beiden Familien und wird so plötzlich Teil einer neuen Erzählung, einer auf ihrer wahren Vergangenheit beruhenden – in Leon Posens Buch! Das hat Folgen. Nicht nur für Franny, sondern für den ganzen Keating-Cousins-Clan.

„Die Taufe“ umfasst einen Zeitraum von circa 50 Jahren und wird oft in Rückblenden und Einschüben erzählt. Die Kapitel sind nicht explizit als solche gekennzeichnet, so dass man als Leser|in manchmal nicht ganz weiß (vor allem zu Beginn), wo und bei wem man sich zeitlich gerade befindet. Ist man erst mal in der Geschichte drin, verschwimmt dieses „Problem“ aber ganz schnell.
Ann Patchett schreibt elegant und ruhig von einer Familie und ihren Problemen, wie sich das Verhältnis der Familienmitglieder zueinander und untereinander ändert und verschiebt. Wie sie es aber dennoch schaffen, ein enges Band zu knüpfen, zueinander zu halten, eine Familie zu sein. Vor allem geht es in „Die Taufe“ um Erinnerungen, darum, wie jeder einzelne aufgrund von Erinnerungen sein Leben gestaltet. Schuldgefühle, die sie vielleicht verfolgen. Die daraus resultierende Suche und Bitte um Vergebung. Es geht darum, wie ein einzelner Moment das Leben von zwei Familien durcheinanderwirbelt und was diese daraus machen bzw. gemacht haben. Dem|der Leser|in kommt die Aufgabe zuteil, mit den einzelnen Familienmitgliedern Seite um Seite heranzuwachsen, älter zu werden, die Dinge zu verstehen. Ann Patchett gelingt es dank ihres Erzähltalents wunderbar, dem|der Leser|in die Figuren und deren Leben plastisch darzustellen, so dass man gar nicht anders kann, als mitzufühlen, mitzuleiden, mitzuleben.

„Die Taufe“ ist ein wunderbarer, von der Sprachschönheit der Autorin gezeichneter Familienroman, der weder plump, noch einfallslos daherkommt. Sicher ist es kein gänzlich neues Thema, diese Familienproblematik, aber was macht das schon? Ich habe den Roman sehr genossen, ein wenig hat er mich sogar an „Das Nest“ erinnert oder auch an die TV-Serie ‚The Slap‘, und kann ihn all jenen ans Herz legen, die Lust auf etwas anspruchsvollere Sommerliteratur haben.

Aus dem Amerikanischen von Ulrike Thiesmeyer | Berlin Verlag | 400 S.

[Lesemonat] Mai 2017

Der Mai in Büchern. Wie immer eine recht interessante Mischung an Genres, ich leg mich da nicht so fest. Man merkt es, oder? Ich lese gerne das, worauf ich Lust habe und sehe keinen Sinn darin, nicht auch mal zu einem Buch zu greifen, von dem ich weiß, dass es mich vielleicht sprachlich nicht hundertprozentig überzeugt, aber doch in eine andere Welt trägt. Soll heißen, ich verurteile niemanden für das, was er liest. Ich bin zwar kein ‚Shades of Grey‘ Fan (um ein populäres Beispiel zu nennen), aber wenn jemand daran Gefallen findet, who cares? Ganz ehrlich, Bücher sollen zwar einerseits zum Nachdenken anregen, eine kulturelle, gesellschaftliche, die Intelligenz und das eigene Empathieempfinden fördernde Bereicherung sein (und das ist auch wichtig und gut so!), aber wenn sie einfach mal „nur“ zur Unterhaltung dienen finde ich das auch vollkommen legitim. Ich merke nur in letzter Zeit sehr stark, dass ich unterfordert bin, wenn ich zu solchen Büchern greife – in diesem Monat beispielsweise „Into the Water“ von Paula Hawkins.

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Das soll gar nicht überheblich klingen, aber mir fehlt dann was. Darum greife ich doch vermehrt zu literarisch/sprachlich hochwertigeren Büchern. Nicht immer, aber oft. Wenn ich dann zwischendurch doch mal etwas „leichtere Kost“ brauche, mache ich das. Ich finde es albern die Nase zu rümpfen, wenn man gerne mal einen Krimi, einen Comic, ein Jugendbuch oder einen historischen Roman liest. Da kann auch eine ganze Menge drinstecken! Generell bin ich nicht der Typ Mensch, der gerne vorschnell über andere urteilt – das passiert mir auch, klar, aber ich versuche es zu vermeiden. Und weil oft gesagt wird „Du bist, was du liest“ wird da meiner Meinung nach übereilt geurteilt. Ich kenne aus Erfahrung viele, die sich mit einer literarisch und philosophisch hochwertigen Hausbibliothek schmücken (und schmücken ist dabei das exakt richtige Wort), in echt aber so viel davon verstehen wie eine Scheibe Toastbrot. (Sorry liebes Toastbrot, ich meine es nicht so!) Das hat also nicht immer unbedingt etwas zu sagen. Bitte nehmt mir diesen Vergleich nicht übel, aber manchmal bin ich es so satt, wenn ich höre und sehe, wie über andere aufgrund von Kleinigkeiten geurteilt wird – in allen Lebensbereichen! Es nervt einfach nur noch.

Ich merke schon, ich schweife ab. Zurück zum eigentlichen Thema. Gelesen im Mai:

John Irving – Das Hotel New Hampshire

Im Rahmen des #paperandpoetryleseclub’s erneut gelesen und mich wiederholt in Sprache, Figuren und diesen ganz gewissen Irvingschen Zauber verliebt. Durch den Leseclub allerdings gelernt, dass nicht jeder Irving verfällt, schade, aber ich kann es verstehen. Dennoch: Seine Bücher sind es wert! (Den Leseclub findet ihr mittlerweile auf Goodreads!)

Svenja Gräfen – Das Rauschen in unseren Köpfen

In einer Nacht durchgelesen, so verstanden gefühlt, weil ihre Sprache und Textform berührt. Unbedingt lesen! Auch – oder gerade – wenn Liebesgeschichten nicht euer Ding sind, das hier ist sehr viel mehr. Leben, Liebe, Freundschaft, Gefühl auf einer authentischen Basis. Das könntet ihr sein, das könnte ich sein.

Rainbow Rowell – Eleanor & Park

Fast wäre mir das Buch doch ein wenig zu „kitschig“ gewesen, aber schön, sehr schön. Die erste Liebe in all ihren Facetten. Traurig, berührend und bestimmt nicht nur was für Jugendliche.

Maja Lunde – Die Geschichte der Bienen

Sprachlich und emotional bin ich nicht hundertprozentig überzeugt, aber die Message des Buches und auch wie sich am Ende alles zusammenfügt, lassen mich den Roman mit einem überaus positiven Lesegefühl zurück. Es regt zum Nach-, Über- und Weiterdenken an. Lesenswert!

Bret Easton Ellis – American Psycho

Ich hatte Respekt vor diesem Buch, vor seiner Brutalität und seiner Gewaltsamkeit (zu recht!), aber es hat mich auch beeindruckt. Es ist zugleich abstoßend (die Gewalt) und anziehend (Ellis Beobachtungsgabe). Das bleibt auf jeden Fall haften.

Felix Lobrecht – Sonne und Beton

Dieses Buch hat mich überrascht. Ich hatte etwas sehr viel Leichteres, irgendwie Unausgereifteres erwartet. Figuren, Sprache sowie Geschichte haben mich definitiv überzeugt. Dit is jut!

Marlon James – Eine kurze Geschichte von sieben Morden

Das ist schon ein Wahnsinnsbuch. Stark und kräftig, gewaltig in der Sprache wie im Inhalt. Nicht immer leicht lesbar, man muss schon in der richtigen Stimmung sein, aber absolut lesenswert!

Paula Hawkins – Into the Water

Mein Flop des Monats. Ich hatte so Lust auf einen Thriller, aber das hier, nee, das war wirklich nix für mich. Weder sprachlich noch inhaltlich. Es ließ mich beides kalt. Schade!

Chimamanda Ngozi Adichie – Dear Ijeawele, or a Feminist Manifesto in Fifteen Suggestions

Adichie sollte jede|r lesen! Ich mag ihre Texte, weil sie so verständlich geschrieben sind, ohne dabei abgehobene Tipps zu geben oder ihre Meinung aufzuzwingen. Nicht alles überzeugt mich, nicht alles ist neu, aber gerade das ist so authentisch und gut.

The Suffragettes

Ein Minibuch über die Bewegung der Suffragetten – mit kurzen Artikeln, Briefen, Postern und Schriften! Empfehlenswert für die Heimbibliothek und alle, die an dem Thema interessiert sind, sich aber erst mal nur einen Überblick verschaffen möchten.

Megan Hunter – Vom Ende an

Ein schmales Buch mit enormer Wirkkraft. Es beschreibt eine Zukunft, die düster und doch hoffnungsvoll ist. Denn, wo ein Anfang ist, ist auch ein Ende. Ein Roman, der dadurch besticht, dass er anders ist.

[Rezension] „Into the Water“ | Paula Hawkins

Seitdem Paula Hawkins mit ihrem Spannungsdebüt „Girl on the Train“ solch einen fulminanten Start als Autorin in diesem Genre (es sind ja nicht ihre ersten Werke) hingelegt hat, kennt ihren Namen wohl so gut wie jede|r. Vor allem auch, weil bereits ihr erster Thriller die Gemüter gespalten hat. Mich konnte Hawkins mit „Girl on the Train“ begeistern, weshalb ich mich sehr auf ihren zweiten Spannungsroman „Into the Water“ gefreut habe. Ob sie mich erneut überzeugt hat, könnt ihr weiter unten nachlesen.

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Beckford. Nel Abbott ist tot. Selbstmord im mysteriösen ‚Drowning Pool‘, der schon so manches Opfer gefordert hat – vermutet man. Doch war es das wirklich? Julia Abbott, Nels Schwester, kehrt trotz schlechter Erinnerungen an ihren Heimatort zurück, um sich um Lena, ihre Nichte, zu kümmern. Diese ist davon überzeugt, dass Nel etwas zugestoßen sein muss. Langsam entspinnt sich ein Faden aus Geheimnissen, verdrängten Erinnerungen und der Frage nach dem: Wem kann man noch trauen? Denn, jeder scheint verdächtig.

„Into the Water“ ist ein klassisch aufgebauter Psychothriller. Ein Ort (Beckford) mit einem dunklen Geheimnis (dem ‚Drowning Pool‘). Menschen, die alle etwas zu verbergen haben. Ungeklärte Todesfälle – war es Selbstmord oder Mord? Was könnten die Gründe dafür sein?

Der Roman wird aus zahlreichen Perspektiven geschildert, wobei jede beteiligte Person eine eigene Stimme bekommt und seine eigene Geschichte, seine eigene Sicht der Dinge erzählen darf. Zusätzlich arbeitet Hawkins mit mehreren Zeitebenen. Der Vergangenheit, in der Geschehenes, welche evtl. zum Verstehen von Nel Abbotts Tod führen können, immer wieder durch Rückblenden oder einzelne Kapitel erzählt wird – und der Gegenwart, in der Nel Abbott tot ist und der oder die Gründe für ihren Tod aufgeklärt werden sollen. Das Prinzip an sich finde ich gut, ich mag Romane mit mehreren Erzählperspektiven und Zeitebenen, aber in diesem Fall sind es mir einfach ein paar zu viel gewesen. So verliert man sich beim Lesen, muss oft zurückblättern und sucht verzweifelt nach dem roten Faden, welcher eigentlich durch den Wechsel vorangetrieben werden soll.

Auch die Geschichte an sich habe ich als zu strukturiert gedacht, aber unstrukturiert erzählt empfunden. Vor allem, weil Paula Hawkins eigentlich sehr angenehmer Schreibstil permanent dadurch gestört wird, dass sie ihre Sprache der jeweiligen Personen anpasst – mal jugendlich, mal verrückt, mal schon etwas reifer – dies aber einfach nicht immer passt und dadurch hölzern wirken lässt. Bereits nach den ersten 100 Seiten habe ich die Lust an dem Roman verloren. Die Idee mit dem ‚Drowning Pool‘, den (Selbst?)mordfällen, der Suche nach Geheimnissen in der Vergangenheit finde ich generell gut, ist  aber leider ein Thema, was zur Genüge in Thrillerromanen aufgegriffen wird und hier durch doch sehr hanebüchene Erklärungen gelöst wird. Mir hat dadurch die Spannung gefehlt, es hat mich nicht gepackt. Ich würde gerne etwas Anderes schreiben, aber auch nach Beendigung des Buches kann ich zu keinem anderen Urteil kommen.

Ich bin mir bewusst, dass ich vielleicht etwas hart urteile, aber wenn ich einen Roman aus der Sparte „Spannung“ lese, dann muss es mich auch wirklich packen und ich möchte wissen, was geschehen ist. Ich möchte das Gefühl haben, mit wenigstens einer Person mitzufiebern, mit dieser gemeinsam „den Fall“ zu lösen – und das hat mir hier leider gänzlich gefehlt. Daher kann ich diesen Roman nur bedingt weiterempfehlen. Leider. Aber: Vielleicht werden diejenigen mit „Into the Water“ glücklich, denen „Girl on the Train“ missfallen hat, denn beide Werke ähneln sich meiner Meinung nach nur bedingt im Schreib- und Thrillerstil.

Aus dem Englischen von Christoph Göhler | blanvalet | 480 S.