[Rezension] „Into the Water“ | Paula Hawkins

Seitdem Paula Hawkins mit ihrem Spannungsdebüt „Girl on the Train“ solch einen fulminanten Start als Autorin in diesem Genre (es sind ja nicht ihre ersten Werke) hingelegt hat, kennt ihren Namen wohl so gut wie jede|r. Vor allem auch, weil bereits ihr erster Thriller die Gemüter gespalten hat. Mich konnte Hawkins mit „Girl on the Train“ begeistern, weshalb ich mich sehr auf ihren zweiten Spannungsroman „Into the Water“ gefreut habe. Ob sie mich erneut überzeugt hat, könnt ihr weiter unten nachlesen.

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Beckford. Nel Abbott ist tot. Selbstmord im mysteriösen ‚Drowning Pool‘, der schon so manches Opfer gefordert hat – vermutet man. Doch war es das wirklich? Julia Abbott, Nels Schwester, kehrt trotz schlechter Erinnerungen an ihren Heimatort zurück, um sich um Lena, ihre Nichte, zu kümmern. Diese ist davon überzeugt, dass Nel etwas zugestoßen sein muss. Langsam entspinnt sich ein Faden aus Geheimnissen, verdrängten Erinnerungen und der Frage nach dem: Wem kann man noch trauen? Denn, jeder scheint verdächtig.

„Into the Water“ ist ein klassisch aufgebauter Psychothriller. Ein Ort (Beckford) mit einem dunklen Geheimnis (dem ‚Drowning Pool‘). Menschen, die alle etwas zu verbergen haben. Ungeklärte Todesfälle – war es Selbstmord oder Mord? Was könnten die Gründe dafür sein?

Der Roman wird aus zahlreichen Perspektiven geschildert, wobei jede beteiligte Person eine eigene Stimme bekommt und seine eigene Geschichte, seine eigene Sicht der Dinge erzählen darf. Zusätzlich arbeitet Hawkins mit mehreren Zeitebenen. Der Vergangenheit, in der Geschehenes, welche evtl. zum Verstehen von Nel Abbotts Tod führen können, immer wieder durch Rückblenden oder einzelne Kapitel erzählt wird – und der Gegenwart, in der Nel Abbott tot ist und der oder die Gründe für ihren Tod aufgeklärt werden sollen. Das Prinzip an sich finde ich gut, ich mag Romane mit mehreren Erzählperspektiven und Zeitebenen, aber in diesem Fall sind es mir einfach ein paar zu viel gewesen. So verliert man sich beim Lesen, muss oft zurückblättern und sucht verzweifelt nach dem roten Faden, welcher eigentlich durch den Wechsel vorangetrieben werden soll.

Auch die Geschichte an sich habe ich als zu strukturiert gedacht, aber unstrukturiert erzählt empfunden. Vor allem, weil Paula Hawkins eigentlich sehr angenehmer Schreibstil permanent dadurch gestört wird, dass sie ihre Sprache der jeweiligen Personen anpasst – mal jugendlich, mal verrückt, mal schon etwas reifer – dies aber einfach nicht immer passt und dadurch hölzern wirken lässt. Bereits nach den ersten 100 Seiten habe ich die Lust an dem Roman verloren. Die Idee mit dem ‚Drowning Pool‘, den (Selbst?)mordfällen, der Suche nach Geheimnissen in der Vergangenheit finde ich generell gut, ist  aber leider ein Thema, was zur Genüge in Thrillerromanen aufgegriffen wird und hier durch doch sehr hanebüchene Erklärungen gelöst wird. Mir hat dadurch die Spannung gefehlt, es hat mich nicht gepackt. Ich würde gerne etwas Anderes schreiben, aber auch nach Beendigung des Buches kann ich zu keinem anderen Urteil kommen.

Ich bin mir bewusst, dass ich vielleicht etwas hart urteile, aber wenn ich einen Roman aus der Sparte „Spannung“ lese, dann muss es mich auch wirklich packen und ich möchte wissen, was geschehen ist. Ich möchte das Gefühl haben, mit wenigstens einer Person mitzufiebern, mit dieser gemeinsam „den Fall“ zu lösen – und das hat mir hier leider gänzlich gefehlt. Daher kann ich diesen Roman nur bedingt weiterempfehlen. Leider. Aber: Vielleicht werden diejenigen mit „Into the Water“ glücklich, denen „Girl on the Train“ missfallen hat, denn beide Werke ähneln sich meiner Meinung nach nur bedingt im Schreib- und Thrillerstil.

Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Aus dem Englischen von Christoph Göhler – blanvalet – 480 S. – ISBN: 978-3-7645-0523-3

 

1 Kommentar zu „[Rezension] „Into the Water“ | Paula Hawkins“

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