[Lesemonat] Mai 2017

Der Mai in Büchern. Wie immer eine recht interessante Mischung an Genres, ich leg mich da nicht so fest. Man merkt es, oder? Ich lese gerne das, worauf ich Lust habe und sehe keinen Sinn darin, nicht auch mal zu einem Buch zu greifen, von dem ich weiß, dass es mich vielleicht sprachlich nicht hundertprozentig überzeugt, aber doch in eine andere Welt trägt. Soll heißen, ich verurteile niemanden für das, was er liest. Ich bin zwar kein ‚Shades of Grey‘ Fan (um ein populäres Beispiel zu nennen), aber wenn jemand daran Gefallen findet, who cares? Ganz ehrlich, Bücher sollen zwar einerseits zum Nachdenken anregen, eine kulturelle, gesellschaftliche, die Intelligenz und das eigene Empathieempfinden fördernde Bereicherung sein (und das ist auch wichtig und gut so!), aber wenn sie einfach mal „nur“ zur Unterhaltung dienen finde ich das auch vollkommen legitim. Ich merke nur in letzter Zeit sehr stark, dass ich unterfordert bin, wenn ich zu solchen Büchern greife – in diesem Monat beispielsweise „Into the Water“ von Paula Hawkins.

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Das soll gar nicht überheblich klingen, aber mir fehlt dann was. Darum greife ich doch vermehrt zu literarisch/sprachlich hochwertigeren Büchern. Nicht immer, aber oft. Wenn ich dann zwischendurch doch mal etwas „leichtere Kost“ brauche, mache ich das. Ich finde es albern die Nase zu rümpfen, wenn man gerne mal einen Krimi, einen Comic, ein Jugendbuch oder einen historischen Roman liest. Da kann auch eine ganze Menge drinstecken! Generell bin ich nicht der Typ Mensch, der gerne vorschnell über andere urteilt – das passiert mir auch, klar, aber ich versuche es zu vermeiden. Und weil oft gesagt wird „Du bist, was du liest“ wird da meiner Meinung nach übereilt geurteilt. Ich kenne aus Erfahrung viele, die sich mit einer literarisch und philosophisch hochwertigen Hausbibliothek schmücken (und schmücken ist dabei das exakt richtige Wort), in echt aber so viel davon verstehen wie eine Scheibe Toastbrot. (Sorry liebes Toastbrot, ich meine es nicht so!) Das hat also nicht immer unbedingt etwas zu sagen. Bitte nehmt mir diesen Vergleich nicht übel, aber manchmal bin ich es so satt, wenn ich höre und sehe, wie über andere aufgrund von Kleinigkeiten geurteilt wird – in allen Lebensbereichen! Es nervt einfach nur noch.

Ich merke schon, ich schweife ab. Zurück zum eigentlichen Thema. Gelesen im Mai:

John Irving – Das Hotel New Hampshire

Im Rahmen des #paperandpoetryleseclub’s erneut gelesen und mich wiederholt in Sprache, Figuren und diesen ganz gewissen Irvingschen Zauber verliebt. Durch den Leseclub allerdings gelernt, dass nicht jeder Irving verfällt, schade, aber ich kann es verstehen. Dennoch: Seine Bücher sind es wert! (Den Leseclub findet ihr mittlerweile auf Goodreads!)

Svenja Gräfen – Das Rauschen in unseren Köpfen

In einer Nacht durchgelesen, so verstanden gefühlt, weil ihre Sprache und Textform berührt. Unbedingt lesen! Auch – oder gerade – wenn Liebesgeschichten nicht euer Ding sind, das hier ist sehr viel mehr. Leben, Liebe, Freundschaft, Gefühl auf einer authentischen Basis. Das könntet ihr sein, das könnte ich sein.

Rainbow Rowell – Eleanor & Park

Fast wäre mir das Buch doch ein wenig zu „kitschig“ gewesen, aber schön, sehr schön. Die erste Liebe in all ihren Facetten. Traurig, berührend und bestimmt nicht nur was für Jugendliche.

Maja Lunde – Die Geschichte der Bienen

Sprachlich und emotional bin ich nicht hundertprozentig überzeugt, aber die Message des Buches und auch wie sich am Ende alles zusammenfügt, lassen mich den Roman mit einem überaus positiven Lesegefühl zurück. Es regt zum Nach-, Über- und Weiterdenken an. Lesenswert!

Bret Easton Ellis – American Psycho

Ich hatte Respekt vor diesem Buch, vor seiner Brutalität und seiner Gewaltsamkeit (zu recht!), aber es hat mich auch beeindruckt. Es ist zugleich abstoßend (die Gewalt) und anziehend (Ellis Beobachtungsgabe). Das bleibt auf jeden Fall haften.

Felix Lobrecht – Sonne und Beton

Dieses Buch hat mich überrascht. Ich hatte etwas sehr viel Leichteres, irgendwie Unausgereifteres erwartet. Figuren, Sprache sowie Geschichte haben mich definitiv überzeugt. Dit is jut!

Marlon James – Eine kurze Geschichte von sieben Morden

Das ist schon ein Wahnsinnsbuch. Stark und kräftig, gewaltig in der Sprache wie im Inhalt. Nicht immer leicht lesbar, man muss schon in der richtigen Stimmung sein, aber absolut lesenswert!

Paula Hawkins – Into the Water

Mein Flop des Monats. Ich hatte so Lust auf einen Thriller, aber das hier, nee, das war wirklich nix für mich. Weder sprachlich noch inhaltlich. Es ließ mich beides kalt. Schade!

Chimamanda Ngozi Adichie – Dear Ijeawele, or a Feminist Manifesto in Fifteen Suggestions

Adichie sollte jede|r lesen! Ich mag ihre Texte, weil sie so verständlich geschrieben sind, ohne dabei abgehobene Tipps zu geben oder ihre Meinung aufzuzwingen. Nicht alles überzeugt mich, nicht alles ist neu, aber gerade das ist so authentisch und gut.

The Suffragettes

Ein Minibuch über die Bewegung der Suffragetten – mit kurzen Artikeln, Briefen, Postern und Schriften! Empfehlenswert für die Heimbibliothek und alle, die an dem Thema interessiert sind, sich aber erst mal nur einen Überblick verschaffen möchten.

Megan Hunter – Vom Ende an

Ein schmales Buch mit enormer Wirkkraft. Es beschreibt eine Zukunft, die düster und doch hoffnungsvoll ist. Denn, wo ein Anfang ist, ist auch ein Ende. Ein Roman, der dadurch besticht, dass er anders ist.

4 Kommentare zu „[Lesemonat] Mai 2017“

  1. Hehe, du hast zu verantworten, dass Svenja Gräfens Rauschen hier jetzt als nächstes dran kommt. Ich bin sehr sehr sehr gespannt. Und fürs Lesen von Texten mit Anspruch ist so gar keine Entschuldigung nötig. Ich wiederhole mich, aber du machst das schon alles sehr gut. Liebste Grüße!

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  2. „Das Rauschen in unseren Köpfen“ wartet schon ganz ungeduldig darauf, dass ich es endlich aus dem Regal ziehe und lese – nach deinen positiven Worten sogar umso mehr! „Sonne und Beton“ hatte ich gar nicht so auf dem Schirm, aber sieht so aus, als würde ich mir das auch noch zulegen müssen. Mit mir und Irving hat es im Mai leider doch noch nicht so ganz geklappt, irgendwie fehlte die Lust, aber ich hoffe, ich hole es noch nach. Liebe Grüße an dich!
    Liesa

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    1. Oh, das Rauschen mochte ich ganz besonders gerne. Ich hab es zwar mit einem etwas beklemmenden Gefühl gelesen, weil es einiges an Emotionen in mir herausgeholt hat, aber gerade das mochte ich auch! „Sonne und Beton“ hat mich wirklich überrascht. Zu Beginn fand ich die Sprache etwas schwierig. Ich empfand es als etwas übertrieben, aber das hat sich sehr schnell gegeben und letzten Endes passt es einfach super. Und den Irving kannst du ja immer noch lesen. Ich denke, in zwei Monaten werden wir mit „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ starten! Hab ein schönes Wochenende 🙂

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