[Rezension] „Die Taufe“ | Ann Patchett

Ann Patchett ist Autorin von bereits sieben Romanen und drei Sachbüchern sowie Preisträgerin u.a. des PEN/Faulkner Awards und des britischen Orange Prizes. Das Time Magazine zeichnete sie 2012 als eine der 100 einflussreichsten Personen auf der ganzen Welt aus. Was mir Ann Patchett allerdings so sympathisch macht und wohl im Gedächtnis verbleiben lässt, ist der Name ihres Hundes: Sparky. (Vielleicht hat sie sich gar auch von Tim Burtons ‚Frankenweenie‘ inspirieren lassen?) Ihr neuester Roman „Die Taufe“ (im Englischen ‚Commonwealth‘) ist erst kürzlich auf Deutsch erschienen und konnte bereits den englischsprachigen Raum begeistern.

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Den Inhalt dieses Romans ohne Spoiler wiederzugeben ist mir leider nicht ganz möglich. Ich versuche jedoch, so wenig wie möglich vom eigentlichen Geschehen zu beschreiben, nur gerade so viel, dass man versteht, worum es geht. Wer lieber nur die Kurzfassung lesen mag, für den|die gilt: Zwei Familien, die Keatings und die Cousins, verbunden durch ein Ereignis, die Taufe Franny Keatings.

In den frühen 1960ern lädt die Familie Keating zur Tauffeier ihrer Tochter Franny ein. Dort taucht – uneingeladen – Albert Cousins (kurz: Bert) auf. In der Hand eine Flasche Gin. Mit dieser Flasche und der Taufe beginnt eine neue Zeit der Erinnerung für die Keatings und die Cousins. Durch einen bestimmten Moment auf der Feier werden beide Familien unwiederbringlich miteinander verbunden. Ein kurzer Augenblick, der alles verändert und die Zukunft beider Familien eine neue Richtung zuweist.
Circa zwanzig Jahre später verliebt sich Franny in einen älteren Mann, Leon Posen, einen Schriftsteller mit fehlender Inspiration. Franny berichtet ihm die Geschichte ihrer beiden Familien und wird so plötzlich Teil einer neuen Erzählung, einer auf ihrer wahren Vergangenheit beruhenden – in Leon Posens Buch! Das hat Folgen. Nicht nur für Franny, sondern für den ganzen Keating-Cousins-Clan.

„Die Taufe“ umfasst einen Zeitraum von circa 50 Jahren und wird oft in Rückblenden und Einschüben erzählt. Die Kapitel sind nicht explizit als solche gekennzeichnet, so dass man als Leser|in manchmal nicht ganz weiß (vor allem zu Beginn), wo und bei wem man sich zeitlich gerade befindet. Ist man erst mal in der Geschichte drin, verschwimmt dieses „Problem“ aber ganz schnell.
Ann Patchett schreibt elegant und ruhig von einer Familie und ihren Problemen, wie sich das Verhältnis der Familienmitglieder zueinander und untereinander ändert und verschiebt. Wie sie es aber dennoch schaffen, ein enges Band zu knüpfen, zueinander zu halten, eine Familie zu sein. Vor allem geht es in „Die Taufe“ um Erinnerungen, darum, wie jeder einzelne aufgrund von Erinnerungen sein Leben gestaltet. Schuldgefühle, die sie vielleicht verfolgen. Die daraus resultierende Suche und Bitte um Vergebung. Es geht darum, wie ein einzelner Moment das Leben von zwei Familien durcheinanderwirbelt und was diese daraus machen bzw. gemacht haben. Dem|der Leser|in kommt die Aufgabe zuteil, mit den einzelnen Familienmitgliedern Seite um Seite heranzuwachsen, älter zu werden, die Dinge zu verstehen. Ann Patchett gelingt es dank ihres Erzähltalents wunderbar, dem|der Leser|in die Figuren und deren Leben plastisch darzustellen, so dass man gar nicht anders kann, als mitzufühlen, mitzuleiden, mitzuleben.

„Die Taufe“ ist ein wunderbarer, von der Sprachschönheit der Autorin gezeichneter Familienroman, der weder plump, noch einfallslos daherkommt. Sicher ist es kein gänzlich neues Thema, diese Familienproblematik, aber was macht das schon? Ich habe den Roman sehr genossen, ein wenig hat er mich sogar an „Das Nest“ erinnert oder auch an die TV-Serie ‚The Slap‘, und kann ihn all jenen ans Herz legen, die Lust auf etwas anspruchsvollere Sommerliteratur haben.

Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Aus dem Amerikanischen von Ulrike Thiesmeyer – Berlin Verlag – 400 S. – ISBN: 978-3-8270-1344-6

3 Kommentare zu „[Rezension] „Die Taufe“ | Ann Patchett“

  1. Danke für deine Rezension. Wir sind immer auf der Suche nach sprachschönen Büchern, und da wir in East Anglia leben, ist uns der deutsche Buchmarkt nicht so präsent.
    Mit herzlichen Grüßen von der sonnigen Küste Nord Norfolks
    The Fab Four of Cley

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