[Rezension] documenta 14: Daybook

When in Kassel… Alle fünf Jahre ist es soweit und Kassel wird dank der documenta zum Dreh- und Angelpunkt von Künstler|innen und Kunstbegeisterten weltweit. Wenn man dann schon in Kassel wohnt und (wenn auch auf Laienniveau) kunstbegeistert ist, sollte man sich doch etwas näher mit der documenta beschäftigen. So der Plan. Mir hilft es im Allgemeinen sehr – egal bei welcher Art Kunstbetrachtung – ein Buch zur Hand zu haben, das mir die Künstler|innen und deren Ideen näherbringt, weil ich doch an mehr als der bloßen Betrachtung der Kunstwerke/Performances/Installationen etc. interessiert bin. Ein wenig Hintergrundwissen schadet nie.

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Auf gut 163 Einträgen gibt es nun also im „documenta 14: Daybook“ einiges über die jeweiligen Künstler|innen zu lesen. Wissenswertes über ihr Wirken, ihr Ansinnen und zu ihrer Person, wobei hier jedem|jeder Künstler|in eine Doppelseite gewidmet ist. Diese Doppelseite beschäftigt sich nicht bloß mit dem|der Künstler|in und dem jeweiligen documenta 14 Projekt, sondern geht darüber hinaus. Oben rechts befindet sich je eine Art Kalendereintrag, womit alle Tage von Beginn der documenta 14 am 08. April 2017 in Athen bis hin zum Ende am 17. September 2017 in Kassel abgedeckt sind. Raum und Zeit bilden insofern eine universalgültige Einheit, weil Zeit für jeden immer und überall gleich ist, wenn auch nicht auf der Uhr, so doch vom Gefühl her. Dadurch wird auch der räumliche Unterschied von Athen zu Kassel nichtig – in der Kunst verschwimmen Zeit und Raum. Es ist eine Art Spiel mit der Wahrnehmung, die auf politische und persönliche Ereignisse abzielt, die in der Vergangenheit, aber auch genauso gut noch in der Zukunft liegen können – oder eben im hier und jetzt. In einer weiteren dunkel hinterlegten Box (links unten) auf jeder Kalenderdoppelseite befindet sich ein zweites Datum – und zwar eines, das dem|der Künstler|in besonders am Herzen liegt, was ihm|ihr in persönlicher Erinnerung geblieben ist – und dieses Datum ist (optional) mit einem Foto aus dem eigenen Fundus hinterlegt. Aus allen Zeitebenen zusammen ergibt sich ein historischer, chronologischer und persönlicher Diskurs, der äußerst interessant und vielfältig ist.

Jede Künsterdoppelseite ist mit Fotos, Einträgen und Kurzbiografien von unterschiedlichen Autoren|Autorinnen hinterlegt und somit weitaus mehr als bloß ein documenta 14 Begleitbuch, Ausstellungsführer oder gar reine Informationsquelle (daher auch sehr empfehlenswert für alle, die nicht auf der documenta 14 zugegen sein werden). Auf den Umschlagtaschen des im A4 Format gehaltenen Daybooks befinden sich sowohl vorne als auch hinten ein Index aller Künstler|innen, was das Nachschlagen deutlich vereinfacht. Wissenswertes zur documenta 14 finden sich im Vor- und Nachwort, in dem unter anderem auch die einzelnen Autoren des Buches genannt werden. Ergänzend finden sich zwei Map Booklets – je eines für Athen und eines für Kassel -, die als Karte und Orientierungshilfe in den jeweiligen Orten dienen.

Ich kann das „documenta 14: Daybook“ guten Gewissens jedem weiterempfehlen, der sich für die documenta 14 und deren Künstler|innen im Speziellen sowie für Kunst in allen Facetten im Allgemeinen interessiert. Es gibt einen guten Überblick über die einzelnen Künstler|innen hinaus, ohne dabei zu viel vorweg zu nehmen und so der eigenen Gedanken noch Spielraum zu lassen. Mit dem großen Format ist es vielleicht etwas unhandlich, aber dafür gut durchdacht und praktisch einsetzbar.

Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Quinn Latimer (Hrsg.) | Adam Szymcyk (Hrsg.) | Prestel Verlag | ISBN: 978-3-7913-5654-9

1 Kommentar zu „[Rezension] documenta 14: Daybook“

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