[Lesemonat] Juni 2017

In den letzten Monaten habe ich mich ein wenig selbst genervt, weil ich häufiger als beabsichtigt eher das gelesen habe, was gerade so „in“ bzw. „neu“ war als das, was ich eigentlich lesen wollte. Daraufhin habe ich beschlossen noch mehr das zu lesen, wonach mir gerade der Sinn steht (was ich ja eigentlich eh schon tue). Also zwischen all die vielen Neuerscheinungen immer mal einen Klassiker zu packen oder einfach ein Buch, über das sonst eher wenig geredet wird. Das sind doch oft die kleinen großen Schätze. Diesen Monat hat das meiner Meinung nach ganz gut geklappt.

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Jeffrey Eugenides – Die Selbstmord-Schwestern

Dieses Buch hat lange im Bücherregal auf seinen Einsatz gewartet. Den Film von Sofia Coppola fand ich damals sehr beeindruckend. Irgendwie haben sowohl Film als auch Buch etwas Magisches an sich, wobei ich zugeben muss, dass ich die Atmosphäre im Film als etwas greifbarer empfunden habe. Dennoch ein Roman, den man als Fan (wenn man das in diesem Fall so sagen kann) von schweren Themen irgendwann einmal gelesen haben sollte. Außerdem schreibt Eugenides einfach so gut.

Margaret Atwood – Der Report der Magd

Ein Buch, über das aktuell viel gesprochen und diskutiert wird. Nicht nur aufgrund der hochaktuellen Thematik, sondern vor allem auch, weil die TV-Serie erschienen ist. Ich bin ein großer Atwood-Fan, habe mich aber an dieses Buch zunächst nicht herangewagt. Aus Respekt. Dabei ist es Atwood hier sehr gut gelungen, eine moderne Dystopie zu schreiben, die erschreckend lebensnah und authentisch wirkt. Der Atwoodsche Schreibstil ist hier noch nicht ganz so speziell wie er es in den neueren Werken ist, aber das ist gerade gut. So kann man „Der Report der Magd“ auch bestens als Atwood-Neuling lesen.

Deborah Crombie – Beklage deine Sünden

Endlich mal wieder ein britischer Krimi. Das kann, neben Agatha Christie, Sir Arthur Conan Doyle und neuerdings auch Robert Galbraith aka J.K. Rowling, keiner so gut wie Crombie. Man hat immer ein bisschen das Gefühl, man müsse sich jetzt Teegebäck und Earl Grey bestellen, während man mit ihren Büchern auf Krimireise nach England geht. (Und das, obwohl Deborah Crombie gar keine Britin ist!). Elegant, unblutig und dennoch spannend.

Ann Patchett – Die Taufe

Ein Familienroman, der durch seine Sprachschönheit besticht. Es geht hauptsächlich darum, was ein einziges Ereignis auslösen kann. Wie sich diese eine Sache auf sämtliche Bereiche im Leben einer Familie auswirken kann. Ich habe mich beim Lesen immer leicht an „Das Nest“ von Cynthia d’Aprix Sweeney und an die TV-Serie „The Slap“ erinnert gefühlt. Ein schönes literarisches Sommerbuch!

Haruki Murakami – Von Beruf Schriftsteller

Eine Autobiographie, die keine sein soll, aber doch eine ist, vom Meister des modernen Kafkaesken. Ich hatte mir – zugegeben – ein ganz klein wenig mehr erwartet, aber doch ist es schön, Murakami mal „ganz privat“ zu lesen. Wieso er schreibt, wie er dazu gekommen ist, was er davor gemacht hat (…) usw. Hier sollten viele Fragen beantwortet werden. Für Murakami-Fans also eine absolute Pflichtlektüre!

Documenta 14: Daybook

Ein interessanter und anderer Blick auf die Künstler der aktuellen documenta. Kein Ausstellungsführer an sich, sondern mehr Kunst in der Kunst – oder so. Für Kunstliebhaber schon alleine deswegen einen Blick wert.

Luisa Stömer & Eva Wünsch – Ebbe & Blut

Moderner Feminismus ist zwar gerade – wie mir scheint – irgendwie Trend, aber das heißt nicht, dass das Thema weniger wichtig geworden ist. Im Gegenteil. Man sollte nur richtig filtern. Und dieses Buch gehört definitiv zu den wichtigen und schön gemachten „Aufklärungsbüchern“ für Frauen. Den eigenen Körper zu verstehen und gern zu haben, ist nämlich ziemlich super.

Édouard Louis – Das Ende von Eddy

Eddy und ich hatten arge Startschwierigkeiten. Es ist nicht schlecht, auf keinen Fall, aber zwischendurch sind Passagen, die mir einfach zu brutal und gleichzeitig platt erschienen und dadurch die Möglichkeit Empathie zu empfinden etwas eingeschränkt haben. Dennoch nimmt das Buch einen mit und ist somit eines, an das man wohl immer wieder zurückdenken wird.

Bonnie-Sue Hitchcock – The Smell Of Other People’s Houses (Der Geruch von Häusern anderer Leute)

Ein wunderschönes Jugendbuch, das in Alaska spielt. Mehrere Jugendliche und ihre Schicksale werden miteinander verbunden. Es geht um die großen Themen: Armut, Liebe, Zukunft, Vergangenheit, Schicksal, Familie und Geheimnisse. Nicht immer ist alles ganz stimmig, aber dennoch sehr lesenswert. Nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2017.

Morgan Parker – There are more beautiful things than Beyoncé

Lyrik über das Leben als Frau. Als schwarze Frau. Mit Wut und Ärger und Liebe im Bauch. Nicht alle Texte empfand ich persönlich als umwerfend gut, aber das ist ja immer so eine Geschmackssache. Dennoch empfehlenswert!

Rupi Kaur – Milk & Honey

Noch mal Lyrik. Ich wollte es erst gar nicht lesen, getreu dem Motto: Was alle toll finden, interessiert mich jetzt mal aus Prinzip nicht. Ja, blöd. Ich bin sehr froh, dass ich es nun doch gelesen habe. Denn es ist so ein Buch, das einen durchwirbelt. Es lässt einen tiefste Empfindungen (wieder) erleben, aber es nimmt einen auch in den Arm. Definitiv ein Buch, in das ich immer mal wieder hineinschauen werde.

Yann Martel – Life of Pi

Seitdem ich den Film vor ein paar Jahren gesehen habe, wollte ich unbedingt auch das Buch gelesen haben. Vorher hat mich das Thema nie besonders interessiert. Ich dachte eher: Ein Schiff, ein Tiger, ein Junge? Die ganze Zeit? Wie langweilig! Tatsächlich beginnt das Buch auch etwas zäh, vor allem die vielen religiösen Aspekte haben mich ein wenig … nunja … genervt. (Bitte nicht falsch verstehen!) Aber so ab Seite 120 wird es dann doch noch richtig gut und spannend, auch wenn man die eigentliche Geschichte schon kennt.

Lize Spit – Und es schmilzt

Dieses Buch erscheint erst im August, daher vorerst nur so viel: erschütternd!

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