[Rezension] „Lily und der Oktopus“ | Steven Rowley

Auf dem Buchcover von „Lily und der Oktopus“ ist eine Dackeldame abgebildet. Sie ist zuckersüß und spielt mit einem roten Ball. Selbst wenn sie nicht zuckersüß und Ball spielend wäre, es ist eine Dackeldame! Muss ich jetzt noch weitere Gründe nennen, warum ich dieses Buch unbedingt lesen wollte? Ja? Echt? Na gut. Hier geht es um Tierliebe, um Hundeliebe, um Liebeliebe. Ted (der menschliche Protagonist) und Lily (die tierische Protagonistin) lernen sich auf einer Farm kennen. Da ist Lily gerade mal 12 Wochen alt. Es ist, wie man so schön sagt, Liebe auf den ersten (Hunde)blick. Mittlerweile leben Lily und Ted 12 Jahre miteinander (das sind 84 Hundejahre!), sie machen Spieleabende, unterhalten sich über Schauspieler, die Liebe, das Leben und essen auch mal gemeinsam Pizza. Kurz: Lily und Ted sind untrennbar. Und dann entdeckt Ted etwas auf Lilys Kopf, das so gar nicht nach Pizza aussieht. Ein Oktopus klammert sich mit seinen fiesen Tentakeln an die Hündin und macht sie kränker und kränker.

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Mit viel Fantasie und ganz viel Liebe, die tief aus dem Bauch heraus kommt, erzählt Steven Rowley eine Geschichte von Freundschaft und Tierverbundenheit, wie sie nur geschrieben werden kann, wenn sie auf eigenen Erfahrungen beruht. („Für Lily“.)

Ted ist ein etwas verschrobener Drehbuchautor, bei dem es auch in der Liebe nicht so richtig funktionieren will. Denn die Sache mit den Beziehungen, die klappte bisher nie so. Die Sache mit den Dates, ja, die irgendwie auch nicht. Und jetzt die Sache mit dem Oktopus, der ihm das Wichtigste nehmen will, was Ted besitzt. Da gerät sowieso alles außer Kontrolle.

Man darf sich beim Lesen des Buches nicht wundern, dass zwischen Hund und Mensch reale Gespräche geführt werden und dass der Oktopus, der ja eigentlich etwas ganz anderes Boshaftes darstellt, ebenfalls personifiziert wird. Auf diese Art bringt der Autor uns Lesern die Geschichte, die Gefühle und auch ein bisschen die (positive) Verrücktheit Teds näher. An manchen Stellen wirkt es leider doch ein wenig übertrieben. Vor allem in den traumhaften Szenen mit dem Oktopus und manchmal auch in den Gesprächen zwischen Ted und Lily. Trotzdem wird jede|r Hundebesitzer|in oder vielleicht auch nicht Hundebesitzer|in nachvollziehen können, wie stark das Band zwischen Mensch und Hund sein kann, denn das wird hier im Buch wirklich deutlich. Es werden todtraurige, aber auch wunderbar lustige und zutiefst emotionale Dialoge geführt. In Rückblenden erfahren wir, warum Ted ist, wie er ist, wie Ted und Lily zusammengefunden haben und wieso solch eine Beziehung und auch ein bisschen Magie und Verrücktheit im Leben so wichtig sind. Sprachlich ist der Roman gut lesbar, aber teils auch etwas anstrengend, wenn die Dialoge zwischen Hündin und Mensch geführt werden. Tierisch wird sich da nämlich komplett in Großbuchstaben und Ausrufezeichen ausgedrückt, das empfand ich persönlich als ein bisschen „too much“.

„Lily und der Oktopus“ ist ein herzerwärmendes, aber auch trauriges Buch, das vor allem durch die Skurrilität und den Fantasiereichtum des Autors lebt. Es ist ein fluffiges und zugleich nicht fluffiges Buch. Für Fans von „Das Rosie-Projekt“ und schweren Themen, die schön und leicht locker verpackt sind, eine klare Empfehlung!

Herzlichen Dank an den Goldmann Verlag für das Rezensionsexemplar!

Aus dem Amerikanischen von Sibylle Schmidt – Goldmann Verlag – 352 S. – ISBN: 978-3-442-31433-1

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