[Rezension] „Fast eine Liebe. Carson McCullers und Annemarie Schwarzenbach.“ | Alexandra Lavizzari

„Fast eine Liebe“ von Alexandra Lavizzari befasst sich mit der tragischen Liebesgeschichte zwischen den beiden Schriftstellerinnen Carson McCullers („Das Herz ist ein einsamer Jäger“) und Annemarie Schwarzenbach („Das glückliche Tal“), die, wie der Titel schon sagt, nur fast eine Liebe ist.

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Carson McCullers gilt mit Anfang 20 als ‚Shooting Star‘ der US-amerikanischen Literaturszene der 1940er Jahre und steht von einem Tag auf den anderen plötzlich im grellen Licht der Öffentlichkeit. In diesem ersten Jahr als „Berühmtheit“ lernt die zunächst schüchterne Carson McCullers die Reiseschriftstellerin Annemarie Schwarzenbach in New York kennen, welche ihr sofort imponiert und die sie in eine Art magischen Bann zieht. Beide freunden sich an, die Anziehungskraft ist enorm, beinahe greifbar, aber doch bleiben sie für die je andere ein Stück weit unerreichbar. Ihre Liebe lässt sich schwer in Worte fassen, handelt es sich doch um viel mehr und gleichzeitig viel weniger als das. Es ist eine Art Seelenverwandtschaft, die beide zugleich immer wieder verspüren, selbst wenn sie sich weit voneinander entfernt aufhalten. Man könnte im Nachhinein sagen, dass sich schlichtweg nie der richtige Zeitpunkt für sie ergeben hat. Nicht, weil Carson McCullers verheiratet und Annemarie Schwarzenbach mit der Ehefrau Heinz von Opels liiert – beide also bei ihrer ersten Begegnung „vergeben“ – gewesen sind, sondern weil es die jeweiligen Lebensumstände nicht zugelassen haben. Krankheiten, Drogen, Skandale und ein zeitweilen unfreies Herz Schwarzenbachs (welches für Erika Mann geschlagen hat) standen ihnen beiden im Weg.

Alexandra Lavizzari zeichnet auf sehr feinfühlige Art und Weise das Leben beider Autorinnen nach, indem sie eine Doppelbiografie schreibt, die sich sowohl mit Carson McCullers als auch mit Annemarie Schwarzenbach als Einzelpersonen befasst, aber auch genügend Raum für die Liebe der beiden, die eigentlich keine „richtige“ ist, lässt. McCullers und Schwarzenbach sind an sich grundverschieden, aber doch gleich – gerade darin liegt der Zauber ihrer Anziehungskraft. Lavizzari berichtet von den unterschiedlichen Schicksalen beider, von der Schlüsselfigur Erika Manns, der Krankheit McCullers (die aber auch dem Alkohol nicht abgeneigt gewesen ist) und der Drogensucht Schwarzenbachs, ihrer Seelenverwandtschaft zueinander, ihrem stetigen Streben nach Liebe und Anerkennung, die beide zugleich wieder abstoßen und ihrem schriftstellerischen Wirken, welches sie gegenseitig bewundert haben. Es ist eine tragische, aber auch eine schöne Geschichte, die Lavizzari äußerst gelungen erzählt, ohne dabei wertend zu sein (was nicht immer einfach ist) und die leicht federnd in einem nachhallt.

Ich bin erst mit diesem Buch auf den Verlag „ebersbach & simon“ aufmerksam geworden, aber schon jetzt sehr begeistert. Im Fokus des Verlages stehen Bücher und Kalender von und über außergewöhnliche Frauen, die allesamt durch ihre liebevolle Aufmachung mit qualitativ hochwertigen Inhalten bestechen. Es ist ein kleiner, unabhängiger Verlag, der pro Jahr circa 20 neue Titel auf den Markt bringt, die wohl gewählt ins Programm passen. (Quelle: hier) Für mich wird es mit Sicherheit nicht das letzte Buch aus diesem Verlag gewesen sein.

Ich danke dem ebersbach & simon Verlag ganz herzlich für das Rezensionsexemplar!

ebersbach & simon Verlag – Reihe: blue notes 65 – 144 S. – ISBN: 978-3-86915-139-7

 

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