[Rezension] „Geständnisse“ | Kanae Minato

Kanae Minato erzielte mit „Geständnisse“ in Japan einen sensationellen Erfolg und gewann hierfür den Japan Booksellers‘ Award (in der Zwischenzeit ist das Buch sogar verfilmt worden). Mittlerweile ist der Roman aber nicht mehr nur in Japan ein Thema, sondern zählte u. a. 2014 in den USA zu den zehn besten Thrillern und wird nun auch in Europa viel und wohlwollend besprochen.

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Jede(r) hält mehr oder wenige große Geheimnisse in sich verborgen. Sei es die kleine Notlüge von gestern, die Flunkerei von letzter Woche oder etwas weitaus Tiefergehendes bis Bösartiges. In „Geständnisse“ von Kanae Minato geht es um eben jene Dinge, die einen bis hin zum Äußersten leiten und quälen können:

Moriguchis vierjährige Tochter ist im schuleigenen Schwimmbad ertrunken. Ein Unfall, so heißt es. Einige Wochen später kündigt Moriguchi ihre Stelle, verlässt die Schule aber nicht ohne ihrer Klasse einen letzten Vortrag zu halten, der den Schülern das Blut in den Adern gefrieren lässt. Sie weiß, dass einige Schüler Schuld am Tod ihrer Tochter tragen und sie offenbart eine Rache, wie sie böser kaum sein könnte. Ein Reigen aus Schuld, Sühne und Rache entspinnt sich, der Dinge zu Tage befördert, die man nicht für möglich gehalten hätte. Hier bleibt niemand verschont.

Es ist ein Buch, das einen von der ersten Minute an fesselt und in einen Sog aus ungläubigem Staunen und tiefer Erschütterung zieht. Selten bin ich in letzter Zeit so gespannt darauf gewesen, was wohl noch passieren mag, wie bei diesem Buch. Sicher klingt manches sehr haarsträubend bis hin zu an den Haaren herbeigezogen, doch Minato schafft es dennoch durch eine klare und kühle Sprache eine Distanz zu wahren, die das Erzählte nicht unsinnig wirken lässt, sondern vielmehr noch wirklich glaubhaft. Dies gelingt ihr zudem noch durch den Kniff, jedes Kapitel aus der Sicht einer anderen – am maßgeblichen Geschehen beteiligten – Person zu schildern. Die Tat und ihre Konsequenzen werden aus immer wieder neuen und anderen Blickwinkeln betrachtet. So wird zusätzlich Spannung gewahrt. Das erste Kapitel mag noch ein wenig verwirren und dahinplätschern, aber ist man erst einmal im Buch angekommen, so hält es einen bis zum Schluss gefangen.

Ich kann den Roman jedem empfehlen, der Thriller mag und gerne Bücher liest, die jenseits der (gesellschaftlichen) Norm liegen.

Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Aus dem Japanischen von Sabine Lohmann – C. Bertelsmann Verlag – 272 S. – ISBN: 978-3-570-10290-9

2 Kommentare zu „[Rezension] „Geständnisse“ | Kanae Minato“

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