[Rezension] „Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr“ | Walter Moers

Er ist endlich da, der neue Roman aus der spitzen Feder des Zamonienmeisters Walter Moers. Ich glaube, etliche Herzen liefen bei dieser Nachricht über vor Glück. „Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr“ ist der mittlerweile siebte Zamonien Roman und entführt uns in die Welt ebenjener titelgebenden schlaflosen Prinzessin, besser gesagt: in ihr Gehirn.

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Es war einmal die schlafloseste der schlaflosen Prinzessinen: Dylia Insomnia. Diese lebte zwar in Zamonien, aber doch in ihrer ganz eigenen zamonischen Welt. – Präteritum Ende. Ab ins Buch: Mit Vorliebe hält sie sich in ihren persönlichen Gedanken auf, denn irgendwie muss sie sich ja die viele Zeit vertreiben, die sie dank Schlaflosigkeit zu bewältigen hat. Dylia unterhält sich mit den zwielichtigen Zwergen (die sie nur zu einer ganz bestimmten magischen Tageszeit und zwischen Frühling und Spätsommer sehen kann) und lernt Pfauenvokabeln (solche Wörter, die eigentlich überflüssig, aber doch so exotisch anmuten, dass man sie nicht vergessen kann), bis eines Nachts der alptraumfarbene Nachtmahr Havarius Opal an ihrem Bett steht und ihr freudig verkündet, sie in den Wahnsinn treiben zu wollen. Oha! Selbstverständlich nicht, ohne vorher einen Ausflug nach Amygdala, jene Stadt, in der das dunkle Herz der Nacht regiert, zu machen. Prinzessin Dylia bleibt nun keine Wahl, sie muss Havarius Opal folgen, bis hinein in die tiefsten Abgründe ihres Gehirns …

Der Einfallsreichtum Walter Moers ist nach wie vor ungebrochen. Feinfühlig und mit viel Liebe zum Detail beschreibt Moers seine Hauptfigur Dylia Insomnia in den ersten Kapiteln sehr ausführlich, das kann sich schnell etwas langatmig und zäh anfühlen, doch macht es dennoch Spaß, diese Figur und vor allem ihre Sprachgewandtheit kennenzulernen. Es ist einfach wunderbar wie Walter Moers hier mit Wörtern spielt, bunte und skurrile Wortneuschöpfungen zaubert und so die Welt der Dylia Insomnia lebendig macht. Etwas spannender wird es dann, nachdem Havarius Opal das Geschehen bereichert und Dylia praktisch in das dunkle Herz der Nacht entführt. Auf ihrer Reise dorthin lernen Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr einige lustig-merkwürdige Bewohner des Gehirns kennen und müssen auch so manche Hürde überqueren.

Was hier wirklich lobenswert erwähnt werden muss, ist – neben Walter Moers Einfallsreichtum und Humor – auch Lydia Rodes Illustrationen, die das Buch zu einem kleinen Kunstwerk machen. Sie passen einfach immer und wirken nie fehl am Platz. Es macht unglaublich viel Freude, die Seiten zu betrachten und so für Moers skurille Welt(en) gleich eine Fülle an Bildern vor Augen zu haben. Aber all des Lobes zum Trotz ist „Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr“ leider an einigen Stellen für meinen Geschmack doch etwas zu fad. Vor allem dann, wenn man dieses Buch mit den Vorgängern vergleicht (was man nicht unbedingt tun sollte, es aber automatisch doch macht). Die Geschichte kommt etwas schwerfällig in Gang, es fehlt irgendwie an Schwung. Man verschlingt es nicht unbedingt am Stück, sondern genehmigt sich auch mal ein Lesepäuschen. Das ist jetzt keinesfalls schlecht, aber auch nicht herausragend. Dennoch ein schöner Ausflug nach Zamonien, um das Niemalsweh ein wenig zu stillen.

Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Mit Illustrationen von Lydia Rode | Knaus Verlag | 344 S. | ISBN: 978-3-8135-0785-0

2 Kommentare zu „[Rezension] „Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr“ | Walter Moers“

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