[Rezension] „Die Gabe der Könige. Die Chronik der Weitseher 1. “ | Robin Hobb

„Die Gabe der Könige“ von Robin Hobb ist der Auftakt zu einer nicht mehr ganz neuen, aber umso aktuelleren Trilogie um die Chronik der Weitseher. Dieses Buch ist bereits unter dem Titel „Der Adept des Assassinen. Die Legende vom Weitseher 01.“ (bei Bastei-Lübbe in 1999) und unter dem Titel „Der Weitseher. Die Weitseher-Trilogie Band 1.“ (bei Heyne in 2009) erschienen. Die beiden älteren Ausgaben glänzen in den jeweils für die Zeit typischen Covern: vor allem bunt und ein wenig an Perry Rhodan erinnernd in 1999 und mit einer (ausdrucks)starken, umhangumwölkten, etwas mystisch angehauchten Gestalt in 2009. Beide Buchcover rufen schon von weitem: Fantasy. „Die Gabe der Könige“ kommt nun dezenter, in sanften Erdtönen, mit einem Hirsch im Hintergrund, der gleichzeitig später das Wappen des Protagonisten zieren wird, daher. Alles (nicht nur der Empfehlungssticker vom Meister der Fantasy himself) erinnert im Design an George R.R. Martins Erfolgsreihe „Game of Thrones“ | „Das Lied von Eis und Feuer“ – und das soll es auch. Dies ist sicher ein cleverer und gut gemachter Marketingkniff, der aufgeht. Denn, ehrlichgesagt, anderenfalls wäre ich wohl nicht so schnell auf das Buch aufmerksam geworden und hätte dabei ganz schön was verpasst.

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Fitz kommt als Bastard eines Prinzen und eines Bauernmädchens an den Hof des Königs. Er ist noch sehr jung und hat daher kaum Erinnerungen an seine Eltern, aber doch ist seine Abstammung Fluch und Segen zugleich. Der König nimmt ihn unter seine Fittiche – was für einen Bastard recht ungewöhnlich ist – und lässt ihn in den unterschiedlichsten Disziplinen ausbilden. Schnell muss er sich eingestehen, dass neben Ehre und Loyalität noch etliche andere Fähigkeiten von ihm erwartet werden, die er schnellstmöglich erlernen muss: den Mut zu kämpfen, das Handwerk des Tötens (was weitaus weniger beliebt ist) und die Gabe des Weitsehens, die sein Vater meisterlich beherrscht hat. Während Fitz immer erwachsener und begabter zu werden scheint, aber dennoch mit Rückschlägen zu kämpfen hat, verändert sich auch die Zeit und alles um ihn herum. Ein Krieg zwischen dem König und seinem Land und den Roten Korsaren wird zu einem unerbittlichen Kampf, bei dem auch Fitz sein Talent als Assassine unter Beweis stellen soll. Doch er muss feststellen, dass aus Freund schnell Feind werden kann und er sich inmitten einer bitteren Intrige befindet…

Robin Hobb hat hier einen wunderbaren Auftakt zu einer Fantasyreihe geschrieben, die alles hat, was sie benötigt, um zu glänzen: Freundschaften, die ans Herz gehen, unaufdringliche Liebe, eine ganz eigene, naturverbundene Welt, Verlust, Verrat, Intrigen, Kämpfe und eine gute Mischung aus Historie und Fantasy. Hobb erschafft Charaktere mit einer Empathie, die sich sofort herauslesen lässt. Die Figuren wirken nicht plump, sondern gut durchdacht und einige Personen hat man sich schnell herausgepickt, die durch ihr Verhalten unsere Aufmerksamkeit und unser Mitgefühl wecken. Bei mir ist es besonders die Beziehung zwischen Fitz und Burrich, der schon Fitz Vater sehr nahegestanden hat, die ich sehr gerne verfolgt habe. Sie wird mal freundschaftlich-väterlich und dann wieder ruppig und somit authentisch dargestellt, denn in dem Roman wird niemand „verzärtelt“, es wird aber auch nicht zu blutig. Die Kämpfe werden nicht allzu ausdehnend beschrieben, da die Entwicklung der Charaktere viel mehr im Fokus steht und genau das ist es, was mir gefallen hat. Bei zu ausschweifenden Auseinandersetzungen schalte ich nämlich gerne mal ab – und das passierte hier nicht. Dennoch wirken manche Szenen etwas in die Länge gezogen, worüber man aber locker hinwegsehen kann, denn das Buch macht einfach Spaß. Es ist eingängig geschrieben – trotz oder gerade wegen der ich-Perspektive, die ich bei Fanatsy eher ungewöhnlich finde – und baut eine Geschichte auf, der man auch nach hunderten von Seiten noch gut folgen kann, ohne den Faden aufgrund von zig neuen Personen und Handlungssträngen verloren zu haben. In manchen inhaltlichen Details habe ich mich an „Game of Thrones“ erinnert gefühlt, sicher hat man sich hier gegenseitig inspiriert, was gar nichts Schlechtes ist. Im Gegenteil. So entstehen wohl die besten Ideen.

Abschließend mag ich dieses Buch wirklich sehr gerne empfehlen. „Die Gabe der Könige“ ist genau das richtige Lesematerial für den Herbst und kommenden Winter, um sich so richtig auf eine Fantasywelt einzulassen und alles um sich herum zu vergessen. Zum Glück erscheint bereits im Oktober der zweite Band in der Neuauflage, denn eins ist sicher: man will unbedingt wissen, wie es mit Fitz weitergeht!

Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Aus dem Amerikanischen von Eva Bauche-Eppers | Penhaligon Verlag | 608 S. | ISBN: 978-3-7645-3183-6

2 Kommentare zu „[Rezension] „Die Gabe der Könige. Die Chronik der Weitseher 1. “ | Robin Hobb“

  1. […] „Der Bruder des Wolfs“ ist der zweite Teil der Weitseher-Chroniken von Robin Hobb, welcher bereits unter dem Titel „Des Königs Meuchelmörder“ bei Bastei-Lübbe und als „Der Schattenbote“ im Heyne-Verlag erschienen ist. Über die Gründe einer Neuauflage, die der Optik der berühmten Reihe „Das Lied von Eis und Feuer“ (vielen eher bekannt als „Game of Thrones“) von George R.R. Martin sehr ähnelt, habe ich bereits in meiner Buchbesprechung zum ersten Band der Reihe berichtet und möchte an dieser Stelle darauf verzichten. Wer mag, kann dies aber sehr gerne hier nachlesen. […]

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