[Lesemonat] Oktober 2017

Oh, hallo. Der Oktober in Büchern. Ich muss ja gestehen, dass ich am Ende jeden Monats doch ein wenig erstaunt bin, wie hoch der Stapel wird und – zugegeben – ein ganz klein wenig beschämt bin ich manchmal auch. Sieht ja fast so aus, als hätte ich sonst kein Leben. Aber hey, Bücher sind so wunderbar und helfen in allen Lebenslagen, wozu also rechtfertigen?

Es folgt nun, wie gewohnt, ein kleiner Rückblick auf die gelesenen Bücher.

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„Harry Potter (3) and the Prisoner of Azkaban. Illustrated Edition“ – J.K. Rowling

Fangen wir mit dem obligatorischen Herbst-Wohlfühlbuch an: Harry Potter. Sobald der Wind durch die Bäume rauscht, die Blätter fallen und die Herbstsonne alles in ein goldenes Licht taucht, ruft diese Reihe einfach danach, gelesen zu werden. Die Illustrated Edition bietet sich ideal dazu an, die Bücher noch mal (und noch mal und noch mal) zu lesen sowie neue Dinge zu entdecken. Von der dritten Schmuckausgabe bin ich sehr begeistert: liebevoll gestaltet und für Fans der zauberhaften Welt eine tolle Geschenkidee (auch an sich selbst.)

„Turtles All The Way Down“ – John Green

Ach, da ist er wieder. Der Meister der YA-Novels! Hätte mich @mscaulfield nicht daran erinnert, ich hätte es glatt nicht auf dem Schirm gehabt, so war ich aber zu neugierig, um dieser Neuerscheinung aus dem Weg zu gehen. In John Greens neuestem Roman wird das Thema ‚Mental Illness‘ auf typisch Greensche Weise verarbeitet, das ist gut, aber lässt doch deutlich Raum nach oben. Ich habe gut 100 Seiten gebraucht, um überhaupt gepackt zu werden und stehe am Ende mit einem unentschlossenen Gefühl da. Es ist gut, ja, aber noch mal lesen würde ich es nicht. Dazu werden zu viele Aspekte einfach zu oberflächlich behandelt. Aber, mal ehrlich, das war in den Vorgängern eigentlich nicht viel anders. Es ist also ein Buch, das ein unangenehmes Thema anspricht, dieses dabei aber nur am Rande streift und nicht allzu sehr in die Tiefe geht. Davon gibt es – leider – schon zu viele auf dem Markt. Lesenswert, aber nicht preisverdächtig.

„Sag nicht, wir hätten gar nichts“ – Madeleine Thien

Dieses Buch stand u.a. auf der Shortlist des Man Booker Prizes 2016 und hat mich nicht nur deswegen durchaus sehr angesprochen. Thien behandelt in diesem Roman ein Thema, das mich sehr interessiert, von dem ich aber bisher eher wenig Ahnung gehabt habe: Die Geschichte Chinas. Es ist ein Generationenroman, der einen durch mehrere Zeiten und Ebenen hinweg an einen Ort entführt, der gleichwohl fremd und vertraut wirkt. Ich hatte zunächst Schwierigkeiten in die Geschichte einzutauchen, da ich mich mit den historischen Ereignissen Chinas kaum auskenne und ich mich durch die vielen verschiedenen Personen (die zum Teil auch noch Spitznamen tragen) etwas verwirrt gefühlt habe. Die Sprache aber trägt einen bis an den Punkt, an dem es -Klick- macht! Als besonders schön empfand ich die Art und Weise wie Thien hier zwei Sprachen, zwei Staaten, zwei Leben und Lebensweisen miteinander verbindet.

„Der Sympathisant“ – Viet Thanh Nguyen

Dieser Spionagethriller wurde 2016 mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet – und den hat er nun wirklich verdient! Die Kennzeichnung „Thriller“ sollte einen dabei nicht abschrecken, denn das Buch ist vielmehr als „nur“ das. Der Roman thematisiert den Vietnamkrieg, aber nicht aus der relativ geläufigen amerikanischen Sichtweise, sondern aus der gegensätzlichen. Dabei bleibt es jedoch nicht. Der Autor setzt einen namenlosen kommunistischen Spion als Protagonisten ein, der innerlich zerrissen ist und in einer Art Zwickmühle steckt. Denn als Spion soll er einerseits als solcher aktiv sein, aber auch in seiner eingeschleusten Rolle als Adjutant eines hochrangigen Generals in den USA solche ausfindig machen. Auf welcher Seite steht er nun? Gibt es überhaupt eine Seite? Und wer ist er selbst? Einerseits die Verlockungen der amerikanischen Konsumgesellschaft im Blick, andererseits die innere Zerrissenheit vor Augen. Spannend, bildhaft geschrieben und dabei doch verständlich politisch.

„Kafka und Felice“ – Unda Hörner

Kafka fand ich schon immer sehr faszinierend. Nicht nur als Autor, sondern vor allem auch als der Mensch, der sich hinter diesen Texten verbirgt, für die es sogar einen eigenen Namen gibt, weil uns sonst die Worte zum Beschreiben fehlen würden: kafkaesk. Unda Hörners Roman, der um tatsächliche Briefe des zweimal verlobten und dann wieder entlobten Paares herum konstruiert ist, beschreibt Kafka aus der Sicht von Felice. Einer wahrhaft lebenslustigen, mutigen und starken Persönlichkeit (und aus heutiger Sicht unfassbar modern). Dagegen kann Kafka – zumindest in diesem Roman – einpacken. (Kein Witz.) Denn Kafka war wohl eher das genaue Gegenteil: ein asketisch lebender Schwarzmaler mit Hang zum Schwermut. (Wobei das wohl auch wieder das Faszinierende ist.) Was diesen Roman so toll macht, ist zum einen die Perspektive, die man als Leser einnimmt. Also Kafka aus der Sicht von Felice zu lesen, einer Frau, die seine Werke sicher auch ein wenig mitgeprägt hat – und Kafka aus zeitgeschichtlicher Perspektive zu lesen, eingebettet in die Zeit vor dem 1. Weltkrieg bis hinein in die 1920er Jahre. Man spürt den Umbruch, man spürt Kafkas Angst vor einem bürgerlichen Leben, das ihn am Schreiben hindern könnte – und man spürt seine innere Zerrissenheit, auch Felice gegenüber. Kafka und Felice – eine Liebe?

„Das Wunder der wilden Insel“ – Peter Brown

Das Robotermädchen Roz wacht auf einer wundersamen Insel auf und muss sich dort erst einmal zurechtfinden, inmitten all der Tiere und Natürlichkeit. Aus Sicht der tierischen Inselbewohner ist Roz eine Art Monster, daher muss sie sich beweisen und so manches Abenteuer ausstehen. Eine zauberhafte Geschichte um Freundschaft und Anderssein, die auch noch ganz, ganz liebevoll illustriert ist. Die Sprache ist Kindern angemessen und super als Vorlesebuch geeignet. Ich hatte viel Freude damit!

„Schwimmen“ – Sina Pousset

Diesen Roman konnte ich einfach nicht mehr aus der Hand legen. „Schwimmen“ ist dieses eine spezielle Buch, das einen nachts wachhält und wie gebannt Seite um Seite umblättern lässt, in der Hoffnung, es möge nie ausgelesen sein (auch wenn man gleichzeitig alles erfahren möchte.)  Es ist ein durch und durch bewegendes, feinfühliges Buch über Liebe, Freundschaft, Sehnsucht, Verlust und diesem Ding, das man Erwachsenwerden nennt, der tief in die Gefühlswelt seiner Protagonisten hereinreicht. Die Autorin deutet vieles nur an, ertränkt den Plot nicht in zu ausschweifenden Erzählungen und das macht die Geschichte zugleich dynamisch sowie spannend und man kann gar nicht aufhören zu lesen, obwohl man sich eigentlich wünscht, man dürfe ewig in dieser schönen Sprache verweilen, die zugleich poetisch wie auch klug und einfach nur wunderschön ist.

„Die Falle“ – Melanie Raabe

Ein Thriller, der relativ unblutig, dafür aber durchaus spannend bis zum Schluss bleibt. Genau das richtige, um sich mal ein, zwei Abende Zerstreuung zu gönnen. In Teilen hat er mich an die Cliffhanger und Plottwists eines Sebastian Fitzek erinnert – aber cleverer und sprachlich sehr viel schöner gestaltet. Die ersten einhundert Seiten hatte ich noch so meine Bedenken, aber dann konnte ich nicht mehr aufhören zu lesen. Alles in allem sehr gelungen und als spannende Herbstlektüre äußerst empfehlenswert!

„Der nasse Fisch“ – Volker Kutscher

Die Romanvorlage zu der kürzlich auf Sky veröffentlichten Serie „Babylon Berlin“. Ein Buch, das einen beinahe vergessen lässt, dass es sich um einen Kriminalroman handelt, sondern einem vielmehr das Gefühl der 1920er Jahre vermittelt. Sehr schön! Etwas bemängeln muss ich die teils doch sehr männliche Perspektive und Schreibweise (vor allem im Bezug auf Frauengeschichten), aber damit kann ich leben. Nicht alles überschneidet sich eins zu eins mit der TV-Serie, was durchaus gut ist, denn so kann man getrennt voneinander beides genießen und entdeckt sogar noch neue Seiten an den Figuren und der Geschichte. Einiges ist im Roman ausführlicher, anderes ist wiederum der TV-Serie zugedichtet worden. Mich stört es nicht, im Gegenteil, ich finde: das passt! 20er Jahre Fans werden begeistert sein!

„Sophia, der Tod und ich“ – Thees Uhlmann

Ich bin da so lange drumherum geschlichen und als es nun im Taschenbuchformat erschienen ist, nun ja, da konnte ich nicht nein sagen: zum Glück! So ein schönes Buch. (Schwarzer) Humor trifft auf Tiefsinnigkeit gepaart mit ein wenig Skurrilität. Einzig ein paar Längen in der Mitte könnte man bemängeln, aber, ach, das muss man nicht.

„Ehemänner“ – Jami Attenberg

In Attenbergs drittem Roman geht es weder um eine neurotische jüdische Familie, noch um das New York der 1920er Jahre, dafür aber um das neuzeitige New York inklusive hipper Williamsburger Freigeister. Jarvis Miller muss sich nach dem Unfall ihres Mannes (einem Künstler) neu finden. Ein schwieriger Prozess, vor allem, nachdem sie so einiges aus seiner und ihrer gemeinsamen Vergangenheit aufdeckt. Klug und voller Wortwitz entfaltet sich hier eine Identitätssuche der etwas anderen Art. Zu Beginn des Romans weiß man noch nicht ganz, wo dieser hinführen soll. Die Charaktere werden vorgestellt, die Sachlage erklärt und so langsam entwickelt sich eine Geschichte über eine große Liebe, die, wie alle großen Lieben, nicht vor Schwierigkeiten gefeit ist. Gegen Ende bin ich ein ganz klein wenig skeptisch der Geschichte gegenüber geworden (zu übertrieben), aber doch bin ich von Attenbergs Schreibstil und Empathiefähigkeit begeistert.

Außerdem habe ich mittels „NaturLiebe“ von Rebecca Wallenta einen Wandbehang gebastelt und dank „Pinguine sind kitzlig, Bienen schlafen nie, und keiner schwimmt so langsam wie das Seepferdchen. Verblüffendes aus der Tierwelt.“ von Maja Säfström so einiges (auch Lustiges) über Tiere erfahren. Zauberhaft vor allem aufgrund der tollen Illustrationen.

Puh, falls ihr es bis hierher geschafft habt: seid ihr jetzt genauso platt wie ich?

2 Kommentare zu „[Lesemonat] Oktober 2017“

  1. Wow, das ist ja tatsächlich ganz schön viel 😀 So viel schaffe ich eigentlich nie.
    Ich überlege, nachdem ich es jetzt überall sehe, auch „Turtles all the way“ down zu lesen. Ich lese eigentlich gar kein YA und trau mich da oft nicht ran aus Angst es könnte mir nicht gefallen.
    Ich lese nebenbei auch die Harry Potter Reihe nochmal, mache ich irgendwie im Herbst besonders gern. Irgendwann muss ich mir auch mal die illustrierten Ausgaben zulegen!

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  2. Hallo!

    Das ist eine tolle Liste! Das Buch von Madeleine Thien hört sich wirklich gut an! Ich habe zwar schon das ein oder andere Buch mit geschichtlichem Hintergrund zu China gelesen, aber ich finde es immer wieder spannend. Überhaupt finde ich es immer wieder toll, wenn man in Büchern auf die Geschichte alter Völker trifft.

    Melanie Raabes „Die Falle“ schlummer auch irgendwo auf meinen SUB noch rum, aber bevor ich das Lese, muss ich auch erst mal einen gewaltigen Stapel an Büchern „abarbeiten“.

    Liebe Grüße!

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