[Rezension] „Jenseits von Afrika“ | Tania Blixen

„Jenseits von Afrika“ zählt heute mit zu den Klassikern des 20. Jahrhunderts. Die meisten werden wahrscheinlich sowohl Titel als auch Inhalt eher durch den gleichnamigen Film mit Meryl Streep und Robert Redford in den Hauptrollen kennen – vielleicht irre ich mich da aber. Ich selbst muss gestehen: ich habe weder den Film gesehen (hat mich nie so gereizt), noch hatte ich die Romanvorlage gelesen. Nun kommt dieses Buch, das Truman Capote als „[e]ines der schönsten Bücher unseres Jahrhunderts“ bezeichnet, als Neuauflage im handlichen kleinen Format mit Zebras auf dem Cover, einem hübschen Vorsatzblatt sowie Anmerkungen und einem Nachwort im Manesse Verlag daher. Ein Grund, das eigene Klassiker-Defizit ein wenig auszugleichen? Ja!

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Tania Blixen, eines von vielen Pseudonymen der Autorin, beschreibt in „Jenseits von Afrika“ ihre eigenen Erfahrungen in Afrika, das Leben auf einer Farm, das Leben als Frau und ihre durchaus starken Emanzipationsversuche (wobei man „Versuche“ hier fast schon streichen kann). Sie selbst hat von 1914 an mehrere Jahre in Kenia gelebt und während dieser Zeit einiges an Erinnerungen gesammelt. Diese Eindrücke und Erlebnisse verarbeitet sie gemeinsam mit fiktiven Elementen zu einem Text, den man nicht eindeutig einem Genre zuordnen kann. In „Jenseits von Afrika“ finden sich thematisch unterschiedliche Schwerpunkte, unter anderem auch eine Liebesgeschichte, die allerdings sehr viel weniger Raum einnimmt als man erwarten würde. Im Fokus stehen ganz klar die Liebe zur Natur und zu Afrika sowie Begegnungen mit Einheimischen .

Die Neuauflage „Jenseits von Afrika“ ‘s orientiert sich in der Übersetzung an der ersten dänischen textkritischen Ausgabe und ist ungekürzt. Dabei fällt auf, dass Begriffe wie „Neger“, „Negermädchen“ und dergleichen nicht durch aus heutiger Sicht weniger rassistische Worte ersetzt werden. Das mag vielleicht einige stören, was ich durchaus nachvollziehen kann, aber man sollte doch immer auch den Kontext betrachten. Die Autorin hat sicherlich in keiner Weise rassistische Gedanken damit verfolgt, sondern spiegelt vielmehr in ihrer Ausdrucksform das Leben zu dieser Zeit wieder. Von daher finde ich es in Ordnung, dass die Originalworte der Autorin für diese Ausgabe verwendet werden, weil diese, wie es in der editorischen Notiz heißt: „bei ihr […] Bezeichnungen für die Ureinwohner Afrikas“ sind und „als typisches Merkmal kolonialen Sprechens in der Übersetzung originalgetreu wiedergegeben“ werden. Wer das Buch liest, wird mit Sicherheit differenzieren können.

Abgesehen davon hat mich Blixens Sprache überrascht. Sie ist klar, sie ist wohl überlegt und in ihren Beschreibungen der Natur fast schon poetisch. Die Autorin vermittelt den Leser|innen das Gefühl vor Ort zu sein, die Hitze und Dürre zu spüren, die Tiere leibhaftig vor sich stehen zu haben. Ab und an neigen ihre Darstellungen dazu, sich etwas auszudehnen, als würde sich die Autorin gerade selbst wieder ein Stück in ihren Erinnerungen verlieren. Das kann für den|die Leser|in etwas anstrengend werden, aber es lohnt sich dennoch weiterzulesen. Was man keinesfalls vergessen darf, ist die Tatsache, dass Blixen hier nicht alles autobiografisch wiedergibt, sondern viele Erlebnisse einfügt, die so tatsächlich nicht geschehen sind bzw. die so nicht ganz der Realität entsprechen. Kurz: sie idealisiert. Das sollte man während des Lesens immer im Hinterkopf behalten, um nicht ein leicht entrücktes Bild des Kontinents, der Einheimischen und der Geschichte selbst zu bekommen. Blixen versucht, ein Afrika auferstehen zu lassen, das es in der Form so nicht gibt bzw. gegeben hat und auch sich selbst stilisiert sie zu einer Figur, die teils nicht mehr richtig greifbar scheint. Sie schreibt aus einer Art weißen Glaskugel heraus, weshalb nie vollends ein authentisches Bild Afrikas entstehen kann, da immer der „weiße Blick“ mitschwingt. Sie ist sich dessen bewusst, überdenkt und überarbeitet ihre Worte und versucht diesen Blick zu vermeiden bzw. nicht allzu deutlich werden zu lassen (und das kann und sollte man ihr zugutehalten), jedoch gelingt es ihr nicht ganz so wie gewünscht.

Mir persönlich hat vor allem der Ausflug in die Weiten Afrikas sehr gefallen und auch inhaltlich überzeugt das Buch, wenn man es auch teils mit einem differenzierteren, kritischen Blick lesen sollte. „Jenseits von Afrika“ ist eine Art idealisierte Liebeserklärung an Afrika und Blixens eigenes Leben dort und sollte auch als solche gelesen wie interpretiert werden.

Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar

Aus dem Dänischen von Gisela Perlet | Manesse Verlag | 688 S. | ISBN: 978-3-7175-2438-0

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