[Rückblick] Jahreslesehighlights 2017

Und wieder geht ein Jahr. Kein Grund traurig zu sein, sondern vielmehr ein Grund der Freude. Nämlich auf jede Menge neue Leseabenteuer und gute Bücher. Heute aber erstmal meine Highlights im Buchformat 2017. (Auch wenn das immer so eine Sache ist, mit dem Benennen von Lieblingsbüchern. Ich tue mich da sehr schwer – und bin damit sicher nicht alleine.)

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„Das Rauschen in unseren Köpfen“ – Svenja Gräfen

Das erste Buch, das mich dieses Jahr hat weinen lassen und mich sprachlos (angesichts der Tatsache, dass deutsche Wörter manchmal doch wie Magie klingen können) sowie gleichzeitig unfassbar glücklich gemacht hat. Dieses Buch hat mich alles fühlen lassen, einmal durchgewirbelt und am Ende hat es mir jede Menge gegeben.

„Ellbogen“ – Fatma Aydemir

Dieses Buch habe ich wie im Sog gelesen. Ein Hieb mit dem Ellbogen, dahin, wo es richtig wehtut. Eine Bestandsaufnahme und Kritik an unserer Ellbogengesellschaft, dem Egoismus, der Rücksichtslosigkeit und der Gewalt (der physischen wie der psychischen) anderen gegenüber, die scheinbar überhand zu nehmen scheint. Ein Identitätskampf, wie ihn sicherlich viele mit sich ausfechten müssen, aber keine|r schreibt so ehrlich, kraftvoll, mutig und aufrüttelnd darüber wie Fatma Aydemir.

„So, und jetzt kommst du“ – Arno Frank

Ein ruhiges, unaufgeregtes Buch voller Tragik und Komik. Ein Roadmovie im Buchformat, eine Familie, die auseinanderfällt und doch an sich festhält. Ich mochte es so gerne und kann gar nicht genau benennen, wieso eigentlich. Ich mochte es einfach, es hat mich berührt, es hat Emotionen in mir aufkommen lassen und ich war traurig, nachdem ich die letzte Seite gelesen hatte. Traurig, weil es keine weitere mehr geben würde. Gründe genug, um es als Highlight zu bezeichnen.

„Vom Ende an“ – Megan Hunter

Ein schmales Büchlein, mit enormer Wirkkraft. Die Apokalypse mal etwas anders erzählt. Es wirft Fragen auf, die essentiell sind. Es spricht Dinge an, die vielleicht bis jetzt nur in uns schlummerten. Es beschreibt eine Zukunft, die düster und doch hoffnungsvoll ist. Denn, wo ein Ende ist, ist auch ein Anfang. Und hier bleibt am Ende etwas Unbeschreibbares, etwas Ungreifbares, das einen weiter nachdenken und nicht mehr loslassen wird.

„Die zwölf Leben des Samuel Hawley“ – Hannah Tinti

Ein atmosphärisch spannender Roman voll wunderbarer Erzählkraft. Ich hatte nicht viel erwartet, mochte dieses Buch daher überraschenderweise sehr gerne. Es ist so eine Wegschmöker-Geschichte (knapp 600 Seiten bieten sich da auch perfekt an) und ich kann ehrlich nicht genau sagen, was ich an dem Buch so mochte. Ich mochte es. Richtig, richtig gerne. Ich mochte, wie die Beziehung zwischen Vater und Tochter aufgearbeitet wird und vor allem, wie sich nach und nach die ganze Hintergrundgeschichte aufdröselt – in die zwölf Leben des Samuel Hawley eben. Gleichzeitig bricht und kittet dieses Buch einem das Herz. Ja, definitiv ein Highlight.

„Frida. Ein Leben zwischen Kunst und Liebe“ – Vanna Vinci

Kunst über Kunst. Kunst über Kunst der Frida Kahlo. Kann das gut werden? Ja! Ein Comic, der sich mit dem Leben, der Kunst und der Liebe der von mir sehr bewunderten Frida Kahlo beschäftigt. Sprachlich, naja – es ist eben kein Roman, aber alles andere begeistert und macht dieses Buch daher zu einem wohlverdienten Highlight.

„Schwimmen“ – Sina Pousset

„Schwimmen“ ist dieses eine spezielle Buch, welches einen nachts wachhält und Seite um Seite gebannt umblättern lässt, in der Hoffnung, es möge nie ausgelesen sein. Ein durch und durch bewegender, feinfühliger Roman über Liebe, Freundschaft, Verlust und diesem Ding, das man Erwachsenwerden nennt. Voll Sprachschönheit, die einen wünschen lässt, man dürfe ewig in diesem Buch, dieser Sprache verweilen.

„Das Alphabet meiner Familie“ – Nina Sahm

Ein Buch über Identitätsfindung, der Suche nach der eigenen Familie und den Fragen nach dem: wer bin ich?; was will ich? – und – wo will ich hin?. Unfassbar klug, charmant, mit Liebe fürs Detail und so geschrieben, dass einem ganz warm ums Herz wird. Nebenbei mag man auch unbedingt mal die Zwiebel probieren, die nach Apfel schmeckt. Ach, so ein schönes Buch! Lest das mal, bitte, ihr bereut es nicht!

„Dann schlaf auch du“ – Leïla Slimani

Dieses Buch kommt so unscheinbar daher und dann haut es einem den Boden unter den Füßen weg. Eingebettet in eine relativ bekannte Story findet sich ein Psychothriller, den man gar nicht mehr aus der Hand legen kann und mag. Neben der Geschichte ist es vor allem der Erzählstil, der die Spannung ausmacht. Was geschehen ist, weiß man von Seite eins an, aber wie genau es dazu gekommen ist, das erfahren wir Schritt für Schritt oder vielleicht auch gar nicht, denn, wie gut kennt man eigentlich einen Menschen und wem kann man noch trauen? Ein düsteres Buch, das einen komplett gefangen nimmt und daher verdient in den Highlights.

Und jetzt wünsche ich euch noch schnell einen schönen Start ins neue Lesejahr, bevor es mich ins nächste Buch zieht. (Hashtag Silvesterlesen nach der lieben Sarah alias Pinkfisch!)

[Rezension] „Dann schlaf auch du“ | Leïla Slimani

Schon oft gesehen, aber doch irgendwie nie so ganz und gar wahrgenommen habe ich Leïla Slimanis Roman „Dann schlaf auch du“. Dieses Buch kommt so unscheinbar daher, hat es aber ordentlich in sich. Und das meine ich durchaus sehr positiv.

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Ein berufstätiges, engagiertes und gesellschaftlich angesehenes Ehepaar mit zwei kleinen Kindern stellt unterstützend eine Nanny ein, die sich um die Kinder kümmern soll, während das Paar an der Arbeit ist. Schnell entwickelt sich eine sehr enge, fast schon einengende, Bindung zwischen der Nanny und den Kindern, aber auch die Eltern gewöhnen sich rasch an Louise, die irgendwie beinahe mit zur Familie gehört. Sie ist immer da. Sie erledigt alle anfallenden Arbeiten und kümmert sich – man könnte es aufopfernd nennen – um alles. Sie kocht, sie putzt, sie spielt mit den Kleinen, ist wie ein Schatten immer da, wo sie gebraucht wird und fällt dabei kaum auf. Doch niemand kennt Louise eigentlich wirklich. Wer ist diese Frau, wenn sie nach Hause geht? Wenn sie den Tag von sich abstreift? Ist sie glücklich? Hat sie eine eigene Familie, die auf sie wartet? Kann man ihr wirklich trauen?

Gleich zu Beginn werden wir mit dem katastrophalen Ende der Geschichte konfrontiert, das schonungslos bereits im ersten Kapitel auf uns wartet. In den darauffolgenden Kapiteln erfahren wir Stück für Stück, wie es dazu kommen konnte und was wirklich passiert ist. Dadurch, dass wir als Leser eigentlich bereits im Groben wissen, was geschehen ist, aber die Details erst nach und nach erfahren, entfaltet sich eine unfassbar spannende und dichte atmosphärische Erzählung, die man beinahe nicht mehr aus der Hand legen kann und mag. Die Autorin spielt gekonnt mit der Erzählweise, begleitet vorrangig die Nanny Louise, dann die Mutter Myriam und lässt einzelne, nur am Rande des Geschehens beteiligte, Personen kurz in den Fokus rücken, so dass sich das ganze Ausmaß der Geschichte langsam und Stück für Stück ermitteln lässt. Als Leser entwickelt man automatisch eine gewisse Empathie mit gleichzeitiger Antipathie der Hauptfigur gegenüber, die irgendwie ein Mysterium bleibt, was das Lesen noch mal ein Stück aufregender macht, denn man hat permanent das Gefühl, man könne Louise vielleicht helfen oder das Rätsel um sie lösen. Die Eltern, die recht klischeehaft dargestellt werden, werden einem als Leser trotzdem durchaus sympathisch und auch mit ihnen möchte man kommunizieren, Ratschläge erteilen, denn aus unserer Perspektive weiß man, dass ein böses Ende naht.

Es ist ein düsteres Buch – und das ist keineswegs schlecht, im Gegenteil -, es ist ein fesselndes Buch und es hat das Zeug dazu, einen noch lange nach dem Lesen daran denken zu lassen. Theoretisch kommt die Handlung nicht überraschend, aber doch möchte man manchmal: oh!, ausrufen, weil man nicht damit rechnet, auf welche Weise etwas geschieht. Man merkt wahrscheinlich, dass ich versuche Worte für etwas zu finden, das sich schlecht mit bloßen Sätzen beschreiben lässt. (Vor allem, wenn man so wenig wie möglich vom Inhalt verraten möchte!) Darum rate ich tatsächlich einfach dazu dieses Buch zu lesen, so unscheinbar es vielleicht auf den ersten Blick wirken mag. Es hallt nach – und das sind die wirklich guten Bücher!

Aus dem Französischen von Amelie Thoma | Luchterhand Literaturverlag | 224 S.

[Rezension] „TEE. Sorten, Anbau, Geschichte, Zubereitung, Rezepte und vieles mehr“ | Louise Cheadle & Nick Kilby

Darf’s ein bisschen Tee sein?, fragt die nette Dame im fliederfarbenen Kostüm, die sonntags gerne Pferderennen besucht und dabei nie vergisst, den passenden Hut zu tragen, während sie erwartungsvoll lächelnd eine Hand auf den Deckel der hübsch anzusehenden Teekanne legt und in der anderen Hand einen Teller mit Scones bereithält. – Ungefähr das ist das Bild, das ich jahrelang mit mir herumtrug, wenn ich an Tee dachte. Tee, der ist typisch britisch. Tee, der ist irgendwie ein bisschen konservativ. Stimmt nicht. Tee ist der neue Wein! Das zumindest las ich vor knapp zwei Jahren in einem Artikel des ZEIT Magazins und wäre ich da nicht eh schon eine Teetrinkerin gewesen, dieser hätte mir Tee mit Sicherheit schmackhaft gemacht.

Seit Jahren versucht sich der Tee von seinem angestaubten Image zu befreien – und das gelingt ihm auch recht gut. Mal ganz davon abgesehen, dass es viele Tees gibt, die eine heilende Wirkung haben, schmeckt Tee auch einfach richtig gut, wenn man weiß, wie man welche Sorte zubereitet, wofür oder wogegen man welchen Tee einsetzt und was zu welchem Gericht am besten schmeckt. (Usw., usw.!)

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In „TEE. Sorten, Anbau, Geschichte, Zubereitung, Rezepte und vieles mehr“ steckt genau das drin. Louise Cheadle und Nick Kilby, selbst leidenschaftliche Teetrinker und Gründer von „Teapigs“, nehmen uns u.a. mit auf eine Weltreise durch die teetrinkenden Nationen dieser Welt und zeigen, welch unterschiedliche, aber wichtige Rolle Tee für manche Kulturen spielen kann. Nebenbei geben sie einen kurzen Überblick über die Geschichte des Tees – eine Geschichte, die unfassbar interessant und erstaunlich zu lesen ist, wenn man – wie ich – davon so gar keine Ahnung gehabt hat, informieren, wo und wie Tee hergestellt wird, welche Teesorte zu welchem Gericht passt und noch vieles mehr. Wer zum Beispiel schon immer mal wissen wollte, wie man den perfekten Matcha-Tee zubereitet, dieses Buch verrät es euch! Weiterhin habe ich gelernt, dass in China pro Jahr 548.043 kg Tee verbraucht werden (S. 18/19) und somit die „Topteenation“ ist, was sicher auch auf die Bevölkerungszahl zurückzuführen ist. Deutschland befindet sich da eher so im Mittelfeld. Ganz allgemein stecken in diesem Buch neben vielen nützlichen und toll recherchierten Teeinformationen auch eine Menge Anekdoten und ganz viel Detailliebe. Man blättert gerne durch das Buch, schaut sich die Illustrationen, Fotos und Rezepte an und bekommt schlichtweg einfach sehr große Lust auf… ja, auf was? Tee! Einzig ein wenig bemängeln könnte man die Tatsache, dass auf das Thema „fair trade“ bzw. faire Arbeitsbedingungen nicht in dem Ausmaß eingegangen wird wie ich es mir gewünscht hätte. Die beiden Autoren stellen zwar ihre eigenen Teelieferanten vor, aber es wirkt doch ein wenig so wie Werbung für ihr Unternehmen, was es vielleicht letztlich auch ist. Das lässt sich nachvollziehen, bleibt aber dennoch ein Kritikpunkt. Nichtsdestotrotz ist es ein tolles Buch, nicht nur, aber vor allem für (angehende) Teetrinker! Und jetzt möchte ich mich da bitte einmal durchprobieren, „durchtrinken“ klingt ja doch ein wenig komisch. (Auch wenn es – wie bei Wein – eine Teeprobe gibt!)

Aus dem Englischen von Stefanie Kuballa | Prestel Verlag | 208 S.

[Nachgedacht] über diese ach-so-besinnliche Weihnachtszeit

Oh, du besinnliche Weihnachtszeit. Jedes Jahr zu Weihnachten frage ich mich, warum sind Menschen so? Ellenbogen ausgefahren, stur geradeaus, meckernd über zu langsame Verkäufer*innen, nicht passendes Geschenkpapier und generell, muss das ja alles perfekt sein, weil unperfekt geht gar nicht. Ist ja Weihnachten. Eh, genau, Weihnachten. Das Fest der (Nächsten)liebe. Aber irgendwie scheint es, als sei das ein wenig aus der Mode gekommen. Denn um andere zu lieben, muss man auch erst einmal sich selbst lieben oder zumindest mögen und ja, das ist nicht immer einfach. Gerade zu Weihnachten steigt die Erwartungshaltung an sich selbst und andere. Das Zuhause weihnachtlich dekorieren, Plätzchen backen, Weihnachtsfeier hier, Weihnachtsfeier da, Weihnachtsessen planen, Geschenke kaufen, Geschenke basteln, alles schön verpacken (…) und oha, schon ist der Stress vorprogrammiert und die Erwartungshaltung explodiert.

Die Sache ist die: man kann und muss nicht immer alles schaffen. Das ist eben das Leben, dass da immer mal was dazwischenfunkt. Arbeit, Krankheit oder auch einfach das sehr gut nachvollziehbare: ich brauche eine Pause. Und, wieso auch nicht? Viel wichtiger ist es doch, einfach beisammen zu sein (oder auch mal alleine sein zu dürfen), eine schöne Zeit zu haben, mal kurz die Sorgen vergessen zu können (und sich nicht noch mehr Sorgen machen zu müssen). Es folgen also ein paar Tipps, um gut durch die Weihnachtszeit zu kommen, ohne sich verrückt zu machen.

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  • Das mit den Geschenken einfach mal beiseiteschieben, es gibt so viel Wichtigeres.
  • Welt aus, Buch an. Gerne auch mal einen Besuch auf dem Weihnachtsmarkt absagen, wenn man merkt: das wird zu viel.
  • Nicht.Stressen.Lassen. Und stattdessen Schöne Bescherung und Verrückte Weihnachten schauen. Der Grinch, Santa Clause, Kevin allein zu Haus, Versprochen ist Versprochen und Tatsächlich Liebe wären auch noch so eine Option. (Oder Stirb Langsam, für die ganz harten Fälle.)
  • Man muss nicht auf jede Weihnachtsfeier. Echt nicht.
  • Plätzchen und Stollen backen statt den Samstag im Einkaufsgewimmel zu verbringen.
  • Verkäufer*innen und Post/Paketbot*innen lieber anlächeln als grummelig zu sein, auch wenn die Post gerade länger dauert und man eine halbe Stunde in der Schlange steht. Sie machen auch nur ihren Job und haben genauso Sorgen, Ängste, Kummer und mal einen schlechten Tag wie jeder andere auch.
  • Ehrenamtlich tätig sein, z.B. Kindern in der Stadtbücherei vorlesen.
  • Weihnachtskarten an Freunde schreiben, mit denen man über das Jahr weniger zu tun hatte.
  • Einen krummen Weihnachtsbaum adoptieren, an dem man mindestens genauso viel Freude hat wie an einem perfekt gewachsenen.
  • Essen für die Tafel und Tiernahrung für das örtliche Tierheim spenden.
  • Mit jemandem telefonieren, mit dem man schon länger nicht mehr gesprochen hat, das aber schon längst mal wieder hätte tun wollen.
  • Eine Weihnachtsgeschichte lesen.
  • Sich bewusstmachen, worum es um Weihnachten eigentlich geht und Konsum sowie Perfektionswahn möglichst streichen (wer hier streicheln liest, das ist auch gut).

Das sind nun wirklich keine besonders einfallsreichen Tipps, aber manchmal, da muss man sich selbst vielleicht noch einmal daran erinnern, was wirklich wichtig ist. Die Familie, Freunde, Beisammensein und dass es einem mit dem, was man tut, gut geht.

[Rezension] & [Geschenktipp] „Der Weihnachtosaurus“ |Tom Fletcher mit Illustrationen von Shane Devries

Dinosaurier sind das, was Lamas, Faultiere, Einhörner und Eulen immer sein wollen, – denn, hey, sie sind einfach cool. Doch mehr als bloß Coolness, bieten Dinosaurier Raum für längst vergangene Zeiten, Fantasie und, ja, auch ein bisschen Magie. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie ich bei „Im Land vor unserer Zeit“ gebannt vor dem Fernseher saß und auch heute gibt es jede Menge Dino-Filme, -Bücher und -Figuren… Eh, habe ich schon erwähnt, dass Dinos cool sind?

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Noch cooler ist allerdings „Der Weihnachtosaurus“ von Tom Fletcher, in dem sich ein kleiner Junge namens William Trudel nichts mehr wünscht als einen echten Dinosaurier zu Weihnachten. Er hätte allerdings nicht gedacht, dass sich dieser Wunsch erfüllen lassen könnte, aber da hat er wohl nicht mit dem „Oh, heiliger Spekulatius“ ausrufenden Weihnachtsmann und seinen reimenden Helfern aka Wichteln gerechnet. Selbstverständlich dürfen in solch einer munteren Runde auch keine Bösewichte fehlen. Diese Rolle übernehmen der fiese Jäger mit seinem Hund Knurre, die es beide auf den Weihnachtosaurus abgesehen haben. Und auch Brenda Pein macht William das Leben schwer, aber ist sie wirklich das gemeinste Mädchen der Schule oder steckt vielleicht etwas ganz Anderes dahinter? Achso – und dann gibt es da noch die Eltern von William und Brenda, die so ihre ganz eigenen Sorgen um Weihnachten herum haben…

„Der Weihnachtosaurus“ ist eine wunderbar liebevoll gestaltete und urkomisch erzählte Weihnachtsgeschichte, die es schafft, sämtliche Weihnachtsklischees bunt und herzerwärmend zu verpacken, so dass man dieses Buch einfach nur lieben kann. Wirklich! Beinahe jede Seite ist passend illustriert und dank der Geschichte und der vielen Bilder definitiv nicht nur etwas für die Kleinen, sondern auch für die ganz Großen, die mal wieder Lust haben in eine turbulente, fantasievolle Weihnachtsgeschichte einzutauchen. Tom Fletcher beweist hier ein ums andere Mal sein Talent für Wortspielereien und sein Geschick, aus einer einfachen Geschichte etwas ganz Besonderes zu machen. Für mich das beste Weihnachtsbuch des Jahres. Und: wie ihr vielleicht gemerkt habt, habe ich zum Inhalt absichtlich nicht zu viele Worte verloren (vor allem, was die Details angeht), denn der Weihnachtosaurus soll euch von ganz alleine verzaubern!

Aus dem Englischen von Franziska Gehm | empfohlen ab 8 Jahren | cbt Verlag | 384 S. mit s/w Illustrationen

[Lesemonat] November 2017

Man sollte ja meinen, ab November ginge es erst so richtig los mit dem zuhause bleiben und lesen. (Das Wetter bietet sich nun wirklich geradezu an.) Ja. Nö. Bei mir ist das irgendwie anders. Wenn ich offiziell eine Ausrede geschenkt bekomme, daheim bleiben zu dürfen, ohne schief angeschaut zu werden, kommt irgendwas dazwischen. Das mag auch mit der Weihnachtszeit zu tun haben – nun, wie dem auch sei, November und Dezember sind in der Regel die Monate, in denen ich für meine Verhältnisse  am wenigsten lese. (Schreibt es und denkt dann, so wenig war es gar nicht.) Schlimm finde ich das keineswegs (nicht, dass ihr das jetzt falsch versteht, das Leben ist eben das Leben), nur selbst ein wenig irrwitzig. Wie auch immer, was auch immer, es folgt der November in Büchern, nicht der Statistik wegen, sondern als kleine Zusammenfassung für euch.

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„Vom Leben der Tiere. Wie sie handeln, was sie fühlen“ | Pablo Salvaje

Ein schöner Bildband mit handgedruckten Bildern des spanischen Künstlers Pablo Salvaje, welcher vor allem darauf abzielt, in die Natur und das Leben der Tiere hineinzuhorchen. Es geht nicht bloß darum zu betrachten, sondern zu fühlen. Zwar leider etwas schmal, dafür wunderschön gestaltet, mit kurzen, poetischen Texten und sicher für Groß und Klein geeignet.

„Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ – Newt Scamander | J.K. Rowling / illustriert von Olivia Lomenech Gill

Dieses Buch stellt sozusagen ein Buch im Buch oder besser in der Geschichte von Harry Potter sowie in Phantastische Tierwesen dar. Nämlich jenes, welches Newt Scamander, der berühmte Tierwesen-Forscher, geschrieben und gezeichnet hat (ja, klar, natürlich waren es J.K. Rowling & Olivia Lomenech Gill, aber psst.) und beinhält zig Zeichnungen, Illustrationen und Beschreibungen zahlreicher fantastischer Tierwesen. Es ist eine Schmuckausgabe, also sicher etwas für Fans (aber nicht nur). J.K. Rowling spendet ihre Honorare an diesem Buch an Comic Relief und Lumos, zwei Wohltätigkeitsorganisationen – nur so zur Info. 🙂

„Good Night Stories for Rebel Girls. 100 außergewöhnliche Frauen“ | Elena Favilli & Francesca Cavallo

Hier finden sich 100 (Gute-Nacht)-Geschichten außergewöhnlicher Frauen, die extra starken Mut, besondere Stärke und ganz viel Größe bewiesen haben. Ein Buch, das Mut machen soll. Ein Buch, das jungen Mädchen (nicht nur, aber besonders ihnen) zeigen soll, was sie alles erreichen können, was alles möglich ist – und das fernab der klischeebehangenen Ritter, König, Abenteurer-Geschichten, in denen Frauen meist „nur“ das hübsche Beiwerk darstellen. In diesem tollen Buch finden sich Geschichten von Frauen aus aller Welt, illustriert von Frauen aus aller Welt, die alle eins gemeinsam haben: sie sind toll und großartig und rebellisch! Von Ada Lovelace, einer Mathematikerin aus dem 19. Jahrhundert, über Frida Kahlo, einer inspirierenden Künstlerin, bis hin zu Zaha Hadid, einer berühmten Architektin – hier finden sich so viele außergewöhnliche Frauen, dass man als Kind und Erwachsene|r nachhaltig beeindruckt bleibt. Wichtig finde ich jedoch, dass dieses Buch nicht nur für Mädchen ist, auch wenn der Titel ausschließlich jene erwähnt.

„Little Fires Everywhere“ | Celeste Ng

Dieser Roman überzeugt von der ersten Seite an. Er ist spannend, abwechslungsreich und sprachlich toll geschrieben, doch nicht nur das, die Autorin legt sehr viel wert darauf, ihre Leser an der Entwicklung ihrer Charaktere teilhaben zu lassen. So machen wir langsam gemeinsam mit den Figuren eine Art Gedankenzeitreise, welche aufgrund der Handlung in Gang gesetzt wird. Das klingt ein wenig kryptisch, aber ich möchte nicht zu viel verraten. Lest einfach das Buch, es lohnt sich!

„Der Bruder des Wolfs“ | Robin Hobb

Der Fortsetzungsroman der Chroniken der Weitseher. Hobb schafft es auch dieses Mal wieder, mich total in ihren Bann zu ziehen. Ich lese nicht mehr so viel Fantasy, mal abgesehen von Harry Potter (was für mich aber eher eine völlig eigenständige Kategorie ist), weil es mich meistens nicht mehr so kriegt. Soll heißen, vieles wiederholt sich oder ist mir zu übertrieben. Hierbei handelt es sich aber um richtig schöne, klassische Fantasyliteratur, bei der es einfach großen Spaß macht, sie zu lesen. Einiges kommt einem vielleicht mittlerweile recht bekannt vor, besonders das Thema Intrigen, aber trotzdem baut sich hier eine großartige Spannung auf und man kann beinahe nicht aufhören zu lesen. Das liegt vor allem auch daran, dass die Autorin großen Wert darauflegt, ihre Figuren nicht zu blass wirken zu lassen und nutzt hierzu die Ich-Perspektive für die Hauptfigur – so fühlt man sich der Geschichte noch verbundener.

„Das Alphabet meiner Familie“ – Nina Sahm

„Von der Zwiebel, die nach Apfel schmeckt“. Die Autorin verknüpft eine Geschichte in der Geschichte mit der Suche nach der eigenen Identität bzw. Familie und schreibt dabei ganz wunderbar klug, humorvoll und sanft von Themen, die uns alle bewegen. Und ganz nebenbei wird man auch noch sowas wie ein Zwiebel-Fan. (Naja. Fast.) Große Empfehlung!

PS: Ich habe die liebe Nina auf Instagram kennengelernt und sie schreibt genauso schön poetisch und durchdacht, wie sie dort ihre Fotos in liebevollen Bildkompositionen anordnet!

„Under the Harrow“ | Flynn Berry

Dieses Buch hat den Edgar-Award gewonnen und da dachte ich mir, damit machst du bestimmt nichts falsch. Macht man auch nicht, aber man verpasst auch nichts, wenn man es nicht liest. Ich hatte große Überraschungen erwartet, eine etwas andere Mystery-Thriller-Story als herkömmlich, aber hmm, richtig überzeugen konnte es mich leider nicht. Wer Plot-Twists mag und Lust auf leicht düstere Lektüre hat, der wird hiermit dennoch ein paar unterhaltsame Stunden verbringen können.

„Jenseits von Afrika“ | Tania Blixen

Ein Klassiker, der noch eher durch die Verfilmung als durch die Romanvorlage bekannt ist. Ich mochte das Buch in Teilen recht gerne, vor allem durch die unfassbar guten Naturbeschreibungen, jedoch bin ich mir etwas unschlüssig, was ich von den halb biografischen Elementen halten soll. Es scheint ein wenig, als habe die Autorin sich im Nachhinein besser dastehen lassen wollen, wogegen eigentlich nichts einzuwenden ist, aber dadurch wirkt der ganze Roman irgendwie unauthentisch – und das ist schade. Wenn man dies außer Acht lässt, ist es jedoch ein sprachlich äußerst gelungenes Stück (Welt)literatur.