[Rezension] „TEE. Sorten, Anbau, Geschichte, Zubereitung, Rezepte und vieles mehr“ | Louise Cheadle & Nick Kilby

Darf’s ein bisschen Tee sein?, fragt die nette Dame im fliederfarbenen Kostüm, die sonntags gerne Pferderennen besucht und dabei nie vergisst, den passenden Hut zu tragen, während sie erwartungsvoll lächelnd eine Hand auf den Deckel der hübsch anzusehenden Teekanne legt und in der anderen Hand einen Teller mit Scones bereithält. – Ungefähr das ist das Bild, das ich jahrelang mit mir herumtrug, wenn ich an Tee dachte. Tee, der ist typisch britisch. Tee, der ist irgendwie ein bisschen konservativ. Stimmt nicht. Tee ist der neue Wein! Das zumindest las ich vor knapp zwei Jahren in einem Artikel des ZEIT Magazins und wäre ich da nicht eh schon eine Teetrinkerin gewesen, dieser hätte mir Tee mit Sicherheit schmackhaft gemacht.

Seit Jahren versucht sich der Tee von seinem angestaubten Image zu befreien – und das gelingt ihm auch recht gut. Mal ganz davon abgesehen, dass es viele Tees gibt, die eine heilende Wirkung haben, schmeckt Tee auch einfach richtig gut, wenn man weiß, wie man welche Sorte zubereitet, wofür oder wogegen man welchen Tee einsetzt und was zu welchem Gericht am besten schmeckt. (Usw., usw.!)

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In „TEE. Sorten, Anbau, Geschichte, Zubereitung, Rezepte und vieles mehr“ steckt genau das drin. Louise Cheadle und Nick Kilby, selbst leidenschaftliche Teetrinker und Gründer von „Teapigs“, nehmen uns u.a. mit auf eine Weltreise durch die teetrinkenden Nationen dieser Welt und zeigen, welch unterschiedliche, aber wichtige Rolle Tee für manche Kulturen spielen kann. Nebenbei geben sie einen kurzen Überblick über die Geschichte des Tees – eine Geschichte, die unfassbar interessant und erstaunlich zu lesen ist, wenn man – wie ich – davon so gar keine Ahnung gehabt hat, informieren, wo und wie Tee hergestellt wird, welche Teesorte zu welchem Gericht passt und noch vieles mehr. Wer zum Beispiel schon immer mal wissen wollte, wie man den perfekten Matcha-Tee zubereitet, dieses Buch verrät es euch! Weiterhin habe ich gelernt, dass in China pro Jahr 548.043 kg Tee verbraucht werden (S. 18/19) und somit die „Topteenation“ ist, was sicher auch auf die Bevölkerungszahl zurückzuführen ist. Deutschland befindet sich da eher so im Mittelfeld. Ganz allgemein stecken in diesem Buch neben vielen nützlichen und toll recherchierten Teeinformationen auch eine Menge Anekdoten und ganz viel Detailliebe. Man blättert gerne durch das Buch, schaut sich die Illustrationen, Fotos und Rezepte an und bekommt schlichtweg einfach sehr große Lust auf… ja, auf was? Tee! Einzig ein wenig bemängeln könnte man die Tatsache, dass auf das Thema „fair trade“ bzw. faire Arbeitsbedingungen nicht in dem Ausmaß eingegangen wird wie ich es mir gewünscht hätte. Die beiden Autoren stellen zwar ihre eigenen Teelieferanten vor, aber es wirkt doch ein wenig so wie Werbung für ihr Unternehmen, was es vielleicht letztlich auch ist. Das lässt sich nachvollziehen, bleibt aber dennoch ein Kritikpunkt. Nichtsdestotrotz ist es ein tolles Buch, nicht nur, aber vor allem für (angehende) Teetrinker! Und jetzt möchte ich mich da bitte einmal durchprobieren, „durchtrinken“ klingt ja doch ein wenig komisch. (Auch wenn es – wie bei Wein – eine Teeprobe gibt!)

Aus dem Englischen von Stefanie Kuballa | Prestel Verlag | 208 S.

2 Kommentare zu „[Rezension] „TEE. Sorten, Anbau, Geschichte, Zubereitung, Rezepte und vieles mehr“ | Louise Cheadle & Nick Kilby“

  1. Ich liebe, liebe, liebe Tee. Früher habe ich vor allem Früchtetees getrunken, aber seit einer Weile mag ich auch grünen/weißen und ab und zu schwarzen sehr gerne. Gerade da merke ich schnell, dass ich überhaupt nichts über die verschiedenen Sorten weiß, also was z.B. der Unterschied zwischen Oolong, Sencha usw. ist, gerade auch im Geschmack. Vielleicht sollte ich mal einen Blick in diese Teebibel werfen ;)

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