[Lesemonat] Dezember 2017

Der Dezember hatte auch seine guten Seiten.

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Der Weihnachtosaurus | Tom Fletcher mit Illustrationen von Shane Devries

Dass ich gerne mal zu einem Kinderbuch greife, dürfte mittlerweile allen bekannt sein. Ich habe für mich festgestellt, dass in Büchern speziell für Kinder und Jugendliche sehr oft Wahrheiten und Weisheiten stecken, wie man sie in „Büchern für Erwachsene“ so nicht mehr findet. Pluspunkt: man betrachtet die Welt noch einmal mit Kinderaugen und das schadet nie. „Der Weihnachtosaurus“ ist ein liebevoll geschriebener, voll Sprachwitz steckender und mit ganz viel Freude am Detail illustrierter Roman für alle Altersklassen. Da wird einem selbst als Grinch warm ums Herz. Oh, heiliger Spekulatius ist das ein schönes Weihnachtsbuch!

TEE. Sorten, Anbau, Geschichte, Zubereitung, Rezepte und vieles mehr“ | Louise Cheadle & Nick Kilby

Darf’s ein bisschen Tee sein? Denn: Tee ist der neue Wein! Wer mehr über die Geschichte des Tees, Anbaugebiete, verschiedene Teesorten, Rezepte und allerhand weiteres Wissenswertes rund um dieses wohlig warme Getränk, das viel mehr kann als nur den Durst zu stillen, wissen möchte, der sollte hier auf jeden Fall einen Blick hineinwerfen. Ihr lernt hier auch, wie man den perfekten Matcha-Tee zubereitet (ob der dann wirklich perfekt ist weiß ich nicht, Matcha mag ich nämlich ehrlich gesagt nicht, aber ich glaube dem Buch einfach mal). Ein klein wenig schade ist es allerdings, dass in dem Buch kaum auf die Themen fair trade und faire Arbeitsbedingungen eingegangen wird.

In einer Person | John Irving

Ein Irving wirbelt ja immer ordentlich auf. So auch hier. Es geht um sexuelle Orientierung, Transgender und ganz viel sich selbst finden in einer Welt, die zwar sämtliche Möglichkeiten in der Theorie bietet, in der Praxis dann aber vorverurteilt. Irving bricht hier galant diese (gesellschaftlichen) oft immer noch Tabuthemen und öffnet damit so manch moralisch klemmende Schublade. Hier ein Zitat aus „In einer Person“: „Ich glaube wirklich (…), dass Fragen der sexuellen Orientierung Shakespeare viel weniger wichtig waren als offenbar uns heute“ und meint damit u.a., dass jede|r die Freiheit haben sollte, zu sein, zu bleiben oder zu werden, wer er oder sie sein möchte. Gut. Und vor allem: wichtig in einer Welt, die scheinbar täglich rückständiger und weniger tolerant zu werden scheint.

Rimini | Sonja Heiss

Dieser Roman ist ziemlich bissig, unfassbar komisch, etwas überzogen ( und das macht den Charme aus!) und betrifft uns irgendwie alle. Zu Beginn fand ich es noch etwas gewöhnungsbedürftig, weil man plötzlich in eine Welt geschmissen wird, die der Realität zwar entspricht, aber doch eben auch ein wenig too much ist. (Da merkt man das Filmische der Autorin, die auch Regisseurin ist – u.a. „Hedi Schneider steckt fest“.) Rimini ist unterhaltsam und mit einer Ehrlichkeit geschrieben, die einfach nur gut tut.

Mehr Schwarz als Lila | Lena Gorelik

Sprachlich bin ich von diesem Buch sehr angetan. Die Geschichte allerdings wirkt nicht ganz rund, irgendwie schon zig mal so in der Art gehört, gelesen, bietet sie wenig Neues, reißt nicht so mit, nervt sogar ein wenig. Gegen Ende kommt dann noch mal ordentlich Schwung rein, bevor es in einem fast schon plumpen Schluss gipfelt. Das hinterlässt eine Leere, die nicht angenehm wie bei Kurzgeschichten nachwirkt, sondern einfach nur ärgert. Ich mag das Buch aber trotzdem empfehlen, wenn man wie ich die deutsche Sprache gerne mag. Denn, was die Autorin hier ein ums andere Mal beweist: Deutsch ist eine wunderbare Sprache. Das Deutsche, das kann was.

DNA | Yrsa Sigurðardóttir

Das Buch habe ich für einen Euro im Regalladen gefunden und dachte: da machste nix mit verkehrt. Hab ich auch nicht. Spannend für die kalten Tage, aber nichts, was das eigene Leben grundlegend verändert. Das soll ein Thriller ja auch nicht, der soll einen bitte gut unterhalten und das kann dieses Buch. Zwischendurch zieht es sich auch mal, puh, ja, aber zum Glück ist es so gut und intelligent geschrieben, dass man weiterliest. Aber: nichts für schwache Nerven, denn es ist schon recht blutig.

Dann schlaf auch du | Leïla Slimani

Dieses Buch kommt so unscheinbar daher und dann haut es einem den Boden unter den Füßen weg. Eingebettet in eine relativ bekannte Story: berufstätiges, engagiertes und gesellschaftlich angesehenes Ehepaar stellt eine Nanny ein, die auf die zwei kleinen Kinder aufpasst, während die Eltern arbeiten, steckt ein literarischer Psychothriller, den man gar nicht mehr aus der Hand legen kann und mag. Neben der Geschichte ist es vor allem der Erzählstil, der die Spannung ausmacht. Was geschehen ist, weiß man als Leser|in von Anfang an, aber wie ist es dazu gekommen? Wie gut kennt man einen Menschen wirklich, selbst wenn man glaubt, diesen zu kennen? Und, wem kann man überhaupt trauen? „Dann schlaf auch du“ ist ein düsteres Buch, eines, das einen komplett gefangen nimmt und noch lange im Kopf bleibt.

Außerdem: diverse Weihnachtsbücher. (u.a. „Der kleine König Dezember“ – ich liebe ihn!)

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