Remarque lesen: eine wertvolle Grenzerfahrung

Ich konnte früher nicht unbedingt viel mit dem Namen Erich Maria Remarque anfangen. Für mich war das einer dieser Gesichter, die schwarz-weiß gedruckt mit anderen in der Riege der Klassiker verschwammen. Wir haben uns zu meiner Schulzeit, die ja nun doch schon einige Jahre zurückliegt, nie mit seinen Büchern auseinandergesetzt und selbst dann weiß ich nicht, ob ich damals schon in der Lage gewesen wäre, mich mit seinen Werken gebührend beschäftigen zu können. Ich bin mir ehrlich nicht sicher, ob ich das alles so verstanden hätte. Verstanden nicht im eigentlichen Sinne von Verstehen, sondern eher im Fühlen und Schmecken der Worte, im Tasten nach einer Zeit, die längst vergangen und doch so präsent ist.

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„Im Westen nichts Neues“ blieb für mich also eine lange Zeit ein Titel, den man mal gehört haben sollte, aber ich konnte ihn nicht zuordnen, obwohl ich mir schon lange vorgenommen hatte, dies zu tun. Vor ein paar Wochen dann war ich zu Besuch bei einer Freundin, die wunderbar geordnete Bücherregale besitzt (da kann ich nun wahrlich nicht mithalten) und da stand der Remarque. Wie nicht gerufen, aber doch auf mich wartend. Ich lieh mir „Im Westen nichts Neues“ aus, las am selben Abend noch ein paar Zeilen und am darauffolgenden Tag das ganze Buch und, was soll ich sagen? Besser spät als nie! Mich hat wohl noch nie ein Buch so überrascht wie dieses. Nie hätte ich gedacht, dass mich dieser Roman so packen, so mitnehmen, so durchwirbeln würde. Es ist eines dieser Bücher, das man immer im Gedächtnis behalten wird. Es ist rau, es ist gewaltig, es ist real. Teilweise hat man das Gefühl, man würde mit in einem der zahlreichen Schützengräben des Ersten Weltkrieges liegen und das ist nicht schön, das soll es auch nicht sein, aber doch ist das wichtig, um Dinge in der Vergangenheit zu verstehen, die eigentlich nicht zu verstehen sind. Dinge, die auch heute noch geschehen, an die wir aber in unserer geschützten Blase nicht denken wollen. Dinge, die immer wieder so oder so ähnlich passieren können und werden, denn: Geschichte wiederholt sich (leider).

Und weil ich irgendwie nicht genug von Remarque bekommen kann, weil ich jetzt drin bin in diesem Verstehens-Prozess, möchte ich mehr. Mehr von dieser kraftvollen poetischen Sprache, die sich stellenweise liest wie ein Gedicht und in der so viel Wahrheit liegt. „Die Nacht von Lissabon“ habe ich nun am Wochenende gelesen und bin nach wie vor beeindruckt, was mit Menschen passiert, zu was sie fähig sind, wenn es zum Äußersten kommt, wie Opfer und Täter verschwimmen und wie Remarque es schafft, dies in Worte zu packen und so ein intensives Leseerlebnis zu gestalten, das lehrreich in vielerlei Dingen ist. Er schreibt hier von Menschen, die auf der Flucht sind, die ihre eigene Identität mehrmals verlieren und doch immer den Mut und die Kraft aufbringen, sich zu wehren, sich aufzulehnen gegen ein Regime der Unterdrückung und Grausamkeit im Zweiten Weltkrieg und dabei fällt ein Satz, den ich sehr bezeichnend finde: „’Es mag sein, dass unsere Zeit einmal die der Ironie genannt wird‘, sagte Schwarz. ‚Natürlich nicht die der geistvollen des achtzehnten Jahrhunderts, sondern die der unfreiwilligen und ebenfalls bösartigen oder dummen unseres plumpen Zeitalters des Fortschritts in der Technik und des Rückschritts in der Kultur. (…)“ Remarque zu lesen ist aufwühlend. Man liest seine Bücher nicht und schreitet anschließend locker flockig im Alltag voran. Nein, er reißt einen heraus, stellt unangenehme Fragen und gibt unbefriedigende Antworten. So ist das Leben.

[Blogbuster 2018] Von elf auf vier auf eins – oder: ich hab mich entschieden!

Falls ihr euch wundern solltet, warum es hier auf dem Blog in letzter Zeit ein klein wenig ruhiger geworden ist, dann liegt das daran, dass ich ganz tief eingetaucht bin in die Texte, die mich über den Blogbuster 2018 erreicht haben. Und das meine ich wörtlich, denn da ich in einem ersten Schritt analog am besten arbeiten kann, bin ich teilweise unter einem kleinen Papierberg verschwunden. An dieser Stelle möchte ich mich aber auch noch mal ganz herzlich bei allen bedanken, die ihre Texte an mich – bzw. an den Blogbuster und dann an mich – geschickt haben. Ich habe euch das zwar schon per Mail mitgeteilt, aber doppelt hält ja bekanntlich besser.

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Insgesamt waren es 11 Exposés und Leseproben, die ich alle gründlich geprüft habe. Wahnsinn, was da an unterschiedlichen Ideen und Sprachstilen zusammengekommen ist. (Ein wenig überrascht haben mich allerdings die Titel, die zu einem Viertel alle was mit „Licht“ zu tun hatten. Ist das ein Trend, den ich verpasst habe? Und fast alle schreiben aus der Ich-Perspektive. Ein Trend, den ich gerne verpassen würde. Weil: das muss man richtig gut können, damit es wirkt.) Oft merkte ich jedoch schon nach wenigen Zeilen: nee, das ist nix (für mich) und das meine ich auch gar nicht böse, doch ihr kennt das sicher selbst, wenn ihr in der Buchhandlung steht und Bücher anlest: entweder es passt oder es passt nicht. Aber weil manchmal auch der erste Eindruck täuschen kann und ich jedem Text eine faire Chance geben wollte, las ich weiter und wurde sogar manches Mal positiv überrascht. Wirklich, das hat mich sehr gefreut! Letzten Endes ist es aber doch so, dass die ersten Zeilen die entscheidenden sind. Hier zeigt sich zwar noch nicht im vollen Ausmaß, wo die Reise hingehen soll, aber man erahnt, ob die Chemie zwischen Autor*in und Leser*in stimmt und vor allem, ob man mit dem Schreibstil etwas anfangen kann. Das ist nämlich ganz wichtig: Liebe auf den ersten (Ab)satz. Und so habe ich letztlich vier Manuskripte angefordert, deren Leseproben mich neugierig gemacht haben. Hierunter ein Text um einen Protagonisten, der eigentlich nur zwei Dinge vom Leben will: schreiben und seine große Liebe. Beides nicht so leicht. In Episoden berichtet der Autor von einer Suche, die sich durch die 80er Jahre bis ins Heute erstreckt. // Dann ein Text, der ein sehr ernstes Thema behandelt und von einer jungen Autorin mutig in Worte gefasst wird. Hier geht es darum, was sexuelle Gewalt einem Menschen körperlich wie seelisch antun kann und welche Mechanismen in unserer Gesellschaft greifen, die all dies noch viel schlimmer machen: Scham und Schuld. // In einem dritten Text wird der Protagonist mitten aus dem Leben gerissen: Diagnose Krebs im Endstadium, um dann nach Monaten gesagt zu bekommen: Ups, wir haben uns vertan. Ja, und dann stellt sich eine Frage, mit der man eher selten konfrontiert wird: Wie lebe ich weiter, wenn ich dachte, dass es kein weiter mehr gibt? Eine Identitätsfindung der besonderen Art. // Im vierten Text bleiben wir im Bett. Millionenerbin Max hat die Nase voll von gesellschaftlichen Erwartungen, von Geld und Ansehen, von den Anforderungen ihrer Eltern und generell von der Sinnlosigkeit des Lebens. Sie bleibt von nun an im Bett und philosophiert über Literatur, Musik, Filme, diesem verhassten Leben da draußen, in dem sich jeder nur auf sich selbst fokussiert und zeigt dabei nicht nur ziemlich kluge Gedankengänge, sondern auch einen unglaublich guten Humor.

Die Entscheidung ist mir wirklich nicht leicht gefallen. Mit allen Texten habe ich mich intensiv auseinandergesetzt und immer wieder hin und her überlegt. Schwierig war es für mich vor allem, weil einige der von mir angeforderten Manuskripte noch nicht fertig waren. Das ist an sich nicht schlimm, selbstverständlich kann man bis zur Abgabe noch gemeinsam am Text feilen – und das haben wir auch getan. Doch wenn ein Manuskript nur zur Hälfte vorhanden ist oder noch in der absoluten Rohfassung steckt, wird es mit der Zeit einfach knapp und erschwert die Beurteilung. Das muss man leider ganz klar so ausdrücken, auch wenn es mir leid tut, wenn ich doch das Potenzial sehe. Im Ganzen kann ich sagen, dass es mir sehr, sehr viel Spaß gemacht hat, mich in der Form mit allen Texten zu befassen und mit den Autoren und Autorinnen zusammenarbeiten zu dürfen. Ich hoffe, ihr seht mir meine Kritik nach und ich bedanke mich noch mal ganz herzlich bei euch für euer Vertrauen.

Und hier bekommt ihr einen Eindruck in Form des ersten Absatzes meines Gewinnertextes für den Blogbuster 2018 „Rollende Wale“ von Iden Wagner:

„Lasst mich doch alle in Ruhe. Mit eurer Vernunft, mit eurer Angst, mit euren gottverdammten Ratschlägen. Ich brauch das alles nicht. Ich weiß es besser. Ab jetzt liege ich im Bett.“

Mehr dazu dann im nächsten Beitrag. Da verrate ich euch auch, warum und wieso der Text „Rollende Wale“ heißt und, dass sehr viel mehr dahintersteckt als bloß Humor und im Bett liegen bleiben. (Auch wenn das zwei sehr wichtige Dinge im Leben sind.)

[Rezension] „Das Mädchen im blauen Mantel“ | Monica Hesse

Der Zweite Weltkrieg umfasst eine Zeit voller Schrecken und Grauen. Eigentlich unnötig, das hier noch mal explizit zu erwähnen, denn das sollte als Mahnmal im Kopf fest verankert sein. Andererseits schadet es aber auch nicht, sich das immer wieder bewusst zu machen, denn die Vergangenheit lehrt uns doch manchmal mehr als die Gegenwart. „Das Mädchen im blauen Mantel“ ist also ein historischer Roman, zeitlich einzuordnen in die Zeit des Zweiten Weltkrieges – genauer 1943 – und spielt in Amsterdam. Amsterdam? Ja, klingelt da was? Genau! Amsterdam, wo auch Anne Frank gelebt hat und in ihrem Versteck wichtige Zeilen schrieb, die nie vergessen werden sollen. Jetzt könnte man denken, dieser Roman hier sei ähnlich. Ist er in gewisser Weise auch, denn er beschäftigt sich mit demselben historischen Ereignis, aber doch anders.

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Hanneke, die Protagonistin des Romans, ist eine Schwarzmarkthändlerin. Als junges Mädchen, deren Vater eine Verletzung aus dem ersten Weltkrieg arbeitsunfähig macht und deren Mutter durch den zweiten Weltkrieg wie gelähmt erscheint, weiß sie, wie sie die Polizei und Aufseher becircen kann. Nicht, dass sie darauf stolz wäre, aber die Not treibt sie an, macht sie erfinderisch und härtet sie ab. Es ist ein Akt der Rebellion. Eines Tages bittet sie eine Kundin um einen ungewöhnlichen Gefallen. Sie soll für sie ein Mädchen finden, das sie versteckt gehalten hat und das nun auf unerklärliche Weise verschwunden ist. Auf der Suche nach dem Mädchen gerät Hanneke in ein Netz aus Rebellion, Lügen, Schuld, Verrat und Geheimnissen..

Was diesen Roman so besonders macht, ist nicht nur die Geschichte an sich, sondern die Art, wie sie erzählt wird. Hanneke ist keine „typische“ Rebellin, wie wir sie vielleicht aus anderen historischen Romanen dieser Art kennen. Hanneke wirkt egoistisch und selbstsüchtig, auch wenn sie anderen hilft. Sie ist auf ihren Vorteil bedacht und den ihrer Familie. Doch auch in Hanneke schlummert etwas, das schwer schwiegt, das sie antreibt, Dinge zu tun, die ihr verhasst sind. Es ist, als würde sie sich bestrafen für etwas, woran sie sich die Schuld gibt. Im Verlauf des Romans beobachtet man als Leser*in die Entwicklung Hannekes. Als sie sich auf die Suche nach dem Mädchen im blauen Mantel macht, lernt sie junge Untergrundaktivisten kennen, die ihr zunächst helfen sollen. Aus Eigennutz, wieder mal. Doch Hilfe bekommt sie nur gegen Hilfe ihrerseits. Und so steckt sie plötzlich mittendrin. Da gerät fast die eigentliche Story in den Hintergrund, nämlich die Suche nach dem Mädchen – und diese gestaltet sich nicht nur als schwierig, sondern auch als besonders spannend zu lesen.

„Das Mädchen im blauen Mantel“ ist ein Roman, der für Jugendliche gedacht ist, den aber auch Erwachsene lesen sollten. Die Protagonistin wächst einem nicht sofort ans Herz, sie ist zunächst mehr eine Antiheldin, aber eine authentisch beschriebene, denn sicher war nicht jeder in dieser Zeit von vornherein selbstlos und mutig genug, für andere einzustehen – eher im Gegenteil. Diese Geschichte zeigt, dass es manchmal einer Entwicklung bedarf und dass sich diese lohnt. Sie zeigt, wie wichtig es ist, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, in Zeiten der Not Hilfe zu leisten sowie Mut und Stärke zu beweisen, selbst wenn man sich selbst ganz klein fühlt.

Aus dem Amerikanischen von Cornelia Stoll | cbj Verlag | ISBN: 978-3-570-16532-4

[Lesemonat] Januar 2018

Manchmal muss man scheinbar nur ein paar Mal blinzeln oder ein paar Seiten umblättern und schon ist wieder ein Monat vorbei. Ich wiederhole mich und andere, wenn ich schreibe: Ach, das geht immer schneller. Aber: Ach, das geht immer schneller!

Es folgt wie gewohnt ein kleiner Rückblick auf meine gelesenen Bücher (und wahrscheinlich habe ich, ebenfalls wie gewohnt, wieder das ein oder andere vergessen mit aufs Bild zu packen – sorry!).

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„Leere Herzen“ | Juli Zeh

Ich konnte mich mit der Geschichte nicht recht anfreunden, da mir die Mischung aus Roman und Politthriller keinen richtigen Zugang gewährte. Das ist aber letztlich eine Frage des Geschmacks. Juli Zeh schreibt gekonnt klar, nüchtern und mit einer gewissen Schärfe in der Wahrnehmung, die sich in ihren Worten widerspiegelt. Die Figuren scheinen nicht greifbar, was bei der Autorin oft vorkommt, man könnte es ein Motiv nennen, aber ich bin kein allzu großer Fan von Interpretationen dieser Art. Sagen wir einfach: das soll so. Für mich hat es in diesem Roman dazu geführt, dass ich ihn weniger mochte, aber auch das ist Geschmackssache. Reingelesen haben sollte man trotzdem, weil es ein wichtiges Thema behandelt: unsere mögliche politische wie gesellschaftliche Zukunft – und das ist erschreckend klarsichtig umgesetzt.

„Rattatatam, mein Herz“ | Franziska Seyboldt

Rattatatam, da ist sie, die Angst. Jeder kennt sie. Jeder weiß, wie sie sich anfühlt. Manchmal aufwühlend, das Herz poltern lassend, manchmal einengend, sich ganz klein machen wollend. Die Angst kommt in vielen Formen und Farben, mal mehr, mal weniger stark und sie kann über ihre eigentliche Aufgabe, das Warnen und Beschützen hinauswachsen. Nämlich dann, wenn die Angst übermächtig wird und vor Situationen warnt, die uns eigentlich ganz alltäglich vorkommen. Beim Bäcker in der Schlange stehen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, vor anderen Menschen reden, zu einer Routineuntersuchung zum Arzt gehen. (Um nur einige wenige Beispiele zu nennen.)

Die Autorin schreibt in diesem Buch unter ihrem eigenen Namen über ein sehr wichtiges Thema, das in unserer Gesellschaft leider immer noch tabuisiert wird. Sie erklärt, macht bewusst und schafft Verständnis auf ihre ganz eigene, humorvolle und sehr sympathische Art – und das so, dass sich nicht nur Betroffene verstanden fühlen, sondern auch nicht explizit Betroffene für dieses Thema sensibilisiert werden. Mutig und wichtig!

„Schön und verdammt“ | Pietro Citati

Ein Essay über das turbulente und tragische Leben der Fitzgeralds, der mir persönlich sehr gut gefallen hat. Generell finde ich Essays da immer schwierig, weil bei einigen Autor*innen die eigene Meinung überdeutlich mitschwingt. Hier ist das ganz dezent gemacht. Dadurch liest sich der Essay sehr angenehm und man denkt nicht pausenlos: so seh ich das aber gar nicht! Vielmehr macht Citati auf Abschnitte im Leben der Fitzgeralds aufmerksam, denen in der Regel weniger Beachtung geschenkt wird. Wer also ein Herz für die 1920er und 1930er Jahre hat und auch ein wenig über Zelda und F. Scott Fitzgerald erfahren möchte, der hat hier das richtige Buch gefunden.

„Der stumme Tod“ | Volker Kutscher

Nach „Der nasse Fisch“ ist „Der stumme Tod“ Band zwei der Gereon Rath Reihe um einen Kommissar, der nicht ganz den gängigen Regeln folgt (und das ist gut so!). Im zweiten Teil der Serie geht es um einen Mord in den Studios der Filmmetropole Berlin Anfang der 1930er Jahre. Die Filmbranche ist im Umbruch, der Stummfilm wird vom Tonfilm abgelöst, aber nicht jeder ist davon begeistert. Als eine Schauspielerin tot am Set aufgefunden wird, stellt sich die Frage: war es ein Unfall oder Mord in Folge von Sabotage? Rath gerät tief hinein in eine Welt, die nicht nur Glamour und Champagner zu bieten hat, sondern auch so ihre Schattenseiten. Ein weiterer Erzählstrang befasst sich ein Stück weit mit der politischen Welt des Berlins in den 1930er Jahren, in dem auch Adenauer auftritt. Wie ich finde: eine gelungene Mischung, die zudem spannend und äußerst lesbar ist! Wer sowas eher ungerne liest, dem empfehle ich die Verfilmung des ersten Teils als „Babylon Berlin“.

„Auf Messers Schneide“ | W. Somerset Maugham

Der Titel mag ein wenig irreführen, wenn man denkt, es erwarte einen nun ein Krimi oder gar ein Thriller. Tatsächlich handelt es sich bei diesem Roman um einen hochphilosophischen im Sinne, dass hier die Protagonisten – allen voran Larry -, von denen der Ich-Erzähler (Maugham selbst) berichtet, auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sind. Und das in einer Zeit, in der alles scheinbar golden glänzt, in der der erste Weltkrieg gerade vorbei ist und man stattdessen lieber Charleston tanzt und die Champagnerkorken knallen lässt, während die nächste Krise schon auf die Schulter klopft. Das Besondere ist zum einen die Tatsache, dass diese Zeit ein ganz klein wenig auf die Schippe genommen, zumindest aber unter einem kritischen Aspekt beleuchtet wird und, dass Maugham selbst als Ich-Erzähler in Kraft tritt, als hätte er die Geschichte miterlebt. Er schreibt dabei sanft und elegant, was ich sehr gerne mag, auch wenn es stellenweise ein wenig langatmig wird und ich es nicht am Stück lesen konnte.

„Der Hahn ist tot“ | Ingrid Noll

Was für ein Buch! Ich habe eine etwas dröge Kriminalgeschichte erwartet, aber nicht so eine böse, spannende und ungemein lesbare! Rosemarie Hirt ist Anfang fünfzig und nach außen hin ein bisschen sowas wie eine Mischung aus grauer Maus und alter Jungfer, die im Leben scheinbar kein Glück hat. Sie ist fleißig, ordentlich, pünktlich, eine gute Freundin und eine engagierte Mitarbeiterin. Mit den Männern allerdings, da klappt es so gar nicht. Eines Tages verliebt sie sich Hals über Kopf in einen Mann, den sie gar nicht näher kennt, aber sie weiß,  wie er heißt und findet heraus, wo er wohnt. Sie beginnt ihn zu beobachten und bringt somit den ersten Stein ins Rollen, der zu einer Story führt, die schier unglaublich ist an Bösartigkeit und zynischem, ganz wunderbarem Humor! Ich hätte nie erwartet, dass mich das Buch so mitreißen würde, aber ich bin immer noch begeistert und empfehle das von nun an jedem weiter!

„Der Mann, der nicht mitspielt“ | Christof Weigold

Ein Kriminalroman während der 1920er Jahre in Hollywood. Da dieser Roman erst in ein paar Tagen erscheint, sage ich euch einfach nur: bitte vormerken!

„Dunkelgrün fast schwarz“ | Mareike Fallwickl

Hier gilt ebenfalls: bitte fest vormerken (für den 05. März)! Ein grandioses Buch!