[Lesemonat] Februar 2018

Ich habe es im Februar beinahe geschafft, mehr ausgeliehene Bücher als gekaufte oder geschenkte zu lesen. Warum ich das gut finde? In meiner Wohnung stapeln sich die Bücher an jeder Ecke und – ja, ja, ja!! – das ist schön, aber wenn immer mehr dazu kommen, kann es auch erdrücken. Zumal ich den Traum meiner eigenen Bibliothek (sprich: einen eigenen Raum samt Leiter, Kuschelsessel und vielleicht noch einem knisternden Kamin – ihr habt es sicher deutlich vor Augen) bisher noch nicht verwirklichen konnte. Es spricht absolut nichts dagegen, sich neue Bücher zu kaufen (bitte, wenn möglich, in einer Buchhandlung eures Vertrauens) und wer mich kennt, der oder die weiß, dass mich mein innerer Kompass IMMER zuerst in eine Buchhandlung führt. Ganz egal, wo ich bin. Nichtsdestotrotz habe ich Gefallen daran gefunden, mir Bücher im Vorfeld zu einem Großteil auszuleihen oder, wenn gekauft oder geschenkt, nach dem Lesen selbst zu verleihen. Nicht nur, um Platz und Geld zu sparen, sondern schlichtweg, weil es ein gutes Gefühl ist, etwas länger darüber nachzudenken, welche Bücher sich eine Dauerkarte im Regal wirklich verdienen. Klingt das komisch? Ich hoffe nicht!

Warum habe ich jetzt eigentlich einen ganzen Absatz gebraucht, um einfach nur auszudrücken: Hallo, das sind meine gelesenen Bücher im Februar. Das Foto stimmt allerdings nicht ganz mit der Realität überein, denn die Hälfte der Februar-Bücher besitze ich nicht selbst, sondern habe sie von Freunden oder aus der Bibliothek ausgeliehen..?

Herzlichen Glückwunsch, mich kurzfassen kann ich also nicht.

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„Das Mädchen im blauen Mantel“ | Monica Hesse

Ein historischer Roman für Jugendliche, den aber ruhig auch Erwachsene lesen können/sollten. In Zeit (Zweiter Weltkrieg) und Raum (Amsterdam) erinnert das Thema ein wenig an Anne Franks Tagebuch, aber wirklich nur entfernt. Denn auch wenn es hier um ähnliche Dinge geht: Schuld, Verrat, Mut, Widerstand, ist die Geschichte doch eine andere. Die Protagonistin Hanneke ist nicht von Beginn an eine rein uneigennützige Heldin, sie ist verängstigt, auch ein wenig naiv und vor allem auch ein ganz, ganz kleines bisschen egoistisch. Das ist ihr eigener Schutzpanzer. Die Tatsache, dass Hanneke eine Entwicklung während des Buches durchmacht, hat mir sehr gefallen und wirft ein anderes, gleichwohl authentisches Licht auf diese sehr dunkle Zeit.

„Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt“ | Jesmyn Ward

Dieser Roman ist sprachlich eine Wucht. Selten habe ich so melodische, rhythmische und warme Sätze gelesen wie hier. Und dann reihen sie sich auch noch aneinander wie Glieder einer Kette. Einer ganz langen Kette. Die Sprache, die, obwohl sie so kraftvoll ihre Worte singt, steht fast schon im Kontrast zum Erzählten, das rau, voller Gewalt und Trauer steckt. Es ist ein Buch, eine Geschichte, die viel von den Leser*innen abverlangt, vielleicht auch Grenzen überschreitet, aber: es lohnt sich sehr, wenn man sich darauf einlassen kann und mag.

„Emil und die Detektive“ | Erich Kästner

Habe ich bereits gebeichtet, dass ich als Kind kein Kästner-Fangirl war? Ich kann auch gar keinen genauen Grund nennen, außer den, dass ich eben alles von Enid Blyton gelesen habe – und das in doppelter und dreifacher Ausführung. Heute mag ich da gerne ein paar Lücken schließen und, mal ehrlich, Kästner kann was, keine Frage. Es ist nicht das erste Buch, das ich von ihm lese, aber das erste Kinderbuch, das ich bewusst wahrnehme und es hat schlichtweg einfach unfassbar viel Spaß gemacht.

„Jack“ | Anthony McCarten

Manchmal frage ich mich, wie man eigentlich so gewitzt und intelligent sein kann wie Anthony McCarten. Da schreibt dieser Autor ein kluges Buch (ob Roman oder Drehbuch) nacheinander und jedes Mal hat man das Gefühl, als ob er selbst diese (berühmten) Menschen, von denen er da schreibt, kennt wie seine besten Freunde und so, als ob er hautnah dabei gewesen wäre. In diesem Roman geht es dabei um Jack Kerouac, der nicht unbedingt gut wegkommt, aber das soll er auch nicht. Die Figuren in diesem Roman sind mir durchweg unsympathisch gewesen, das hat es ein bisschen schwierig für mich gemacht, und trotzdem schafft es McCarten eine Geschichte zu verfassen, die lustig, überraschend und lesenswert ist (obwohl ich es zwischendurch ein wenig… nunja…langweilig fand). Achso – und man lernt auch noch was über die Beat Generation. Mach das mal einer nach.

„Im Westen nichts Neues“ | Erich Maria Remarque

Mich hat wohl noch nie ein Buch so überrascht wie dieses. Nie hätte ich gedacht, dass mich dieser Roman so packen, so mitnehmen, so durchwirbeln würde. Es ist eines dieser Bücher, das man immer im Gedächtnis behalten wird. Es ist rau, es ist gewaltig, es ist real. Teilweise hat man das Gefühl, man würde mit in einem der zahlreichen Schützengräben des Ersten Weltkrieges liegen und das ist nicht schön, das soll es auch nicht sein, aber doch ist das wichtig, um Dinge in der Vergangenheit zu verstehen, die eigentlich nicht zu verstehen sind. Dinge, die auch heute noch geschehen, an die wir aber in unserer geschützten Blase nicht denken wollen. Dinge, die immer wieder so oder so ähnlich passieren können und werden, denn: Geschichte wiederholt sich (leider). Remarque schreibt dabei in einer kraftvollen poetischen Sprache, die sich stellenweise liest wie ein Gedicht und in der so viel Wahrheit liegt

„Die Nacht von Lissabon“ | Erich Maria Remarque

Auch dieses Buch beeindruckt mich sprachlich wie inhaltlich, in dem es zeigt, was mit Menschen passiert, zu was sie fähig sind, wenn es zum Äußersten kommt. Wie Opfer und Täter verschwimmen und wie Remarque es schafft, dies in Worte zu packen und so ein intensives Leseerlebnis zu gestalten, das lehrreich in vielerlei Dingen ist. Er schreibt hier von Menschen, die auf der Flucht sind, die ihre eigene Identität mehrmals verlieren und doch immer den Mut und die Kraft aufbringen, sich zu wehren, sich aufzulehnen gegen ein Regime der Unterdrückung und Grausamkeit im Zweiten Weltkrieg und dabei fällt ein Satz, den ich sehr bezeichnend finde: „’Es mag sein, dass unsere Zeit einmal die der Ironie genannt wird‘, sagte Schwarz. ‚Natürlich nicht die der geistvollen des achtzehnten Jahrhunderts, sondern die der unfreiwilligen und ebenfalls bösartigen oder dummen unseres plumpen Zeitalters des Fortschritts in der Technik und des Rückschritts in der Kultur. (…)“ Remarque zu lesen ist aufwühlend. Man liest seine Bücher nicht und schreitet anschließend locker flockig im Alltag voran. Nein, er reißt einen heraus, stellt unangenehme Fragen und gibt unbefriedigende Antworten. So ist das Leben.

„Kleiner Mann, was nun?“ | Hans Fallada

Ein Roman, der die Umstände und Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise in der Weimarer Republik leicht verständlich und authentisch beschreibt. Es geht hierbei um die kleinen Leute. Die, die versuchen mit wenig Geld einigermaßen über die Runden zu kommen und doch immer wieder mit neuen, unüberwindbar scheinenden Problemen konfrontiert werden. Erträglich macht es allein, dass sie zusammenhalten. Lämmchen und Hannes, die beiden Hauptfiguren, sind mir dabei sehr, sehr ans Herz gewachsen. Beeindruckt hat mich die starke Frauenrolle, die Lämmchen zukommt und auch wenn der Roman stellenweise Längen aufweist, hat er mich sehr in seinen Bann gezogen. Der nächste Fallada liegt schon bereit!

… und dann gab es da noch „QualityLand“ von Marc-Uwe Kling, das ich – zugegeben – nicht komplett gelesen habe, weil es mir schlichtweg einfach zu viel geworden ist. Darin stecken tolle Ideen und ich musste einige Male laut lachen, auch wenn es erschreckend an die Realität herankommt, aber mein Fall war es trotzdem nicht.