[Rezension] „Tod in Connecticut“ | Wilson Collison

Wilson Collison hat sich vor allem durch seine Broadway-Stücke und Kino-Hits, die u.a. mit Clark Gable und Shirley Temple zu Kassenschlagern wurden, einen Namen gemacht. Er veröffentlichte ebenso zahlreiche Romane, in denen meist junge Frauen, die nicht den Regeln folgten, zu Heldinnen avancierten. „Tod in Connecticut“ wurde 1931 zum ersten Mal in englischer Originalausgabe veröffentlicht und liegt nun dank des Louisoder Verlages in deutscher Übersetzung durch Johanna von Koppenfels vor.

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New York in den 1920er Jahren: Nolya, eine bildhübsche und intelligente Millionenerbin hält nicht viel von den Konventionen der Gesellschaft, die sich durch Moral und Sittenregeln auszeichnen, und lebt ihr Leben lieber so, wie es ihr gefällt. Ihr freier Lebensstil verleitet die Menschen um Nolya herum, ihr einen nicht gerade hübschen Stempel zu verpassen. Doch es ist ihr ziemlich egal, was andere denken. Sie kann es sich zudem leisten, da die Gesellschaft durch ihren hohen Stand immer noch einen gewissen Respekt vor ihr walten lässt. (Immer im Hinblick darauf, in welcher Zeit wir uns mit dem Roman befinden!) Ja, manche bewundern sie sogar für ihren Mut. Nur wenn es um Arthur, den bereits verheirateten Sohn eines angesehenen Rechtsanwalts geht, in den sie schwer verliebt ist, versucht sie Vernunft walten zu lassen, um ihn zu schützen. Denn Arthurs Vater ist hinter die Affäre gekommen und versucht diese mit allen Mitteln zu unterbinden. Währenddessen bemüht sich der Künstler Neil um Nolyas Gunst, aber die hat eben trotzdem nur Augen für Arthur. Als noch ein dritter Mann, Bobby, in Nolyas Leben auftaucht, ist das Chaos komplett. Auf der Silvesterparty von Arthurs Vater eskaliert die Situation und es kommt zu einem Todesfall.

Ich habe schon oft erwähnt, dass mich Romane und Geschichten aus den 1920er und 1930er Jahren besonders interessieren. Gerade wenn es um Bücher geht, die auch tatsächlich während dieser Zeit verfasst wurden. Denn aus heutiger Perspektive ist es nahezu unmöglich eine derartige sprachliche Authentizität einzufangen wie es zum Beispiel bei Wilson Collison der Fall ist. Man merkt schnell, aus welchem Metier Collison kommt und nach wenigen Zeilen schon fühlt man sich direkt wie in einem Film mit Clark Gable. Die Figuren sind klar gezeichnet und permanent hängen Fragen im Raum, die der Roman aufwirft und die man als Leser*in hofft gegen Ende der Geschichte beantwortet zu finden. Die Gespräche sind intelligent und erinnern in ihrer Formulierung an Theaterstücke, doch trotzdem hat mich „Tod in Connecticut“ nicht vollends begeistern können – und das liegt an der Geschichte selbst, die gar nicht schlecht ist, nur einfach nicht meinen Geschmack getroffen hat. Es dauert etwas mehr als die Hälfte des Romans, bis dieser eine richtig spannende Moment auftritt und dieser zerbröselt dann relativ schnell auch schon wieder. Stattdessen geht es in „Tod in Connecticut“ hauptsächlich um eine Vierecks-Geschichte, um unerfüllte, unerwiderte Liebe und zwischendurch, da bricht das auf und Collison bringt richtig gute Gedanken hervor, die die damalige Gesellschaft kritisieren. Leider für mich einfach zu wenig, um gänzlich am Ball bleiben zu können. Ich habe mir wohl einfach eine spannendere Detektivgeschichte oder etwas ähnliches erwartet. Auf Leinwand oder Theaterbühne gebracht, kann ich mir wiederum sehr gut vorstellen, dass die Geschichte glänzt. Auf papierne Seiten gedruckt, ist sie für mich ein wenig zu blass geblieben, auch wenn ich die Sprache und Ausdrucksformen des Autors als sehr eindrücklich empfunden habe.

Aus dem amerikanischen Englisch von Johanna von Koppenfels | Louisoder Verlag | 303 Seiten

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