„Liebe mich! Erich Maria Remarque und die Frauen“ | Gabriele Katz

Vor einiger Zeit sah ich im Fernsehen aus der Reihe „Im Profil“ ein Gespräch zwischen Erich Maria Remarque und Friedrich Luft. Dieses Gespräch wurde 1962 aufgezeichnet, das Bild ist schwarz-weiß, man sieht lediglich Remarque sowie die Rückseite des Theaterkritikers Luft, neben dem Zigarettenqualm in grauen Wolken emporsteigt. Remarque wirkt sympathisch, intelligent, humorvoll. Er spricht wie er schreibt – ruhig und wohl überlegt – und nimmt so den ganzen Raum ein. Vor diesem Beitrag konnte ich die Faszination um Remarque (mal abgesehen von seinen Büchern) nicht so richtig nachvollziehen, danach schon sehr viel mehr. Seine Romane – ja! – sind großartige Werke, die besser nie in Vergessenheit geraten sollten, aber was machte Remarque so einzigartig und anziehend für Frauen wie Marlene Dietrich, Greta Garbo, Paulette Goddard und viele mehr? Das zu verstehen, dazu hat Gabriele Katz „Liebe mich! Erich Maria Remarque und die Frauen“ geschrieben.

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Erich Maria Remarque gilt als einer der größten Antikriegsautoren, der mit seinem Roman „Im Westen nichts Neues“ weltberühmt wurde. In Deutschland aber wurden seine Romane lange Zeit verboten, 1933 sogar öffentlich verbrannt und 1938 wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Zunächst emigrierte er in die Schweiz, um später in den USA aufgenommen zu werden. Im Exil lernte er neben anderen Exilautor*innen wie Thomas Mann, Carl Zuckmayer, Else Lasker-Schüler und Lion Feuchtwanger die Schauspielerinnen Marlene Dietrich, Greta Garbo, Paulette Goddard u.a. kennen (und lieben). In kurzen Porträts stellt die Autorin Gabriele Katz die wichtigsten Frauen an Remarques Seite vor und zeigt dabei vor allem, dass das Grundmotiv seines Lebens die Unerfüllbarkeit der Liebe gewesen ist. Katz verknüpft biografisch Wissenswertes mit dem Entstehungsprozess seiner Werke und dem Einfluss der Frauen auf diese Texte sowie auf Remarques Leben. Auch sein familiärer Hintergrund wird beleuchtet und Zeiten, die weniger leicht, weniger einfach gewesen sind.

Insgesamt liegt der Fokus hier natürlich auf den Frauen, die Remarque begleitet haben. Nie konnte er ohne, aber auch nie wirklich lange mit ihnen. Es wird deutlich, dass dies auch eine Art Begleiterscheinung der politisch wie gesellschaftlich turbulenten Zeiten gewesen ist. Diese Frauen haben Remarque geprägt und wesentlichen Einfluss auf sein Leben und damit verbunden sein Schaffen gehabt. Auf Seite 72 wird dann auch klar, warum das Buch den Titel „Liebe mich!“ trägt. Eine Anspielung auf einen von zahlreichen Briefen, die Remarque an Marlene Dietrich geschickt hat, in Anlehnung an Goethe. Ein klein wenig gestört habe ich mich an den Zusammenfassungen von Remarques Werken, in denen Katz teilweise mit einem Satz das Ende vorwegnimmt. Ja, es geht dabei um seine Beziehung zu den Frauen und inwiefern diese Einfluss auf Themen/Inhalte/Richtung dieser Werke gehabt haben, dennoch: wer die Bücher noch nicht alle gelesen hat, wird da vielleicht etwas enttäuscht sein. Auch hätte ich mir an manchen Stellen im Buch noch mehr Tiefe gewünscht, was wahrscheinlich mit der Neutralität der Autorin Gabriele Katz kollidiert wäre (von daher ist es gut so, wie es ist.) Denn nie wird Katz zu intim, sie bleibt stets bei den gegebenen Fakten und hat so ein interessantes, durchaus lesenswertes biografisches Buch über Remarque verfasst, das diesen Autor ein Stück weit zugänglicher, greifbarer erscheinen lässt, auch wenn er letzten Endes trotzdem ein Phänomen bleiben wird.

ebersbach & simon | blue notes, Nr. 72 | 144 S.

1 Kommentar zu „„Liebe mich! Erich Maria Remarque und die Frauen“ | Gabriele Katz“

  1. Danke für den Beitrag. Als leidenschaftliche Leserin von Erich Maria Remarques Werken habe ich auch „Sag mir, daß du mich liebst“ in meinem Regal stehen. Das Buch beleuchtet das enge Verhältnis von Remarque zu „Puma“ Marlene Dietrich und es hat mir gefallen.
    Ich werde mir Dein besprochenes Buch vormerken und freue mich schon darauf, es zu lesen.

    Liebe Grüße aus Wien

    S.

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