[Rückblick] Jahreslesehighlights 2018

Lange habe ich hin und her überlegt, ob ich ein „Best of Bücher 2018“ schreiben soll. Oder nicht. Oder doch. Oder nicht, weil ein Jahr viel zu viele lesenswerte Bücher bereithält und mich dabei für einige wenige ausgewählte Werke zu entscheiden scheint beinahe unmöglich. Oder doch, weil es immer ganz schön ist, ein Jahr resümierend abzuschließen und für mich selbst noch einmal zu schauen: was hat mich wirklich bewegt? In diesem Fall: welche Bücher haben auf welche Weise was mit mir gemacht? Und da gibt es eine ganze Menge, die in der unten folgenden Liste nur ansatzweise ein reales Bild davon geben, was mich dieses Jahr in irgendeiner Form beeindruckt, beeinflusst, nachts wach gehalten, sprachlich auf zarten oder rauen Wellen getragen oder einfach klassisch gut unterhalten hat. Gänzlich fehlen zum Beispiel Sachbücher, die ich in 2018 sehr schätzen gelernt habe. Eines kann ich aber mit Sicherheit sagen: 2018 habe ich viel gelernt. Über mich selbst. Über das, was ich vom Leben erwarte. Über meine Denkweise. Über die Macht der Sprache. Immer wieder erstaunlich, was man aus Büchern mitnehmen kann und dass man immer wieder etwas Neues entdeckt, selbst wenn man denkt, man kennt schon „alles“ (man kennt nie „alles“).

Processed with VSCO with a6 preset Processed with VSCO with t1 preset

‚Heimat‘ | Nora Krug

Die mit Abstand großartigste Memoir-Collage als Graphic Novel und eigentlich noch darüber hinaus als Roman, als Gedicht, als Tagebuch, als Erinnerung, als Familienalbum. Ich bin nach wie vor fasziniert von diesem Stück Geschichte, das auf so echte, wunderbare, greifbare Art und Weise auf Papier gedruckt, zum immer wieder darin blättern und verstehen in Buchform einlädt.

‚Frida Kahlo‘ | María Hesse

Eine etwas andere Biographie, die jede*r gelesen haben sollte. Sie ist bunt, sie ist laut, sie ist herzlich, sie ist nah, sie ist künstlerisch, sie ist poetisch – und damit entspricht sie genau dem Bild, das Frida Kahlo von sich selbst gezeichnet, ohne dabei Details auszulassen, die sie selbst beschönigt hätte.

‚Berlin, April 1933‘ | Felix Jackson

Ein Buch, das vieles zusammenfasst und begreifbar macht, was den Beginn vom Anfang eines Endes (man könnte es auch Elend nennen) in Deutschland ausmacht. Es ist Fakt und Fiktion zugleich und macht deutlich, wie verheerend diese Zeit gewesen ist und dass der Zweite Weltkrieg praktisch „nur“ (und das „nur“ klingt dabei schon so falsch) die Spitze des Eisbergs gewesen ist. Während des Lesens lief es mir nicht nur einmal eiskalt den Rücken hinab. Niemals darf vergessen werden, dass das Gestern einen großen Teil vom Heute ausmacht.

‚Super – und dir?‘ | Kathrin Weßling

Ganz anderes Thema, aber deshalb nicht weniger wichtig. Kathrin Weßling erzählt eindringlich und scharf skizziert, manchmal auch etwas überspitzt (aber passend), von unserer Leistungsgesellschaft. Der Roman ist mindestens genauso super wie die Autorin selbst. Sie bringt Vergleiche und sagt kluge Dinge in Momenten, die völlig unerwartet daherkommen und deshalb umso großartiger sind.

‚Kleiner Mann – was nun?‘ | Hans Fallada

Fallada hat meine Liebe zur Literatur, zur Literatur um und im Berlin der „großen Zeiten“ noch mal auf eine ganz andere Ebene gebracht. Ich würde fast sagen, für mich war 2018 das Jahr des Fallada. Dafür bin ich sehr dankbar. Nie hätte ich erwartet, dass mich Bücher noch einmal um ein Stück glücklicher machen könnten.

‚Eleanor Oliphant Is Completely Fine‘ | Gail Honeyman

Eleanor Oliphant fand ich erst schwierig, dann grandios. So grandios, dass ich sie so schnell nicht wieder vergessen werde. Hier geht es ähnlich, aber doch ganz anders wie in ‚Super – und dir?‘ um Leistungsgesellschaft, das nicht Dazugehören und die schwerwiegenden Probleme, die daraus resultieren können. Kein leichtes Thema, aber herzerwärmend umgesetzt. (Wenn man Eleanor erst einmal an sich heranlässt.)

‚Im Westen Nichts Neues‘ | Erich Maria Remarque

Ja ich weiß, ihr verdreht wahrscheinlich schon genervt die Augen (die immer mit ihrem Fallada, Remarque und Kästner – Obacht, der ist auch noch an der Reihe!), aber: das Buch ist ein Augen- und Seelenöffner. Klingt esoterisch, ist aber nicht so. Da sind Sätze drin, die zwischen all dem Grauen des Krieges die Menschlichkeit hervorheben und bewahren. Eines der wichtigsten Bücher überhaupt.

‚Aus dem Tagebuch eines Tauentzien-Girls‘ | Emma Nuss

Was ist ein Tauentzien-Girl?, mag man sich fragen. Emma Nuss erklärt es euch in ihrem fiktiven Tagebuch aus den 1910ern. Unterhaltsam, frech und kurzweilig auf eine gute Art! Es hat ein bisschen gedauert, bis es geklickt hat, aber dann hab ich es gleich noch einmal gelesen.

‚Herz auf Taille‘ | Erich Kästner

(Wobei ich hier auch ein paar Stellen aus heutiger Sicht kritisch finde.) Gedichte, Gedichte! Fand ich früher so … naja … heute habe ich begriffen, wie viel Leben in Lyrik steckt: ganze Welten in kurzen Versen. Kästner erklärt mit viel Witz und ordentlich Sarkasmus eine eigentlich unverständliche Welt.

Durch das Hinterlassen eines Kommentars erklärt ihr euch damit einverstanden, dass eure IP-Adresse und je nach Angaben euer (Nutzer)-Name, eure E-Mail-Adresse und/oder eure Homepage-URL gespreichert werden. Dies dient nicht zu statistischen Zwecken, sondern lediglich zu eurer und meiner Sicherheit. Danke für euer Verständnis!

1 Kommentar zu „[Rückblick] Jahreslesehighlights 2018“

  1. Liebe Mia,
    eine sehr interessante Liste. An Fallada muss ich mich nun auch endlich mal ranbegeben. Remarque möchte ich auch unbedingt noch lesen, und „Heimat“ klingt auch sehr interessant. Das muss ich mir mal näher anschauen.
    Ich wünsche dir, dass 2019 wieder viele spannende und bereichernde Bücher für dich bereithält.
    Liebe Grüße,
    Nanni

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s