„Feuer und Blut: Aufstieg und Fall des Hauses Targaryen von Westeros“ | George R. R. Martin

George R.R. Martin ist einer DER Autoren, der nach J.R.R. Tolkien High Fantasy abseits des als etwas „nerdy“ abgestempelten Formats cool gemacht hat. Spätestens mit der TV-Serie ‚Game of Thrones‘ zur gleichnamigen Buchreihe (oder auf Deutsch: ‚Das Lied von Eis und Feuer‘) ist sein Name ein Begriff. Ok, ja. Ich habe eben George R.R. Martin und J.R.R. Tolkien in einem Atemzug genannt und jetzt tue ich es schon wieder. Manch eine*r wird das nicht gut finden, für manche ist der Vergleich nicht neu und ich bin mir gerade selbst nicht sicher, ob ich das so stehen lassen soll, aber ich kann mich nun einmal an keine andere Fantasy Reihe erinnern, die so enorm weite Kreise gezogen hat wie diese beiden. (Harry Potter außen vor, das ist aber auch noch einmal eine ganz andere Geschichte.) Es gibt Merchandising ohne Ende, ganze Foren befassen sich mit der Welt von ‚Game of Thrones‘, einzelne Charaktere werden zu Superstars und während das fiktive ins reale Geschehen übergeht warten wir eisern (Obacht für Fans: Wortspiel!) seit Jahren auf den nächsten Band. In der Zwischenzeit erscheint eine Vorgeschichte nach der anderen und so sehr ich mich darüber freue, ein bisschen enttäuscht bin ich – ehrlich gesagt – auch.

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„Feuer und Blut: Aufstieg und Fall des Hauses Targaryen von Westeros“ ist der erste Band einer neuen Reihe, geschrieben von Erzmaester Gyldayn, transkribiert von George R. R. Martin und erzählt die bzw. eine Vorgeschichte von Aegon Targaryen, der mit seinen Schwestergemahlinnen und ihren Drachen Westeros erobert hat, bevor Robert Baratheon viele, viele Jahre später den Eisernen Thron erobern wird. Es berichtet von Intrigen, Kriegen, Liebe, Hass, Feindschaft und Freundschaft, aber vor allem eine jahrhundertealte Geschichte der ganz eigenen ‚Game of Thrones‘ Welt.

Mit diesem Werk liegt demnach zwar ein fiktives Stück Text vor, aber dennoch kein richtiger Roman, wie man ihn vielleicht so oder so ähnlich erwartet hätte. George R. R. Martin hat hier unter der Kapuze des Erzmaester Gyldayn einen Teil der Geschichte Westeros niedergeschrieben, was sich vor allem zu Beginn recht anstrengend lesen lässt, da der Erzählstil dem eines Geschichtsbuchs nachempfunden ist und es praktisch keine Dialoge gibt. Der Fließtext wird ab und an von Illustrationen unterbrochen, ansonsten besteht das Buch aus einem ganzen langen Block an Text mit enorm vielen Personen und Namen, sodass ich mich davon schon ein wenig eingeschüchtert gefühlt habe. Dieses Gefühl habe ich leider bis zum Ende nicht abschütteln können, trotz Stammbaum, der praktischerweise im Schutzumschlag enthalten ist, neben den Text legen und obwohl sich George R.R. Martins Schreibstil gewohnt flüssig lesen lässt.

Nun sitze ich hier und weiß nicht so recht weiter. Einerseits bewundere ich Martins Ideenreichtum, andererseits hat sich die Lektüre weniger nach Unterhaltung als nach fiktivem Geschichtsunterricht angefühlt und um ehrlich zu sein, dafür bin ich wohl nicht Fan genug. Für richtige Fans, die nicht so schnell Figuren durcheinanderbringen wie ich (ja, ich bin leider so eine, die immer einen kleinen Spickzettel benötigt) und die darauf verzichten können, dass Dialoge und somit eine – nach meinem Empfinden – spannende Handlung entsteht, ist das neueste Buch aus George R. R. Martins Wunderkiste sicherlich eine Empfehlung, aber für weniger enthusiastische Fans kann ich leider kein ausdrückliches: auf jeden Fall! aussprechen. So leid es mir tut. Es ist und bleibt wohl eine Sache des persönlichen Geschmacks.

Aus dem Amerikanischen von Andreas Helweg

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