„Die Schneeschwester“ | Maja Lunde | mit Illustrationen von Lisa Aisato

Von diesem Buch heißt es, es sei ein Winterbuch, vielleicht ein modernes Weihnachtsmärchen. Ähnliches steht auch auf dem Cover: „Die Schneeschwester – Eine Weihnachtsgeschichte“. Jetzt haben wir Februar, draußen ist es zwar noch winterlich kalt, in manchen Teilen Deutschlands liegt sogar Schnee, manche Bäche, kleine Flüsse und Seen sind zum Teil vereist, aber: Weihnachten ist bereits vorbei oder – je nach Perspektive – hat noch ein paar Monate Pause. Kann man da allen Ernstes noch gut Weihnachtsbücher lesen? Man kann! Und vielleicht sollte man das auch, weil Winter- und im Speziellen Weihnachtsbücher immer so einen besonderen Zauber und klare Weisheit ausstrahlen, die man getrost auch außerhalb der Weihnachtszeit auffangen und in sich einschließen sollte. (Erich Kästners „Das fliegende Klassenzimmer“ ist ebenfalls ein Winter-Weihnachtsbuch – und das kann man mindestens genauso super im Sommer lesen, oder?)

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Es ist kurz vor Heiligabend und für Julian, der noch dazu selbst ein Weihnachtsgeburtstagskind ist, eigentlich die schönste Zeit im Jahr. Eigentlich, denn in diesem Jahr hat sich etwas verändert. Über Julians Familie hängt die Traurigkeit wie ein Dach, das droht einzustürzen und die Familie darunter zu begraben. Unter diesen Umständen Weihnachten zu feiern, umrahmt von warmem Kerzenlicht, dem Duft nach Lebkuchen und Zimt, in Erwartung einstimmiger Fröhlichkeit, wenn sich doch alles ganz anders anfühlt – undenkbar. Und doch so sehr nötig. Julian versucht seine Familie aus der eisigen Starre der Traurigkeit zu befreien und hat dabei eher mäßigen Erfolg. Bis Julian Hedvig trifft, die ihn mit ihrer Fröhlichkeit und Winterwärme ansteckt. Was Julian da noch nicht weiß: hinter Hedvigs grünen Augen verbirgt sich ein Geheimnis.

Ich habe es schon verraten, „Die Schneeschwester“ ist ein ganz besonderes Buch, es besitzt diese gewisse Magie, die (Kinder)augen zum Leuchten bringt, aber auch Herzen schwer machen kann. Dabei die Balance zu halten, ist eine Kunst, die Maja Lunde meiner Meinung nach gekonnt beherrscht. Ihre Worte treffen (Kinder)herzen da, wo es nötig ist und zaubern trotz aller Schwermut ein wohliges Gefühl in die Magengegend. Die erzählte Geschichte ist nicht unbedingt neu, sie überrascht mich als Erwachsene auch nicht, aber sie lässt sich dennoch ganz wunderbar lesen, auch wenn die Sprache kindgerecht eher einfach gehalten ist. Ein wenig gestört habe ich mich an manchen Wortwiederholungen (es gibt eine Seite, auf der in wenigen Zeilen vier „Dann“s aufeinander folgen), die vielleicht in der Übersetzung passiert, vielleicht aber auch so gewollt sind. Dafür machen solch kleine Kritikpunkte die Zeichnungen der norwegischen Illustratorin Lisa Aisato wieder wett. Ihre Bilder passen so gut zu der Geschichte, den Figuren und Charaktereigenschaften, dass sie nicht als Ergänzung zum Erzählten gesehen werden sollten, sondern als Träger der Geschichte. Ja, wirklich. Ich glaube, ohne Illustrationen hätte die Geschichte an Aussagekraft eingebüßt, aber die Symbiose aus Wort und Bild schafft es, ein Ganzes zu formen, das egal welchen Alters und egal welcher Jahreszeit gelesen werden sollte.

Aus dem Norwegischen von Paul Berf

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