#LebenSchreibenAtmen von Doris Dörrie – Wir laden euch zum Schreiben ein

unbezahlte Kooperation

Es war in der Grundschule, zur Zeit der Poesiealben und Freundschaftsbücher, wo man unter Lieblingsbands „The Kelly Family“ (meine Freund*innen) oder „Caught in the Act“ (ich) eintrug und bei Berufswunsch „Kindergärtnerin“, „Tierärztin“ oder auch „Fußballstar“ und „Müllmann“. (Vom Gendern und aufbrechenden Rollenklischees hatten wir ja noch keine Ahnung.) Ich aber schrieb selbstbewusst – was mir wiederum überhaupt nicht bewusst war -, „Schriftstellerin“ an die Stelle meines Traumberufs und an diesem Wunsch hat sich bis heute nichts geändert. 

Schreiben ist sehr viel mehr als bloß Buchstaben, Worte und Sätze aneinanderzureihen, das habe ich früh verstanden, obwohl ich nie so genau erklären konnte, was denn nun das Schreiben ausmacht und was mich daran so fasziniert. Sind doch eigentlich nur Zeichen auf Papier: schwarz auf weiß. Aber ja, genau das ist es! Heute habe ich verstanden, dass es die Geschichten sind, die wir alle in uns tragen. In unseren Köpfen, Herzen, Erinnerungen, Beziehungen, Familien, Freundschaften usw. Die Liste ist endlos. Hauptsächlich besteht das Schreiben nämlich tatsächlich aus fühlen, tasten und schmecken. Alle Sinne konzentrieren sich auf eins: auf das, was erzählt werden will – und das funktioniert nur, wenn man die Worte, die Geschichte spürt.

Das ist es auch, was Doris Dörrie in „Leben, Schreiben, Atmen“ vermittelt. Es ist erst einmal völlig egal, wie und was man schreibt, aber man soll es bloß bitte unbedingt tun. (Ja!) 10 Seiten am Stück, am besten morgens, bevor der Alltag mit Ablenkung winkt. (Da ich eine Nachteule bin, bevorzuge ich es nachts zu schreiben – für mich funktioniert das super.) Sie gibt wertvolle Tipps und Anregungen zum Schreiben und erklärt, dass alles, was sich in greifbarer Nähe befindet – oder vielleicht auch erst einmal nur als Gedankenfetzen im eigenen Kopf -, eine mögliche Geschichte beinhaltet. Und das ist so schön, weil es wahr ist. Die Tasse, die im Regal steht, wann und wo habe ich die gekauft? Wann habe ich zuletzt daraus getrunken? Wie habe ich mich dabei gefühlt? Was ist an dem Tag passiert? Eine Assoziationskette, die zack! eine Geschichte ergeben könnte. 

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Dörrie verknüpft ihre Schreibtipps dabei mit autobiographischen Erzählungen, die von der Kindheit bis ins Heute reichen und gibt teilweise sehr persönliche Einblicke in ihr Leben. Gerade die Mischung aus autobiographischem Erzählen und Leser*innen zugewandten Schreibtipps hebt sich von – naja, ich nenne es mal „herkömmlichen“ Schreibratgebern, die ich (sorry, sorry) leider meistens ziemlich furchtbar finde – ab. Und! Das! Ist! Gut! Manchmal braucht es nämlich etwas Motivation von außen, um etwas zu tun, was man schon lange tun möchte. Gerade beim Schreiben ist das so, weil es eine mühselige Tätigkeit ist, die viel Freude bereiten, aber auch mega frustrieren kann, wenn die Sätze irgendwie klemmen, man sich fragt: will das überhaupt jemand lesen? oder einem plötzlich jeglicher Mut abhanden gekommen ist. Denn, wenn man eins zum (publizierten) Schreiben wirklich braucht, dann ist das Mut. Aber: es lohnt sich. Immer!

So – und jetzt seid ihr dran! In Kooperation mit dem Diogenes Verlag berichten Sarah von Pinkfisch.net (der Schirmherrin dieses tollen Projekts), sechs weitere Bloggerinnen: Anabelle von Stehlblueten, Alex von Readpackblog, Anne von fuxbooks, Bettina von Bleisatz, Steffi von lesenlebenlachen, Wibke von sinnundverstand und ich von unseren Schreiberfahrungen, wie wir die Schreibanregungen Dörries umgesetzt haben, was wir mitgenommen haben, was uns bewegt hat und/oder ob wir dem Schreiben ein Stückchen näher gekommen sind. Das könnt, dürft und sollt ihr auch und dabei gibt es sogar etwas zu gewinnen! 

Wenn ihr bis zum 22. September einen Beitrag unter dem Hashtag #LebenSchreibenAtmen auf Facebook, eurem Blog oder euren sozialen Kanälen mit eurem durch die Schreibanregungen entstandenen Text teilt und diesen Link anschließend per Mail mit dem Betreff #LebenSchreibenAtmen und eurer Postadresse an gewinnspiel@diogenes.ch (Teilnahmebedingungen) sendet, könnt ihr eins von zehn Exemplaren des Buches gewinnen oder eine von drei Karten + Buch für die Live-Schreibwerkstatt (Link) am Buchmessemittwoch, den 16.10.2019 im Frankfurter Literaturhaus gewinnen. 

Ihr wollt sofort loslegen, ja? Hier ist die erste Schreibanregung für euch:

„Erinnere dich an ein Kinderbuch. An die Bilder und daran, was sie ausgelöst haben. (…)“ 

So oder so ähnlich:

Meine ersten Geschichten schrieb ich, da war ich 8 oder 9 Jahre alt. So ganz genau weiß ich das nicht mehr, aber dafür kann ich mich noch sehr gut an den Titel erinnern „Mia, Pia und Jessy“. Kreativ wie sonst nix. Ich schrieb diese Geschichten auf weißes Kopierpapier, herrlich schief und voller Rechtschreibfehler und sie wurden meine ersten Fanfictions, ohne dass ich gewusst hätte, was das überhaupt ist. Eigentlich wollte ich doch einfach nur so sein wie „Tina und Tini“, meine Vorbilder, die in immer wieder neuen rätselhaften Fällen für Aufklärung sorgen, Bösewichte schnappen und überhaupt, die Guten sind. 

Ich wollte nicht nur immer wie Tini sein, bebrillt (das stimmte schon mal), lange Haare (auch das hatten wir gemeinsam), klug und gewitzt (Eigenschaften, die ich mir sehr wünschte), sondern auch so schreiben können wie Enid Blyton. (Hihi)

Auch wenn ich heute andere literarische Vorbilder habe und darüber sehr froh bin, hat mich diese Tina und Tini Phase unfassbar geprägt. Besonders Tini hat mir eine starke Frauen- bzw. Mädchenfigur vorgelebt. Ich kann nicht mal sagen, ob das wirklich stimmt, weil Enid Blyton nicht unbedingt als feministische Autorin zu lesen ist – eher das Gegenteil – oder ob ich das einfach für mich so herausgelesen habe, dass Tini eine toughe Person ist, aber ich hab das so in meinem Kopf abgespeichert und nie daran gezweifelt. Für mich war klar: ich werde eine Tini. Intelligent, wortgewandt, ruhig, überlegt, belesen, sensibel, mitfühlend und naja… halt eine clevere Detektivin! Hat jetzt nicht unbedingt alles so geklappt, besonders diese Detektivsache, aber meine Geschichten, die waren schon wirklich großartig und ganz besonders vielfältig. (Obacht: Ironie!) Meine eigene „Reihe“, wenn man sie denn überhaupt als eine solche bezeichnen kann, aber eigentlich nicht darf, die „Mia, Pia und Jessy“-Reihe, die aus einseitigen Kopierpapier-Geschichten bestehende Reihe erzählt von drei Mädchen, die mysteriösen Geheimnissen im Krankenhaus auf den Grund gehen und leider nie lösen werden, weil meine Geschichten kein Ende haben. Das Krankenhaus, von dem ich mich weglesen und wegschreiben wollte, war mein persönliches Pendant zum „Tina und Tini“ Internat. Noch ein Grund, warum ich „Tina und Tini“ so geliebt habe, weil ich mich auf eine irgendwie abstrakte Weise mit ihnen identifizieren konnte. Ich hatte immer das Gefühl, wir hätten etwas gemeinsam; sie würden mich verstehen; ich fühlte mich von ihnen abgeholt und umarmt.

Manche Bücher und Geschichten schaffen das auch heute noch und genau das ist es, was ich will, wenn ich schreibe: mit Worten anderen das Gefühl geben, nicht allein zu sein; für einen Moment ankommen zu dürfen in einer Welt, die keinen festen Anker mehr zulässt. Tina und Tini waren mein Anker, mein Halt und für eine Weile meine besten Freundinnen. 

 

(Und außerdem war ich in Toby verliebt. Aber das ist echt eine ganz andere Geschichte.)

Und für alle, die gerne gemeinsam schreiben möchten, gibt es am Samstag, den 31. August ab 20 Uhr eine Schreibnacht auf Facebook und Twitter! (Zur Facebook-Veranstaltung)

Wir wünschen euch viel Spaß beim Schreiben, Herumexperimentieren und Ausprobieren und natürlich viel Glück beim Gewinnspiel!