[Rückblick] Nach der Buchmesse ist vor der Buchmesse #LBM17

Da ist sie schon wieder rum, die Leipziger Buchmesse 2017. Viel gesehen, viel gehört, viel gelesen, so könnte man sie in etwa zusammenfassen. Nicht mal annähernd ein Teil dessen, was ich mir vorgenommen hatte, habe ich letzten Endes geschafft. Doch irgendwie war das zu erwarten. Man trifft hier wen und dort wen, verquatscht sich oder braucht schlichtweg eine Pause von dem ganzen Trubel. Trotzdem war es schön.

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Ich habe Martin Suter, Chris Kraus und Susann Pásztor auf den jeweiligen Bloggertreffen vom Diogenes und Kiepenheuer & Witsch Verlag treffen dürfen (lieben Dank dafür!), was doch immer für Aufregung sorgt. Ist der|die Autor|in so, wie man ihn|sie sich vorstellt? Wirkt das Gelesene nach dem Kennenlernen anders oder lesen sich gar die Bücher in einer ganz neuen Tonart?

Hier kann ich sagen, dass mir alle Autoren und Autorinnen, die ich auf der Buchmesse „kennengelernt“ habe, durchweg sympathisch gewesen sind und ihre Texte, Worte und Geschichten allenfalls für mich noch an Authentizität gewonnen haben. In eine von Takis Würgers Lesungen aus „Der Club“ bin ich irgendwie so reingestolpert (war gut) und weil ich am Samstag keinen Nerv mehr für Messemenschenmassen hatte, bin ich in der Stadt auch mehr durch Zufall in Nadja Schlüters Lesung aus „Einer hätte gereicht“ gelandet (war auch gut!). Zufällige Begegnungen gab es unter anderem mit einigen lieben (Blog-)Menschen wie charlisabethsnivispluma, Bröselchen, nordbreze, murmeltier_reads. Einige andere habe ich leider verpasst (doch es gibt immer ein nächstes Mal!)

Sicher, ich hätte noch viel mehr sehen, hören und lesen können, aber für mich hat es vollkommen ausgereicht. Denn, wozu von einer Veranstaltung zur nächsten hetzen, von einem Termin zum anderen eilen, hier ein Wort, da vielleicht sogar zwei Worte, wenn man eigentlich nirgends richtig anwesend ist? Ich habe gelernt, das abzuschalten. Dieses: ich muss dahin, auch wenn ich gar nicht wirklich muss, aber denke, ich müsste.

Auch dieses Mal gilt: Nach der Buchmesse ist vor der Buchmesse. Einige neue lesenswerte Bücher stehen auf meiner persönlichen Frühjahrsliste oder habe ich sogar bereits aus Leipzig mitgebracht, aber darüber werde ich sicher noch berichten – und, hej, dann ist auch schon bald wieder Zeit für die Frankfurter Buchmesse.

[Büchertalk] Indiebookday 2017

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Heute ist Indiebookday! Was das heißt? Ihr geht in die örtliche Buchhandlung eurer Wahl, richtig super wäre natürlich noch eine unabhängige kleine Buchhandlung, und ersteht dort das Buch oder die Bücher eurer Wahl. Einzige Bedingung: es sollte aus einem unabhängigen/kleinen/Indie-Verlag stammen – und das ist gar nicht mal schwer, gibt es doch so viele tolle unabhängige, kleine Verlage mit wundervollen und interessanten Titeln, denen wir mehr Beachtung schenken sollten! Wer da jetzt unsicher ist, was ist ein unabhängiger Verlag, woran erkenne ich diesen, etc., der schaut am besten mal hier vorbei:Liste unabhängiger Verlage (Deutschland) !

Anschließend postet ihr, wenn ihr mögt, euer erstandenes Buch in den sozialen Medien unter #indiebookday und schreibt vielleicht sogar noch einen kleinen Text dazu.

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Bei mir ist es „Oh Schimmi“ von Teresa Präauer aus dem Wallstein Verlag geworden und das hat mehrere Gründe. Erstens finde ich Affen generell eher abstoßend (ja, ich weiß, enthaltet euch bitte jeglicher Kommentare 😀 ), aber gerade deswegen bin ich auf das Cover aufmerksam geworden. Zweitens heißt es da: „Ich habe so einen Hass auf alles und gleichzeitig so eine Liebe für alles, ich kann es euch gar nicht sagen.“ (versteht sich von selbst, warum mich das neugierig macht) und drittens hat der Wallstein Verlag seinen Sitz in Göttingen, was quasi um die Ecke von mir ist. Support your local team und so!

Ich bin gespannt, was ihr so erstanden habt. Mögt ihr berichten?

[Rezension] „Die Vegetarierin“ von Han Kang 

„Die Vegetarierin“ und ich haben uns lange gegenseitig beäugt. Ich dachte, für so ein Buch brauche ich den richtigen Moment und ein wenig Zeit. Stimmte gar nicht. Das Buch ist zwar auf seine eigene Art und Weise ein wenig verstörend, aber genau aus diesem Grund auch geradezu hypnotisierend – und verstörend gut. Die Vegetarierin ist in drei Abschnitte geteilt und erzählt die Geschichte von Yeong-Hye fortlaufend zuerst aus ihrer eigenen Perspektive, anschließend aus der ihres Schwagers und zum Schluss aus der ihrer Schwester.

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Kurzrezension zu Eleanor Catton – „Die Anatomie des Erwachens“

Sprachlich toll, aber eine für mich unzusammenhängende und teils verwirrende Geschichte

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Eleanor Catton konnte mich bereits mit ihrem preisgekrönten Buch „Die Gestirne“ überzeugen, weshalb ich mich sehr darauf gefreut habe, ihren Erstling „Die Anatomie des Erwachens“ zu lesen. Für „Die Gestirne“ habe ich drei Anläufe gebraucht, um mich in die Geschichte einfinden zu können. Das lag zum einen an der raffiniert konstruierten Geschichte und zum anderen an den vielen Personen, die ich erst nach einiger Zeit richtig miteinander in Verbindung bringen konnte. Es ist Cattons Schreibstil zu verdanken, dass ich am Ball geblieben bin, denn der ist wirklich phänomenal.

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[Rezension] „Du sagst es“ von Connie Palmen

Authentisch und bewunderswert

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Connie Palmen ist mit „Du sagst es“ etwas gelungen, was ich selbst nicht für möglich gehalten hätte. Mit eindrucksvoller, teils poetischer, teils sehr ehrlicher Sprache beschreibt sie fiktiv das Leben, die Liebe, die Ehe und den Schmerz von Sylvia Plath und Ted Hughes – und das auf sehr authentische Art und Weise, die man nur bewundern kann.

Plath und Hughes sind keine unbekannten Literaten, über beide gibt es zahlreiche Biographien und die Mythen ranken sich um Sylvia Plaths Tod. Nach ihrem Selbstmord galt Ted Hughes als „der Schuldige“, wobei er sich hierzu selbst nie äußerte. Jetzt verleiht ihm Connie Palmen eine Stimme. „Du sagst es“ ist eine fiktive Autobiographie,  die einem als Leser sehr schnell, sehr real vorkommt.  Weiterlesen „[Rezension] „Du sagst es“ von Connie Palmen“

[Rezension] „Justins Heimkehr“ von Bret Anthony Johnston

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Zuallererst: Wer auf der Suche nach einem typischen Thriller mit viel Blut und Herzschlagalarm ist, wird hier nicht auf seine Kosten kommen.„Justins Heimkehr“ist ein Psychothriller der anderen Art, welcher vor allem durch seinen Schreibstil besticht. Bret Anthony Johnston schafft eine dichte und zum Teil spannende Atmosphäre, indem er die emotional-psychische Ebene der Protagonisten beleuchtet. Allen voran Justins Familie: Mutter Laura, Vater Eric, Justins Bruder Griffin und Cecil, Justins Großvater. Alle Personen bekommen eine Stimme, jeder für sich mit seinen geheimen Ängsten, Erfahrungen und Trieben. Justin selbst kommt eher selten zu Wort, was sich im Verlauf der Handlung aber als gut herausstellt. Weiterlesen „[Rezension] „Justins Heimkehr“ von Bret Anthony Johnston“