[Lesemonat] März 2018

Der März in Büchern.

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„Friedrich der Große Detektiv“ | Philip Kerr

Fangen wir doch gleich mal mit einem Kinderbuch an, das unbedingt auch für Erwachsene geeignet ist. Warum? Weil es den Herrn Kästner auftreten lässt! Aber nicht nur das, in „Friedrich der Große Detektiv“ geht es um die unheilvoll summende, politisch aufgeladene Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Es thematisiert den Aufstieg der Nationalsozialisten in den 1930er Jahren, die Bücherverbrennung 1933 und andere wichtige geschichtliche Eckdaten, die der Autor leicht verständlich und sehr geschickt für Kinder verpackt in eine spannende Detektivgeschichte miteinfließen lässt und so fiktive mit realen Elementen kombiniert. Pädagogisch wertvoll nennt man das, glaube ich! (Minimal genervt war ich von dem Hispano-Suiza, der ungefähr drölfzigtausendmal Erwähnung gefunden hat. So lange, bis ich gegoogelt habe und nun weiß, was das für ein Auto ist.) Der Klappentext unterschreibt dieses Buch mit „(…) eine Hommage an Erich Kästner“, doch nicht nur das, es ist auch eine Hommage an Kerr selbst, der vor kurzem verstorben ist und mit diesem Buch noch einmal etwas Großartiges geschaffen hat.

„Wenn es Frühling wird in Wien“ | Petra Hartlieb

Ich war noch niemals in … ja, New York auch, aber ich red von Wien! (War zwar schon mal fast auf dem Weg, aber das ist wieder eine andere Geschichte aus der Reihe „Pleiten, Pech und Pannen mit Mia“.) Auf jeden Fall habe ich jetzt dank „Wenn es Frühling wird in Wien“ das Gefühl, ich wäre schon einmal dort gewesen, allerdings in 1912 – was ehrlich gesagt fast noch besser ist – und hätte mit Arthur Schnitzler im Kaffeehaus ein Stück Sachertorte geschmaust. In dem Buch geht es nämlich um Marie, die aus einfachen Verhältnissen stammt, und nun bei dem berühmten Dichter als Kindermädchen arbeitet. Als sie dann noch auf den Buchhändler Oskar trifft, der ihr die Welt der Bücher näher bringt, dürfte spätestens jedes Leserherz einen Hüpfer mit Salto machen. Die wunderbare Petra Hartlieb weiß nämlich ganz genau, wovon sie schreibt („Sechsundzwanzig Zeichen, um im Kopf einmal um die Erde, ins Mittelalter oder auf den Mond zu reisen.“), schließlich hat sie 2004 die „Buchhandlung Friedrich Stock“ übernommen (heute heißt sie „Hartliebs Bücher“ – vielleicht kennt ihr sie schon aus „Meine wundervolle Buchhandlung“?) und diese spielt in „Wenn es Frühling wird in Wien“ erneut eine zentrale Rolle.

Die Geschichte ist filigran und zart erzählt, fasst authentisch den Wiener Dialekt mit ein und spiegelt so ganz genau die Zeit der Belle Époque wider. Das Buch passt perfekt ins leichte frühlingshafte Handgepäck. Ich habe es problemlos lesen können, ohne den ersten Teil „Ein Winter in Wien“ gekannt zu haben, werde das aber sicher bald nachholen!

„Jeder stirbt für sich allein“ | Hans Fallada

Nachdem ich dieses Buch ausgelesen hatte, fiel ich zunächst in so eine Art Schockstarre und anschließend überkam mich ein Hunger nach mehr. Nach mehr Wissen, nach mehr über Fallada, nach mehr über diese Zeit. Ich las den Anhang, googelte die Personen, die es tatsächlich gab, und schaute Dokumentationen. Das passiert, wenn einen ein Buch umhaut – und das ist sehr, sehr gut!

Der Titel des Buches: „Jeder stirbt für sich allein“ spricht irgendwie für sich und lässt erahnen, worauf man sich hier einlässt. Dank Fallada begleiten wir die unterschiedlichsten Personen – Leute mit und ohne Gewissen – durch Berlin während des Zweiten Weltkrieges, in dem selbst der Gedanke an ein freies Denken schon strafbar gewesen ist. Jede*r wird zum/zur Täter*in und viele zum Opfer. Widerstand gibt es trotzdem – und sei er auch noch so klein – alles zählt. Eine Geschichte von Mut und Stärke in einer Zeit, in der beides mehr denn je gebraucht wurde. Fallada schildert die Personen so plastisch, macht sie lebendig, dass man beinahe aufpassen muss, dass man nicht von der Gestapo oder aufgeplusterten Richtern angespuckt wird und setzt denjenigen ein Denkmal, die es wirklich verdient haben: den kleinen Leuten, die so viel mehr Größe zeigen als alle anderen zusammen.

Richtig gut ist auch Falladas kritischer sowie ehrlicher Blick, der sich vor allem, aber nicht nur, in den vermeintlich besseren Schichten abzeichnet: manche Sätze sprühen über vor trauriger Ironie – unbedingt lesenswert!

(Auch wissenswert: Fallada wollte den Roman zunächst gar nicht schreiben, weil er selbst nie wirklich Widerstand geleistet und so keinen Mut bewiesen habe. Zum Glück hat er sich dann aber doch für den Roman entschieden und diesen rauschhaft innerhalb von nur vier Wochen verfasst.)

PS: Das Buch hatte ich mir ausgeliehen, musste es mir dann aber doch gebraucht kaufen, weil das so eines ist, das ich unbedingt im Regal stehen haben wollte. Und nein, das tut mir kein bisschen leid!

„The Woman in The Window“ | A.J. Finn

Dieser Thriller ist ein spannendes, soghaftes Leseerlebnis mit Gänsehautfaktor. Generell bin ich immer sehr skeptisch, wenn Bücher im Vorfeld schon so angepriesen werden im Sinne von „übersetzt in 38 Sprachen, derzeit von FOX verfilmt“ (ihr versteht sicher, was ich meine…) Da habe ich mich auch nur herangewagt, weil das Buch sowas wie eine Hommage an Film-Klassiker von Hitchcock & Co. ist und ja, da bin ich dann auch neugierig geworden.

Die Protagonistin Anna kann aufgrund eines Traumas ihr Haus in New York nicht mehr verlassen. Um nicht ganz einsam zu sein, beobachtet sie ihre Nachbarn durch ihr Kameraobjektiv und (er)lebt so durch diese einen halbwegs „normalen“ Alltag. Bis sie einen brutalen Vorfall direkt gegenüber sieht, der sie an die Grenzen ihrer eigenen Glaubwürdigkeit bringt. Denn niemand will ihr glauben, was laut Anna im Haus ihrer Nachbarn geschehen sein soll.

Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass mich die Geschichte so fesseln würde und ich habe die ganze Zeit mit Textmarker in der Hand dagesessen, um mir die zahlreichen Film-Klassiker zu unterstreichen, die erwähnt werden. (Ich würde sagen: Die nächsten Monate sind ausgebucht!) Was mich ebenfalls begeistert hat, ist A.J. Finns Schreibstil, der durch ungewöhnliche, aber unglaublich gute sprachliche Bilder und Vergleiche eine tolle Atmosphäre schafft und auch, wenn man sich als Hitchcock-Kenner*in ungefähr denken kann, wie die Geschichte ausgeht, hat es super viel Spaß gemacht und ist daher ein richtig gut unterhaltender Thriller.

„Der Reisende“ | Ulrich Alexander Boschwitz

Ein unbedingt lesenswertes Stück Geschichte um die Zeit während/nach den Novemberpogromen 1938 in einem Buch, das auch zu eben jener Zeit verfasst und nun erstmals auf Deutsch erschienen ist. Der Protagonist Otto Silbermann zählt vielleicht nicht unbedingt zu den sympathischsten Figuren, aber unter dieser etwas undurchsichtigen Schale steckt ein verletzlicher, verängstigter Mann, dem man zuerst sein Zuhause, sein Hab & Gut und dann seine Würde und somit alles, was ihm wichtig ist und was ihn ausmacht, nimmt, denn: er ist Jude. Einen anderen Grund braucht es damals nicht. Eindringlich, bedrückend und erschreckend real geschrieben, sodass mir ein paar Mal der Atem stockte. Als Leser*in begibt man sich mit Silbermann auf eine Reise, die nichts auslässt und die einen so mitfühlen lässt, das einem ein Schauer über den Rücken läuft. Man bekommt alleine durch die bedruckten Seiten einen sehr intensiven Eindruck, wie stark Unterdrückung und falsche Macht auf ein einzelnes Individuum wirken können und was letztlich dadurch passieren kann, dass ich dieses Buch wirklich jedem ans Herz legen möchte. Es ist so wichtig!

„Tod in Connecticut“ | Wilson Collison

Auch hier haben wir einen authentischen Text aus den 1930er Jahren, aber zum Ausgleich die etwas heiterere Seite ebenjener Zeit. Wilson Collison hat sich damals vor allem durch Broadway-Stücke und Kino-Hits, die u.a. mit Clark Gable und Shirley Temple verfilmt wurden, einen Namen gemacht – und genau so liest sich auch „Tod in Connecticut“. Sehr szenisch, mit ausgereiften, durch und durch bildhaft vorstellbaren Charakteren und einer für damalige Verhältnisse ungewöhnlichen Frauenfigur. Nolya, eine bildhübsche und intelligente Millionenerbin hält nicht viel von den Konventionen der Gesellschaft, die sich durch Moral und Sittenregeln auszeichnen, und lebt ihr Leben lieber so, wie es ihr gefällt. So kommt es zu einem dramatischen Liebes-Viereck, das in einen Mordfall gipfelt.

Sprachlich hat mir das Buch durchaus sehr gut gefallen, leider konnte mich die Geschichte eher wenig überzeugen. Nicht, dass sie „schlecht“ gewesen wäre (das ist ja auch immer irgendwie Ansichtssache), aber sie hat mich einfach nicht mitgerissen. In einem Film kann ich mir die Geschichte wiederum sehr gut vorstellen, aber auf Papier war es mir zu viel Liebes-Drama – leider.

„Im Enddefekt“ | Josephine Frey

Josephine Frey schreibt über die ganz großen Gefühle, die oft mit einem lauen Lüftchen anfangen und sich zu einem Sturm auswachsen. „Im Enddefekt“ ist eine Kurzgeschichtensammlung, die vor allem durch ihre Sprache besticht, die sehr eigen, sehr bildhaft, sehr stark ist und ein wenig an Poetry-Slam erinnert. Ohne, dass es blöd klingen soll, aber ich glaube: das muss man mögen. Es geht hierbei um Themen wie Verlassen (werden), Abschied, Neuanfang, Ruhelosigkeit, Zukunftsangst und viele ähnliche Gedanken, die man – nicht nur, aber vor allem -, Anfang/Mitte Zwanzig in seiner vollen Wirkungskraft spürt, weshalb ich dieses Büchlein, das auch optisch ein echter Hingucker ist, vor allem jüngeren Leser*innen empfehlen würde, weil man sich – so glaube ich – bei der Autorin bestimmt recht oft wiederfinden kann. Sowas ist immer ein tolles Leseerlebnis.

„Dies Herz, das dir gehört“ | Hans Fallada

Mich hat das Buch inhaltlich wie thematisch ein wenig an “Kleiner Mann – was nun?” erinnert. (Zwei Liebende, die sich den Umständen der Zeit entgegenstellen; mit einer starken Frauenfigur. Die Hauptcharaktere Hannes und Hanne ähneln also in ihrem Verhalten Johannes und Lämmchen aus “Kleiner Mann – was nun?” sehr.) Das macht nun aber gar nichts, weil es sehr viel Freude bereitet, einen Roman von Fallada zu lesen. Seine Art des Erzählens ist unnachahmlich! Was man hier wissen muss: “Dies Herz, das dir gehört” war ursprünglich in den 30ern/40ern als Filmvorlage geplant. Zu einer Verfilmung kam es – aus unterschiedlichen Gründen – nie. Falladas Geschichte zeigt vor allem im ersten Abschnitt deutlich, dass dieses Buch, um überhaupt veröffentlicht werden zu dürfen (was ja nun letztlich doch nicht geschah), so geschrieben werden musste, dass die damaligen „Kontrollinstanzen“ zufriedengestellt wurden.
Fallada baut in “Dies Herz, das dir gehört” Sätze ein, in denen er seine Figuren darüber reden lässt, dass nun in Deutschland endlich wieder die Sonne scheinen würde. (Im Sinne von es gibt Arbeit und die Wirtschaft ist im Aufschwung.) Aus heutiger Sicht liest sich recht leicht heraus, wo Fallada wohlwollend der NS-Propaganda gegenüber schreibt – die Sätze wirken wie extra eingebaut – und wo nicht. Es ist interessant und gleichzeitig erschreckend, diese Diskrepanz zu anderen Texten zu sehen, wobei Fallada hier auch wirklich nur ganz dezent wohlwollend schreibt, was wahrscheinlich der Grund ist, wieso es während der 1930er/40er zu keiner Veröffentlichung kam und er kurzzeitig als unerwünschter Autor galt.
Was mich etwas irritiert hat, sind die Zeitsprünge. Falladas Text ist nicht konstant im Präsens/Präteritum, sondern immer in Abschnitten in der Gegenwart und dann wieder in der Vergangenheit geschrieben, man kann praktisch mitverfolgen, wann er wieder neu angefangen hat zu schreiben. Vielleicht liegt das auch an der Rekonstruktion des Buches in den 90ern? Nichtsdestotrotz: ein echter Fallada und unbedingt lesenswert!

(Sowie diverse Bücher von Erich Kästner und „Krabat“ von Otfried Preußler.)

[Lesemonat] Februar 2018

Ich habe es im Februar beinahe geschafft, mehr ausgeliehene Bücher als gekaufte oder geschenkte zu lesen. Warum ich das gut finde? In meiner Wohnung stapeln sich die Bücher an jeder Ecke und – ja, ja, ja!! – das ist schön, aber wenn immer mehr dazu kommen, kann es auch erdrücken. Zumal ich den Traum meiner eigenen Bibliothek (sprich: einen eigenen Raum samt Leiter, Kuschelsessel und vielleicht noch einem knisternden Kamin – ihr habt es sicher deutlich vor Augen) bisher noch nicht verwirklichen konnte. Es spricht absolut nichts dagegen, sich neue Bücher zu kaufen (bitte, wenn möglich, in einer Buchhandlung eures Vertrauens) und wer mich kennt, der oder die weiß, dass mich mein innerer Kompass IMMER zuerst in eine Buchhandlung führt. Ganz egal, wo ich bin. Nichtsdestotrotz habe ich Gefallen daran gefunden, mir Bücher im Vorfeld zu einem Großteil auszuleihen oder, wenn gekauft oder geschenkt, nach dem Lesen selbst zu verleihen. Nicht nur, um Platz und Geld zu sparen, sondern schlichtweg, weil es ein gutes Gefühl ist, etwas länger darüber nachzudenken, welche Bücher sich eine Dauerkarte im Regal wirklich verdienen. Klingt das komisch? Ich hoffe nicht!

Warum habe ich jetzt eigentlich einen ganzen Absatz gebraucht, um einfach nur auszudrücken: Hallo, das sind meine gelesenen Bücher im Februar. Das Foto stimmt allerdings nicht ganz mit der Realität überein, denn die Hälfte der Februar-Bücher besitze ich nicht selbst, sondern habe sie von Freunden oder aus der Bibliothek ausgeliehen..?

Herzlichen Glückwunsch, mich kurzfassen kann ich also nicht.

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„Das Mädchen im blauen Mantel“ | Monica Hesse

Ein historischer Roman für Jugendliche, den aber ruhig auch Erwachsene lesen können/sollten. In Zeit (Zweiter Weltkrieg) und Raum (Amsterdam) erinnert das Thema ein wenig an Anne Franks Tagebuch, aber wirklich nur entfernt. Denn auch wenn es hier um ähnliche Dinge geht: Schuld, Verrat, Mut, Widerstand, ist die Geschichte doch eine andere. Die Protagonistin Hanneke ist nicht von Beginn an eine rein uneigennützige Heldin, sie ist verängstigt, auch ein wenig naiv und vor allem auch ein ganz, ganz kleines bisschen egoistisch. Das ist ihr eigener Schutzpanzer. Die Tatsache, dass Hanneke eine Entwicklung während des Buches durchmacht, hat mir sehr gefallen und wirft ein anderes, gleichwohl authentisches Licht auf diese sehr dunkle Zeit.

„Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt“ | Jesmyn Ward

Dieser Roman ist sprachlich eine Wucht. Selten habe ich so melodische, rhythmische und warme Sätze gelesen wie hier. Und dann reihen sie sich auch noch aneinander wie Glieder einer Kette. Einer ganz langen Kette. Die Sprache, die, obwohl sie so kraftvoll ihre Worte singt, steht fast schon im Kontrast zum Erzählten, das rau, voller Gewalt und Trauer steckt. Es ist ein Buch, eine Geschichte, die viel von den Leser*innen abverlangt, vielleicht auch Grenzen überschreitet, aber: es lohnt sich sehr, wenn man sich darauf einlassen kann und mag.

„Emil und die Detektive“ | Erich Kästner

Habe ich bereits gebeichtet, dass ich als Kind kein Kästner-Fangirl war? Ich kann auch gar keinen genauen Grund nennen, außer den, dass ich eben alles von Enid Blyton gelesen habe – und das in doppelter und dreifacher Ausführung. Heute mag ich da gerne ein paar Lücken schließen und, mal ehrlich, Kästner kann was, keine Frage. Es ist nicht das erste Buch, das ich von ihm lese, aber das erste Kinderbuch, das ich bewusst wahrnehme und es hat schlichtweg einfach unfassbar viel Spaß gemacht.

„Jack“ | Anthony McCarten

Manchmal frage ich mich, wie man eigentlich so gewitzt und intelligent sein kann wie Anthony McCarten. Da schreibt dieser Autor ein kluges Buch (ob Roman oder Drehbuch) nacheinander und jedes Mal hat man das Gefühl, als ob er selbst diese (berühmten) Menschen, von denen er da schreibt, kennt wie seine besten Freunde und so, als ob er hautnah dabei gewesen wäre. In diesem Roman geht es dabei um Jack Kerouac, der nicht unbedingt gut wegkommt, aber das soll er auch nicht. Die Figuren in diesem Roman sind mir durchweg unsympathisch gewesen, das hat es ein bisschen schwierig für mich gemacht, und trotzdem schafft es McCarten eine Geschichte zu verfassen, die lustig, überraschend und lesenswert ist (obwohl ich es zwischendurch ein wenig… nunja…langweilig fand). Achso – und man lernt auch noch was über die Beat Generation. Mach das mal einer nach.

„Im Westen nichts Neues“ | Erich Maria Remarque

Mich hat wohl noch nie ein Buch so überrascht wie dieses. Nie hätte ich gedacht, dass mich dieser Roman so packen, so mitnehmen, so durchwirbeln würde. Es ist eines dieser Bücher, das man immer im Gedächtnis behalten wird. Es ist rau, es ist gewaltig, es ist real. Teilweise hat man das Gefühl, man würde mit in einem der zahlreichen Schützengräben des Ersten Weltkrieges liegen und das ist nicht schön, das soll es auch nicht sein, aber doch ist das wichtig, um Dinge in der Vergangenheit zu verstehen, die eigentlich nicht zu verstehen sind. Dinge, die auch heute noch geschehen, an die wir aber in unserer geschützten Blase nicht denken wollen. Dinge, die immer wieder so oder so ähnlich passieren können und werden, denn: Geschichte wiederholt sich (leider). Remarque schreibt dabei in einer kraftvollen poetischen Sprache, die sich stellenweise liest wie ein Gedicht und in der so viel Wahrheit liegt

„Die Nacht von Lissabon“ | Erich Maria Remarque

Auch dieses Buch beeindruckt mich sprachlich wie inhaltlich, in dem es zeigt, was mit Menschen passiert, zu was sie fähig sind, wenn es zum Äußersten kommt. Wie Opfer und Täter verschwimmen und wie Remarque es schafft, dies in Worte zu packen und so ein intensives Leseerlebnis zu gestalten, das lehrreich in vielerlei Dingen ist. Er schreibt hier von Menschen, die auf der Flucht sind, die ihre eigene Identität mehrmals verlieren und doch immer den Mut und die Kraft aufbringen, sich zu wehren, sich aufzulehnen gegen ein Regime der Unterdrückung und Grausamkeit im Zweiten Weltkrieg und dabei fällt ein Satz, den ich sehr bezeichnend finde: „’Es mag sein, dass unsere Zeit einmal die der Ironie genannt wird‘, sagte Schwarz. ‚Natürlich nicht die der geistvollen des achtzehnten Jahrhunderts, sondern die der unfreiwilligen und ebenfalls bösartigen oder dummen unseres plumpen Zeitalters des Fortschritts in der Technik und des Rückschritts in der Kultur. (…)“ Remarque zu lesen ist aufwühlend. Man liest seine Bücher nicht und schreitet anschließend locker flockig im Alltag voran. Nein, er reißt einen heraus, stellt unangenehme Fragen und gibt unbefriedigende Antworten. So ist das Leben.

„Kleiner Mann, was nun?“ | Hans Fallada

Ein Roman, der die Umstände und Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise in der Weimarer Republik leicht verständlich und authentisch beschreibt. Es geht hierbei um die kleinen Leute. Die, die versuchen mit wenig Geld einigermaßen über die Runden zu kommen und doch immer wieder mit neuen, unüberwindbar scheinenden Problemen konfrontiert werden. Erträglich macht es allein, dass sie zusammenhalten. Lämmchen und Hannes, die beiden Hauptfiguren, sind mir dabei sehr, sehr ans Herz gewachsen. Beeindruckt hat mich die starke Frauenrolle, die Lämmchen zukommt und auch wenn der Roman stellenweise Längen aufweist, hat er mich sehr in seinen Bann gezogen. Der nächste Fallada liegt schon bereit!

… und dann gab es da noch „QualityLand“ von Marc-Uwe Kling, das ich – zugegeben – nicht komplett gelesen habe, weil es mir schlichtweg einfach zu viel geworden ist. Darin stecken tolle Ideen und ich musste einige Male laut lachen, auch wenn es erschreckend an die Realität herankommt, aber mein Fall war es trotzdem nicht.

[Lesemonat] Januar 2018

Manchmal muss man scheinbar nur ein paar Mal blinzeln oder ein paar Seiten umblättern und schon ist wieder ein Monat vorbei. Ich wiederhole mich und andere, wenn ich schreibe: Ach, das geht immer schneller. Aber: Ach, das geht immer schneller!

Es folgt wie gewohnt ein kleiner Rückblick auf meine gelesenen Bücher (und wahrscheinlich habe ich, ebenfalls wie gewohnt, wieder das ein oder andere vergessen mit aufs Bild zu packen – sorry!).

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„Leere Herzen“ | Juli Zeh

Ich konnte mich mit der Geschichte nicht recht anfreunden, da mir die Mischung aus Roman und Politthriller keinen richtigen Zugang gewährte. Das ist aber letztlich eine Frage des Geschmacks. Juli Zeh schreibt gekonnt klar, nüchtern und mit einer gewissen Schärfe in der Wahrnehmung, die sich in ihren Worten widerspiegelt. Die Figuren scheinen nicht greifbar, was bei der Autorin oft vorkommt, man könnte es ein Motiv nennen, aber ich bin kein allzu großer Fan von Interpretationen dieser Art. Sagen wir einfach: das soll so. Für mich hat es in diesem Roman dazu geführt, dass ich ihn weniger mochte, aber auch das ist Geschmackssache. Reingelesen haben sollte man trotzdem, weil es ein wichtiges Thema behandelt: unsere mögliche politische wie gesellschaftliche Zukunft – und das ist erschreckend klarsichtig umgesetzt.

„Rattatatam, mein Herz“ | Franziska Seyboldt

Rattatatam, da ist sie, die Angst. Jeder kennt sie. Jeder weiß, wie sie sich anfühlt. Manchmal aufwühlend, das Herz poltern lassend, manchmal einengend, sich ganz klein machen wollend. Die Angst kommt in vielen Formen und Farben, mal mehr, mal weniger stark und sie kann über ihre eigentliche Aufgabe, das Warnen und Beschützen hinauswachsen. Nämlich dann, wenn die Angst übermächtig wird und vor Situationen warnt, die uns eigentlich ganz alltäglich vorkommen. Beim Bäcker in der Schlange stehen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, vor anderen Menschen reden, zu einer Routineuntersuchung zum Arzt gehen. (Um nur einige wenige Beispiele zu nennen.)

Die Autorin schreibt in diesem Buch unter ihrem eigenen Namen über ein sehr wichtiges Thema, das in unserer Gesellschaft leider immer noch tabuisiert wird. Sie erklärt, macht bewusst und schafft Verständnis auf ihre ganz eigene, humorvolle und sehr sympathische Art – und das so, dass sich nicht nur Betroffene verstanden fühlen, sondern auch nicht explizit Betroffene für dieses Thema sensibilisiert werden. Mutig und wichtig!

„Schön und verdammt“ | Pietro Citati

Ein Essay über das turbulente und tragische Leben der Fitzgeralds, der mir persönlich sehr gut gefallen hat. Generell finde ich Essays da immer schwierig, weil bei einigen Autor*innen die eigene Meinung überdeutlich mitschwingt. Hier ist das ganz dezent gemacht. Dadurch liest sich der Essay sehr angenehm und man denkt nicht pausenlos: so seh ich das aber gar nicht! Vielmehr macht Citati auf Abschnitte im Leben der Fitzgeralds aufmerksam, denen in der Regel weniger Beachtung geschenkt wird. Wer also ein Herz für die 1920er und 1930er Jahre hat und auch ein wenig über Zelda und F. Scott Fitzgerald erfahren möchte, der hat hier das richtige Buch gefunden.

„Der stumme Tod“ | Volker Kutscher

Nach „Der nasse Fisch“ ist „Der stumme Tod“ Band zwei der Gereon Rath Reihe um einen Kommissar, der nicht ganz den gängigen Regeln folgt (und das ist gut so!). Im zweiten Teil der Serie geht es um einen Mord in den Studios der Filmmetropole Berlin Anfang der 1930er Jahre. Die Filmbranche ist im Umbruch, der Stummfilm wird vom Tonfilm abgelöst, aber nicht jeder ist davon begeistert. Als eine Schauspielerin tot am Set aufgefunden wird, stellt sich die Frage: war es ein Unfall oder Mord in Folge von Sabotage? Rath gerät tief hinein in eine Welt, die nicht nur Glamour und Champagner zu bieten hat, sondern auch so ihre Schattenseiten. Ein weiterer Erzählstrang befasst sich ein Stück weit mit der politischen Welt des Berlins in den 1930er Jahren, in dem auch Adenauer auftritt. Wie ich finde: eine gelungene Mischung, die zudem spannend und äußerst lesbar ist! Wer sowas eher ungerne liest, dem empfehle ich die Verfilmung des ersten Teils als „Babylon Berlin“.

„Auf Messers Schneide“ | W. Somerset Maugham

Der Titel mag ein wenig irreführen, wenn man denkt, es erwarte einen nun ein Krimi oder gar ein Thriller. Tatsächlich handelt es sich bei diesem Roman um einen hochphilosophischen im Sinne, dass hier die Protagonisten – allen voran Larry -, von denen der Ich-Erzähler (Maugham selbst) berichtet, auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sind. Und das in einer Zeit, in der alles scheinbar golden glänzt, in der der erste Weltkrieg gerade vorbei ist und man stattdessen lieber Charleston tanzt und die Champagnerkorken knallen lässt, während die nächste Krise schon auf die Schulter klopft. Das Besondere ist zum einen die Tatsache, dass diese Zeit ein ganz klein wenig auf die Schippe genommen, zumindest aber unter einem kritischen Aspekt beleuchtet wird und, dass Maugham selbst als Ich-Erzähler in Kraft tritt, als hätte er die Geschichte miterlebt. Er schreibt dabei sanft und elegant, was ich sehr gerne mag, auch wenn es stellenweise ein wenig langatmig wird und ich es nicht am Stück lesen konnte.

„Der Hahn ist tot“ | Ingrid Noll

Was für ein Buch! Ich habe eine etwas dröge Kriminalgeschichte erwartet, aber nicht so eine böse, spannende und ungemein lesbare! Rosemarie Hirt ist Anfang fünfzig und nach außen hin ein bisschen sowas wie eine Mischung aus grauer Maus und alter Jungfer, die im Leben scheinbar kein Glück hat. Sie ist fleißig, ordentlich, pünktlich, eine gute Freundin und eine engagierte Mitarbeiterin. Mit den Männern allerdings, da klappt es so gar nicht. Eines Tages verliebt sie sich Hals über Kopf in einen Mann, den sie gar nicht näher kennt, aber sie weiß,  wie er heißt und findet heraus, wo er wohnt. Sie beginnt ihn zu beobachten und bringt somit den ersten Stein ins Rollen, der zu einer Story führt, die schier unglaublich ist an Bösartigkeit und zynischem, ganz wunderbarem Humor! Ich hätte nie erwartet, dass mich das Buch so mitreißen würde, aber ich bin immer noch begeistert und empfehle das von nun an jedem weiter!

„Der Mann, der nicht mitspielt“ | Christof Weigold

Ein Kriminalroman während der 1920er Jahre in Hollywood. Da dieser Roman erst in ein paar Tagen erscheint, sage ich euch einfach nur: bitte vormerken!

„Dunkelgrün fast schwarz“ | Mareike Fallwickl

Hier gilt ebenfalls: bitte fest vormerken (für den 05. März)! Ein grandioses Buch!