[Lesemonat] Januar 2018

Manchmal muss man scheinbar nur ein paar Mal blinzeln oder ein paar Seiten umblättern und schon ist wieder ein Monat vorbei. Ich wiederhole mich und andere, wenn ich schreibe: Ach, das geht immer schneller. Aber: Ach, das geht immer schneller!

Es folgt wie gewohnt ein kleiner Rückblick auf meine gelesenen Bücher (und wahrscheinlich habe ich, ebenfalls wie gewohnt, wieder das ein oder andere vergessen mit aufs Bild zu packen – sorry!).

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„Leere Herzen“ | Juli Zeh

Ich konnte mich mit der Geschichte nicht recht anfreunden, da mir die Mischung aus Roman und Politthriller keinen richtigen Zugang gewährte. Das ist aber letztlich eine Frage des Geschmacks. Juli Zeh schreibt gekonnt klar, nüchtern und mit einer gewissen Schärfe in der Wahrnehmung, die sich in ihren Worten widerspiegelt. Die Figuren scheinen nicht greifbar, was bei der Autorin oft vorkommt, man könnte es ein Motiv nennen, aber ich bin kein allzu großer Fan von Interpretationen dieser Art. Sagen wir einfach: das soll so. Für mich hat es in diesem Roman dazu geführt, dass ich ihn weniger mochte, aber auch das ist Geschmackssache. Reingelesen haben sollte man trotzdem, weil es ein wichtiges Thema behandelt: unsere mögliche politische wie gesellschaftliche Zukunft – und das ist erschreckend klarsichtig umgesetzt.

„Rattatatam, mein Herz“ | Franziska Seyboldt

Rattatatam, da ist sie, die Angst. Jeder kennt sie. Jeder weiß, wie sie sich anfühlt. Manchmal aufwühlend, das Herz poltern lassend, manchmal einengend, sich ganz klein machen wollend. Die Angst kommt in vielen Formen und Farben, mal mehr, mal weniger stark und sie kann über ihre eigentliche Aufgabe, das Warnen und Beschützen hinauswachsen. Nämlich dann, wenn die Angst übermächtig wird und vor Situationen warnt, die uns eigentlich ganz alltäglich vorkommen. Beim Bäcker in der Schlange stehen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, vor anderen Menschen reden, zu einer Routineuntersuchung zum Arzt gehen. (Um nur einige wenige Beispiele zu nennen.)

Die Autorin schreibt in diesem Buch unter ihrem eigenen Namen über ein sehr wichtiges Thema, das in unserer Gesellschaft leider immer noch tabuisiert wird. Sie erklärt, macht bewusst und schafft Verständnis auf ihre ganz eigene, humorvolle und sehr sympathische Art – und das so, dass sich nicht nur Betroffene verstanden fühlen, sondern auch nicht explizit Betroffene für dieses Thema sensibilisiert werden. Mutig und wichtig!

„Schön und verdammt“ | Pietro Citati

Ein Essay über das turbulente und tragische Leben der Fitzgeralds, der mir persönlich sehr gut gefallen hat. Generell finde ich Essays da immer schwierig, weil bei einigen Autor*innen die eigene Meinung überdeutlich mitschwingt. Hier ist das ganz dezent gemacht. Dadurch liest sich der Essay sehr angenehm und man denkt nicht pausenlos: so seh ich das aber gar nicht! Vielmehr macht Citati auf Abschnitte im Leben der Fitzgeralds aufmerksam, denen in der Regel weniger Beachtung geschenkt wird. Wer also ein Herz für die 1920er und 1930er Jahre hat und auch ein wenig über Zelda und F. Scott Fitzgerald erfahren möchte, der hat hier das richtige Buch gefunden.

„Der stumme Tod“ | Volker Kutscher

Nach „Der nasse Fisch“ ist „Der stumme Tod“ Band zwei der Gereon Rath Reihe um einen Kommissar, der nicht ganz den gängigen Regeln folgt (und das ist gut so!). Im zweiten Teil der Serie geht es um einen Mord in den Studios der Filmmetropole Berlin Anfang der 1930er Jahre. Die Filmbranche ist im Umbruch, der Stummfilm wird vom Tonfilm abgelöst, aber nicht jeder ist davon begeistert. Als eine Schauspielerin tot am Set aufgefunden wird, stellt sich die Frage: war es ein Unfall oder Mord in Folge von Sabotage? Rath gerät tief hinein in eine Welt, die nicht nur Glamour und Champagner zu bieten hat, sondern auch so ihre Schattenseiten. Ein weiterer Erzählstrang befasst sich ein Stück weit mit der politischen Welt des Berlins in den 1930er Jahren, in dem auch Adenauer auftritt. Wie ich finde: eine gelungene Mischung, die zudem spannend und äußerst lesbar ist! Wer sowas eher ungerne liest, dem empfehle ich die Verfilmung des ersten Teils als „Babylon Berlin“.

„Auf Messers Schneide“ | W. Somerset Maugham

Der Titel mag ein wenig irreführen, wenn man denkt, es erwarte einen nun ein Krimi oder gar ein Thriller. Tatsächlich handelt es sich bei diesem Roman um einen hochphilosophischen im Sinne, dass hier die Protagonisten – allen voran Larry -, von denen der Ich-Erzähler (Maugham selbst) berichtet, auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sind. Und das in einer Zeit, in der alles scheinbar golden glänzt, in der der erste Weltkrieg gerade vorbei ist und man stattdessen lieber Charleston tanzt und die Champagnerkorken knallen lässt, während die nächste Krise schon auf die Schulter klopft. Das Besondere ist zum einen die Tatsache, dass diese Zeit ein ganz klein wenig auf die Schippe genommen, zumindest aber unter einem kritischen Aspekt beleuchtet wird und, dass Maugham selbst als Ich-Erzähler in Kraft tritt, als hätte er die Geschichte miterlebt. Er schreibt dabei sanft und elegant, was ich sehr gerne mag, auch wenn es stellenweise ein wenig langatmig wird und ich es nicht am Stück lesen konnte.

„Der Hahn ist tot“ | Ingrid Noll

Was für ein Buch! Ich habe eine etwas dröge Kriminalgeschichte erwartet, aber nicht so eine böse, spannende und ungemein lesbare! Rosemarie Hirt ist Anfang fünfzig und nach außen hin ein bisschen sowas wie eine Mischung aus grauer Maus und alter Jungfer, die im Leben scheinbar kein Glück hat. Sie ist fleißig, ordentlich, pünktlich, eine gute Freundin und eine engagierte Mitarbeiterin. Mit den Männern allerdings, da klappt es so gar nicht. Eines Tages verliebt sie sich Hals über Kopf in einen Mann, den sie gar nicht näher kennt, aber sie weiß,  wie er heißt und findet heraus, wo er wohnt. Sie beginnt ihn zu beobachten und bringt somit den ersten Stein ins Rollen, der zu einer Story führt, die schier unglaublich ist an Bösartigkeit und zynischem, ganz wunderbarem Humor! Ich hätte nie erwartet, dass mich das Buch so mitreißen würde, aber ich bin immer noch begeistert und empfehle das von nun an jedem weiter!

„Der Mann, der nicht mitspielt“ | Christof Weigold

Ein Kriminalroman während der 1920er Jahre in Hollywood. Da dieser Roman erst in ein paar Tagen erscheint, sage ich euch einfach nur: bitte vormerken!

„Dunkelgrün fast schwarz“ | Mareike Fallwickl

Hier gilt ebenfalls: bitte fest vormerken (für den 05. März)! Ein grandioses Buch!