„Würstchen, der Dackel“ | Mia Cassany & Mikel Casal

In meiner Familie sind alle große Dackel-Fans. Der Dackel meiner Urgroßeltern hieß Lumpi. Seine Hundeeltern Apothekers Waldi und Nachbars Heidi. Meinen eigenen Dackel wollte ich immer Wurst nennen – oder Peanut Butter bzw. Peanut. Als ich mal öffentlich kommuniziert habe, dass ich im Falle des Falles meinen Hund Wurst nennen wollen würde, habe ich verwundert gelernt, dass ich mit dieser Idee keinesfalls alleine bin (und ich dachte wirklich, ich wäre einfallsreich). Nun gibt es sogar ein Buch mit dem Titel „Würstchen, der Dackel“. Na, wenn das nicht nach mir gerufen hat, dann weiß ich auch nicht.

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Würstchen ist ein Findelhund. Sein Retter und Dackelpapa Hans findet ihn in einem alten Schuhkarton kauernd in einer Seitenstraße. Würstchen ist zu diesem Zeitpunkt aber noch gar nicht Würstchen, sondern namenlos. Zusammengerollt, wie ihn Hans findet, ruft dieser bei seinem Anblick aus: „Du kommst mit mir nach Hause, du armes Würstchen.“ Von da an sind die beiden die besten Freunde. Nur eine Sache, die liegt Würstchen schwer im Magen – und das ist sein Name. Würstchen. Das ist doch keine Bezeichnung für einen Hund! Ein cleverer Hund wie Würstchen findet aber auch dafür eine Lösung, oder?

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Aus „Würstchen, der Dackel“ von Mia Cassany & Mikel Casal, erschienen im Prestel Verlag

„Würstchen, der Dackel“ von Mia Cassany und Mikel Casal ist ein zauberhaftes Bilderbuch mit farbenfrohen, modernen Illustrationen, die selbst den größten Hundemuffel irgendwo tief drinnen im Herzen berühren werden (da bin ich mir ganz sicher)!

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Aus „Würstchen, der Dackel“ von Mia Cassany & Mikel Casal, erschienen im Prestel Verlag

Die Bilder selbst sind nicht überladen, aber trotzdem gibt es viel zu entdecken. Gerade für Kinder ist das sicher eine große Freude. Auch die Geschichte ist kindgerecht erzählt, für Erwachsene vielleicht ein wenig zu einfach, mit einem Ende, das leider etwas zu abrupt wirkt. Gerade so, als ob irgendwie die Ideen ausgegangen wären. Ein bisschen schade ist das. Letztlich geht es hier aber vielmehr um die Bebilderung und die ist – wie ich finde – sehr gelungen.

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Aus „Würstchen, der Dackel“ von Mia Cassany & Mikel Casal, erschienen im Prestel Verlag

 

 

 

Nicht zu aufdringlich, aber doch feinfühlig, mit einem klaren Blick für die kleinen Dinge. Im Ganzen wirkt das Bilderbuch harmonisch. Es ist zum darin blättern und sich wohlfühlen, gleichzeitig lehrt es wie Freundschaften aussehen können und dass man Probleme offen angehen sollte. Ach,  was rede ich noch lange drumherum, es ist einfach schön!

[Rezension] „Dunkelgrün fast schwarz“ | Mareike Fallwickl

Es ist jetzt schon ein Weilchen her, dass ich „Dunkelgrün fast schwarz“ von Mareike Fallwickl gelesen habe, aber dieses durchdringende Gefühl, das es hinterlassen hat, das bleibt – und das ist wahrscheinlich auch mit das Wichtigste, was man über dieses Buch wissen sollte. Merkt euch noch: es ist anders, es sticht hervor und es ist sprachlich ganz groß – dann habt ihr fast alles Wissenswerte beisammen und könnt gleich schon mal loslegen mit in die Buchhandlung preschen oder wenn ihr es schon habt: lesen. Noch nicht überzeugt? Ok gut, dann erkläre ich noch kurz, worum es inhaltlich geht (aber so, dass ihr keine Angst vor Spoilern haben müsst!) und was genau dieses Etwas ist, was es so besonders macht. Und dann aber wirklich: lesen!

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Moritz, Raffael und Johanna sind Freunde. Sie bilden zusammen ein Dreieck (wie die Beziehung der drei wunderschön und passend in der Verlagsbeschreibung bezeichnet wird), dessen nach allen drei Seiten hin zeigende Spitzen giftig sind. Die Spitzen bildet Raffael, der alles durchdringt, das Dreieck komplett mit seinem Ich ausfüllt, der allen voran den Ton angibt, dem alle folgen sollen. Raffael, der hinter seinem glänzenden Äußeren und dem bestechenden Blick etwas verbirgt, das durch und durch böse ist und alles infiziert, was er berührt – und sei es nur mit den Augen -, vor allem aber Moritz und Johanna. Lediglich eine kann sich seinen Klauen entziehen und das ist Marie, die Mutter von Moritz. Doch auch sie hat Geheimnisse, die tief in ihrem Inneren schlummern. Sechzehn Jahre später wird die Vergangenheit zur Gegenwart und alles, was längst verdrängt geglaubt war, reißt ein Loch ins Hier und Jetzt und stellt alle Beteiligten auf die Probe.

Mareike Fallwickl schreibt mit einer unglaublichen Wucht und einer faszinierenden Zärtlichkeit von einem Menschen, der allein durch seine Gegenwart andere mit sich in den Abgrund reißt. Ein Mensch, der ohne Verluste und Rücksicht auf seine Umwelt, seine Mitmenschen lebt und Macht ausübt wie es ihm beliebt – und zeigt dabei in einer anderen Perspektive die Rückseite, das, was ankommt bei denjenigen, die unter diesem Einfluss einer solchen Person stehen. Die Autorin zeigt Angriff und Abwehr, Licht und Schatten, Hell und Dunkel. In all ihren Worten und vor allem auch in der Geschichte selbst stecken Gegenteile, die sich gegenseitig anziehen und abstoßen, die das Gesagte schwimmen lassen, die nachdenklich machen, die sich flüsternd um uns Leser*innen legen und dabei wispern, kennst du sie nicht auch? Diese Person, die herrisch alles verlangt, weil sie meint, sie kann und sie darf, dabei steckt in ihr ein genauso getaktetes Herz wie in allen anderen. Und die uns letztlich fragen lässt, gibt es ausschließlich Licht und Schatten oder gibt es nicht auch Orte, wo beides zusammenfällt?

„Dunkelgrün fast schwarz“ hat alles, was ein Buch braucht, um völlig zu fesseln. Eine mitreißende Geschichte, in der sich Vergangenheit und Gegenwart verstricken und eine Einheit im Gesagten bilden. Figuren, die man an sich drücken und von sich stoßen will. Einen Erzählstil, der gekonnt in Zeiten und Personen springt und dabei immer gerade so verwirrt, wie es angenehm und spannend zu lesen ist. Eine Sprache, in die man eintauchen möchte, in der man Worte schmecken, fühlen und riechen kann und die die Buchstaben auf Papier zum Tanzen bringen. Sätze, nach denen man seine Hand ausstrecken will, um sie herauszuziehen und zu umarmen. Und letztlich verbindet sich das alles zu einem Sog, der mitunter das schönste am Lesen ist und aus dem man nicht mehr auftauchen mag, auch nicht, wenn es drei Uhr nachts ist und man morgens früh raus muss.

Also bitte, lasst euch nicht irritieren, wenn ihr dieser und der letzten Tage schon an die hundertmal ein und dasselbe Buch gesehen habt – es fängt bestimmt gerade erst an -, denn „Dunkelgrün fast schwarz“ ist es sowas von wert, gelesen, gelobt und gezeigt zu werden. Gestern, heute und morgen.

Frankfurter Verlagsanstalt| 480 S.