„Julia Mann, Die Mutter von Heinrich und Thomas Mann: Eine Biographie“ | Dagmar von Gersdorff

Die Manns: eine Familie, wie sie sich niemand besser hätte ausdenken können – nein, auch nicht Thomas Mann in den „Buddenbrooks“. Schaut man sich ihren Stammbaum näher an, kommt man aus dem Staunen kaum mehr heraus. Gefühlt haben alle irgendetwas Besonderes geleistet; sind auf jeden Fall eindrucksvolle Persönlichkeiten, gefühlt haben beinahe alle irgendwie etwas Literarisches zustande gebracht und gefühlt heißen auch alle ähnlich: Thomas Johann Heinrich, Luiz Heinrich, Paul Thomas, Julia, Julia Elisabeth Therese, Carla Augusta Olga Maria, Carl Viktor und dann die Kinder bzw. Enkelkinder Carla Maria Henriette Leonie, Erika, Klaus, Gottfried (Golo), Monika, Elisabeth, Michael, Eva Maria Elisabeth, Rosa Marie Julia, Ilse Marie Julia … Uff.

Im Grunde denken wir aber heute, wenn wir an die Manns denken, immer zuerst an Thomas Mann (Paul Thomas), der für seinen Roman „Buddenbrooks“ 1929 den Nobelpreis für Literatur erhalten hat. Weiterhin denken wir an Heinrich Mann, den älteren Bruder, der zwar immer ein bisschen im Schatten des jüngeren, doch auch großartige – teils gesellschaftskritische – Werke verfasst hat (u.a. „Professor Unrat“, „Der Untertan“). Und dann denken wir an den Vater Thomas Johann Heinrich Mann, einen angesehenen Lübecker Kaufmann, der früh verstorben ist, aber als Oberhaupt der Familie immer im Gedächtnis bleiben wird. Die weiteren Familienmitglieder, – vor allem die Frauen -, bleiben leider ein bisschen auf der Strecke, dabei gibt es da doch eine Menge zu berichten. Was ist zum Beispiel mit der Mutter, hat sie nicht auch maßgeblich Einfluss auf ihre Kinder Heinrich, Thomas, Julia, Carla und Viktor gehabt? Genau dem geht Dagmar von Gersdorff in der Biographie „Julia Mann, Die Mutter von Heinrich und Thomas Mann“ nach.

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Julia Mann wird als Julia da Silva-Bruhns an der Südküste Brasiliens geboren. Zwischen Zuckerrohrplantagen und Sandstränden wächst sie in Rio de Janeiro auf, bis sie ein Jahr nach dem Tod ihrer Mutter auf Wunsch ihres Vaters nach Deutschland geschickt wird. Dort besucht sie ein Internat, lernt höfliche und korrekte Umgangsformen, spielt Klavier, singt und komponiert, verfasst Geschichten und Erzählungen. Als sie mit 18 Jahren den rational orientierten Lübecker Kaufmann Thomas Johann Heinrich Mann heiratet, bringt sie zum ersten Mal musikalischen und schriftstellerischen Geist in eine Familie, die sich sonst eher mit nüchternen Zahlen umgibt. Sie ist es, die ihr kreatives Talent an die Kinder weitergibt und diese ihr Leben lang fördern wird. Dabei ist es kein einfaches Leben, das zwar von finanziellen Sorgen relativ frei bleibt, aber dafür andere Schicksalsschläge bereithält. Beginnend mit dem frühen Tod des Familienvaters, über die Rivalität der beiden Söhne, bis hin zum Selbstmord ihrer jüngsten Tochter Carla.

Dagmar von Gersdorff schreibt klar und präzise, dabei durchaus auch spannend von einer Frau und Mutter, die gleichzeitig viel Stärke und Kraft wie auch Sanftheit ausstrahlt. Jedem Kapitel sind Zitate der Manns vorangestellt, die den Inhalt aufgreifen, aber auch innerhalb des Textes finden sich fortlaufend passende und wohl gewählte Ausschnitte aus teils autobiographischen Texten, Erzählungen und Briefen der Manns. Das Leben von Julia Mann zu verfolgen, ihr Ansinnen zu verstehen, ihre Zweifel und Sorgen zu spüren ist nicht nur interessant, sondern auch mitreißend zu lesen. Dabei lässt diese Biographie eine neue Seite, eine neue Perspektive auf die Familie Mann zu, indem Julia Mann im Fokus steht. Zwar nicht immer, denn vor allem Heinrich und Thomas Mann nehmen einen erheblichen Teil des Buches ein, aber doch ist es eine Art Zusammenspiel, eine Familiengeschichte und doch keine. Julia Mann näher kennenzulernen und dabei gleichzeitig tief ins Innere, in den sensiblen Kern der Familie Mann einzutauchen ist das, was diese großartig zusammengestellte und umfassend recherchierte Biographie ausmacht.

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Geschenkidee: Peter Tschaikowsky „Der Nussknacker“ | Illustriert von Jessica Courtney-Tickle

Es ist schon ewig her, seitdem ich „Der Nussknacker“ als Ballett im Theater gesehen habe, aber ich kann mich noch ganz genau an die von Peter Tschaikowsky komponierte Musik, die klingelnd in den Ohren tanzt, erinnern. Sie ist so herrlich weihnachtlich, dass man sofort in diese Stimmung verfällt, in der man sich satt und zufrieden unterm Tannenbaum wähnt, den Duft von Orange, Zimt und Wald in der Nase, während die Familie im Raum is(s)t und im Hintergrund leise Musik läuft. (So die romantische Tschaikowsky Vorstellung, in Wahrheit sieht es wahrscheinlich – wie wir alle wissen – eeeetwas anders aus.) Die Grundidee, also die Geschichte, stammt von E.T.A. Hoffmann, die 1816 unter dem Titel „Nußknacker und Mausekönig“ erschienen ist. Ein Kunstmärchen, in dem das Weihnachtsspielzeug – allen voran der Nussknacker, den die Hauptfigur vom Paten Drosselmeyer geschenkt bekommt – nachts ein Eigenleben entwickelt, das es mittlerweile in vielfacher und abgewandelter Form gibt. So auch das Musik-Bilderbuch des Nussknackers, welches von Jessica Courtney-Tickle illustriert worden ist.

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In dieser Ausgabe wird die Geschichte des Nussknackers anders, aber nicht komplett neu erzählt. So, dass auf jeder Doppelseite passend die Musik von Tschaikowsky abgespielt werden kann, in dem auf eine Note im Buch gedrückt wird, die den kleinen auf der letzten Seite eingebauten Lautsprecher aktiviert. (Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wie Musik-Bilderbücher funktionieren, aber so würde ich das jetzt mal laienhaft beschreiben.) Zum Beispiel ertönt die Ouvertüre aus dem 1. Akt auf der ersten Doppelseite, auf der die Geschichte beginnt. Der letzte Satz lautet: „Es klopft! Wer steht vor der Tür?“, anschließend kann die Note gedrückt werden und die Ouvertüre ertönt. Auf der nächsten Seite betritt der Taufpate Onkel Drosselmeyer das Wohnzimmer, im Arm ein verpacktes Geschenk. Dazu kann wieder die passende Note gedrückt werden und Musik ertönt. So das Prinzip des Buches, was auf jeder Doppelseite ähnlich fortgeführt wird.

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aus Peter Tschaikowsky „Der Nussknacker“ | Illustriert von Jessica Courtney-Tickle

Auf diese Weise wird „Der Nussknacker“ als Geschichte kindgerecht erzählt und gleichzeitig ein interaktives Beisammensein kreiert. Es macht großen Spaß durch das Buch zu blättern, die Geschichte zu verfolgen und gleichzeitig die passende Musik zu hören. Besonders schön sind auch die Illustrationen von Jessica Courtney-Tickle, es ist eine wahre Freude sie sich anzuschauen. Die Gesichter wirken lebendig, die Farben leuchten und alles wirkt wie in ein weihnachtliches Licht gehüllt, ohne dabei zu dick aufzutragen. Auch bin ich ein bisschen sehr begeistert von den „kleinen“ Details wie Onkel Drosselmeyer, der Tschaikowsky verdächtig ähnlich sieht und der Vielfalt der Figuren. Es ist ein fröhliches, ein liebevolles, ein buntes Miteinander und wirkt dabei ganz zwanglos, als ob es das natürlichste auf der Welt wäre, dass alle Menschen, egal welcher Herkunft, gemeinsam das Weihnachtsfest feiern. Das sollte so sein, entspricht aber leider nicht immer der Realität – und deshalb liebe ich diesen Aspekt der Vielfalt und des respektvollen Miteinanders in dieser Art der Interpretation und Illustration der Geschichte sehr. Ein Kritikpunkt: Die Hauptfiguren sind dennoch alle weiß.

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aus Peter Tschaikowsky „Der Nussknacker“ | Illustriert von Jessica Courtney-Tickle

Auf der letzten Seite gibt es dann noch die Möglichkeit etwas mehr über den Komponisten Tschaikowsky zu erfahren, wie auch über die Instrumente, deren Zusammenspiel die Musik erst lebendig werden lässt, sodass daraus ein wohlklingendes Stück werden kann. Auch können dort alle Stücke einzeln angehört werden, immer nur ein paar Sekunden, aber so, dass ein Eindruck, ein Gefühl für die Musik entsteht.

 

 

 

Man liest glaube ich heraus, dass ich begeistert bin und finde, dass „Der Nussknacker“ ein ideales Geschenk zu Weihnachten ist – für groß und klein!

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