Mut zum Schreiben

Ich habe mal in einem Beitrag gelesen, dass es sehr viel Mut kostet, die Dinge aufzuschreiben wie sie sind, über das eigene Leben zu berichten und dabei ehrlich mit sich selbst zu sein. Der Beruf des Autors/der Autorin ist somit also einer der mutigsten überhaupt – und dabei riskiert man nicht in einem risikoreichen Stunt sein eigenes Leben, aber man gibt eine ganze Menge preis – über sich, seine Gedanken, wie man die Welt sieht und wie es überhaupt so aussieht, da in einem drin. Oft bewusst, oft auch unbewusst, denn wie das Geschriebene letztlich bei dem/der LeserIn ankommt, ist ja auch wieder eine ganz andere Geschichte. Und genau das ist der Punkt.Processed with VSCO with t1 preset Mittlerweile bekomme ich häufiger Nachrichten, die zum Teil auch (unabsichtlich) beleidigend sind und ich könnte jetzt sagen, dass mir das nicht nahe geht und ich völlig gelassen auf den Papierkorb klicke, um anschließend anderen Dingen nachzugehen, aber: dem ist nicht so. Ich lese alles. Einmal, zweimal, dreimal. Vielleicht habe ich es nur nicht richtig verstanden? Denn, ganz ehrlich, wer nimmt sich wirklich so viel Zeit, um Beleidigungen an fremde Menschen zu verschicken? Die erschreckende Erkenntnis: einige. Da sitzen wirklich Menschen an ihren PCs, Tablets oder Handys und formulieren seitenlange Texte an MICH, obwohl ich bloß ein paar Zeilen auf meinem eigenen Blog veröffentliche, die persönlich sind, die meiner eigenen subjektiven Wahrnehmung entsprechen und anderen passt das nicht. (Niemand ist gezwungen hier irgendetwas zu lesen. Das nur mal so nebenbei.) Und ja, ich fange dann an mich zu hinterfragen. Selbst wenn auf 100 positive Nachrichten eine negative kommt, diese eine Nachricht wiegt schwerer. Das Hinterfragen an sich ist daher eigentlich eine ziemlich blöde Sache, denn da gerät man schnell in einen Gedankenstrudel, in dem man kein gutes Haar an sich lässt. Das Gute daran ist aber, mit der Zeit lernt man, stärker zu werden, darüber zu stehen, zwischen den Zeilen die Unsicherheit in den zugesandten Nachrichten zu entziffern und sich zu sagen: es ist trotzdem gut, was ich mache, solange es MIR gefällt.

Wenn ich nun daran denke, welche Bücher ich schon alle gelesen habe und dass selbst in der größten Fiktion auch immer ein wenig Realität, ein Funken Wahrheit, zumindest aber ganz viel von der Person, die das geschrieben hat, steckt, dann habe ich den aller allergrößten Respekt vor den AutorInnen, die so etwas leisten. Die sich mit Worten ausziehen, die ihre Schutzhülle, ihren Panzer in Sätzen und Zeilen ablegen und ihre Rüstung gegen ein seidenes Kleid aus Buchstaben eintauschen. Und das, das sollte immer bedacht werden. Dass man nicht immer einer Meinung mit dem/der VerfasserIn ist: klar! Es sind ja auch unterschiedliche Leben, die da gelebt werden. Aber muss man deswegen beleidigende, ausfallende, unangemessene Kommentare oder Nachrichten schreiben? Muss man deswegen Buchbesprechungen verfassen, die unter die Gürtellinie gehen und Autor oder Autorin persönlich angreifen? Nein! Denn das, das sagt am wenigsten etwas über die AutorInnen aus, aber ganz viel über die Person, die beleidigende Zeilen schreibt.

[Nachgedacht] über diese ach-so-besinnliche Weihnachtszeit

Oh, du besinnliche Weihnachtszeit. Jedes Jahr zu Weihnachten frage ich mich, warum sind Menschen so? Ellenbogen ausgefahren, stur geradeaus, meckernd über zu langsame Verkäufer*innen, nicht passendes Geschenkpapier und generell, muss das ja alles perfekt sein, weil unperfekt geht gar nicht. Ist ja Weihnachten. Eh, genau, Weihnachten. Das Fest der (Nächsten)liebe. Aber irgendwie scheint es, als sei das ein wenig aus der Mode gekommen. Denn um andere zu lieben, muss man auch erst einmal sich selbst lieben oder zumindest mögen und ja, das ist nicht immer einfach. Gerade zu Weihnachten steigt die Erwartungshaltung an sich selbst und andere. Das Zuhause weihnachtlich dekorieren, Plätzchen backen, Weihnachtsfeier hier, Weihnachtsfeier da, Weihnachtsessen planen, Geschenke kaufen, Geschenke basteln, alles schön verpacken (…) und oha, schon ist der Stress vorprogrammiert und die Erwartungshaltung explodiert.

Die Sache ist die: man kann und muss nicht immer alles schaffen. Das ist eben das Leben, dass da immer mal was dazwischenfunkt. Arbeit, Krankheit oder auch einfach das sehr gut nachvollziehbare: ich brauche eine Pause. Und, wieso auch nicht? Viel wichtiger ist es doch, einfach beisammen zu sein (oder auch mal alleine sein zu dürfen), eine schöne Zeit zu haben, mal kurz die Sorgen vergessen zu können (und sich nicht noch mehr Sorgen machen zu müssen). Es folgen also ein paar Tipps, um gut durch die Weihnachtszeit zu kommen, ohne sich verrückt zu machen.

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  • Das mit den Geschenken einfach mal beiseiteschieben, es gibt so viel Wichtigeres.
  • Welt aus, Buch an. Gerne auch mal einen Besuch auf dem Weihnachtsmarkt absagen, wenn man merkt: das wird zu viel.
  • Nicht.Stressen.Lassen. Und stattdessen Schöne Bescherung und Verrückte Weihnachten schauen. Der Grinch, Santa Clause, Kevin allein zu Haus, Versprochen ist Versprochen und Tatsächlich Liebe wären auch noch so eine Option. (Oder Stirb Langsam, für die ganz harten Fälle.)
  • Man muss nicht auf jede Weihnachtsfeier. Echt nicht.
  • Plätzchen und Stollen backen statt den Samstag im Einkaufsgewimmel zu verbringen.
  • Verkäufer*innen und Post/Paketbot*innen lieber anlächeln als grummelig zu sein, auch wenn die Post gerade länger dauert und man eine halbe Stunde in der Schlange steht. Sie machen auch nur ihren Job und haben genauso Sorgen, Ängste, Kummer und mal einen schlechten Tag wie jeder andere auch.
  • Ehrenamtlich tätig sein, z.B. Kindern in der Stadtbücherei vorlesen.
  • Weihnachtskarten an Freunde schreiben, mit denen man über das Jahr weniger zu tun hatte.
  • Einen krummen Weihnachtsbaum adoptieren, an dem man mindestens genauso viel Freude hat wie an einem perfekt gewachsenen.
  • Essen für die Tafel und Tiernahrung für das örtliche Tierheim spenden.
  • Mit jemandem telefonieren, mit dem man schon länger nicht mehr gesprochen hat, das aber schon längst mal wieder hätte tun wollen.
  • Eine Weihnachtsgeschichte lesen.
  • Sich bewusstmachen, worum es um Weihnachten eigentlich geht und Konsum sowie Perfektionswahn möglichst streichen (wer hier streicheln liest, das ist auch gut).

Das sind nun wirklich keine besonders einfallsreichen Tipps, aber manchmal, da muss man sich selbst vielleicht noch einmal daran erinnern, was wirklich wichtig ist. Die Familie, Freunde, Beisammensein und dass es einem mit dem, was man tut, gut geht.

Kleines Plädoyer gegen Neid, Missgunst und Wettbewerbsdruck

Ich bin kein Freund von Wettbewerben. In Wettbewerben muss man sich vergleichen. Wenn man sich vergleicht, fängt man automatisch an, darüber nachzudenken, wer oder was besser und wer oder was schlechter ist. Das alleine ist schon eine Sache, die mir gegen den Strich geht, (weil jeder seine eigenen Stärken und Schwächen hat), aber noch schlimmer finde ich das Resultat daraus: Neid und Missgunst. Natürlich bin ich nicht strikt gegen Wettbewerbe und Ehrungen. Manche Dinge und Menschen haben es schlichtweg einfach verdient, mehr Anerkennung für ihr Können und ihre Leistung zu erhalten. Doch leider schwingt auch immer irgendwo dieser Neid mit, der zwar menschlich, aber doch so falsch ist.

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Mit 6 oder 7 Jahren gewann ich meinen ersten und einzigen Goldpokal – und das völlig „unabsichtlich“ im Sinne von: ich hatte keine Ahnung, dass es ein Wettbewerb war. Einmal im Jahr in der ersten Sommerferienwoche fanden bei uns die „Ferienspiele“ statt. Eine Woche Bespaßung für Grundschulkinder mit kleinen Ausflügen und Verpflegung, u.a. Schwimmbadbesuche oder Fahrten an den See, ein Aktionstag bei der hiesigen Feuerwehr oder des Countryclubs (ja, ich weiß, wie das klingt, aber es war toll!), bei schlechtem Wetter ging es auch mal ins Kino und und und. Das Highlight und gleichzeitig das Ende der Ferienspiele bildete der Freitag mit Minigolfen und anschließendem Camping. Was ich damals noch nicht wusste: das Minigolfen (später auch Kegeln) sollte bewertet werden. Je nach Alter gab es unterschiedliche Schwierigkeitsstufen und unsere erwachsenen Aufpasser schrieben die Punkte auf, die später ausgewertet wurden. Die drei mit der höchsten Punktzahl gewannen dann einen Minigolfpokal in ihrer jeweiligen Stufe bei der abendlichen Siegerehrung. Ich hatte an dem Tag eine ganze Menge Spaß gehabt und mich sehr gefreut, dass ich viele Punkte geholt hatte, aber mir war überhaupt nicht bewusst gewesen, dass ich dafür etwas gewinnen könnte. Umso überraschter war ich nun, als ich plötzlich mit einem goldglänzenden Pokal in der Hand dastand. Für einen Moment war ich unheimlich stolz und glücklich, doch auf dem Heimweg redete meine Freundin kein Wort mehr mit mir. Anstatt sich mit mir zu freuen, war sie sauer auf mich, weil ich einen Pokal und sie lediglich eine Urkunde bekommen hatte. Und ich, ich verstand die Welt nicht mehr, versuchte zu erklären, dass ich nicht mit Absicht gewonnen hätte und sie deswegen doch nicht gleich weniger wert sei, ich hätte einfach nur Glück gehabt, aber sie hörte gar nicht richtig zu. Wir haben uns später wieder vertragen und ich weiß, dass sie das absolut nicht böse gemeint hat, sondern einfach nur traurig war, aber doch hat mich dieses Ereignis geprägt. Vor allem, weil ich nicht weiß, ob ich nicht vielleicht genauso wie sie reagiert hätte?

Heute steht der Pokal immer noch bei meinen Eltern in einer Vitrine, er sollte dort aber alleine bleiben. Ich beschloss, nie wieder etwas zu gewinnen und stand fortan Wettbewerben misstrauisch gegenüber. Sie spiegeln ganz einfach häufig nur eine Momentaufnahme wieder. Nicht mehr und nicht weniger. Ähnliches gilt für Schulnoten. (Generell ist die Schule ein einziger großer Wettbewerb.)

Ich kam in die zehnte Klasse einer Gesamtschule. Es ist die Zeit, in der sich alles für deine weitere Zukunft entscheidet. Alles ist ein einziger Kampf um gute Noten und Anerkennung. Für mich war es zum Teil sehr hart mit einer chronischen Erkrankung, irgendwie immer noch mitten in der Pubertät steckend und trotzdem darauf hinarbeitend, einen guten Abschluss zu machen. (Damit will ich nicht sagen, dass andere nicht auch ihre Probleme gehabt haben!) Mathe fiel mir dabei besonders schwer. Zahlen waren mir fremd, ich konnte mit ihnen nichts anfangen. Die Logik und das Verständnis dafür setzten sich einfach nicht in meinem Kopf fest. Egal, wie viel ich auch lernte. Unglücklicherweise hatte unsere neue Mathelehrerin da so ein System uns zu zeigen, dass wir uns mehr anstrengen müssten. Wöchentlich gab es sogenannte „Tägliche Übungen“, kurz „TÜs“. Diese TÜs bestanden aus zehn Kopfrechenaufgaben, für die wir je eine halbe Minute Zeit hatten. Das überforderte mich und es hagelte schlechte Noten. Nicht, dass das schon schlimm genug gewesen wäre. Nein, die Noten wurden laut und namentlich vor der gesamten Klasse, manchmal auch der gesamten Stufe (wenn wir mal wieder alle zusammen in der Aula Matheunterricht hatten) vorgelesen. Nach meiner ersten „ungenügend“ trotz Nachhilfe verkroch ich mich heulend in meinem Bett und wollte nie wieder in die Schule gehen. Mitschüler tuschelten offensichtlich über mich, erzählten es zuhause ihren Eltern, die wiederum nichts Besseres zu tun hatten als dies ebenso weiterzutratschen. Oh, dieses Dorf! Die schlechten Noten in Mathe wirkten sich fortwährend auf mein gesamtes (Schul-)Leben aus. Es belastete mich so sehr, dass ich in allen Fächern deutlich abrutschte und lernen für mich zur Qual wurde. Das wurde ich nie mehr los.

Um auf den Punkt zu kommen, Noten sind subjektiv. Sie sagen nur teilweise etwas über das tatsächliche Können eines jeden aus. Man „braucht“ sie, um vergleichbar zu sein. Nicht aber, um tatsächlich etwas über den Menschen aussagen zu können. Nirgends steht neben der drei in Englisch, dass man zuvor mehrere Wochen im Krankenhaus verbracht hat und dass man es trotz fehlenden Unterrichtsstoffes geschafft hat, eine einigermaßen gute Note zu erlangen, die, so gesehen eine eins wert wäre. Nirgends steht geschrieben, dass einen Mitschüler|innen gemobbt haben und dass es da natürlich schwerfällt sich zu konzentrieren, wenn man in der Pause mit dreckigen Schwämmen beworfen wird und praktisch 45 Minuten Unterrichtszeit nur daran denkt, wie man dem bestmöglichst aus dem Weg gehen kann. Nirgends steht geschrieben, dass manche Lehrer|innen dich absichtlich schlechter bewerten, weil sie der Meinung sind, dass du zu viel Zeit im Unterricht gefehlt hast und sie es nicht so aussehen lassen wollen, als würden sie dich bevorteilen. Eine Note bleibt eine Zahl bleibt ein logisch messbares Ding, gibt aber wenig Auskunft darüber, wie viel man wirklich kann.

Schlechte Noten oder das Nicht-gut-genug-sein-Gefühl, wenn man bei einem Wettbewerb nicht auf den vordersten Plätzen landet, wirken sich negativ auf das eigene Selbstwertgefühl aus. Nicht nur, weil man sich selbst Gedanken darüber macht, warum man nicht gut genug sei, sondern vor allem, weil einem andere dieses Gefühl geben. Dabei ist das so unsinnig und unnötig! Jeder hat seine Stärken und Schwächen. Der eine weiß sie gekonnt einzusetzen, der andere vielleicht nicht, aber dieser permanente Leistungsgedanke da draußen, der geht mir so sehr gegen den Strich! Wir sind alle auf unsere eigene Art und Weise toll und einzigartig toll! Wir müssen aufhören, uns mit XY zu vergleichen, zu schauen, wer wie wo was macht und wenn es jemand „besser“ macht, dürfen wir nicht denken, der|die macht es besser, nein, er|sie macht es nur anders gut. Und wir müssen lernen, anderen etwas zu gönnen. Das ist wichtig! Nicht nur im „echten Leben“, sondern vor allem auch im Internet! Jeder darf machen, was ihm|ihr Spaß macht und wenn er|sie das gut kann, wieso das dann nicht auch mal sagen und anerkennen? Aus Angst, man könne dann selbst in Vergessenheit geraten? Ach was! Auch wenn ich mich wiederhole, aber jeder ist einzigartig gut. Punkt. Ausrufezeichen. Mehr braucht es nicht, um zu verstehen, dass der Mensch zählt, nicht die Note, nicht der Platz und erst recht nicht die Followerzahl.